Feuerwerk beim Isle of Man Turnier

von Johannes Fischer
31.10.2018 – Bei großen offenen Turnieren steht vor allem der Kampf um den Sieg im Mittelpunkt. Aber natürlich spielen auch die anderen Teilnehmer stark und interessante Partien, vor allem in so gut besetzen Turnieren wie dem Isle of Man Open. Zum Beispiel lieferten sich Erwin l’Ami und Simon Williams in Runde 9 einen faszinierenden taktischen Schlagabtausch und in Runde 7 gewann der indische Jungstar Praggnanandhaa eine hübsche Angriffspartie – oder folgte er nur seiner Vorbereitung? | Foto: Erwin l'Ami, ChessBase

A Gambit Guide through the Open Game Vol.1 and 2 A Gambit Guide through the Open Game Vol.1 and 2

Mit Erwin l'Ami stellt Ihnen ein ausgewiesener Experte alle Gambits vor, die es nach 1.e4 e5 gibt und zu kennen lohnt. Vom Frankenstein-Dracula Gambit bis hin zum Marshall-Gambit. Band 1 + 2 mit einer Gesamtspielzeit von über 10 Stunden!

Mehr...

Königsjagd in der Schlussrunde

Der holländische Großmeister Erwin l’Ami gilt als ausgesprochen guter Theoretiker und nicht umsonst unterstützt er Anish Giri, dessen Vorbereitung auch unter Großmeisterkollegen gefürchtet ist, als Sekundant. Aber Giri gilt nicht nur als fleißig und gut vorbereitet, sondern auch als solider Spieler. Aber wie Erwin l’Ami unter anderem auf seiner aktuellen DVD über die Tarrasch-Verteidigung und seinem Gambit Guide gezeigt hat, fühlt er sich auch in taktischen Stellungen zuhause.

The Tarrasch Defence

Suchen Sie nach einer aktiven Verteidigung gegen 1.d4? Suchen Sie nicht weiter! Die Tarrasch Verteidigung (1.d4 d5 2.c4 e6 3.Sc3 c5) ist eine der aggressivsten schwarzen Eröffnungen gegen 1.d4.

Mehr...

Wie dieser Hang zur Taktik in der Praxis aussieht, bewies l’Ami in Runde 9 des Isle of Man Open, in der er mit Weiß gegen den englischen Großmeister Simon Williams spielte.

Simon Williams | Foto: Alina l'Ami

Williams ist ein beliebter Kommentator und Autor, nicht zuletzt wegen seiner Neigung zu aggressivem Angriffsspiel.

Evans Gambit for the new generation

Das Evans-Gambit ist ein Versuch, Schwarz direkt aus der Eröffnung heraus im Opferstil zu vernichten. Mit Partien von einst sowie zahlreichen neuen und zündenden Ideen zeigt Ihnen diese DVD eine hochrasante Methode, Italienisch zu spielen.

Mehr...

 

Theorie oder taktisches Genie?

Der junge Inder Rameshbabu Praggnanandhaa, den die meisten einfach "Pragg" oder "Pragga" nennen, gilt als eines der größten Talente der Welt. Im Juni 2018 holte er im Alter von 12 Jahren, 10 Monaten und 13 Tagen beim Gredine Open seine dritte und letzte Großmeisternorm und wurde zum damals zweitjüngsten Großmeister aller Zeiten. Allerdings wurde er schon im Oktober 2018 von dem jungen Usbeken Javokhir Sindarov überflügelt, der im Alter von 12 Jahren, 10 Monaten und 8 Tagen alle GM-Normen und die notwendige Elo-Zahl von 2500 beisammen hatte und so fünf Tage schneller als das indische Talent Großmeister wurde.

Praggnanandhaa Rameshbabu | Foto: Lennart Ootes

In Runde 7 des Isle of Man Open spielte Praggnanandhaa eine brillante Angriffspartie, die ein Beleg für seine außergewöhnlichen taktischen Fähigkeiten zu sein scheint. IM Sagar Shah hat sich die Partie genauer angeschaut und lädt seine Zuschauer in einem Video dazu ein, ihre taktischen Fähigkeiten mit denen des Junggroßmeisters zu vergleichen.

(Das Video hat eine etwa vierminütige Einleitung, die Partie beginnt ungefähr nach 3 Minuten und 50 Sekunden.)

Die Partie zum Nachspielen

 

Das kreative Angriffsspiel des Weißen hinterlässt Eindruck. Aber wie kreativ war Praggnanandhaa in dieser Partie wirklich? Denn wie Sagar Shah verrät, folgten beide Seiten bis 23. Dc7+ einer 2015 gespielten Fernpartie, in der Yuri Sherbakov mit Weiß gewann.

Corr Database 2018

Corr Database 2018 ist die große ChessBase-Sammlung von Fernschachpartien aus der Zeit von 1804 bis 2017.

Mehr...

Ob der junge Inder diese Partie kannte oder seine brillanten Züge am Brett gefunden hat, weiß man (bislang) nicht. Sollte Praggnanandhaa die vielen taktischen Möglichkeiten am Brett gefunden haben, beweist das sein enormes Talent. Sollte er die Fernpartie gekannt haben, zeigt das seinen Fleiß und sein gutes Gedächtnis. In jedem Fall gute Voraussetzungen für eine erfolgreiche Schachkarriere.

Links




Johannes Fischer, Jahrgang 1963, ist FIDE-Meister und hat in Frankfurt am Main Literaturwissenschaft studiert. Er lebt und arbeitet in Nürnberg als Übersetzer, Redakteur und Autor. Er schreibt regelmäßig für KARL und veröffentlicht auf seinem eigenen Blog Schöner Schein "Notizen über Film, Literatur und Schach".
Discussion and Feedback Join the public discussion or submit your feedback to the editors


Diskutieren

Regeln für Leserkommentare

 
 

Noch kein Benutzer? Registrieren