Feller gewinnt Echternach Open

von Gerd Densing
27.06.2016 – Sebastien Feller, Christopher Noe und Romain Edouard beendeten das 23. Echternach Open alle mit 7,5 Punkten. Dank der besseren Feidwertung wurde Feller zum Turniersieger erklärt. Daniel Fridman und Igor Khenkin belegten als wertungsbeste Spieler mit 7 Punkten die Platze vier und fünf. Auch Vincent Keymer kam am Ende auf 7 Punkte. Mehr...

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GM Sebastien Feller gewinnt das 23. Echternacher Schachopen

Der letztes Jahr nach mehrjähriger Sperre in die Turnierszene zurückgekehrte französische GM Sebastien Feller gewann erstmals das Echternacher Schachopen mit 7,5 Punkten knapp nach Feinwertung vor dem sehr gut spielenden FM Christopher Noe und GM Romain Edouard.

An einem zunächst regnerisch begonnenen und später sonnigen Juni-Wochenende fand am 18. und 19.06. bereits die 23. Auflage des sehr schönen Echternacher Schachopens statt. Das zeitgleich stattfindende Event der Grand-Chess-Tour sollte für Echternach keinen Nachteil darstellen, denn mit 317 Teilnehmern wurde die sehr gute Teilnehmerzahl des vergangenen Jahres (316) leicht übertroffen.
Mit insgesamt 31 Titelträgern, darunter 11 GM und 10 IM war das Turnier an der Spitze leicht schwächer besetzt als im Vorjahr (39 Titelträger).

Der für Echternach spielende Vorjahressieger GM Andrey Sumets konnte wegen Terminüberschneidung mit einem anderen Turnier leider nicht zur Titelverteidigung antreten. Dafür konnte Vereinspräsident-Präsident FM Serge Brittner des „de Sprenger Echternach“ mit den GMs Romain Edouard, Daniel Fridman und Igor Khenkin gleich drei starke Sieger der jüngeren Vergangenheit begrüßen, welche als Turnierfavoriten gelten sollten. Daneben sollten natürlich auch die weiteren GMs Sebastien Feller, Alexander Berelovich, Felix Levin und Schachlegende Ulf Andersson Chancen auf vorderste Tabellenplätze haben. Besonders gespannt durfte man auch sein, wie der erstmals in Echternach spielende junge Vincent Keymer gegen die Titelträger mithalten würde.

Turnierort war unverändert die ehemalige Abtei der Stadt Echternach mit Spiegelsaal für die ersten 40 Bretter, Kreuzgängen für die Bretter 41 bis 70 und gut klimatisierte Nebenräume für die weiteren Bretter.

Die alte Abtei

Die Basilika der Abtei

Der Turniermodus blieb unverändert, sodass an zwei Tagen 9 Runden (anstrengendes) Schnellschach gespielt wurde (Partien mit 45 Minuten pro Spieler). Das Schiedsrichterteam bestand dieses Jahr aus den IA Gregor Johann, Daniel Hendrich und FA Olivier Jeitz, welche sich im Spiegelsaal und den weiteren Turnierräumen abwechselten und souverän durch das Turnier führten.

Für die Teilnehmer bestand die Möglichkeit im Essensraum die aktuell laufenden EM-Spiele zu verfolgen.

Erneut fanden wieder viele dem Turnier treue Spieler aus Deutschland und den „BENELUX-Ländern“ den Weg nach Echternach. Auch dieses Jahr wurden bei der Siegerehrung wieder mehrere Teilnehmer für ihre 15. bzw. 20. Turnierteilnahme in Echternach geehrt und mit einer Flasche Sekt beschenkt.

Im Herzen der Stadt Echternach fand auf dem Marktplatz, unweit der Basilika ein Volksfest mit Livemusik statt, welches die Gelegenheit bot, zwischen den Runden vorbeizuschauen. Wer es etwas ruhiger mag, für den bot sich alternativ natürlich auch wieder ein Besuch der Basilika an.

