Estland gegen Lettland 59:41

28.04.2005 – Vergangenen Sonntag wurde in der estnischen Stadt Pärnu ein Vergleichsländerwettkampf zwischen Estland und Lettland durchgeführt. Gespielt wurde an 100 Brettern, Estland siegte mit 59:41. Der Wettkampf zwischen den beiden Staaten kann auf eine bald schon dreißig Jahre währende Tradition zurückblicken und wurde zum ersten Mal 1976 ausgetragen, als die beiden Länder noch ein Teil der UdSSR waren. Seitdem treffen sich mehr oder weniger regelmäßig Teams der beiden Länder abwechselnd in Estland und Lettland, um heraus zu finden, wer besser Schach spielt. Im Laufe der Jahre haben sich so berühmte Spieler wie Tal, Shirov, Ehlvest, Nei, Gipslis oder Klovans beteiligt. Matiss Silis berichtet von der Geschichte des Wettkampfes und ob der Schiedsrichter beim Eintragen der Ergebnisse den Überblick behalten hat. Mehr...

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Estland gegen Lettland 59:41
Von Matiss Silis

Letzten Sonntag fand im estnischen Pärnu ein Vergleichskampf zwischen den beiden baltischen Ländern Lettland und Estland an 100 Brettern statt. Die Veranstaltung kann bereits auf eine Geschichte von bald 30 Jahren zurückblicken. Der erste Vergleich dieser Art fand schon 1976 statt und wurde danach insgesamt weitere neunmal durchgeführt mit einem Gesamtergebnis nach Wettkämpfen von 4,5:4,5. Da Estland diesmal Gastgeber war, gab es ein gute Chance, den Heimvorteil zu nutzen, um in Führung zu gehen.

Der Wettkampf wurde an 100 Brettern gespielt. Die beiden Nachbarländer traten mit drei Teams gegeneinander an. Einer Frauenmannschaft mit je 10 Brettern, einer Juniorenmannschaft, bei der die Bretter nach Altersgruppen U18, U16, U14, U12 und U10 gestaffelt waren, ebenfalls mit 10 Brettern und einem Männerteam mit je 80 Brettern.

An den Spitzenbrettern trat Estland mit Kaido Kulaots (2572), der gerade aus Gausdal angereist war, Kanep Meelis (2474), Alexander Veingold (2465) und Olav Sepp (2461) an. Lettland hielt mit dem dreimaligen Seniorenweltmeister Janis Klovans (2462) dagegen, der von Arturs Neiksans (2439), Arnolds Luckans (2452) und Jusefs Petkevich (2433) an der Spitze unterstützt wurde.

Der estnische Heimvorteil machte sich besonders an den hinteren Brettern bemerkbar. Lettland konnte zunächst nach 60 Partien mit 31:29 in Führung gehen. Doch schon bald übernahm Estland die Führung und baute diese bis zum Schluss auf 59:41 aus. Bis zum nächsten Rückkampf in zwei Jahren dürfen die Esten feiern, doch dann hat Lettland ein Heimspiel.

Der Länder-Vergleichskampf ist in Lettland und Estland außerordentlich populär und eine großartige Werbung für das Schach. Estland will demnächst einen weiteren Vergleich gegen seinen nördlichen Nachbarn Finnland spielen, während die Letten einen Wettkampf gegen ihren Nachbarn im Süden, Litauen, planen.


Estland gegen Lettland an 100 Brettern


Klovans (li.)


Kaido Kulaots (EST)


Alexander Orava (EST)


Lettisches Frauenteam


Dana Reizniece (LAT)


Ilze Berzina and Laura Rogule (LAT)


Alexander Volodin (EST), Andres Kuusk (EST)



Ann Narva (EST), Diana Kurbanova (LAT)


Mark Lapidus (EST)


Lettland gratuliert

Geschichte des Wettkampfes 

Es war einmal vor langer Zeit, bald schon ist es 30 Jahre her, dass zwei kleine Nationen an der Ostsee, Estland und Lettland, sich darum stritten, wer der Stärkere sei. Beide Länder konnten auf eine große Schachtradition zurück blicken, hier waren Spieler wie Kieseritzky, Nimzowitsch, Keres and Tal, um nur einige zu nennen, geboren. Welchen besseren Weg gäbe es, als durch einen Wettkampf heraus zu finden, wer der Bessere sei? So kam es und der erste Wettkampf fand in der lettischen Stadt Valka im Jahr 1976 statt.

Am 2.Oktober wimmelte es in der Stadt von Schachspielern, tatsächlich waren es aus jedem der beiden Länder über Hundert. Lettland trat an den ersten drei Brettern mit A. Gipslis (schlug V. Heuer), A. Vitolinsh (schlug R. T. Etruk) und J. Petkevich (gewann gegen A. Veingold) an. Doch Estland schaffte es, an den unteren Brettern auszugleichen und der Kampf endete 50:50.

Vier Jahre später kam es in der estnischen Stadt Pärnu zum Rückkampf. Die lettische Mannschaft wurde von V. Bagirov, J. Klovans and A. Vitolinsh angeführt, Estland trat mit L. Nei, G. Uusi und  H. Kerner an. Estland zeigte sich an den ersten 10 Brettern stärker und gewann 59:41.

