Frauen-Bundesliga: Baden-Baden patzt gegen die Schachmiezen

von Thomas Marschner
16.12.2019 – Die Rodewischer Schachmiezen sorgten am vergangenen Wochenende für eine Überraschung und nahmen Titelfavorit Baden-Baden einen Punkt ab. Davon profitierte Bad Königshofen und übernahm die Tabellenführung. Der Hamburger SK kassierte zwei Niederlagen. | Fotos: Thomas Marschner

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Die Frauenbundesliga bleibt spannend

In der Frauenbundesliga hat Titelverteidiger Bad Königshofen die Tabellenführung übernommen. Bad Königshofen profitierte von dem überraschenden Punktverlust von Baden-Baden gegen die Rodewischer Schachmiezen. Das Unentschieden war deshalb so überraschend, weil die Schachmiezen nur zu Fünft und dazu stark ersatzgeschwächt antraten. Aber Anastasia Bodnaruk gegen  Antonaeta Stefanova und die hinteren Bretter sorgten für 3 Punkte für Rodewisch. In Schlagdistanz zu den beiden führenden Mannschaften liegen drei Teams mit 6-2 Punkten: Schwäbisch Hall, Rodewisch und Deizisau. Verlierer des Wochenendes war Hamburg, gegen Schwäbisch Hall gab es ein deutliches 0,5-5,5 und auch gegen Deizisau verlor man knapp mit 2,5-3,5 und muss sich in der Tabelle erstmal nach unten orientieren. Spannung bis zum Schluss verspricht auch der Abstiegskampf. Am Tabellenende stehen Leipzig und Karlsruhe, das 3-3 zwischen den beiden hilft keinem so richtig weiter. Hier die Übersicht von den einzelnen Spielorten.

Spielort Schwäbisch Hall

Hier blieben die Punkte bei den Gastgebern. Gespielt wurde diesmal im sehr geräumigen Casino der Bausparkasse Schwäbisch Hall, das allerdings auch die geplante Liveübertragung perfekt abschirmte, obwohl niemand so recht verstand, warum eigentlich. Es gelang noch nicht einmal, das Signal von den Brettern bis zum Rechner zu bekommen, und die DGT-Software ist ja sowieso nicht sehr spendabel mit Fehlermeldungen. Die Spielbedingungen waren aber hervorragend.

Das Team von Schwäbisch Hall

Schwäbisch Hall kam zu zwei deutlichen Siegen gegen Hamburg und Harksheide, besonders dass der Sieg gegen Hamburg mit 5,5-0,5 so eindeutig ausfiel, überraschte. Nur Monika Socko erreichte ein Remis gegen Lela Javakhishvili. Ihr Bundesligadebüt gab die 17-jährige Weissrussin Olga Badelka, seit kurzem IM. Sie kam zu zwei sauber herausgespielten Siegen im Endspiel. Für das Spektakel waren andere zuständig: Irina Bulmaga „überfuhr“ Judith Fuchs‘ Najdorf-Sizilianer und Bela Khotenashvili brachte gegen Sarah Papp ein spektakuläres Turmopfer, nach dem die gegnerische Stellung auseinanderflog.

 

Es folgte 27.Txd5

Bela Khotenashvili

Am Ende hatte sie 4 Bauern für die Qualität und keine Schwierigkeiten, das nach Hause zu fahren. Deizisau machte es im Parallelspiel spannend gegen Harksheide mit einem knappen 3,5-2,5. Hier wurden reihenweise Chancen auf einen höheren Sieg vergeben, und am Ende konnte man sich bei Elena Köpke bedanken, die ihre schlechtere Stellung gegen Maria Gosciniak noch zum Remis zusammenhielt.

Harksheide mit Kapitän Eberhard Schabel

Elena Köpke war auch am Sonntag die Matchwinnerin beim Sieg gegen Hamburg: in einer Partie mit Höhen und Tiefen gewann sie am Ende gegen Filiz Osmanodja. Die Begegnung war ein Stelldichein vieler aktueller und ehemaliger deutscher Nationalspielerinnen, gleich sechs spielten in beiden Mannschaften, nur Hanna Marie Klek fehlte bei Deizisau dieses Mal.

