Frauen-Europameisterschaft: Deutscher Start nur halb gelungen

von André Schulz
12.04.2019 – Die fünf deutschen Nationalspielerinnen bei der Europameisterschaft der Frauen in Antalya starteten mit 50% - zwei Siege, zwei Niederlagen, ein Remis. Auch Topfavoritin Aleksandra Goryachkina begann nur mit einem Remis, und hatte dabei auch noch viel Glück. | Fotos: Kasia Selbes Photography

ChessBase 15 - Megapaket ChessBase 15 - Megapaket

Kombinieren Sie richtig! ChessBase 15 Programm + neue Mega Database 2020 mit 8 Mio. Partien und über 80.000 Meisteranalysen. Dazu ChessBase Magazin (DVD + Heft) und CB Premium Mitgliedschaft für ein Jahr!

Mehr...

Gorychkina im Glück

Eine der Favoritinnen auf den Titel bei der Frauen- Europameisterschaft in Antalya ist Aleksandra Goryachkina. Sie führte lange die Mädchen-Weltrangliste an und ist jetzt die Nummer drei in der russischen Frauenrangliste hinter Kateryna Lagno und Alexandra Kosteniuk. In der Weltrangliste ist sie die Nummer zwölf und in der offiziell nicht existierenden Europarangliste wäre sie hinter Mariya und Anna Muzychuk, ihren beiden Landsfrauen und Viktorijy Cmilyte die Nummer sechs. Da alle genannt Spielerinnen in Antalya nicht am Start sind, nimmt Aleksandra Goryachkina in der Setzliste der Frauen-Europameisterschaft den ersten Platz ein. 

 

Alexandra Goryachkina

Zum gestrigen Start des Turniers biss die Favoritin sich aber an ihrer Gegnerin Monica Calzetta Ruiz die Zähne aus, genauer: die junge Russin kam gegen die bestens aufgelegte Spanierin mit viel Glück mit einem blauen Auge davon.

In einer recht trendigenen Variante des Wolga-Gambits war Schwarz gut aus der Eröffnung gekommen und erreichte im fortgeschrittenen Mittelspiel folgende angenehme Stellung:

 

Schwarz hat den Gambitbauern zurückgewonnen. Zwei eingeklemmte Figuren am Königsflügel bestimmen das Bild, der weiße Lg5 und der schwarze Tg4. Schwarz am Zug spielte 26...h6. Richtig war nun 27. Tac1 hxg5 28. Dxc4 Weiß bekommt den Sc6 und steht nur etwas schlechter. Sie spielte jedoch 27. Lxh6 vielleicht hoffend, dass sie nach 27.... Sxh6 28. h3 durch den Gewinn des Tg4 entschädigt würde. Doch das erwies sich als Trugschluss. Schwarz spielte kühl 28.... Kg7 und spätestens jetzt wird klar, dass sich Weiß die Öffnung der h-Linie gar nicht leisten kann. Weiß spielt von nun an mit einer Figur weniger (für zwei Bauern). Goryachkina schaffe es ins Endspiel und kämpfte dort verbissen ums Remis. Im 43. Zug wurde die kritische Stellung erreicht:

 

Die Spannung ist auf dem Siedepunkt. Schwarz spielte 43...Sd3. Es folgte 44. Sg5 Nun hätte 44...Sxf4 gewonnen: 45. Kg1 Sxh3 46. Sxh3 Txh3 mit sicherer Mehrfigur. Oder 46. Kf1 Kf6 und das Problem auf f7 ist gelöst. Sie ließ sich jedoch zu 44...Sxb2 verführen und nach 45. Txf7 Kg8 46. Tb7 Sd3 hat Weiß tatsächlich Dauerschach 47. Tb8 Kg7 48. Tb7 usw. Hier geht 48... Kf6 nicht wegen Matt auf f7. Im Unterschied zur andere Variante ist der Sg5 hier gedeckt. 

 

Nana Dzagnidze

Die zweite große Favoritin Nana Dzagnidze konnte sich hingegen gegen die Türkin Betul Cemre Yildiz Kadioglu durchsetzen, ebenso einige weitere Brettfavoritinnen wie Bela Khotenashvili, Alina Kashlinskay und Antoaneta Stefanova. 


Der Spielsaal

Unter die Räder kam indes schon in der Eröffnung Daimante Cornette, die in der Setzliste Rang sechs einnimt:

 

Französisch mit 3.Sd2: Ein Repertoire für Weiß

Lernen Sie ein erstklassiges Repertoire gegen Französisch von einem der führenden Experten. Neu! Interaktives Videoformat, Abschlusstest mit Feedback zu jedem Zug. Ein Muss für alle, die mit 3.Sd2 gegen Französisch gewinnen wollen!

Mehr...

Vorsicht, Kinder!

Die fünf deutschen Frauen - im Prinzip die deutsche Nationalmannschaft - starteten mit 50%. Elisabeth Pähtz gewann gegen Shakhriyar Mamedyarovs "kleine" Schwester Zeinab. Melanie Lubbe siegte gegen die 16-jährige Georgierin Ekaterine Pipia. Filiz Osmanodja musste gegen die 19-jährige Türkin Hafize Demirtas einen halben Punkt abtreten und Fiona Sieber gegen die die Türkin Cisel Anacoglu gleich den ganzen. Nach zwei Ungenauigkeiten im Marshall-Gambit wurde Fiona Sieber von der 13-Jährigen Türkin förmlich zerlegt.

 

Josefine Heinemann wurde von der starken Russin Polina Shuvalova überspielt.

Alle Partien der 1. Runde

 

 

Ergebnisse der 1. Runde

Name Pkt. Ergebnis Pkt. Name
Goryachkina Aleksandra 0 ½ - ½ 0 Calzetta Ruiz Monica
Yildiz Kadioglu Betul Cemre 0 0 - 1 0 Dzagnidze Nana 
Khotenashvili Bela 0 1 - 0 0 Mamedjarova Zeinab
Sandu Mihaela 0 0 - 1 0 Kashlinskaya Alina
Stefanova Antoaneta 0 1 - 0 0 Styazhkina Anna
Sedina Elena 0 1 - 0 0 Cornette Deimante
Sebag Marie 0 1 - 0 0 Fataliyeva Ulviyya
Mikadze Miranda  0 ½ - ½ 0 Girya Olga
Cramling Pia 0 1 - 0 0 Olsarova Karolina
Heinemann Josefine 0 0 - 1 0 Shuvalova Polina
Paehtz Elisabeth 0 1 - 0 0 Mamedjarova Turkan
Gevorgyan Maria 0 0 - 1 0 Atalik Ekaterina
Pogonina Natalija 0 1 - 0 0 Rakhmangulova Anastasiya
Chernyak Viktoria 0 0 - 1 0 Batsiashvili Nino 
Socko Monika 0 ½ - ½ 0 Gajcin Marina

...

Turnierseite...

Ergebnisse bei Chess-results...

 




André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
Discussion and Feedback Join the public discussion or submit your feedback to the editors


Diskutieren

Regeln für Leserkommentare

 
 

Noch kein Benutzer? Registrieren