Eröffnungen und ihre Namen: Die Sämischvariante

von Gisbert Jacoby
06.12.2017 – Friedrich Sämisch war einer der stärksten deutschen Spieler aller Zeiten und gehörte in den 1920ern zur erweiterten Weltspitze. In die Eröffnungstheorie ist er als Namensgeber der Sämisch-Variante im Nimzo-Inder und des Sämisch-Systems im Königsinder eingegangen. Beim Nimzo-Inder zu Unrecht, wie er selber meint.

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Sämisch verweigert die Vaterschaft

Die Namensgebung von Eröffnungen ist ein wenig beachtetes Thema. Sie ist häufig mehr mit schachpolitischen Ansprüchen verbunden als mit der historischen Wahrheit und bei den Beteiligten löst sie oft große Gefühle von Ehrgeiz und Verletzung aus. Wie oft hat sich der Österreicher Karl Robatsch darüber beschwert, dass der Zug 1…g6 nicht seinen Namen trägt (Die Robatsch-Versteidigung), sondern ihn die Russen nach Ufimzev benennen, andere nach Pirc und die Engländer von „Modern Defence“ sprechen.

Die Russen und Deutschen sprechen von Wolgagambit, die englisch sprechende Welt oft von „Benkö Defence“. Hat Botvinnik wirklich das Botvinnik-System erfunden oder war es der Deutsche Klaus Junge? In der MegaBase 2018 findet sich unter den neuen kommentierten Partien im stark erweiterten historischen Teil der seltene Fall, dass jemand die Vaterschaft an einer Eröffnungsidee zurückweist und den ihm zugeschrieben Zug sogar als minderwertig kritisiert. Mit Hilfe der guten neuen Daten in der Mega 2018 kann jeder Interessierte diesen Fragen nun selbst nachgehen.

 

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Jahrgang 1943, war mehr als zehn Jahre Trainer des Hamburger Stützpunktes, der Talentschmiede des Hamburger Jugendschachs, die auch spätere Großmeister wie Matthias Wahls und Karsten Müller durchlaufen haben. In den 80er Jahren war er Bundesligatrainer und Sekundant Robert Hübners bei dem Kandidatenfinale gegen Viktor Kortschnoj 1980 und dem Kandidatenwettkampf gegen Vassily Smyslov 1983. Er schrieb lange Zeit für den SPIEGEL über Schach und war maßgeblich an dem SPIEGEL-Buch "Schachweltmeister" beteiligt. Zusammen mit Matthias Wüllenweber und Frederic Friedel gründete er 1986 die ChessBase GmbH.
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DSAM DSAM 08.12.2017 10:50
Im Irgendwo der Historie verschwunden ist der alte, sinnvolle Vorschlag aus der Zeit kurz vor oder nach dem II.Weltkrieg, in der FIDE eine für die einzelnen Varianten namensgebende Kommission einzurichten; offenbar gab es schon damals einiges Durcheinander mit diesem Thema, man sehe nur, welche völlig verschiedenen Systeme wir heute unter der Bezeichnung "Englisch" kennen. Zwar ist augenblicklich eher unklar, ob es wesentliche Teile der FIDE überhaupt noch gibt, aber diese alten Idee wieder Leben einzuhauchen, schiene sinnvoll zu sein. "Wildwuchs" gab es aber schon in alten Zeiten: Gefühlte tausend Varianten wurden nach Capablanca benannt, obwohl der seine Stärken gewiss nicht in der Eröffnung hatte. Wie es in dem Artikel anklingt, ist es wohl oft sinnvoll, Systeme nicht nach dem zu benennen, der zuerst so zog, sondern nach dem, der sie theoretisch durchdrang. Ralf Mulde
gisbert gisbert 08.12.2017 04:46
Gefunden von Gisbert Jacoby in Pal Benko: My Life, Games and Compositions. Siles Press. Los Angeles. 2003. P.235. “Walter Browne had been watching me play the Benko Gambit for a whi, but he never showed any real interest in my system. This attitude changed when we were both playing in a tournament in Spain. He approached me and asked if I would teach him how to play this gambit. I accepted and spent time showing him the ideas and variations. He successfully played it for a couple of years, and the he published his games under the name, the Browne-Benko Gambit. I couldn’t believe my eyes !
Anton46 Anton46 07.12.2017 10:21
Schön zu erfahren,darüber berichtete mir Sämisch persönlich nie.
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