Der Hamburger SK mit Kapitän Andreas Albers

Harksheide holte keine Mannschaftspunkte, aber die ein oder anderen Brettpunkte, und mehr war gegen diese Gegnerschaft auch nicht zu erwarten.

Spielerin des Wochenendes für Harksheide war Julia Antolak: sie gewann zunächst nach über 5 Stunden gegen Marta Michna und holte dann mit Schwarz ein recht souveränes Remis gegen Lela Javakhishvili.

Deizisau

Spielort Leipzig

Hier war der große Sieger Rodewisch. Die Schachmiezen rechneten sich gegen Baden-Baden überhaupt nichts aus, weil nur zu Fünft und dazu noch ersatzgeschwächt. In einem Vorbericht wurde schon vom Ziel der „Schadensbegrenzung“ gesprochen. Und dann gab es ein völlig unerwartetes 3-3, das natürlich noch mehr Würze in den Meisterschaftskampf gibt. Nach 4 Runden ist keine Mannschaft mehr ohne Punktverlust. Mannschaftskapitän Thilo Gubler sprach auf Facebook von einem „unnötigen Blechschaden“, man tröstete sich beim Abendessen aber mit dem Sieg von der schon lange für Baden-Baden spielenden Alexandra Kosteniuk beim Grand Prix in Monaco.

Tags drauf ließen die jetzt vollzähligen Schachmiezen ein lockeres 6-0 gegen Karlsruhe folgen, Baden-Baden gewann ähnlich deutlich mit 5,5-0,5 gegen Leipzig. Im Abstiegskampf gab es ein 3-3 zwischen den bis dato noch punktlosen Leipzigern und Karlsruhern.

Spielort Erfurt

Titelverteidiger Bad Königshofen kam zu zwei deutlichen Siegen gegen Erfurt und Lehrte und freute sich über den Baden-Badener Punktverlust. Ansonsten stand der Abstiegskampf im Mittelpunkt. Verlierer des Wochenendes war hier der SK Lehrte. Die Lehrter brachten nur 5 Spielerinnen ans Brett und verloren knapp gegen Hofheim, am Spitzenbrett schlug Karmen Mar Fiona Sieber. Die Hofheimer ihrerseits verloren 2-4 gegen Erfurt, ein Sieg wäre hier schon die halbe Miete zum Klassenerhalt gewesen. Erfurt, nominell die schwächste Mannschaft der Liga überraschte damit nach dem Punktgewinn gegen Hamburg erneut und ist mit 3 Punkten voll im Rennen um den Klassenerhalt dabei.

Weiter geht es am ersten Februarwochenende in Hamburg, Baden-Baden und Deizisau unter anderem mit Hamburg-Bad Königshofen und Schwäbisch Hall/Deizisau-Rodewisch.

Stand nach vier Runden

1. SC Bad Königshofen 1957 4 7 MP 19 BP
2. OSG Baden-Baden 4 7 17½
3. SK Schwäbisch Hall 4 6 17½
4. Rodewischer Schachmiezen 4 6 16
5. Schachfreunde Deizisau 4 6 11½
6. SV 1920 Hofheim 4 4 11½
7. Hamburger SK 4 3 10
8. SV Medizin Erfurt 4 3   9
9. TuRa Harksheide 4 2 10
10. SK Lehrte 4 2   9½
11. Karlsruher SF 1853 4 1   6½
12. SV Weißblau Allianz Leipzig 4 1   6


Partien der Runden 3 und 4 

 

 

Ergebnisse und Tabelle beim Deutschen Schachbund...

 


Dr. Thomas Marschner, Jahrgang 1967, ist Physiker und arbeitet in der Technologieentwicklung für die Herstellung von Solarmodulen. Er spielt seit fast 40 Jahren Schach, hat eine Elo von 2000 und spielt für seinen Heimatverein aus Eppstein im Taunus in der hessischen Verbandsliga. Er lebt in Schwäbisch Hall und berichtet bevorzugt aus der Schachbundesliga und der Frauenbundesliga. Außer Schach spielt er ebenfalls auf Verbandsebene Tennis, fotografiert gerne und betreibt unter www.thomas-marschner.de seine eigene Webseite.

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