
Die Vereinigten Staaten führen die Setzliste an. An Brett eins spielt Fabiano Caruana (2792), gefolgt von Wesley So (2765). Für eine Überraschung sorgt die weitere Reihenfolge: Hans Niemann (2725) wurde an Brett drei vor Levon Aronian (2721) gemeldet. Awonder Liang (2690) komplettiert die Mannschaft an Brett fünf.
Niemann und Liang geben beide ihr Debüt bei einer Schacholympiade. Mannschaftskapitän ist erneut John Donaldson, der die USA bereits 2016 in Baku zum Olympiasieg führte. Als Trainer fungiert Grigory Oparin.
Titelverteidiger Indien tritt mit vier Spielern der Goldmannschaft von Budapest an, allerdings in deutlich veränderter Reihenfolge. Arjun Erigaisi (2759) führt das Team vor Praggnanandhaa R (2750) an Brett zwei an. Nihal Sarin (2718), der Pentala Harikrishna im fünfköpfigen Aufgebot ersetzt, ist an Brett drei gemeldet. Der amtierende Weltmeister Gukesh Dommaraju (2703) spielt an Brett vier, Vidit Gujrathi (2697) an Brett fünf. Mannschaftskapitän ist erneut Srinath Narayanan.
Für Gukesh bedeutet das eine bemerkenswerte Veränderung. Bei der Olympiade in Budapest spielte er noch an Brett eins und zeigte mit 9 Punkten aus 10 Partien und einer Performance von 3056 eine der besten Einzelleistungen der Olympiade. Er gewann die Goldmedaille an Brett eins und führte Indien zu einem souveränen Olympiasieg mit vier Mannschaftspunkten Vorsprung. Auch Arjun Erigaisi gewann damals Einzelgold, an Brett drei.
Praggnanandhaa reist in ausgezeichneter Form nach Samarkand, nachdem er im Juni Norway Chess gewonnen hat. Gegenüber der FIDE formulierte er das Ziel der indischen Mannschaft knapp:
"Wir haben die letzte Olympiade gewonnen und wollen unseren Titel verteidigen."
Die Statistik spricht allerdings gegen Indien. Seit Armenien 2006 und 2008 zwei Olympiasiege in Folge gelang, konnte kein Land den Titel im Offenen Turnier erfolgreich verteidigen. Die letzten fünf Olympiaden brachten vier verschiedene Sieger hervor: China gewann 2014 und 2018, die Vereinigten Staaten 2016, Usbekistan 2022 und Indien 2024.
Der Gastgeber dürfte in Samarkand zu den gefährlichsten Konkurrenten zählen und hat seine Mannschaft ebenfalls neu geordnet. Javokhir Sindarov (2777) führt das Team nun vor Nodirbek Abdusattorov (2762) an. Komplettiert wird die Mannschaft durch Nodirbek Yakubboev, Shamsiddin Vokhidov und Mukhiddin Madaminov. Mannschaftskapitän ist der frühere FIDE-Weltmeister Rustam Kasimdzhanov.
Vier Spieler der Mannschaft, die 2022 in Chennai Olympiagold gewann, sind wieder dabei. Nach dem Titelgewinn holte Usbekistan 2024 in Budapest die Bronzemedaille, wobei Shamsiddin Vokhidov an Brett vier die Goldmedaille in der Einzelwertung gewann.
Als Gastgeber stellt Usbekistan in beiden Wettbewerben jeweils drei Mannschaften. Die zweite Mannschaft ist im Offenen Turnier an Position 32 gesetzt und gibt einer weiteren Gruppe junger Talente die Gelegenheit, vor heimischem Publikum Olympialuft zu schnuppern.
Auch China schickt eine Mannschaft ins Rennen, die um den Olympiasieg mitspielen kann. Angeführt wird das Team von Wei Yi (2752), gefolgt vom früheren Weltmeister Ding Liren (2733). Yu Yangyi, Xu Xiangyu und Kong Xiangrui komplettieren das Aufgebot, Mannschaftskapitän ist Yang Wen. China gewann die Schacholympiade 2014 und 2018. Wei Yi gehört inzwischen zur Weltspitze, während Ding Liren die Erfahrung aus zwei chinesischen Olympiasiegen einbringt. Für Kong, den jüngsten Spieler der Mannschaft, wird es die erste Schacholympiade sein.
Deutschland ist an Position fünf gesetzt. Die Mannschaft besteht aus Vincent Keymer, Matthias Blübaum, Frederik Svane, Alexander Donchenko und Dmitrij Kollars. Keymer führt ein Team an, zu dem mit Frederik Svane auch ein aktueller Einzelmedaillengewinner der Olympiade gehört: Svane gewann 2024 in Budapest Gold als Ersatzspieler. Mannschaftskapitän ist Jan Gustafsson.
Die Niederlande folgen auf Rang sechs, Aserbaidschan ist unter Mannschaftskapitän Teimour Radjabov an Position sieben gesetzt. Auch Ungarn, Armenien und Frankreich gehören zu den Top Ten. Hinter den vier Favoriten liegen die Mannschaften eng beieinander.
