Frauen-Bundesliga: Start mit Überraschungen

von Thomas Marschner
30.10.2018 – Am Wochenende startete die Frauenbundesliga. Einige Teams traten wegen der vielen derzeit laufenden Turniere ersatzgeschwächt an. Sieger der Doppelrunde ist der Hamburger SK, der zweimal gewann und die Tabellenführung übernahm. | Fotos: Thomas Marschner (wenn nicht anders angegeben)

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Start der neuen Saison der Frauenbundesliga

Am letzten Wochenende begann die neue Saison in der Frauenbundesliga und damit die Jagd auf den Titelverteidiger und Meisterschaftsfavorit Baden-Baden. Schon in der ersten Runde kam es zu zwei Spitzenspielen. Mit Baden-Baden und Bad Königshofen sowie Schwäbisch Hall und Hamburg trafen gleich zu Saisonbeginn die ersten Vier der letzten Abschlusstabelle aufeinander. Weil aktuell eine Vielzahl hochkarätiger Turniere stattfand oder noch stattfindet, hatten viele Mannschaften Aufstellungsprobleme, und das galt diesmal nicht nur für die Mannschaften an der Tabellenspitze, sondern auch für fast alle Mannschaften im Abstiegskampf. Unter anderem fand mit dem Isle-of-Man-Open das stärkste offene Turnier des Jahres statt, außerdem wurde im niederländischen Hoogeveen sowie im südfranzösischen Cap d’Agde gespielt. Dazu kommen noch die Jugendweltmeisterschaft in Griechenland, bei der unter anderem Lara Schulze (Lehrte), Annmarie Mütsch (Karlsruhe) und Julia Antolak (Harksheide) mitspielen. Durch die diversen Aufstellungsprobleme waren Überraschungen nicht ausgeschlossen. Die Saison der Frauenbundesliga endet übrigens am ersten Märzwochenende wie in der vorletzten Saison mit einer zentralen Endrunde im Berliner Maritim-Hotel gemeinsam mit der Schachbundesliga, wobei die Schachbundesliga dort nicht die letzten Runden, sondern die Runden 9-11 spielt.


Frauenbundesliga startet mit Überraschungen

Wie zuvor schon vermutet , kam es zu einigen Überraschungen, da aufgrund einer Vielzahl gleichzeitig stattfindender Turniere die eine oder anderen Mannschaften mit dem letzten Aufgebot an den Start gehen mussten. Hier die Informationen zu den einzelnen Spielorten mit Schwerpunkt Deizisau, da ich dort mit den Damen des SK Schwäbisch Hall vor Ort war.

Spielort Lehrte

Hier trafen Gastgeber Lehrte und Aufsteiger Pankov auf Rodewisch und Aufsteiger Bayern München. Hier gab es eine Premiere: erstmals wurden aus Lehrte die Partien live ins Internet übertragen, hier der Link. Erwartungsgemäß gewann Rodewisch beide Partien, hatte aber am Sonntag mit Lehrte einige Mühe, besonders weil Fiona Sieber die Rodewischer Topspielerin Anastasia Bodnaruk in einer furiosen Angriffspartie besiegen konnte. Am Ende reichte es aber noch zu einem 3,5-2,5 für den Favoriten.

Einen Big Point im Abstiegskampf machte Pankov mit einem klaren Sieg gegen Bayern München, und Lehrte hat sich gegen München sicher mehr als ein 3-3 erhofft.

Spielort Hofheim

In Hofheim trafen mit Baden-Baden und Bad Königshofen zwei Topmannschaften aufeinander, und gerade Baden-Baden ging sozusagen mit dem letzten Aufgebot ins Rennen, aber auch bei Bad Königshofen fehlten fast alle Topspielerinnen. Am Ende stand wie in der Vorsaison ein 3-3 Unentschieden, Neuzugang Anna Gvanceladze sorgte gegen Iamze Tammert für den Ausgleich. Gleichzeitig schlug Karlsruhe Hofheim, auch diesen beiden Mannschaften fehlten mit Annmarie Mütsch bzw. Sonja Bluhm wichtige Spielerinnen. Tags drauf schlug Bad Königshofen Karlsruhe deutlich, für Hofheim war das 2-4 gegen Baden-Baden ein Achtungserfolg, im Abstiegskampf gilt es in der nächsten Doppelrunde in Hamburg gegen Harksheide.

