Fischer spielt!

von André Schulz
30.03.2020 – Bis zuletzt hatte Max Euwe um die Teilnahme von Bobby Fischer am "Match des Jahrhunderts" gekämpft. Mit Erfolg. Bobby Fischer spielt und gibt sich tatsächlich mit Brett zwei hinter Bent Larsen zufrieden. Heute geht es in Belgrad los. UdSSR gegen den Rest der Welt. Mit Wolfgang Uhlmann (DDR) und Klaus Darga (BRD) sind auch zwei Deutsche dabei.

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Das ist wahrlich der Wettkampf des Jahrhunderts. Die zehn besten Spieler aus zwei Welten sitzen sich in einem wahren Geistes-Wettstreit gegenüber. Auf der einen Seite eine Mannschaft mit den besten Spielern der UdSSR, auf der anderen Seite eine Mannschaft mit den besten Spielern aus der restlichen Welt. Während sich der Westen und der Osten, getrennt durch den "Eisernen Vorhang" in der Politik scheinbar unversöhnlich gegenüberstehen, kommt es in der jugoslawischen Hauptstadt Belgrad zu diesem einzigartigen Wettstreit. Und anders als in der Politik gibt es im Sport, besonders im Schach, immer wieder schöne Begegnungen und Gespräche unter den Sportlern aus den beiden Welten

Austragungsort ist der große Saal im Dom Sindikat, der Handelskammer. Das imposante Haus befindet sich inmitten des Zentrums der Stadt am Marx-Engels-Platz, in Sichtweite des jugoslawischen Parlamentsgebäudes.

Dom Sindikat

Die Spieler sind im prächtigen Metropol Palace Hotel untergebracht. Das 1958 erbaute Haus gilt als eines der Wahrzeichen des modernen Belgrads. Jozip Broz Tito, selber ein großer Schachfreund, feiert hier alljährlich mit geladenen Gästen seine Silvesterpartie.

Im Metropol Hotel werden die prominenten Gäste und Besucher Jugoslawiens untergebracht, darunter zuletzt die US-amerikanischen Astronauen Neil Armstrong und Buzz Aldrin, die ersten Menschen auf dem Mond. Wir erinnern uns noch alle lebhaft an dieses denkwürdige Ereignis im letzten Jahr. Damit hat eine neue Ära begonnen. In spätestens 50 Jahren wird der Mond von Menschen besiedelt sein.

In knapp 14 Tagen ist mit Apollo 13 der Start einer neuen Mondmission geplant.

Die Eintrittskarten für den Wettkampf waren im Nu ausverkauft. In den Saal passen ca. 3000 Zuschauer. Das Interesse ist natürlich viel größer und so hat man draußen an der Halle, man kennt das von den Wettkämpfen um die Weltmeisterschaft in Moskau, eine riesige Leinwand installiert, auf die die Züge übertragen werden. Die ultramoderne Übertragungstechnik wurde vom jugoslawischen Atomzentrum zur Verfügung gestellt. Im Haus kommentiert Milan Bertok die Partien im Presseraum. Seine Kommentare werden für die Zuschauer auf dem Platz vor dem Haus auf riesige Lautsprecher übertragen. Einige zusätzliche 100 Zuschauer werden dort erwartet.

Metropole des Balkans: Belgrad

Dieser Wettkampf ist im Prinzip die Fortsetzung der Wettkämpfe, die die UdSSR bald nach Ende des Zweiten Weltkrieges unter anderem gegen die USA spielte. Man erinnert sich: Die UdSSR gewann gegen die USA hoch mit 15,5:4,5. Der Stachel sitzt auch heute noch tief. Savielly Tartakower schlug damals schon einen Vergleich UdSSR gegen den Rest der Welt vor. Ein Land alleine konnte es mit der sowjetischen Schachsupermacht offenbar nicht mehr aufnehmen. Währen der Weltmeisterschaft 1948 wurden einige Verhandlungen über einen solchen Vergleich geführt, verliefen aber im Sande.