Der nächste Wettkampf fand zwei Jahre darauf, 1982, im lettischen Salacgriva statt. Lettland bereitete sich akribisch vor und entsandte an den Spitzenbrettern Vitolinsh, Kengis und Klovans. Estland hielt mit Nei, Ehlvest und Veingold dagegen, doch diesmal gewann Lettland den Vergleich mit 52:48. Der Stolz der lettischen Schachnation war wieder hergestellt und insgesamt stand es nun 1,5:1,5 nach Wettkämpfen. Das war aber nicht das Ende der Wettkämpfe, sondern erst der Anfang: Eine neue Tradition war geboren.

Die nächste Ausgabe fand 1985 in Pärnu statt. Dieser Wettkampf wurde zu einem echten Thriller. Ehlvest schlug Gipslis an Brett 1 und es sah nicht gut aus für Lettland, da Estland bald klar in Führung ging. Aber die Letten konnten zurückschlagen und schließlich hing der Ausgang nur noch an einigen wenigen Partien. Der Meisterkandidat Janis Vitomskis (heute Fernschachgroßmeister) verpasste in seiner Partie gegen Ritiv einen hübschen Entscheidungsschlag (...De4!) und überschritt die Zeit. Entschieden wurde der Wettkampf jedoch an Brett 60. Dort holte der lettische Meisterkandidat Vladislav Kazachenkov den entscheidenden Sieg für die Gäste. Zum ersten Mal musste Estland eine Niederlage bei einem Heimkampf hinnehmen. Der Endstand hieß 50,5:49,5.

Diese schmerzvolle Niederlage konnten die Esten nicht lange auf sich sitzen lassen. Für den nächsten Vergleichskampf wurde sogar eine große Vorausscheidung organisiert, um die besten Spieler des Landes zu ermitteln. Am 5.Dezember 1987 fand der Wettkampf in Valka statt und Estland trat mit L. Oll, H. Kerner, L. Nei und K. Kiik an den Spitzenbrettern an. Lettland bot V. Bagirov, E. Kengis, J. Klovans und A. Shirov auf. Estland hatt sich zwar gut vorbereitet, doch es reichte nicht zum Sieg. Kengis schlug Kerner und Shirov war stärker als Kiik. Auch an den übrigen Brettern zeigten die Letten sich überlegen und gewannen mit  52,5:47,5. Damit lautete es insgesamt 3,5:1,5.

Doch die Esten steckten den Kopf nicht in den Sand und organisierten einen weiteren Wettkampf auf eigenem Bodenim Jahr 1990. Die Letten waren gut vorbereitet, die Führung auszubauen, denn diesmal hatten sie sogar den "Zauberer von Riga" Michael Tal in ihren Reihen. Tal spielte an Brett Eins und Shirov an Brett zwei.


Der junge Shirov

Doch das alleine reichte nicht, schließlich wurde ja an 100 Brettern gespielt und Brett Eins ist genauso wichtig wie Brett 100. Und alles in allem hatte Estland diesmal die bessere Mannschaft und gewann mit 52,5:47,5 und schloss zum Gesamtstand von 3,5:2,5 auf.

Das Jahr 1993 sah einen Wettkampf zwischen nun unabhängigen Ländern. Dadurch war es jetzt sogar ein internationaler Wettkampf geworden. Natürlich wollt Lettland auf eigenem Boden, in Valka, die Scharte wieder auswetzen. Shirov spielte am ersten Brett, unterstützt von Kengis, Lanka, Bagirov und Gipslis an den folgenden Brettern - ein echtes "Dream-Team", dass die estnischen Spitzenbretter tatsächlich auch mit 6,5:3,5 hinweg fegte. Aber wie beim vorigen Mal reichte es nicht zum Sieg. Die hinteren Bretter gingen zugunsten von Estland aus und der Wettkampf endete mit 57:43 für Estland. Nun stand es 3,5:3,5.

Es dauerte sieben Jahre bis es zu einer Neuauflage des Traditionswettkampfes kam, diesmal in Talinn, der Hauptstadt von Estland. Hier war es für die Esten am einfachsten, ein schlagkräftiges Team zusammen zu stellen, um die Gesamtführung zu übernehmen. Jaan Ehlvest übernahm das Spitzenbrett. An den nächsten Brettern standen ihm Sepp, Kulaots, Zitin und Kiik zur Seite. Lettland wurde von den erfahrenen Klovans und Lanka geführt, unterstützt von den jungen Spielern R. Berzinsh, A. Neiksans und A. Luckans. Wiedere erwiesen sich die Letten an den Spitzenbrettern als stärker und gewann das Duell an den ersten 10 Brettern mit 6:4. Doch wieder einmal war für den Gesamtsieg die größere Ausgeglichenheit entscheidend und so triumphierte Estland mit 65,5: 34,5. An den letzten zehn Brettern gewann man mit 9,5:0,5. Gesamtbilanz 4,5:3,5 für Estland.

Um beim nächsten Wettkampf ebenfalls ein sehr ausgeglichenes Team aufstellen zu können, wählte man die Hauptstadt Riga als Austragungsort. Diesmal waren die Esten mit ihren Topspielern Ehlvest, Kulaots, Rytshagov, Sepp und Maidla an den Spitzenbrettern stärker und gewann die oberen Bretter mit 5,5,:4,5. Doch Lettland hatte die hinteren Bretter ausgezeichnet besetzt und kam zu einem Gesamtsieg von 60,5:39,5 und zum 4,5:4,5-Ausgleich in der Bilanz. Das war die Ausgangslage, als die lettische Mannschaft am 24.April nach Estland reiste.

Fotos:
 http://www.maleliit.ee/
http://www.latchess.lv/


 

 

 

 

 

 


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