Gespielt wurden zwei Schnellschachpartien mit einer Bedenkzeit von 15 Minuten ohne Inkrement sowie vier Blitzpartien mit drei Minuten pro Spieler, ebenfalls ohne Zeitgutschrift. Der Preisfonds betrug 10.000 US-Dollar.
Oro zählt zu den größten Nachwuchstalenten des Schachs. Im Alter von zwölf Jahren wurde er zum Großmeister, schneller als er hat sich nur Abhimanyu Mishra den Titel gesichert.
Sein Gegner José Martínez, der unter dem Namen "Jospem" zu den bekanntesten Online-Blitzspielern gehört, stammt aus Lima und vertritt seit 2024 den mexikanischen Schachverband. Der Großmeister zählt seit Jahren zu den stärksten Blitz- und Schnellschach-Spielern und sorgte unter anderem beim Weltpokal 2025 mit seinem Sieg gegen Nodirbek Abdusattorov für Aufsehen.
Martínez erwischte den besseren Start und gewann die erste Schnellschachpartie überzeugend.

Faustino Oro und José Martínez | Foto: Amruta Mokal
Oro glich jedoch im zweiten Schnellschachduell aus, nachdem er sich in komplizierter Stellung im Zeitnotduell durchgesetzt hatte. Damit stand es vor den vier Blitzpartien 1:1.
In der ersten Blitzpartie erspielte sich Oro eine Gewinnstellung. Martínez gelang es zwar, die Partie noch einmal spannend zu machen, doch schließlich setzte sich der Argentinier durch und ging mit 2:1 in Führung.
Die zweite Blitzpartie verlief wechselhaft. Beide Spieler vergaben Möglichkeiten, sich entscheidenden Vorteil zu verschaffen, bevor sie sich auf ein Remis einigten. Oro behauptete damit seinen Vorsprung. In der dritten Blitzpartie zeigte Oro seine stärkste Leistung des Wettkampfs. Mit einem präzise geführten Angriff gewann er die Partie und entschied das Match vorzeitig für sich.
Die vierte und abschließende Blitzpartie endete remis. Damit gewann Faustino Oro den Wettkampf mit 4:2.

GM Leinier Domínguez und GM Antoaneta Stefanova kommentierten live | Foto: Amruta Mokal
Der Live-Stream bei WR Chess
Im Interview mit ChessBase India sprach Faustino Oro nach dem Wettkampf offen über seine Gefühle während des Matches.
"Nach der ersten Niederlage habe ich mich sehr geärgert", sagte er. "Ich habe langsam und schlecht gespielt, es war einfach eine schlechte Partie. Doch ich habe versucht, sie zu vergessen und in der zweiten Partie mein bestes Schach zu spielen."
Den Sieg in der zweiten Partie bezeichnete Oro als Wendepunkt des Wettkampfs. Mit dem ersten Erfolg sei auch das Selbstvertrauen zurückgekehrt. "Wenn man die erste Partie gewonnen hat, spielt man natürlich mit mehr Selbstvertrauen."
Auf die Frage nach Zielen antwortete der Zwölfjährige: "Jetzt geht es darum, mich weiter zu verbessern, viel zu trainieren und 2600 Elo zu erreichen. Das ist eines meiner Ziele. Argentiniens Nummer 1 zu werden, wäre auch schön."
Außerdem freue er sich darauf, Argentinien bei der kommenden Schacholympiade zu vertreten. Sein Plan sei einfach: "Mich weiter verbessern, trainieren und dabei den Spaß am Schach behalten."