Im letzten Jahr nahm der Präsident der Serbischen Schachunion M. Molerović die Idee wieder auf, schlug sie in der FIDE vor und stieß damit auf offene Ohren. Innerhalb der UdSSR erklärte man sich zu dem Wettkampf bereit, nachdem die führenden sowjetischen Spieler, so hört man, gegenüber S.P. Pavlov, dem Vorsitzenden des Komitees für Sport und Kultur erklärt hatte, dass man den Wettkampf klar gewinnen würde, ähnlich hoch wie damals gegen die USA. Damit lastet allerdings auch einiger Druck auf den sowjetischen Spielern. Auf dem letzten FIDE-Kongress in San Juan wurde man sich über die Bedingungen schnell einig. FIDE-Präsident Max Euwe erklärte sich gerne bereit, das Amt des Kapitäns für die Welt Auswahl zu übernehmen.

Die sowjetische Mannschaft hat sich in einem Trainingslager in der Nähe von Moskau intensiv auf diesen prestigeträchtigen Wettkampf vorbereitet. Dabei wurde auf körperliche Fitness ebenso geachtet, wie auf die schachliche Vorbereitung. Jedem der Spieler wurde zudem ein umfangreiches Dossier zu den möglichen Gegnern zur Verfügung gestellt. Die UdSSR setzt mit ihrer Aufstellung auf die bewährten Kräfte mit den großen Namen und hat mit Botvinnik, Smyslov, Tal Petrosian und Spassky alle Weltmeister seit 1948 in ihren Reihen.

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Bei der Aufstellung der Welt-Mannschaft ging es nicht reibungslos vonstatten. Wer sollte an Brett eins spielen? Max Euwe wollte nach der Wertungsliste gemäß der Formel von Professor Elo aufstellen - ein unbestechlicher Maßstab. Eigentlich ist hier Bobby Fischer der wertungsbeste Spieler. Er hat aber in den letzten 18 Monaten nur eine Partie gespielt, während Bent Larsen seine Stellung als aktuell bester Spieler in einer Vielzahl von Partien unter Beweis gestellt hat. Der Däne kann mit guten Grund Brett eins beanspruchen und tat das auch. Larsen erklärte klar und deutlich, dass er nur an Brett eins überhaupt mitspielen würde.

Fischer und Larsen, die besten Spieler des Westens

Brett eins also für Larsen, oder gar nicht. Lange war unklar, ob der als exzentrisch bekannte Bobby Fischer unter diesen Bedingungen antreten würde. Letztlich hat er sich aber dazu bereit erklärt.

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Der Wettkampf UdSSR gegen den Rest der Welt wird an zehn Brettern über vier Runden ausgetragen.

Alle Spieler im geordneten Gruppenfoto

Das sind die Aufstellungen:


UdSSR:

1. Boris Spassky
2. Tigran Petrosian
3. Viktor Kortschnoi
4. Lev Polugaevsky
5. Efim Geller
6. Vassily Smyslov
7. Mark Taimanov
8. Michail Botvinnik
9. Michail Tal
10. Paul Keres

Reserve:

Leonid Stein
David Bronstein

Weltauswahl

1. Bent Larsen
2. Bobby Fischer
3. Lajos Portisch
4. Vlastimil Hort
5. Svetozar Gligoric
6. Samuel Reshevsky
7. Wolfgang Uhlmann
8. Milan Matulovic
9. Miguel Najdorf
10.Borislav Ivkov

Reserve:

Fridrik Olafsson
Klaus Darga

Das Turnier wird vom Ministerpräsidenten der jugoslawischen Regierung Mitja Ribcic eröffnet. Die Jugoslawen haben viel in diesen Wettkampf investiert. Er soll 100.000 US-Dollar gekostet haben.

Die Partien werden hier zeitversetzt übertragen, täglich ab 16 Uhr. Klaus Bischoff kommentiert.

André Schulz, mit Hinweisen von Douglas Griffith.


Douglas Griffith plant zusammen mit dem Informator-Verlag ein Turnierbuch zu diesem Wettkampf, das in Kürze erscheinen soll.
 



André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.

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