Feller gewinnt in Diekirch

von Gerd Densing
12.07.2017 – Am letzten Wochenende fand in Diekirch, Luxemburg, die "Challenge de la ville Diekirch statt, bestehend aus einem Schnellschach- und einem Blitzturnier. Sebasten Feller gewann das Schnellschachturnier, Fred Berend wurde Luxemburgischer Blitzmeister. Gerd Densing berichtet.

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Challenge de la ville de Diekirch:

GM Sebastien Feller verteidigt Schnellschach-Titel in Diekirch, IM Fred Berend Luxemburg Blitz-Einzelmeister 2017

26. Pokal der Stadt Diekirch und Luxemburger Blitzschach-Einzelmeisterschaft

Am vergangenen Wochenende (08.-09.07.2017) fand bei sonnigem Wetter das Schachfestival Diekirch 2017 statt. Austragungsort war erneut die „Aal Seerei“ in Diekirch.

Im Vergleich zum letzten Jahr (15+5) wurde erneut der Zeitmodus verändert. Aufgrund Vorgaben des Luxemburger Schachverbandes – gefolgt einer Empfehlung der FIDE – wurde wie bereits vor zwei Jahren mit 15 Minuten Grundbedenkzeit zzgl. 10 Sekunden Inkrement je Zug gespielt. Um den Zeitplan einzuhalten wurde das Schnellschachturnier wieder von 9 auf 7 Runden verkürzt.

Das Schach-Wochenende begann am Samstag Nachmittag mit einem Blitzturnier (3+2), welches die diesjährige Luxemburger Blitzschach-Einzelmeisterschaft war. Das Turnier war mit „nur“ 18 Teilnehmern leider recht dünn besetzt. Aufgrund der geringen Teilnehmerzahl wurde Round-Robin nach dem guten alten und einfachen „Rutschsystem“ gespielt. Favorisiert war der einzige Titelträger im Feld, IM Fred Berend. Seine Zielsetzung, das Turnier mit voller Punktausbeute abzuschließen hat nach einem Ausrutscher gegen Dans Vijups nicht ganz funktioniert. Sein Turniersieg mit 16 aus 17 war aber zu keinem Zeitpunkt gefährdet, da die nächstplatzierten Gilles Daubenfeld (13,5 Punkte) und Pierre Gengler (13 Punkte) beide unerwartet einige Punkte liegen ließen. Auf Rang 4 folgte mit Ihrem Berichterstatter der erste „Nicht-Luxemburger“ und gleichzeitig einziger deutsche Teilnehmer mit 12,5 Punkten. Die Siegerehrung des Blitzturniers findet in einigen Wochen in Luxemburg-Stadt beim Verband statt.

 

Das Blitzturnier

Hier die Abschlusstabelle des Blitzturniers:

Sonntags fand dann an einem sehr sonnigen Tag in Diekirch mit 49 Teilnehmern (Vorjahr 33) die 26. Auflage der traditionellen „Challenge de la ville de Diekirch“ statt. Im Andenken an den im Jahr 2012 verstorbenen Vorsitzenden des Gastgebervereins „Nordstad“ trug das Turnier erneut den Untertitel „Memorial Jos Jacob“.

An der Spitze war das Turnier mit 5 Titelträgern (2 GM, 2 IM, 1 WGM) etwas schwächer besetzt als im Vorjahr. Favoriten für den Turniersieg waren Titelverteidiger GM Sebastien Feller sowie der für Echternach in der Luxemburger Nationaldivision spielende ukrainische GM Andrey Sumets. 15 der 49 Teilnehmer hatten ELO-Zahlen von über 2000.
Wie bereits in den Vorjahren war die erste Feinwertung die Fortschrittswertung bzw. Punktsummenwertung, sodass ein frühes Remis oder eine frühe Niederlage bereits ein großer Nachteil im Rennen um den Turniersieg sein können.

Neben dem netten Turnierumfeld, den freundlichen Gastgebern und Teilnehmern sprechen insbesondere die hervorragenden Turnierbedingungen in der „Aal Seeerei“ für das Turnier, sodass einige der Teilnehmer – u.a. der Berichterstatter – jedes Jahr gerne wiederkommen. Die Turnierorganisation erfolgte gewohnt routiniert und souverän durch den internationalen Schiedsrichter René Recking. Dabei gab es keinerlei Streitigkeiten, was vom Schiedsrichter in der Siegerehrung lobend erwähnt wurde.

Turnierverlauf des Schnellschachturniers

Die ersten beiden Runden brachten an den vorderen Brettern keine Überraschungen, wenngleich Sebastien Feller sich in der ersten Runde gegen Dans Vijups, welcher bereits gegen IM Fred Berend am Vortag gewinnen konnte, schwer tat und viele Probleme zu lösen hatte. Wie der Zufall es wollte brachte die Auslosung in der erste Runde an Brett 5 das Duell Vater gegen Sohn (Stephen gegen Matthew Dishman), wobei der Vater sich gegen den im weiteren Turnierverlauf gut spielenden Junior durchsetzen konnte. In Runde zwei spielte GM Andrey Sumets gegen Anysia Thomas eine interessante Partie, welche er mir nach Partieende in den Rechner „diktierte“, dabei kommentierte und die hier nachzuspielen ist:

 

In der dritten Runde kam es am erste Brett zwischen IM Roman Tomaszewski gegen GM Sebastien Feller zum ersten Duell von Titelträgern. GM Sebastien Feller setzte sich dabei durch. An Brett zwei gelang Gilles Daubenfeld im Zentrum eine erfolgreiche Blockade der großmeisterlichen Bauern von Andrey Sumets, sodass dieser Remis anbot und aufgrund der Zweitwertung „Fortschrittswertung“ im späteren Turnierverlauf das Nachsehen hatte.

