Frühstück bei Yifany

23.01.2008 – Streit und Skandale liefern Nachrichten: Kein Handschlag bei Short gegen Cheparinov, Topalov gegen Kramnik, das Nachspiel zum Toiletgate-Wettkampf in Elista - das sind Meldungen, die für Aufregung sorgen. Dabei geht es bei Schachturnieren in der Regel friedlicher zu. Wie beim Frühstück der indischen Nummer Eins der Frauenrangliste Humpy Koneru und der chinesischen Weltmeisterhoffnung Hou Yifan. Beide so talentiert und so gut, dass sie eigentlich Konkurrentinnen sind. Zu spüren ist davon nichts. Dagobert Kohlmeyer vermittelt Einblicke in den Turnieralltag zweier WM-Kandidatinnen.Turnierseite Wijk...Zum Bericht...

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Frühstück bei "Yifany"
Text und Fotos: D. Kohlmeyer

Der Badeort Wijk aan Zee ist klein und überschaubar. Hotels gibt es wenige, aber viele kleine Pensionen, die fast das ganze Jahr über ausgebucht sind. Neben der Sommersaison gibt es ja das Schachfestival, das den Januar ausfüllt, ansonsten wohnen dort viele Ausländer, die in Holland arbeiten.

Es ist meine vierte Herberge, die ich seit 1994 in Wijk bewohne. Mein eigentliches Stammhotel "De Wijk", in dem ich die letzten Jahre logierte, ist verkauft worden. Ich traf den ehemaligen Besitzer am Tresen des Restaurants in der De Moriaan Halle. "Ich bin mit dem Deal zufrieden, sagte er, das Haus ist jetzt in polnischer Hand". Andere Bewohner des Ortes sind es weniger. Wie zu hören war, wohnt jetzt dort eine Unmenge polnische Arbeiter, die in Holland einem Job nachgehen, aber zu viert auf einem Zimmer kampieren.

Durch den unfreiwilligen Wechsel erlebte ich nicht nur eine bessere Betreuung, sondern habe dazu auch noch Reporterglück. Im kleinen Hotel "Haasduin", das nur elf Zimmer hat, logierten beim diesjährigen Corusturnier auch zwei der stärksten Schachdamen der Welt. Koneru Humpy aus Indien, die von ihrem Vater Ashok (49) begleitet wird, und Hou Yifan aus China mit ihrem Coach Yu Shaoteng.


Koneru Humpy und Vater Ashok


Ein starkes Team für China: Hou Yifan (rechts) und ihr Coach Yu Shaoteng (links)

Erste beim reichhaltigen Frühstück ist immer Koneru Humpy, die als Getränk gern warme Milch zu sich nimmt. Punkt 8.30 Uhr sitzt die Weltranglisten-Zweite mit ihrem Vater am Tisch.


Frühstück mit warmer Milch: Humy Konerus Vorbereitung auf die Partie


Jetzt sitzt auch der Fotograf (Dagobert Kohlmeyer, links) am Tisch

Hou Yifan kommt meist kurz nach 9 Uhr. Sie trinkt Tee. Ihre Haarspangen trägt sie inzwischen nicht mehr. Aber jeden Tag einen schicken Nike-Trainingsanzug und natürlich auch die passenden Turnschuhe dazu. "Die Sportkleidung bekommen wir von unserm Schachverband", sagt die 13-Jährige stolz. Sie freut sich auf den Länderkampf Deutschland-China im August und natürlich auf die Schacholympiade in Dresden, wo sie zum zweiten Mal nach Turin 2006 für ihre Nation die Figuren setzt.

Im Sommer 2007 wurde Hou Yifan zum ersten Mal chinesische Landesmeisterin und damit die jüngste aller Zeiten im Reich der Mitte. Und das bei dieser Konkurrenz im eigenen Land! "Ihr Weg geht kontinuierlich nach oben", sagt Trainer Yu Shaoteng, der 29 Jahre alt und selbst Großmeister ist. "Vor allem im taktischen Bereich ist sie sehr stark".

