Erste Sahne in der Schokoladenfabrik

17.06.2013 – Ein Drittel des Tal Memorials ist gespielt. Nach drei Runden und vielen tollen Partien in der ehemaligen Schokoladenfabrik zeigt die Tabelle ein ungewöhnliches Bild. Magnus Carlsen ist nicht oben, dafür ist Kramnik ganz unten. Am Rande der Eröffnung erhielt Carlsen erneut den Schachoscar für 2012 und meinte dazu "Ich denke , ich habe ihn verdient." Das stimmt auf jeden Fall! Schach und die Schokoladenfabrik...

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Tal Memorial: Vom Museum in die Schokoladenfabrik

In Moskau startete am russischen Nationalfeiertag das 8. Tal Memorial. Dieses Mal findet das Superturnier im Technologiezentrum "Digital October" statt, einem der sofort ins Auge fallenden Gebäude an der Moskwa. Früher befand sich auf dem gesamten riesigen Terrain „Roter Oktober“ die gleichnamige Schokoladenfabrik, jetzt gibt es hier eine Vielzahl von Büros, Restaurants und Clubs. Für diejenigen, die noch niemals hier waren, ist es nicht so einfach die versteckte Tür zu finden, die zum Turnier führt, aber den Moskauer Schachliebhabern ist dieser Ort bekannt – 2011 fand hier das Botvinnik Memorial statt.

Schon zum zweiten Mal wird die Auslosung auf dem Memorial durch ein Blitzturnier am Tag der Eröffnung ermittelt. Ilja Levitov sollte sich die Idee der „Blitz-Auslosung“ patentieren lassen, da man diese Art der Durchführung schon in Zürich und Stavanger übernommen hat. Wegen des Blitzschachs wurde die Eröffnung des Turniers nicht zu einer formalen Zeremonie, sondern zu einem echten Ereignis. Im großen Saal finden alle Liebhaber des schnellen Spiels nur mit Mühe Platz.

Das Blitzturnier 


Ilja Levitov eröffnet das Turnier und verkündet die Paarungen der ersten Runde des Blitzturniers.

Wieder Moskau. Wieder Anand - Gelfand.

Anand belegt den zweiten Platz und platziert sich auch als Zweiter der Startliste.

Der neugebackene Weltmeister im Schnellschach Shakhriyar Mamedyarov, hier gegen Fabiano Caruana.

Caruana und Carlsen von Zuschauern umringt.

Magnus spielte einige schöne Partien, aber dennoch ist dieses Turnier eines der wenigen,
bei denen der Norweger nicht zu den drei Ersten gehört.

Dafür wurde er aber ein weiteres Mal mit dem Schach-Oscar belohnt.
„Ich freue mich sehr, dass ich diese Auszeichnung erneut bekommen habe,“ - sagte Magnus, als er die Statue in Empfang nahm, -
„ich denke, dass ich sie verdient habe.“

Der Sieger des vorjährigen Blitzschach-Turniers, Alexander Morozevich, begann dieses Mal bescheidener.

Sergey Karjakin mit seiner Freundin Galja.

Die jungen Fans schauten sich nicht nur die Partien an, sondern waren auch auf der Jagd nach Autogrammen.

Hikaru Nakamura kam als erster ins Ziel und wurde als Nummer Fünf in die Startliste gesetzt.

Vladimir Kramnik belegte im Blitzturnier den 3. Platz, wählte dann aber unerwartet für alle die Nummer 7 als Startnummer , d.h., er verzichtete auf eine zusätzliche Partie mit Weiß. Peter Svidler konnte das in seinem Kommentar nicht recht nachvollziehen.

Die ersten Runden

Am folgenden Tag wurde das Tal Memorial fortgesetzt, aber in einem schon ganz anderen Spieltempo und in anderer Umgebung. Nun spielen die Teilnehmer in einem separaten Raum, in dem sich während der gesamten Runde nur die Schiedsrichter und die Video-Kameraleute befinden. Die Journalisten können während der ersten zehn Minuten nach Beginn der Runde Fotos machen, danach werden sie freundlich gebeten die Spielzone zu verlassen.

Andrzej Filipowicz erinnert Magnus an die Zeitkontrolle während des Turniers. „Sie sind jetzt bei allen Turnieren unterschiedlich, deshalb ist es besser sicherheitshalber daran zu erinnern“, erklärte der Hauptschiedsrichter.

Wie schon der erste Mensch im Weltall sagte: „Auf geht’s!“ (Russische Redensart)

Nach Aussage Carlsens gelingt es ihm gewöhnlich nur selten gegen Kramnik mit Vorteil aus der Eröffnung herauszukommen. 
Dieses Mal ist es ihm gelungen.

Magnus Carlsen

Nach einem nicht allzu guten Blitzturnier zeigte sich Fabiano Caruana unbeeindruckt und besiegte Anand.

Der Weltmeister war ganz offensichtlich nicht in guter Form an diesem Tag, spielte sehr gehemmt und war bald nach der ersten Zeitkontrolle gezwungen seine Niederlage einzugestehen.

Alexander Morozevich überraschte seinen Gegner Dmitry Andreikin in der ersten Runde mit der der Drachenvariante.