Wie immer bei offenen Turnieren bot der breite Spielermix zwischen Profis und Amateuren auch den Zuschauern spannende Partien. Im Vorhof bzw. Außenbereich der Abtei war in bewährter familiärer und freundschaftlicher Atmosphäre bei in diesem Jahr besseren Wetter die Biergarten-Atmosphäre umso mehr zu genießen. Für das leibliche Wohl wurde draußen mit Grill und Bierpavillon bestens gesorgt. Innen gab es noch verschiedene Salate und eine große Kuchenauswahl nebst Kaffee. Für die vielen Schachbegeisterten gab es dazu erneut einen großen Stand mit unzähligen Schachbüchern, Chessbase-DVD’s und Spielmaterial.

Volksfestatmosphäre vor der Abtei

Buchstände

Fritztrainer-Sortiment

Wenig überraschend stellte auch in 2016 der mit dem Echternacher Schachclub befreundete Schachverein „Schwarz Weiss Oberhausen“ die meisten Turnierteilnehmer und gewann somit erneut den Sonderpreis für den zahlenmäßig am stärksten vertretenen Verein in Form mehrerer Kisten Saft und Sekt.

Zum Turnier/Turnierverlauf:

Wie nicht anders zu erwarten war mit Blick auf den guten Preisfonds und sehr schöner Turnierbedingungen fanden einige Profis den Weg nach Luxemburg, wobei das Turnier an der Spitze mit 31 Titelträgern qualitativ und quantitativ leicht schwächer besetzt war als in 2015. Der Turnierverlauf war hingegen sehr spannend.

Im Spiegelsaal

Die Spitzenbretter

Die Bretter 41 bis 70

Zu den Favoriten zählten ganz klar Romain Edouard, Daniel Fridman und Sebastien Feller.

Romain Edouard

Daniel Fridman

Sebastien Feller

Schachlegende Ulf Andersson

IM Michael Hammes

IM Thomas Hernrichs

IM Michael Hoffman

In der ersten Runde gab es im Spiegelsaal an den ersten 40 Brettern keine Überraschungen.  Aber in Runde zwei kamen mit dem französischen GM Fabien Libiszewski (Remis) und GM Gennadi Ginsburg (Niederlage) und IM Yuri Boidman (Niederlage) ins Straucheln. In der dritten Runde kamen die GM Felix Levin, IM Georg Seul und IM Michael Hammes gegen schwächere Gegner nicht über ein Remis hinaus, IM Dieter Morawietz verlor sogar. In der vierten Runde gab Turniermitfavorit GM Sebastien Feller gegen seinen früheren Trainer (zu Jugendzeiten), IM Fred Berend sein erstes Remis ab.

Berend gegen Feller

IM Fred Berend, der erste Turniersieger in Echternach im Jahr 1994 zeigte in der diesjährigen Auflage eine bestechende gute Form. Schlimmer kam es für einen danach völlig frustrierten Setzlistenersten GM Romain Edouard, welcher gegen IM Henk Vedder verlor. Und auch GM Tanguy Ringoir verlor seine erste Partie. Vincent Keymer verlor nach hartem Kampf seine Partie gegen GM Daniel Fridman.

Henk Vedder gewinnt gegen Romain Edouard

Fridman gegen Keymer

Vincent Keymer

In der fünften Runde gab GM Romain Edouard ein Remis ab und war mit 3,5 aus 5 sichtlich froh, dass der erste Tag vorbei war. Aus dem Titelrennen hatte er sich somit mehr oder weniger vorzeitig verabschiedet, da die Zweitwertung (Fortschrittswertung bzw. Punktsummenwertung) eher für andere Spieler sprach. Am Abend zeigte er jedoch Humor und postete immerhin eine interessante Stellung bzw. Variante auf Facebook.

 

GM Daniel Fridman spielte gegen IM Michael Wiedenkeller remis sodass GM Igor Khenkin nach einem Sieg gegen FM Christopher Noe bei voller Punktausbeute zur Halbzeit vor den punktgleichen IM Thomas Henrichs und GM Michael Hoffmann die Tabellenführung einnahm.