 

In der vierten Runde gelang es der an diesem Tag sehr gut aufspielenden WGM Elvira Berend mit schwarz gegen GM Sebastien Feller ein Remis zu erreichen. Ehemann IM Fred Berend hingegen verlor gegen GM Andrey Sumets am Nachbarbrett nach einer unterhaltsamen Partie. 

 

Gilles Daubenfeld erreichte gegen Im Roman Tomaszewski erneut ein Remis gegen einen Titelträger. Der polnische IM hat sich damit bereits frühzeitig aus dem Titelrennen verabschiedet. Nach Runde 4 lag Elvira Berend aufgrund zweiter Feinwertung ganz knapp vor GM Feller und besserer erster Zweitwertung vor GM Sumets.

Die fünfte Runde brachte an Brett eins mit nur 3 oder 4 Zügen ein sehr unspektakuläres Großmeister-Remis zwischen Andrey Sumets und Sebastien Feller. Beide vertagten die Entscheidung über den Turniersieg auf die folgenden Runden auf die Partien gegen die Amateure. Die Eheleute Berend gewannen ihre Partien jeweils und konnten so Boden gut machen. Elvira Berend führte nach dieser Runde das Feld alleine mit 4,5 Punkten an vor den beiden GMs und ihrem Ehemann sowie weiteren 4 Spielern mit je 4 Punkten.

In der sechsten Runde war an Brett eins ein klassisches Eheleute-Duell zu sehen. Elvira Berend hätte sich mit einem Sieg bereits vorzeitig eine sehr gute Ausgangslage zum Turniersieg sichern können. Sie hatte im Endspiel in höchst komplizierter Stellung einen Turm mehr. Allerdings war der gegnerische Freibauer und quirlige Springer gefährlich. Nach einer Menge Taktik verflachte das Endspiel zu einem reinen Turmendspiel mit einem Mehrbauern zu einem technischen ausgekämpften Remis. Die beiden GMs lösten ihre Pflichtaufgaben an den folgenden Brettern und konnten so wieder aufschließen. Nach der Runde war Elvira Berend aufgrund klar besser Fortschrittswertung mit 5 aus 6 weiterhin Tabellenführerin vor den beiden GMs und Zoran Stanic mit auch je 5 Punkten und IM Fred Berend mit 4,5 Punkten.

In der Schlussrunde setzte sich GM Feller an Brett eins relativ schnell gegen Zoran Stanic durch. WGM Elvira Berend gelang am Nachbarbrett erneut, gegen einen GM eine Partie remis zu gestalten. GM Andrey Sumets konnte im Mittelspiel eine Qualität gewinnen. Da der gegnerische Läufer aber den Laden gut zusammenhielt konnte er keine Fortschritte machen. Er gab die Qualität zurück, um in ein auf den ersten Blick gewonnenes Turm-Endspiel abzuwickeln. Seinen Freibauern auf b7 konnte er nur mit seinem Turm von der Seite auf g7 decken. Der GM entschied sich, diesen Bauern zu geben, um auf der H-Linie einen neuen Freibauern zu bilden. Nach zäher Verteidigung und einem Trick endete die Partie nach dem Motto „alle Turmendspiele sind Remis“ dann mit der Punkteteilung.

So gewann GM Sebastien Feller mit 6 Punkten erneut nach 2016 das Schnellschachopen in Diekirch vor WGM Elvira Berend, GM Andrey Sumets und IM Fred Berend mit je 5,5 Punkten.

Elvira Berend wurde aufgrund der Kumulierungsmöglichkeit der Preise zusätzlich mit den Sonderpreisen „beste Frau“ und „bester Luxemburger Spieler“ geehrt. Bester Senior wurde Luxemburg Veteran Norbert Stull mit 5 Punkten auf Rang 6. Beste Jugendliche wurde Alice Biryukov mit 4,5 Punkten auf Rang 14.

Die Preisträger des Schnellschachturniers

Ganze Tabelle als pdf...

Turnierseite...

Weiter geht es in Luxemburg mit dem Schach-Wochenende am 23.-24.09.2017 mit FIDE-ELO-gewertetem Blitz- und Schnellschachturnier der Smashing Pawns und des Schachclubs Turm Springer Schifflange. Informationen: www.openterresrouges.lu



Gerd Densing ist ein begeisterter Vereins- und Turnierspieler. Seine Eindrücke hat er in vielen Berichten auf der ChessBase-Nachrichtenseite festgehalten.
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