Erklärungen zum Kopftuchzwang

von André Schulz
18.10.2016 – Die Entscheidung des Weltschachbundes, die nächste Frauen-Weltmeisterschaft im Iran ausrichten zu lassen, sorgte in den sozialen Medien und in der breiten internationalen, aber auch deutschen Presse für Empörung. Im Iran müssen sich Frauen, gleichgültig welcher Religion sie angehören, den Vorschriften des Islam unterwerfen und in der Öffentlichkeit, also auch während des Turniers, ein Kopftuch tragen. Herbert Bastian gab für den Deutschen Schachbund eine offizielle Erklärung ab und bringt zudem eine Stellungnahme der FIDE zur Kenntnis. Mehr...

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Die Entscheidung der FIDE, die kommende Schachweltmeisterschaft, die als Turnier im K.o.-Modus gespielt wird, an den Iran zu vergeben, schlug in den sozialen Netzwerken und in den Medien hohe Wellen und sorgte für viele emotionale Reaktionen. Der Grund dafür ist die durch den Islam begründete Vorschrift für Frauen im Land, gleich ob sie Muslimas sind oder nicht, ein Kopftuch zu tragen. Zudem ist es unverheirateten Frauen verboten, sich alleine im gleichen Raum mit einem Mann aufzuhalten. Die US-Meisterin Nazi Paikidze erklärte auf der Plattform Twitter als Erste öffentlich ihren Verzicht und wurde von zahlreichen Medien der Massenpresse zitiert, portraitiert und interviewt. Paikidze begründete ihren Boykott auch politisch: Das US-Außenministerium warnt US-Bürger vor Reisen in den Iran.

Frauen Grand Prix in Teheran

An der FIDE prallte die öffentliche Reaktion ohne Wirkung ab. Man verwies darauf, dass bei allen Turnieren die Gesetze und Regeln des Gastlandes zu achten seien.

Der Deutsche Schachbund ist auf zweifache Weise betroffen. Zum Einen gehört Herbert Bastian als Vizepräsident dem Präsidium an und hat damit die Entscheidung des Präsidium mitzuverantworten. Zum Anderen nimmt mit Elisabeth Pähtz eine deutsche Spielerin an der Weltmeisterschaft in Teheran teil. In deutschen Medien wurde der Deutsche Schachbund deshalb angegriffen, verbunden mit dem Vorwurf, er ließe seiner Spielerinnen im Stich.

Herbert Bastian

Auf Anfrage gab DSB-Präsident Herbert Bastian eine offizielle Stellungnahme für den Deutschen Schachbund ab:

 

Das Präsidium des Deutschen Schachbundes hat sich nach Aufkommen des Themas am 30.9. beraten und folgende Stellungnahme dazu verfasst: Das Präsidium des Deutschen Schachbundes nimmt die Entscheidung über die Ausrichtung der Frauen-WM und die Bedingungen des Ausrichters zur Kenntnis. Es ist letztlich eine persönliche Entscheidung jeder Teilnehmerin, ob sie sich diesen Regelungen unterwirft. Hier kann und will das Präsidium seine Spitzenspielerinnen nicht bevormunden.

Weiterhin ist festzuhalten, dass jedwede Form von Verhaltensvorschriften immer in die Persönlichkeitsrechte eingreift. Wer sich durch die Einhaltung diskriminiert fühlt, dem steht es frei, teilzunehmen - oder eben nicht. Der Schachsport will den Dialog der Kulturen fördern. Deshalb müssen Veranstaltungen auch in Ländern stattfinden können, die für die westliche Welt mitunter fremde kulturelle Gewohnheiten vertreten. Nachdem es auf dem FIDE-Kongress in Baku zu keinerlei Protesten kam, gehen wir davon aus, dass die Thematik in der Frauenkommission der FIDE zur Sprache kam und die Wünsche der Spitzenspielerinnen dabei Berücksichtigung gefunden haben.

Elisabeth Pähtz als einzige in Frage kommende deutsche Teilnehmerin hat bereits schriftlich erklärt, dass sie die Kopftuchpflicht nicht als Grund für eine Nichtteilnahme ansieht. Als problematisch schätzt sie aber ein, dass sich kein männlicher Trainer mit einer Spielerin auf ihr Zimmer begeben kann, wenn sie nicht mit ihm verheiratet ist.