Noe gegen Khenkin

Die sechste Runde brachte am Spitzentisch ein Remis zwischen GM Khenkin und IM Henrichs und GM Hoffmann verlor gegen GM Feller, sodass kein Spieler mehr mit voller Punktausbeute war. Die Spitze war dicht beieinander und es konnte sich kein Spieler absetzen.

In der siebten Runde folgte ein offenbar turniertaktisches 1-zügiges Kurzremis zwischen GM Khenkin und GM Feller und auch Daniel Fridman gab gegen Thomas Henrichs sein zweites Remis ab. Die weiteren top-platzierten GMs bzw. weiteren Spieler gewannen allesamt ihre Partien, sodass es weiterhin unklar war, wer das Turnier gewinnen würde.

Henrichs gegen Fridman

Eine kleine Vorentscheidung fiel in der achten (vorletzten) Runde, als es der für Echternach in der ersten luxemburgischen Liga spielende junge FM Christopher Noe es schaffte gegen GM Daniel Fridman eine lange Zeit sehr schlecht aussehende Stellung zu verteidigen und ins Remis zu entschlüpfen.

Fridman-Noe

 

 

Während die beiden französischen GMs Sebastien Feller und Romain Edouard gewannen, gab Igor Khenkin gegen Georg Seul ein Remis ab und fiel in der Tabelle somit zurück. Der bis dahin gut vorne mitspielende Thomas Henrichs verlor etwas überraschend gegen den stark spielenden IM Fred Berend und verabschiedete sich aus dem Titelrennen. Fred Berend sollte seit 1994 nach seinem ersten Turniersieg erstmals die realistische Chance haben, am Schluss in der letzten Runde um den Turniersieg mitzuspielen.

Die neunte Runde brachte die Spitzenpaarung GM Sebastien Feller gegen GM Daniel Fridman. Die Partie endete remis.

Feller gegen Fridman

Ebenso die Partie von GM Khenkin gegen IM Henk Vedder. Mit Turnierentscheidend war dann noch die Partie zwischen FM Christopher Noe gegen IM Fred Berend. Der junge deutsche ging aufgrund etwas höherer Wertungszahl leicht favorisiert in die Begegnung und zeigte sich in einer königsindischen Partie gut vorbereitet (siehe Partiekommentierung nachfolgend). Er lehnte ein frühes Remisangebot des routinierten Luxemburgers ab und gewann die Partie.

Letztendlich kamen somit gleich drei Spieler auf 7,5 Punkte. GM Sebastien Feller gewann ganz knapp nach Feinwertung die diesjährige Ausgabe des Echternacher Opens vor Überraschungsspieler FM Christopher Noe vom SC Eppingen. Auf Rang drei kam – nach schwachem Start am ersten Tag – dann auch zur eigenen Überraschung noch GM Romain Edouard, welcher sich am zweiten Turniertag keine Blöße gab und gegen schwächere Gegner zu einer vollen Punktausbeute (4 aus 4) kam.

Die Sieger

Edouard, Noe, Feller

Danach folgte ein großer Pulk aus weiteren 15 Spielern mit 7 Punkten, darunter auch Jugendspieler Vincent Keymer auf Rang 13, was etwas besser als sein Startrang war. Bis Platz 18 wurde das Preisgeld dann nach Hort-System geteilt.

Den Seniorenpreis gewann IM Yuri Boidman (7 Punkte, Platz 18) vor IM Klaus Klundt (6,5 Punkte, Platz 22), Wolfgang Polster (6,5 Punkte, Platz 29) und GM Ulf Andersson (6 Punkte, Platz 33).
Bester Jugendlicher wurde Vincent Keymer (7 Punkte, Platz 13) vor Ivan Lopez-Popov vom ausrichtenden Verein (6 Punkte, Platz 52) und Nicolay Bay vom SC Eppingen (5,5 Punkte, Platz 61).
Den Damenpreis gewann Anysia Thomas (5,5 Punkte, Rang 70) vor Alice Biryukov (5,5 Punkte, Rang 73) und WGM Gisela Fischdick (5 Punkte, Rang 110).

Daneben wurden einige Ratingpreise vergeben sowie die besten Luemburger Spieler ausgezeichnet, neben den bereits genannten Ehrungen der „Stammspieler“ beim Echternacher Open mit 15 oder 20 Teilnahmen.