Frauenturnier: Humpy kehrt zurück – Indien führt die Setzliste an

Indien geht auch im Frauenturnier als Titelverteidiger und Nummer eins der Setzliste an den Start. Mit einem Elo-Durchschnitt von 2476 liegt das Team vor Georgien (2449), China (2432), Kasachstan (2421), den Vereinigten Staaten (2413) und der Ukraine (2398).
Humpy Koneru (2524), die die Olympiade in Budapest ausgelassen hatte, kehrt ins Team zurück und führt die Mannschaft an Brett eins an. Es folgen Divya Deshmukh (2490), Vaishali Rameshbabu (2489), Vantika Agrawal und die junge Savitha Shri B. Mannschaftskapitän ist Swayams Mishra.
Die Mannschaft hat sich an zwei Positionen verändert. Harika Dronavalli, über viele Jahre eine feste Größe im indischen Olympiateam, gehört ebenso wenig zum Aufgebot wie Tania Sachdev. Dafür rücken Humpy und Savitha ins Team. Divya, Vaishali und Vantika gehören erneut zu der Mannschaft, die 2024 in Budapest Gold gewann.
Divya und Vantika sicherten sich damals die Goldmedaille in der Einzelwertung an Brett drei beziehungsweise vier. Vaishali gewann inzwischen das Kandidatinnenturnier und wird Ju Wenjun im Wettkampf um die Frauen-Weltmeisterschaft herausfordern. Die chinesische Weltmeisterin gehört allerdings nicht zum Olympiateam ihres Landes.
Mit Samarkand verbindet Vaishali zudem gute Erinnerungen. Dort gewann sie im September 2025 das Women's Grand Swiss und verteidigte damit ihren Titel aus dem Jahr 2023.
"Samarkand ist einer meiner Lieblingsorte", sagte sie. "Ich habe dort im vergangenen Jahr das Grand Swiss gewonnen und freue mich darauf, wiederzukommen."
Humpy ist überzeugt, dass Indien so stark besetzt ist wie nie zuvor.
"Das ist eine der stärksten Mannschaften, die wir jemals für eine Schacholympiade hatten", sagte sie in einem Interview mit Underpromoted. "Ich habe auch 2022 bei der Olympiade in Indien gespielt, aber dieses Team ist noch stärker. Ich denke, wir haben unsere bisher beste Chance."
Gleichzeitig verwies sie auf die Schwierigkeit, den Titel zu verteidigen.
"Einen Titel zu gewinnen, ist etwas Besonderes. Ihn zu verteidigen, ist noch viel schwieriger. Dafür muss man während des gesamten Turniers auf höchstem Niveau spielen."
Seit China 2016 und 2018 zweimal in Folge Olympiasieger wurde, ist es keiner Mannschaft mehr gelungen, den Titel im Frauenturnier erfolgreich zu verteidigen. 2022 gewann die Ukraine in Chennai, 2024 folgte Indien in Budapest.
Georgien geht als Nummer zwei der Setzliste mit einer ausgeglichen besetzten Mannschaft ins Turnier. Angeführt wird das Team von Nana Dzagnidze vor Nino Batsiashvili, Lela Javakhishvili, Bella Khotenashvili und Meri Arabidze. Mannschaftskapitänin ist Salome Melia. Zwischen den ersten vier Spielerinnen liegen lediglich 50 Elo-Punkte, was der Mannschaft große Ausgeglichenheit verleiht. Georgien gewann bei Schacholympiaden bislang neun Medaillen, darunter viermal Gold.
China, sechsmal Olympiasieger bei den Frauen, tritt ohne Ju Wenjun, Lei Tingjie und Tan Zhongyi an, ist aber dennoch an Position drei gesetzt. Zhu Jiner (2550) führt die Mannschaft vor Song Yuxin, Lu Miaoyi, Yan Tianqi und Zhai Mo an. Mannschaftskapitän ist Zhong Zhang. Zhu gewann 2024 in Budapest die Goldmedaille an Brett eins und nahm inzwischen am Kandidatinnen-Turnier teil. Die übrigen Spielerinnen stehen für einen Generationenwechsel. Lu, Jahrgang 2010, ist bereits Internationaler Meister und gehört zu den stärksten Nachwuchsspielerinnen der Welt. Sie war die viertjüngste Spielerin der Geschichte, die den IM-Titel errang.
Kasachstan ist an Position vier gesetzt, nachdem das Team in Budapest mit nur einem Mannschaftspunkt Rückstand auf Indien die erste Olympiamedaille seiner Geschichte gewonnen hatte. Angeführt wird die Mannschaft von Bibisara Assaubayeva (2538), gefolgt von Alua Nurman, Meruert Kamalidenova, Elnaz Kaliakhmet und Zarina Nurgaliyeva. Mannschaftskapitän ist Pavel Kotsur.
