Erklärung zum Krieg in der Ukraine

von ChessBase
03.03.2022 – Der Angriff Russlands auf die Ukraine, der für die Menschen in der Ukraine unendlich viel Leid, Tod und Zerstörung mit sich bringt, hat überall, auch in der Schachwelt, für großes Entsetzen gesorgt. Thomas Weischede hat im Namen der Emanuel-Lasker-Gesellschaft eine Erklärung verfasst. ChessBase ist Mitglied der Emanuel-Lasker-Gesellschaft und schließt sich der Erklärung uneingeschränkt an.

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Die ELG verurteilt die militärische Invasion in die Ukraine. Dieser Überfall ist keine Alternative zu einer diplomatischen Lösung, sondern ein brutaler Akt der Aggression, der nur unermessliches Leid verursachen wird. Es ist ermutigend, dass viele Schachfreunde aus allen Nationen, auch viele unserer russischen Schachfreunde, offen diese Eskalation verurteilen und ein sofortiges Ende dieses Krieges fordern. Dem kann sich die ELG nur vollumfänglich anschließen. Möge der Diplomatie noch ein Ausweg aus dieser Situation gelingen.

Die Ukraine ist Teil der europäischen Kulturgemeinschaft und ein führendes Land des Schachs, dessen Werte weltweit für Toleranz, Chancengerechtigkeit und Zivilcourage stehen. Das Schach kennt keine Ausgrenzungen, sondern nur Schachfreunde, die sich im friedlichen Wettstreit miteinander begegnen. Mehrfach, nämlich 2004, 2006 und 2010, hat die Ukraine bei den Männern oder Frauen die Schacholympiade gewonnen. 1992, 1996, 2008, 2016 und 2018 errang sie dort Silbermedaillen sowie 1998, 2000, 2012, 2014 und 2016 Bronzemedaillen. Zahlreiche Schachgroßmeisterinnen und Schachgroßmeister aus der Ukraine gehörten oder gehören zur absoluten Weltelite. Die Schachspieler dieser zu Recht stolzen Nation sind allesamt Botschafter eines friedliebenden und kultivierten Volks und vermitteln überall die vorgenannten positiven Werte des Schachs, die eigentlich auch in der Schachnation Russland einen hohen Stellenwert haben sollten, aber dort durch den brutalen Überfall auf das ukrainische Brudervolk gerade in einer vorher undenkbaren Weise überlagert werden. Der Respekt der ELG gebührt gerade deswegen auch allen Schachfreunden in und aus Russland, die den Mut haben, gegen diesen Überfall offen einzutreten.

Die ELG ist selbst dem Andenken an einen jüdischen Weltbürger deutscher Herkunft gewidmet, der -geboren im heutigen Polen- im Herbst seines Lebens erst vor dem Nazi-Terror aus Hitler-Deutschland in die Sowjetunion und dann vor dem dortigen Terror des Stalin-Regimes in die USA emigrieren musste. Seine letzten Apelle im Lichte der Schrecken des Zweiten Weltkrieges zielten kurz vor seinen Tod am 11. Januar 1941 in New York darauf ab, für eine bessere Gemeinschaft der Zukunft einzutreten, in der für Krieg kein Platz mehr ist. Diese Botschaft ist zeitlos. Diesem Aufruf fühlt sich daher auch die ELG ständig verpflichtet. Erst vor kurzem hat die ELG mit dem Tartakower noch einen neuen Preis für Schachmedien ins Leben gerufen, dessen Namensgeber nicht nur ein genialer Schachkommentator und überaus erfolgreicher Schachspieler war, sondern der diese Werte des Schachs im Zweiten Weltkrieg als Mitglied des französischen Widerstands aufopferungsvoll und mutig gelebt hat. Nun drohen erneut finstere Zeiten, in denen sich solche Fragen stellen. Zu Recht wird daher der 24. Februar 2022 als „dunkelster Donnerstag“ in die Europäische Geschichte eingehen.

Die ELG kann nur hoffen, dass dieser Konflikt alsbald ein friedliches Ende findet und schließt sich deswegen den weltweiten Protesten und Appellen an, die in der gesamten Schachwelt gegen diesen Überfall bereits formuliert wurden. Nicht nur im Schach, sondern überall auf diesem Planeten haben solche durch nichts, aber auch gar nichts zu rechtfertigenden Gewalttaten keinen Platz. Die aktuelle Generalsekretärin der FIDE, die von der ELG erst vor kurzem mit einem Viktor ausgezeichnet wurde, hat dies zu Recht betont. Es ist daher auch nur folgerichtig und begrüßenswert, dass der Weltschachbund sich dazu entschlossen hat, die nächste Schacholympiade aus Russland heraus zu verlegen und sich von russischen Sponsoren zu trennen.

Die ELG hat mit dem Projekt chess4europe in 2021 bereits eine Initiative gestartet, die symbolisieren sollte, wie solche Konflikte in Europa, die es bis zum Zweiten Weltkrieg auch dort gab, durch kulturellen Austausch dauerhaft überwunden werden konnten, damit aus vormaligen Feinden dauerhaft Freunde werden. Frankreich und Deutschland sind dafür das beste Beispiel, das weltweit Schule machen sollte. Der Überfall auf die Ukraine hat diese gefestigten Freundschaften in Europa noch einmal eindrucksvoll bekräftigt. Die europäischen Staaten sind so geeint wie nie und bereit, dem europäischen Volk der Ukraine in ihrer Not beizustehen.

Vor diesem Hintergrund appelliert die ELG daher an die russische Führung: „Teilt die Werte des Schachs mit uns und lasst sofort die Waffen ruhen. Gewalt ist keine Lösung. Habt die Einsicht und den Mut, Euch auf konstruktive und unbedingte Friedensverhandlungen einzulassen, in der Ihr der unabhängigen Ukraine den brüderlichen Respekt erweisen möget, den Ihr von dieser Nation für Euch selbst erwartet.“

Berlin, den 01. März 2022

Thomas Weischede für die ELG

Erklärung auf der Seite der Emanuel-Lasker-Gesellschaft...