Dmitry versank während der Eröffnung in langes Nachdenken, fand aber eine gute praktische Fortsetzung und zwang den Gegner während der ganzen Partie in die Defensive.

Hikaru Nakamura war nach dem "Blitz" nicht sofort auf "Klassik" eingestimmt

Letztes Bild aus dem Spielraum, schon hinter Glas. In den nächsten Stunden wird es keine Kamerablitze geben. Man kann sich entspannen!

Im Zuschauerraum geht es zu dieser Zeit dagegen immer lebhafter zu. Den ganzen Tag über unterhalten unsere besten Kommentatoren das Publikum, darunter die bekannten Top-Großmeister Peter Svidler und Alexander Grischuk.

Unter den Zuschauer befindet sich auch WGM Olga Girja.

Im Vordergrund die Familie von Peter Svidler, daneben Svetlana Andreykina.

Die Unterstützung von Carlsen – Großmeister Peter Heine Nielsen und  Vater Henrik Carlsen.

Das Mini-Blitz-Match zwischen Alexandra Kosteniuk und Maxim Dlugy wurde zugunsten der Meisterin entschieden. Alexandra war am Eröffnungstag als Kommentatorin aufgetreten, am darauffolgenden Tag kam sie als Zuschauerin mit Mutter und Tochter.

Francesca spielte auch ein paar freundschaftliche Partien. Und wollte partout nicht das Turnier verlassen.

Die Partie Nakamura – Mamedyarov wurde als erste beendet. Shakhriyar opferte eine Figur und führte einen rasanten Angriff aus. Beide Teilnehmer kamen, um die „Angriffspartie“ zu kommentieren.

Auf meine Frage, wo es sich komfortabler spielen lasse - in einem separaten Raum oder vor Publikum – antwortete Shakhriyar, dass die Bedingungen bei diesem Turnier, seiner Meinung nach, ideal seien. Er erinnerte sich daran, wie einmal auf einem Turnier in Dortmund ein Zuschauer ihn durch sein Schnauben sehr gestört hatte. Nach Aussage des aserbaidschanischen Großmeisters ist die ideale Kombination, wenn es viele Zuschauer gibt, diese aber nicht stören. Sie können über die Partien diskutieren, den Daumen drücken, aber dabei sollte nichts die Teilnehmer vom Spiel ablenken.

Boris Gelfand und Sergey Karjakin waren bei der Katalanischen Eröffnung beide gleich gut vorbereitet Nach Aussage von Boris entwickelt sich der Kampf bei dieser Variante oft nach zwei möglichen Szenarien, entweder erreicht Weiß ein ernsthaftes Übergewicht oder Schwarz erzielt den vollkommenen Ausgleich. Bei dieser Partie vollzog sich die zweite Variante.

Viswanathan Anand mit roten Hemd im „Roten Oktober“.

Sergey Karjakin beschloss bei der Partie mit Magnus kein Risiko einzugehen.

Wie kann man bloß Carlsen schlagen?

Shakhriyar hatte bei einer Variante der Caro-Kann-Verteidigung in der Partie gegen Morozevich keinen Erfolg und kam beim 15.Zug in eine schlechte Position.

Alexander hatte viele gute Fortsetzungen, entschied sich aber nicht für die beste. Anstelle eines Druckspiels ließ er sich auf ein kaum besseres Endspiel ein. Weiterhin auf Sieg spielend brachte Weiß die Partie fast an den Rand einer Niederlage.

Shakhriyar war so froh, dass es ihm gelungen war, nach der Eröffnung am Leben zu bleiben, dass er später nicht mehr ernsthaft versuchte, Weiß im Endspiel Probleme zu bereiten.

Vladimir Kramnik erwartete von Nakamura offenbar die Königsindische Verteidigung und konnte die Eröffnung spielen ohne hinzugucken.

Schon beim 20. Zug hatte Weiß einen Bauern mehr und eine großartige Position. Aber es sollte sich noch alles ändern...

Caruana überraschte Gelfand in der Eröffnung und zwang ihn, sich an die kompliziertesten Varianten zu erinnern. Das kostete viel Zeit, aber wie es scheint, hat das Gedächtnis Boris nicht im Stich gelassen.

Dmitry Andreikin musste in der Partie mit Viswanathan Anand schon nach dem 7. Zug selber nachdenken. Der „Neuling“ des Turniers verlor jedoch nicht den Kopf, sondern machte schließlich aus einer Position der Stärke ein Unentschieden.

Anand und Andreikin in der Pressekonferenz

Magnus und Sergey sind anscheinend nicht ganz zufrieden mit ihrem Start bei diesem Tal-Memorial.

Ian Nepomniachtchi sekundierte Carlsen bereits einmal, aber zu diesem Turnier war er zusammen mit Vladimir Potkin einfach als Zuschauer gekommen.

Shakhriyar und Alexander. Nach Aussage von Shakhriyar war „die Partie nicht fehlerfrei, aber interessant“.

Vladimir Kramnik beendete die Partie auch am zweiten Tag als letzter. Und das nach zwei Niederlagen. Aus verständliche Gründen haben die Zuschauer seine Kommentare in der Pressekonferenz bislang nicht zu hören bekommen.

Aber für endgültige Schlussfolgerungen ist es noch zu früh, alles hat erst begonnen…

Bericht und Fotos von Maria Fominykh

 

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