 

Eigentlich hätte die Weltmeisterschaft schon in diesem Oktober stattfinden sollen. Nachdem aber Weltmeisterin Yifan Hou, aus Unzufriedenheit über den Modus, ihren Rückzug aus dem laufenden Grand Prix Zyklus und ihre Nichteilnahme an der K.o.-Weltmeisterschaft erklärt hatte, fand sich offenbar kein Ausrichter. Während der Präsidiumssitzung am Rande der Schacholympiade in Baku sprang offenbar spontan der Iranische Schachverband als Ausrichter ein.

Zur Frage, inwieweit er als Vizepräsident der FIDe involviert war, erklärte Herbert Bastian:

Als die Entscheidung in Baku getroffen wurde, war ich nicht im Saal anwesend. In den Unterlagen gab es keinen Hinweis auf den Iran als möglichen Ausrichter. Wie ich inzwischen erfahren habe, soll das (während meiner kurzzeitigen Abwesenheit) spontan entschieden worden sein. Die FIDE hatte die Ausrichtung wegen des Fehlens eines Ausrichters bereits auf 2017 verschoben. Wie mir mitgeteilt wurde, hat sich ein Vertreter des Iran in der Versammlung gemeldet und angeboten, die Ausrichtung zu übernehmen. Dies wurde ohne Widerspruch akzeptiert.

 

Der DSB-Präsident gab zudem eine Erklärung vom FIDE-Präsidiumsmitglied Nigel Freeman in dieser Angelegenheit zur Kenntnis, die dieser als Antwort auf eine Anfrage des DSB geschickt hatte:

Nigel Freeman


During the FIDE General Assembly in Baku 2016 the chess Federation of Iran was awarded the organization of the Women’s World Chess Championship in Tehran in February 2017. Iran was the only country which made a proposal to host the event and since there were no objections from any of the delegates (representatives of 159 national federations), the General Assembly accepted the proposal.

Iran has also hosted a number of top international chess events in the recent past such as:

The Asian Women's Championship 2007 in Tehran (see link with final standings here http://chess-results.com/tnr7855.aspx?lan=1&art=1&flag= )

The Asian Women's Championship 2011 in Mashdad (see link with final standings here http://chess-results.com/tnr49119.aspx?lan=1&art=1&rd= )

In February 2016 the Iranian Chess Federation successfully organized the FIDE Women Grand Prix event in Tehran. You can check more information about the event at tehran2016.fide.com . All the above events, and many more smaller ones, have been organised at a very top level by the very experienced National Chess Federation of Iran.

There were no complaints from the players or officials and everybody respected the laws of the country, including the dress requirements.

At this point in time, there have been no official complaints to FIDE, from any player who is eligible to participate in the Women’s World Championship 2017.

It is not a FIDE regulation or requirement to wear a hijab during the event. I would kindly refer you to local laws or regulations such as wearing the hijab, if you kindly check the UK foreign office website for more information you will find there “You should respect local traditions, customs, laws and religions at all times and be aware of your actions to ensure that they do not offend":

https://www.gov.uk/foreign-travel-advice/iran/local-laws-and-customs

FIDE is nevertheless reviewing all possible solutions for the players’ comfort and will discuss all the issues with the organizers in Iran during meetings in the next few weeks.

 

Zu den Stellungnahmen sei ein Kommentar erlaubt.

Richtig ist, dass der Iranische Schachbund in der Vergangenheit eine Reihe von Frauenturnieren durchgeführt hat und sich dabei als guter Gastgeber erwies. In ihren Erklärungen verlangen der Deutsche Schachbund und die FIDE von den Teilnehmerinnen der Weltmeisterschaft Toleranz gegenüber den - für die überwiegende Zahl der Spielerinnen fremden -  Sitten und Gebräuchen des Gastgeberlandes. Vom Gastgeber wird aber offenbar keinerlei Toleranz gegenüber den kulturellen Gewohnheiten seiner Gäste erwartet. Spielerinnen, die sich auf sportlichem Weg in ihrem Sportverband für einen Wettbewerb qualifiziert haben, dürfen erwarten, dass sie dort unter für sie akzeptablen Bedingungen teilnehmen können. Wenn ein Ausrichter dies nicht gewährleisten kann, sollte er auf die Ausrichtung von internationalen Sportveranstaltungen besser verzichten.

