Gleichberechtigung in Schach und Politik
Das Grand Prix de Sénat TV Mag Schnellschachturnier fand am 5.und
6.September in Paris statt. Vier Spieler nahmen teil und es herrschte Gleichheit
unter den Teilnehmer in Bezug auf die Anzahl von Männern und Frauen. Nach einem
unglücklichen Sonntag für die Frauen gewann GM Anatoly Vaisser das Turnier.
Organisiert wurde das Turnier vom
Senat, der Zweiten Kammer des Französischen Parlaments neben der
Nationalversammlung, und der Zeitschrift
TV Mag
von der Figaro Verlagsgruppe. Unmittelbar nach dem Turnier spielten die
Teilnehmer traditionell ein Simultan im Luxembourg Garten, einer 25 Hektar
großen grünen Oase am linken Seineufer.

Die Geschichte des Senats begann mit dem "Conseil des Anciens" (Ältestenrat)
(1795-99), der im Rahmen des Konsulats 1799 zum sog. "Sénat Conservateur" wurde
und 1814 mit der Absetzung seines Präsidenten, Napoleon, endete.
Für die vierte Auflage des Turniers beschlossen die Veranstalter eine Neuerung,
in dem sie zwei Männer und zwei Frauen einluden. Die Idee war, damit auch die
Gleichberechtigung der Geschlechter in der Politik zu bewerben, die in
Frankreich seit dem Jahr 2000
gesetzlich fixiert ist. Das Ziel dieser fortschrittlichen Gesetzgebung ist
es einmal eine gleiche Anzahl an Kandidaten für alle Wahlen zu haben.

Die beiden Hauptorganisatoren Yves Marek (li.)),
Beauftragter für Kultur im Senat und der Journalist Bertrand Guyard von TV Mag.
Am Samstag, den 5. September spielten die
beiden GMs Anatoly Vaïsser (2571) und Laurent Fressinet (2640) gegen
Frankreichs beste Frauen, Almira Skripchenko (2485) und Marie Sebag (2432) je
ein Minimatch mit zwei 25-Minuten-Schnellschachpartien und Blitzentscheid, falls
nötig. Die Auslosung wollte es, dass Sebag gegen Fressinet und Skripchenko gegen
Vaïsser die Semifinals zu spielen hatten. Nach einer verbissenen Schlacht im
vibrierenden Salle Medicis konnte sich der "alte Haudegen"
Anatoly Vaïsser (54) gegen seine
Widersacherin Almira Skripchenko im Tiebreak mit 2-0 durchsetzten. Nach den
beiden Remis in den Schnellschachpartien hatte Almira diese klare Niederlage
nicht verdient.

Laurent Fressinet wollte nicht zwei zweimal hintereinander gegen eine Frau
verlieren. Nach ihrer Niederlage im Spiel um Platz drei meint Almira: "In der
ersten Partie habe ich den Gewinn verpasst. Mein alter Fehler: Bei knapper Zeit
und vielen Möglichkeiten verfalle ich in Panik."
Die Hautattraktion war der fantastische Wettkampf-Sieg von Marie Sebag nach
zwei gewonnenen Partien gegen Laurent Fressinet. "Sie spielt sehr schnell. Wenn
Sie zuversichtlich ist, gut vorbereitet und in guter Form, dann hat sie
2600-Spielstärke", meinte der Geschlagene. Die Rede ist von einer jungen Dame
mit erst 16 Jahren.

Beginn des Finales
Das Finale zog viele Zuschauer, darunter viele VIPs an. Alle hofften auf
einen Sieg der jungen Marie. Tatsächlich konnte Anatoly erst nicht glauben, wie
ihm geschah. In der ersten Partie spielte er seine Lieblingseröffnung, die
Französische Verteidigung, verlor dann aber plötzlich die Kontrolle über die
Ereignisse nach einem schlimmen Fehler (19…a5). Marie nutze den Fehler und hatte
zehn Züge später eine Gewinnstellung. Unglückerweise spielte sie das folgende
Endspiel furchtbar und verpasste den Sieg in Zeitnot. In der zweiten Partie gab
Anatoly ihr keine Gelegenheit zurück in den Wettkampf zu kommen. So konnte
Anatoly mit Glück und den besseren Nerven auf den Spuren seines Freundes Kramnik
wandeln und sich in die Siegerliste eintragen. Kramnik gewann das Turnier im
letzten Jahr.

Trotz Finalniederlage eine tolle Leistung: Marie Sebag.
Die Partien zum Nachspielen...
Bilder:

Washington Square, Museon Park, Jardin Luxembourg in Paris: Schach ist ein
Freiluftsport. Der Zuschauer ist GM Eloi Relange.

Sieger Anatoly Vaisser mit seiner Frau. Rechts Yves Marek und Sabrina Grimaldi,
Direktorin der Webseite von TV
Mag

Mrs Vaïsser (li.) und die frühere französische Vizemeisterin Nina
Mousset-Evtouchenko

IGM Bachar Kouatly, Direktor von Europe Echecs, und Patricia Empain-Guyard, die
Gattin von Bertrand, eine gute Hobbyspielerin wie ihr berühmter Vater, Baron
Empain.

Der junge ungarische Geiger und Kristof Barati und der Virtuose Edward Wulfson
schauen ihrem Freund Anatoly Vaïsser zu.

Mrs and Mr Relange, beide Maler, die Eltern von GM Eloi.

Almira eröffnet das Simultan, gekleidet in Pariser Chic.

Lukas, der Sohn von Sabrina Grimaldi von TV Mag, spielt gegen Marie Sebag.
Rechts sein Trainer Stéphane Schabanel

Yves Marek, der früher Schach-Vizemeister von Tunesien hat einmal ein remis
gegen den legendären Misha Tal geschafft. Hier spielt er gegen Fressinet.

Frankreichts Top-Großmeister Joel Lautier zwischen Anatoly Vaisser (re.) und
Kristof Baraty, der beim Simultan gegen Fressinet spielte.

Der bekannte Fide- Funktionär Willy Iclicki und with Almira

Ein großer Siege für den geistig jung gebliebenen Anatoly Vaisser, der hier mit
seiner Trophäe sitzt, als wäre es seine erste.
Bericht und Fotos: Jean-Michel Péchiné of
Europe Echecs