Spielort Deizisau

Mit dem Sieg gegen ersatz"gebeutelte" Schwäbisch Haller sorgte Hamburg für die größte Überraschung des Spieltags.

Team Schwäbisch Hall

Außerdem wurde Deizisau glatt geschlagen, damit ist Hamburg Tabellenführer nach der ersten Doppelrunde.

Team Deizisau

Die Inderin Rout Padmini feierte mit 2 Remisen am Spitzenbrett gegen starke Gegnerschaft ein prima Bundesligadebüt, erfolgreichste Hamburgerin war Alina Zahn an Brett 6 mit zwei souveränen Siegen.

 

Alina Zahn (links)

Harksheide verlor zweimal, zeigte aber, dass die Mannschaft stärker als noch vor zwei Jahren ist und realistische Chancen auf den Klassenerhalt hat.

Sophie Milliet doppelt im Pech

Pechvogel der Doppelrunde war Sophie Milliet (Schwäbisch Hall). Im Wettkampf gegen Hamburg hatte sie nach eine Läuferopfer entscheidenden Königsangriff, verpasste dann aber die beste Fortsetzung.

 

 

Gegen Maria Gosziniak am Sonntag stand die Französin ebenfalls gut, warf die Partie aber auch einzügig weg.

 

 

Prominenz in der zweiten Frauen-Bundesliga

Die prominenteste Spielerin überhaupt hat wohl die SG Löberitz in der Zweiten Liga Ost in ihren Reihen. Es ist die frühere Jugendweltmeisterin Dana Reizniece-Ozola, die inzwischen nicht nur in ihrem Heimatland Lettland politische Karriere gemacht hat. Dana Reizniece-Ozola war Wirtschaftsministerin ihres Landes und ist derzeit Finanzministerin. Als solche vertritt sie ihr Land bei den diversen Meetings der EU in Finanzfragen. Dem Schach ist sie in vielerlei Hinsicht treu geblieben. Im Weltschachbund wurde sie auf dem letzten FIDE-Kongress in Batumi zur Vizepräsidentin gewählt. Auf der vorletzten Schacholympiade in Baku spielte sie beim Wettkampf Lettland gegen China am ersten Brett gegen die beste Schachspielerin der Welt Yifan Hou - und konnte die Weltmeisterin besiegen!

Seit vielen Jahren spielt Dana Reizniece-Ozola in der zweiten Frauen-Bundesliga Ost für die SG Löberitz und sah auch keinen Grund, von dieser Gewohnheit zu lassen, nachdem sie politische Karriere gemacht hat. Am letzten Wochenende trat sie wieder am ersten Brett für ihr Team an, gewann ihre beiden Partien und half so mit, dass die SG Löberitz die Tabellenführung übernahm. Ihre Begeisterung am Schach zeigte sich zum Bespiel, als die lettische Finanzministerin am Wochenende auf ihrem Instagramm-Account ein kleines Live-Video vom beginnenden Mannschaftskampf in Löberitz zeigte.

Kurz zuvor hatte die Finanzministerin noch eine Kunstausstellung in Riga besucht. Dann ging es ab nach Löberitz zum Schach.

Foto: Dana Reiniece-Ozola auf Facebook 

Bearbeitet und ergänzt von André Schulz.

Alle Einzelergebnisse und Tabellen auf der Seite der Frauenbundesliga beim Niedersächsischen Schachverband...

 




Dr. Thomas Marschner, Jahrgang 1967, ist Physiker und arbeitet in der Technologieentwicklung für die Herstellung von Solarmodulen. Er spielt seit fast 40 Jahren Schach, hat eine Elo von 2000 und spielt für seinen Heimatverein aus Eppstein im Taunus in der hessischen Verbandsliga. Er lebt in Schwäbisch Hall und berichtet bevorzugt aus der Schachbundesliga und der Frauenbundesliga. Außer Schach spielt er ebenfalls auf Verbandsebene Tennis, fotografiert gerne und betreibt unter www.thomas-marschner.de seine eigene Webseite.
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