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Schachbund...

Nervana: Iran, chess, and the psychological bullying of non-hijabi defiant women...

 


Themen Kopftuchzwang

André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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Archäopath Archäopath 22.10.2016 11:06
Meines Erachtens müßte die FIDE Mindestbedingungen verabschieden. Dazu gehört die ungehinderte Arbeit mit Trainern gleich welchen Geschlechts und auch der ungehinderte Zugang zum Internet in der Unterkunft (das ist im Iran ja auch ein Problem, wo man es eher mit einem nationalen Intranet zu tun hat). Wenn diese Mindestbedingungen erfüllt sind, muß man aber auch auf landestypische Besonderheiten Rücksicht nehmen. Kopftücher werden auch von nichtmuslimischen Frauen getragen; schon deshalb scheidet eine Unzumutbarkeit hier aus. Insofern finde ich Pähtz' Ansichten vernünftig.
Koyaanisqatsi Koyaanisqatsi 21.10.2016 02:28
Die Erklärung des Deutschen Schachbundes (DSB) erschreckt mich.

Der DSB erweckt den Eindruck, als sei die Teilnahme an der Weltmeisterschaft eine Privat- und Individualangelegenheit. Das ist nicht der Fall. Die deutsche Teilnehmerin, Frau Pähtz, vertritt den DSB.

Dass durch staatliche Maßnahmen Persönlichkeitsrechte verletzt werden, ist als alleinige Tatsache nicht das Problem. Das Problem ist, womit die Verletzung der Persönlichkeitsrechte gerechtfertigt rein könnte! - Gibt es hier um Forum keinen verständigen Juristen, der das besser als ich erklären kann? - Diese Rechtfertigung fehlt m. E. Die Frauen werden unangesehen ihrer Religion und ihrer Nationalität während der Weltmeisterschaft gezwungen, ein religiöses Symbol zu tragen. Dieser ungerechtfertigte Zwang widerspricht westeuropäischen Rechtsvorstellungen wie die der sogenannten negativen Religionsfreiheit.

Was alles versteht der DSB "aus westlicher Sicht mitunter fremden kulturellen Gewohnheiten", die er offenbar bereit ist zu tolerieren? Hierunter könnte auch die Rassentrennung und Menschenrechtsverletzungen fallen.

Dass Herr Bastian bei der Entscheidung für die Austragung der Frauen-WM nicht anwesend war, finde ich bedenklich. Hat sich Herr Bastian so vor einer Entscheidung drücken wollen?
knight100 knight100 21.10.2016 01:48
Was spricht eigentlich dagegen, dass man alle Ressourcen der "Sonderprivileg"-Frauen-WM in den geschlechtsunabhängigen Schachsport steckt? Alle, die nach Geschlechtergleichheit schreien, sollten bei diesem Punkt anfangen. Wenn im Schachsport die Spielstärken der Frauen den Männern ebenbürtig/überlegen sind und sich die "Kopftuchfrage" in (wahrscheinlich ferner) Zukunft erneut stellen sollte, kann man neu diskutieren... Unabhängig von diesem Thema plädiere ich für die Abschaffung ALLER Religionen - diese "Märchengeschichten" dien(t)en nur dem Zweck der Unterdrückung/Ausbeutung von Menschen (Mehrheit) durch andere Menschen (Minderheit).
Superigel Superigel 20.10.2016 07:27
Ist man eigentlich schon mit dem Veranstalter in den Dialog getreten, wie sich die Teilnehmerinnen mit ihren evt. männlichen Trainern, abgeschirmt vorbereiten kann? Wie wurde dies in der Vergangenheit gehandhabt?

