Ernst Bönsch (1931-2024)

von Pressemitteilung
05.02.2024 – Am 3. Februar starb Ernst Bönsch, einer der verdienstvollsten Schachtrainer im deutschen Schach. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam Ernst Bönsch mit seiner Familie als Vertriebener aus Böhmen nach Halle. Dort begann er schon in jungen Jahren als Schachtrainer und übernahm später im Deutschen Schachverband der DDR wichtige Aufgabe. Nach der Wiedervereinigung setzte er seine Arbeit im Deutschen Schachbund fort. Ein Nachruf des Deutschen Schachbundes und ein Portrait von Paul Werner Wagner. | Fotos: Deutscher Schachbund

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† ERNST BÖNSCH

Am 3. Februar 2024 verstarb im Alter von 92 Jahren mit Ernst Bönsch einer der verdienstvollsten Trainer, die der deutsche Schachsport je hatte. Der Deutsche Schachbund verliert einen wertvollen Mitstreiter und wünscht seiner Familie und allen Freunden viel Kraft bei der Bewältigung der Trauer.

Der in Nordböhmen am 19. Juni 1931 geborene Ernst Bönsch mußte mit seiner Familie nach dem Zweiten Weltkrieg die Tschechoslowakei verlassen. Die Familie fand in Halle/Saale ein neues Zuhause. Ernst schloss sich der Sektion Schach der BSG Stahl Halle an, wo er bald einer der besten Jugendlichen wurde. Gleich mehrfach gewann er die Jugendmeisterschaft von Halle.

Dem erst 18-Jährigen wurde die Nachwuchsarbeit für alle Schachvereine der Stadt Halle anvertraut. Sein Weg als zukünftiger Schachtrainer hatte begonnen. Er wurde der erste Schachspieler, der an der Deutschen Hochschule für Körperkultur in Leipzig ein fachspezifisches Studium beginnen konnte. 1955 verfaßte er seine Diplomarbeit unter dem Titel „Zur Methodik des Schachspiels – Ein Beitrag für den außerschulischen Kindersport“.

In Potsdam begann er danach als Diplomsportlehrer im Studentensport zu arbeiten. Hier wurde der Deutsche Schachverband (DSV) der DDR auf ihn aufmerksam und er trat eine Stelle als Referent beim DSV an. Doch schon 1957 zog es ihn zurück nach Halle. Unter seiner Leitung wurde das hallesche Schach zu einem Leistungsschwerpunkt der DDR aufgebaut.

Burkardt Malich, Ernst Bönsch, Heinz Liebert

Von 1970 bis 1990 war Ernst Bönsch in verschiedenen Positionen im DSV tätig, bis 1982 leitete er den wissenschaftlich-methodischen Ausschuss, von 1977 bis 1988 den Trainerrat und ab 1988 war er Generalsekretär und Geschäftsführer. Sein 1985 erschienenes und mehrfach aufgelegtes Buch "Schachlehre: ein Handbuch für Lehrende und Lernende" war ein vielbeachtetes Nachschlagewerk für Schachtrainer und an Wertungszahlen Interessierte.

Nach der politischen Wende wurde sein Fachwissen auch im gesamtdeutschen Schachsport sehr geschätzt. In der Lehrkommission des Deutschen Schachbundes machte er sich bei der Erstellung des Rahmentrainingsplans und der Rahmenrichtlinien zur Trainerausbildung verdient. 2001 baute er im Olympiapark Berlin für den DSB die FIDE-Trainerakademie auf. Für seine zahllosen Verdienste zeichnete ihn der Deutsche Schachbund 2010 mit der Goldenen Ehrennadel aus.

Lieber Ernst, wir werden Dich nie vergessen. Du bleibst immer in unserem Herzen.


Das folgende Portrait veröffentlichte Paul Werner Wagner in seiner Schachkolumne in der Berliner Zeitung. Nachdruck mit freundlicher Genehmigung.

ERNST BÖNSCH

Ernst Bönsch wurde am 19. Juni 1931 in der Kleinstadt Pilnikau (Pilnikov) am Rande des Riesengebirges geboren. Die sudetendeutsche Familie wurde 1946 ausgesiedelt. Auf der Bahnfahrt während der Ausreise brachte ihm ein Schulfreund die Schachregeln bei. In Halle an der Saale fand die Familie eine neue Heimat. Ernst schloss sich der Schachgemeinschaft Stahl an und wurde mehrmals Hallescher Jugendmeister. Mit 18 Jahren übernahm er das Training der Schachjugend der Saalestadt. Als erster Schachspieler absolvierte er ein Studium an der Hochschule für Körperkultur und Sport Leipzig. 1955 verfasst er eine schachbezogene Diplomarbeit und 1977 promovierte er über die spieltheoretische Entwicklung des Schachsports. Bei Wissenschaft Halle, später in Buna Halle umbenannt, baute Bönsch ab 1957 ein Schachleistungszentrum auf.

Als Verbandstrainer führte er die DDR-Frauen in die Weltspitze. Mitte der 1980er Jahre wurde er Verbandstrainer der Männer. Er war Organisator zahlreicher internationaler Schachturniere. Auf der Wissenschaftlichen Konferenz „Schach und Persönlichkeitsbildung“ in Halle 1972 regte Bönsch vehement an, Schach in der DDR stärker zu fördern und als Schulfach einzuführen. Doch schon ein Jahr später verhängte die DTSB-Sportführung das strikte Teilnahmeverbot der Schachspieler an Weltmeisterschaften und Olympiaden. Damit wurde den aufstrebenden Schachtalenten, wie Rainer Knaak, Lothar Vogt, Petra Feustel, Brigitte Hofmann und Annett Michel, der Aufstieg in die Weltspitze verwehrt.

Die Bemühungen von Ernst Bönsch als Nationalmannschaftstrainer, sich weiterhin für die Förderung des Leistungsschachs einzusetzen, musste sich auf Länderkämpfe gegen sozialistischen Bruderländer, auf Teleschach und internationale Turniere in der DDR beschränken. Besonderen Augenmerk legte er auch auf die Förderung des Kinder- und Jugendschachs und auf Schach als fakultatives Unterrichtsfach in Schulen. Sein Buch „Schachlehre – Ein Handbuch für Lehrende und Lernende“ fand weite Verbreitung und wurde gern im Trainingsbetrieb der Schachvereine genutzt. Auf Ernst Bönschs Initiative wurde 1982 an der Deutschen Hochschule für Körperkultur in Leipzig (DHfK) eine Spezialausbildung im Fach Schach eingeführt.

Sein Sohn Uwe Bönsch wurde 1986 Internationaler Großmeister und war von 1997 bis 2013 Schachbundestrainer. Bis ins hohe Alter gab Ernst Bönsch seinen reichen Erfahrungsschatz in der FIDE-Trainerakademie weiter. Am 3. Februar 2024 ist Ernst Bönsch in Berlin verstorben.

Paul Werner Wagner

Nachruf beim Deutschen Schachbund... 


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