 

Hier die vorderen Tabellenplätze:

 

Rang Teilnehmer TWZ At S R V Punkte PktSu GegWrt
1. Feller,Sebastien 2602 M 6 3 0 40 2297
2. Noe,Christopher 2428 M 7 1 1 39 2205
3. Edouard,Romain 2648 M 7 1 1 36½ 2188
4. Khenkin,Igor 2553 M 5 4 0 7 40 2280
5. Fridman,Daniel 2607 M 5 4 0 7 39½ 2306
6. Henrichs, Thomas 2472 M 6 2 1 7 39½ 2245
7. Berend,Fred 2328 M 6 2 1 7 39 2272
8. Wiedenkeller,Michael 2460 M 6 2 1 7 38½ 2229
9. Vedder,Henk 2374 M 6 2 1 7 38 2260
10. Seul,Georg 2409 M 5 4 0 7 38 2206
11. Levin,Felix 2530 M 5 4 0 7 37½ 2207
12. Ringoir,Tanguy 2474 M 5 4 0 7 37 2165
13. Keymer,Vincent 2341 M 6 2 1 7 36½ 2122
14. Libiszewski,Fabien 2537 M 6 2 1 7 35½ 2130
15. Hammes,Michael 2317 M 6 2 1 7 35½ 2125
16. Sandkamp,Ralph 2280 M 6 2 1 7 34½ 2020
17. Ginsburg,Gennadi 2466 M 6 2 1 7 33½ 2015
18. Boidman,Yuri 2330 M 7 0 2 7 33 1984
19. Hoffmann,Michael 2471 M 6 1 2 38½ 2143
20. Berelowitsch,Alexander 2520 M 5 3 1 37½ 2232
21. Yankelevich,Lev 2415 M 6 1 2 37½ 2189
22. Klundt,Klaus 2286 M 6 1 2 35½ 2168
23. Dann,Matthias 2482 M 6 1 2 35 2147
24. Van Leent,Dimitri 2222 M 5 3 1 35 2104
25. Prizker,Boris 2273 M 6 1 2 35 2103
26. Schön,Ralf 2146 M 6 1 2 34½ 2161
27. Weller,Manuel 2199 M 6 1 2 34 2065
28. Wagener,Claude 2278 M 5 3 1 34 2060
29. Polster,Wolfgang 2239 M 6 1 2 32 1988
30. Ciornei,Dragos 2183 M 5 3 1 31½ 2007



… insgesamt 317 Teilnehmer.

Vollständige Tabelle beim Veranstalter...

 

Hier Fortschrittstabelle und Tabelle mit Sonderpreisen/Ratingpreisen...

Es folgen drei kommentierte Partien von Christopher Noe:

Christopher Noe

 

Dahdah-Noe

 

 

Noe-Behrend

 

 

Noe-Gijsen

 

 

Das Schiedsrichter-Team leistete sehr gute Arbeit und sorgte für einen reibungslosen und störungsfreien Turnierablauf.

Fazit: Auch die 23. Ausgabe des Echternacher Schnellschachopens war wieder ein insgesamt gelungenes Schachevent mit vielen interessanten, spannenden und umkämpften Partien und netten Begegnungen unter den Spielern. Weitere Informationen, Tabellen und Fotos sowie ein Archiv über die bisherigen Echternacher Open sind auf der Vereinshomepage des Ausrichters zu finden: www.desprenger-echternach.lu

Weiter im Turnierkalender des Berichterstatters geht es bereits am kommenden Wochenende beim Wirtzfeld-Open (Samstags: Mannschafts-Wettbewerb, Sonntags: Open / Einzelturnier) sowie am Sonntag dem 10. Juli beim kleinen, aber feinen Schnellschachopen im Luxemburgischen Diekirch. Im September (18.9.) folgt dann in der zweiten Ausgabe des schönen Opens in Schifflange.
 

 

 



Gerd Densing ist ein begeisterter Vereins- und Turnierspieler. Seine Eindrücke hat er in vielen Berichten auf der ChessBase-Nachrichtenseite festgehalten.
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