Ich bin zwar keine Frau, aber ich würde das Kopftuch aus Respekt vor den Gepflogenheiten des Gastgebers tragen. Es ist ja eigentlich auch ein schönes modisches Assescoir. Mal aus einer unverkrampften Sicht betrachtet.
LG.
Agan Agan 19.10.2016 09:13
Herr Bastian hat eine Chance verpasst und dem deutschen Schach keinen Gefallen getan. Mit einem deutlichen Signal gegen diese Entscheidung hätte er für das deutsche Schach eine positive Medienberichterstattung erreichen können. Statt dessen erklären er und das Präsidium die Weltmeisterschaft praktisch zu einem privaten Open, mit dem der DSB nichts zu tun hat. Jede Spielerin könne ja selbst entscheiden, ob sie teilnimmt. Die Entscheidung versteht kaum jemand. Die ohnehin schon starke Entfremdung zwischen den Vereinsspielern und dem Verband wird dadurch sicher nicht geringer.
Für einen Boykott wäre es noch nicht zu spät. Aber dass das Präsidium die Chancen dafür erkennt, halte ich für unwahrscheinlich. Es gibt ein Sprichwort: "Grausamkeit empört. Dummheit entmutigt." Obwohl die Mitglieder des Präsidiums sicher alle kluge Menschen sind: Ihre Entscheidung ist entmutigend für alle, denen das Ansehen des deutschen Schachsports ein Anliegen ist.
Übrigens: Michelle Obama, Angela Merkel und Hillary Clinton sind in Saudi-Arabien, wo eher noch strengere Vorschriften gelten, ohne Kopftuch aufgetreten. Sie wurden weder gesteinigt noch des Landes verwiesen.
Manarola1 Manarola1 19.10.2016 08:45
Ein religiös motivierter Zwang zu bestimmten Verhaltensformen inkl. Kleiderordnung ist völlig indiskutabel. Die Teilnahme von SpielerInnen aus der westlichen Welt, die sich diesem Diktat beugen, stabilisiert die dortigen Herrschaftsverhältnisse. Die einzige konsequente Haltung ist der Boykott der Teilnahme.
Mclanda Mclanda 19.10.2016 12:34
Jede Spielerin welche etwas auf sich hält sollte diese Schach-WM boykottieren. Wir schreiben das Jahr 2016 und da kann es nicht sein das Frauen ihre Unterwerfung kundtun und eine deutsche Frau gleich gar nicht. Überhaupt eine Schach-WM nach Iran zu vergeben, wo Sitten wie im tiefen Mittelalter herrschen ist ein Unding.
yomic yomic 18.10.2016 09:04
Toleranz ist eine zweiseitige Angelegenheit. Vielleicht ist es irgendwann möglich, dass ausländische Schachspielerinnen bei Turnieren im Iran kein Kopftuch mehr tragen müssen, es aber aus Toleranz trotzdem tun. Jetzt wegbleiben und protestieren wäre die eine Möglichkeit. An dem Turnier teilzunehmen und dadurch die Schachspielerinnen im Iran zu unterstützen ist die andere. Warum positioniert sich DSB und FIDE nicht eindeutiger. Einfach nur zu sagen, wir überlassen die Entscheidung den Spielerinnen, bedeutet letztendlich, die Schachspielerinnen im Iran und außerhalb des Irans alleine zu lassen. Herr Bastian, natürlich entscheidet jede Spielerin (und Spieler) selbst, ob sie (oder er) an einem Turnier teilnimmt oder nicht - was sonst?
Lt Marseille Lt Marseille 18.10.2016 08:44
Ich kann es nur wiederholen: Totalboykott! Aber offenbar haben nicht nur deutsche Schachfunktionäre es verlernt, zu solch menschenverachtenden Regularien klar Stellung zu beziehen. Sie sind vollkommen weichgespült wie viele deutsche Politiker, die sich dann auch noch wundern, wenn sie nicht mehr wiedergewählt werden. Aber: Schachfunktionäre sind nichts Anderes als Politiker - ich habe das 20 Jahre kennenlernen dürfen.
Wenn Frau Pähtz sich der Frauenverachtung durch Kopftuchzwang unterwirft, ist das natürlich ihre persönliche Entscheidung - von charakterlicher Standfestigkeit zeugt das allerdings nicht. Doch Vorsicht, Frau Pähtz: Im Iran gibt es auch die Zwangsheirat! Passen Sie auf, dass Sie nicht plötzlich mit Ihrem Trainer nach der Analyse zwangsverheiratet werden...
sumi2014 sumi2014 18.10.2016 07:16
Vorab sei mir die Anmerkung gestattet, daß ich persönlich den Zwang zum Kopftuch (oder sei es ein Dresscode, z.B. Anzug bei Männern,) zwar durchaus kritisiere,
aber auf der anderen Seite verdachtsunabhängige Dopingkontrollen einen wesentlichen schlimmeren Eingriff in die Persönlichkeitsrechte des Menschen finde.
An der Stelle habe ich den Eindruck, daß die Spielerinnen, die den Zang zum Kopftuch kritisieren, die verdachtsunabhängigen Dopingkontrollen nicht (in gleichem Ausmaß) kritiseren.
Hier stellt sich mir dann doch die Frage der Glaubwürdigkeit.