Kasachstan hat sich in den vergangenen Olympiaden kontinuierlich verbessert: Platz zehn 2018 in Batumi, Platz fünf 2022 in Chennai und Silber 2024 in Budapest. Assaubayeva gewann inzwischen Norway Chess Women und belegte beim Kandidatinnen-Turnier 2026 den zweiten Platz. Entsprechend gut vorbereitet geht sie als Spitzenspielerin ihrer jungen Mannschaft in die Olympiade.
Die Ukraine tritt ohne Anna und Mariya Muzychuk an, die ihr Land 2022 in Chennai zu Olympiagold geführt hatten. Das neue Aufgebot gehört zu den auffälligsten des Teilnehmerfeldes. Die erst 16-jährige Anastasiia Hnatyshyn (2465) führt die Mannschaft vor der Frauenweltmeisterin von 2012, Anna Ushenina, an.
Komplettiert wird das Team durch Nataliya Buksa, Anastasiya Rakhmangulova und Tetyana Skarbarchuk. Mannschaftskapitän ist Michail Brodsky. Hnatyshyn verdankte ihren Platz an Brett eins dem Gewinn der Europameisterschaft 2026 in Batumi. Als Nummer 76 der Setzliste erzielte sie 9 Punkte aus 11 Partien, gewann mehr als 200 Elo-Punkte hinzu und sicherte sich sowohl den direkten Titel einer Frauengroßmeisterin als auch ihre erste IM-Norm.
Die Vereinigten Staaten sind an Position fünf gesetzt. Aus der Bronzemannschaft von Budapest kehren Carissa Yip, Alice Lee und Irina Krush zurück. Rose Atwell gibt ihr Olympiadedebüt, während Tatev Abrahamyan bereits ihre siebte Schacholympiade bestreiten wird. Mannschaftskapitän ist Melikset Khachiyan. Carissa Yip gewann 2024 in Budapest die Goldmedaille in der Einzelwertung an Brett zwei.
Gastgeber Usbekistan ist im Frauenturnier an Position 13 gesetzt. Die Mannschaft besteht aus Afruza Khamdamova, Gulrukhbegim Tokhirjonova, Nilufarkhon Imomkuzieva, Umida Omonova und Guldona Karimova. Mannschaftskapitänin ist Nafisa Muminova. Wie im Offenen Turnier stellt Usbekistan auch im Frauenturnier eine zweite und dritte Mannschaft, die überwiegend aus den stärksten Nachwuchsspielerinnen des Landes besteht.
Junge Talente im Blickpunkt
Zu den auffälligsten Nachwuchsspielern der Olympiade zählen Faustino Oro, Yağız Kaan Erdoğmuş und die Engländerin Bodhana Sivanandan.
Kaum eine Mannschaft steht so sehr für den Generationswechsel wie die Türkei. Der erst 15-jährige Yağız Kaan Erdoğmuş (2716) führt das Team an Brett eins an. Im Mai überschritt er noch als 14-Jähriger als jüngster Spieler der Schachgeschichte die Elo-Marke von 2700.
Faustino Oro, der für Argentinien antritt, wurde im Mai im Alter von 12 Jahren, sechs Monaten und 26 Tagen zum zweitjüngsten Großmeister der Schachgeschichte. Zuvor hatte er bereits als jüngster Spieler überhaupt die Elo-Marke von 2500 überschritten.
Bodhana Sivanandan ist erst elf Jahre alt. Sie gab ihr Olympiadedebüt in Budapest bereits mit neun Jahren und erzielte vor kurzem als jüngstes Mädchen der Schachgeschichte eine IM-Norm. Damit übertraf sie einen fast vier Jahrzehnte alten Rekord von Judit Polgár. Außerdem hält sie den Rekord als jüngste Spielerin mit einer WGM-Norm.
Diese Talente stehen stellvertretend für eine breitere Entwicklung. In der türkischen Mannschaft sind die beiden Spitzenbretter mit Teenagern besetzt, Chinas Frauenmannschaft setzt überwiegend auf Spielerinnen im Teenageralter oder Anfang zwanzig, und auch die Vereinigten Staaten schicken mehrere Nachwuchsspieler zu ihrer ersten Olympiade. Die zusätzlichen Gastgebermannschaften Usbekistans geben einer weiteren Generation junger Talente die Gelegenheit, internationale Erfahrung zu sammeln.
Worauf man achten sollte
Im Offenen Turnier liegen die Vereinigten Staaten, Usbekistan, Indien und China nach dem Elo-Durchschnitt nur knapp auseinander. Die veränderte Brettreihenfolge Indiens bedeutet zudem, dass Weltmeister Gukesh an Brett vier statt an Brett eins spielen wird – ein Detail, das im Verlauf der elf Runden durchaus von Bedeutung sein könnte. Im Frauenturnier führen Indien, Georgien, China und Kasachstan die Setzliste an, dicht gefolgt von den Vereinigten Staaten.
Die vollständigen Mannschaftsaufstellungen sind auf der offiziellen Turnierwebsite veröffentlicht:
https://chessolympiad2026.fide.com/teams_open
https://chessolympiad2026.fide.com/teams_women
Offizielle Turnierseite: https://chessolympiad2026.fide.com/