Der Coach war schon voriges Jahr mit Yifan in Wijk aan Zee, wo sie im C-Turnier startete. Diesmal sorgt sie im B-Wettbewerb für Paukenschläge. So fegte sie in der ersten Woche mit Weiß keinen Geringeren als den WM-Finalisten 1993 Nigel Short vom Brett, und hielt gestern ihre schwierige Partie gegen den russischen Jungstar Jan Nepomniatchi in einem komplizierten Endspiel mit zwei Bauern gegen Läufer und Bauer remis. Beide Ladies haben bisher 3,5 Punkte erspielt.


Hou Yifan

Sicher können wir von Hou Yifan in nächster Zeit noch eine Menge erwarten. Die Chinesen wollen sie zur Weltmeisterin machen. Starallüren hat sie keine, das Mädchen verhält sich ganz normal wie ein Teenager. In Peking lebt sie mit ihrer Mutter in einer riesigen Sportschule, wo auch Sportler anderer Disziplinen auf Hochleistungen getrimmt werden. In Wijk aan Zee wird sie jeden Morgen von Herbergsmutter Wilhelmine Haas mit leckeren holländischen Pfannkuchen verwöhnt.

Auch Koneru Humpy isst diese gern. Ich habe sie auch zweimal gekostet. Sie schmecken großartig. Schachfreund, kommst du nach Wijk aan Zee und hast das Glück, im Hause "Haasduin" zu wohnen, dann probier unbedingt diese Pfannkuchen! Nach zwei Wochen hatten die beiden Gäste aus dem fernen Riesenreich aber doch einmal Appetit auf heimische Küche. So fuhren Hou Yifan und ihr Trainer am spielfreien Montag mit dem Bus ins benachbarte Bevervijk, um ein China-Restaurant aufzusuchen. Dort waren Sauer-scharf-Suppe und Ente cross angesagt.

Koneru Humpy blieb lieber zu Hause und bereitete sich auf den nächsten Gegner vor. Es ist ihr Landmann P. Harikrishna. Zu gern würde sie einmal gegen Judit Polgar spielen, die in der De Moriaan Halle nur zwei Meter entfernt von ihr am Tisch sitzt und ihr weibliches Vorbild ist. Aber die Ungarin, die seit 20 Jahren unangefochten die Weltrangliste anführt, spielt auf Grund ihrer Stärke bekanntlich nur gegen Männer.


Indiens Schachkönigin beim TV-Interview

Andere Idole für Humpy sind, wen wundert es, ihr Landsmann Vishy Anand und Anatoli Karpow. Befragt nach ihrer Lieblingsfigur, sagt Koneru: "Das ist der Läufer". In Dresden könne die deutschen Schachfans die freundliche junge Dame wiedersehen. Dann spielt die inzwischen 20-Jährige nach Calvia 2004 und Turin 2006 ihre dritte Olympiade. Zum dritten Mal ist die indische Großmeisterin auch in Wijk aan Zee. Den ständigen Nieselregen mag sie nicht, aber damit müssen ja hier alle Schachstars leben. Ihren Landsmann Vishy Anand hat diese Tatsache jedenfalls nicht daran gehindert, schon fünfmal in Wijk aan Zee zu gewinnen. Damit ist er Rekordhalter vor Lajos Portisch und Viktor Kortschnoi, die im holländischen Schachmekka je viermal siegreich waren.

Die Quartiereltern Ed und Wilhelmine Haas haben mir ein Internetkabel ins Zimmer gelegt, so dass ich diesen Bericht problemlos nach Hamburg schicken kann, ohne durch den heftigen Regen ins Pressezentrum stapfen zu müssen. Danke!


Wilhelmine Haas


Es geht auch friedlich: Holländischer Schachnachwuchs

Themen Corus 2008
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