In Bezug auf Herrn Bastians Äußerung:
Warum muß man sich eigentlich an kulturelle Gewohnheiten halten? Betonung liegt auf muß.
Kulturelle Gewohnheiten haben doch nichts mit Gesetzen zu tun, denn nur an diese muß man sich halten.
Ginge es nur um Kultur, stünde es den Spielerinnen frei, sich auch anders zu entscheiden.

Diese "butterweiche" Formulierung von Herr Bastian ist an Anbiederei der Fide gegebenüber und indirekt dem Iran gegenüber nicht mehr zu überbieten.
Und die Behauptung, wenn sie denn stimmt, daß Herr Bastian nicht mit in die Entscheidung eingebunden war, mag stimmen,
aber jeder mit genügend Erfahrung in solchen Bereichen weiß doch, daß man das seitens der FIDE ("Besuch an dem Tag einfach mal ein Museum oder erhole Dich...") so hingedreht hat,
um Herrn Bastian nicht in die Verlegenheit bringen zu müssen, der Ausrichtung im Iran zustimmen zu müssen.

In Bezug auf die Äußerung des FIDE-Funktionärs:
Natürlich, wenn man die Gesetze (kann man in Bezug auf den Iran überhaupt von Gesetzen sprechen?) anderer Länder nicht anerkennt, sollte man dort
nicht hinreisen.

Deshalb gehört der Iran meiner Ansicht nach radikal boykottiert in jedweden gesellschaftlichen Bereichen ( natürlich auch in der Wirtschaft.)
Dann muß man halt mal auf Aufträge verzichten, so lukrativ sie auch sein mögen.

An diesem Beispiel sieht man mal wieder sehr deutlich, daß die FIDE nicht besonders demokratisch ist. Auch hier wäre meine Ansicht,
die FIDE mit allen Konsequenzen zu verlassen und sich auf deutscher und/oder europäischer Ebene zu organisieren.

Letztlich darf man nicht vergessen, daß alle Vereinsschachspieler in Deutschland die Fide indirekt mitfinanzieren.
lumberjack63 lumberjack63 18.10.2016 05:55
Ich kenne die FIDE-Statuten nicht, aber sollte sich die FIDE der Gleichberechtigung von Mann und Frau verpflichtet haben, scheidet der Iran als Austragungsland aus. Die Spielbedingungen für Männer und Frauen sind dort eben nicht gleich, ebensowenig die Bedingungen außerhalb des reinen Spielbetriebes.
Der Deutsche Schachbund stellt mit seiner lapidaren Auskunft, es könne ja verzichten, wem den Gepflogenheiten des Gastlandes nicht behagen (wer Gleichberechtigung wolle, solle halt verzichten) ist als generelle Aussage äußerst problematisch. Damit stellt er nicht nur die Rechte seiner Mitgliederinnen zur freien Disposition des Veranstalters. Er verletzt meiner Ansicht nach auch seine Schutzpflichten gegenüber Spielerinnen und Trainern.
Etwas mehr Rückgrat würde nicht schaden.
Vielleicht hätte auch ein Blick in die eigene Satzung geholfen. Dort heißt es in § 2 Abs. 1, der Schachbund vertrete die "Gleichberechtigung aller Menschen".
In Abs. 4 verurteilt er zwar "jedwedes Verhalten, das das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung verletzt", scheint das aber locker zu sehen, wenn der Veranstalter Vorschriften erlässt, die diese Selbstbestimmung durch Geschlechtertrennung aufhebt.
Schachspieler2 Schachspieler2 18.10.2016 04:03
Der Iran ist schon ein tolles Land für eine WM:
http://www.bild.de/politik/ausland/iran/zeinab-sekaanvand-lokran-iraner-wollen-kinderbraut-haengen-48266658.bild.html
Elli muss aufpassen, dass Sie ihren Gegnern nicht zu viele Figuren klaut. Diebstahl wird mit dem Abhacken der Hände bestraft.
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