
Die aktuelle Ausgabe des ChessBase Magazins ist die Nummer 231 – und sie widmet sich mit dem frisch beendeten Kandidatenturnier gleich einem der großen Höhepunkte des Schachjahres. Und was für ein Turnier das war! Der erst 20-jährige Javokhir Sindarov startete furios, spielte vom ersten Tag an inspirierend und rückte dadurch sofort ins Rampenlicht der internationalen Schachöffentlichkeit. Besonders seine Partie gegen Praggnanandhaa war eine echte Glanzleistung. Wesley So brachte es treffend auf den Punkt: Es sei „eine sehr unterhaltsame Partie und eine der schönsten, die ich seit langem gesehen habe“.
In seinem Video blickt GM Dorian Rogozenco auf die Höhepunkte des Kandidatenturniers zurück und geht der Frage nach, was hinter Sindarovs ebenso verdientem wie sensationellem Turniersieg steckt – einem Erfolg, der ihn zum Herausforderer von Weltmeister Gukesh macht. Ergänzt wird dieses Titelthema im Kapitel „Spitzenschach und Meisteranalysen“ durch weitere hochklassige Partiebesprechungen von Anish Giri, Yannick Pelletier, Wesley So und Vaishali Rameshbabu. Diese Analysen vermitteln eindrucksvoll das Gefühl, das Turnier noch einmal live mitzuerleben – großartig!
Magnus Carlsen im SpecialDas Kapitel „CBM Special“ ist ganz Magnus Carlsen gewidmet. In 20 ausführlichen Partieanalysen beleuchtet das Autorenteam die Entwicklung des elostärksten Großmeisters der Schachgeschichte. Untersucht werden bislang unkommentierte Carlsen-Siege aus den Jahren 2014 bis 2023 – ein faszinierender Streifzug durch nahezu ein Jahrzehnt Weltklasseschach.

Die Eröffnungsbeiträge Kapitel „Ideen für Ihr Repertoire“ sind derart ansprechend präsentiert, dass sie direkt Lust auf praktische Umsetzung machen. Besonders hervorheben möchte ich hier den exzellenten Anti-Winawer-Artikel von Petra Papp, Grigoriants’ Untersuchung des Zuges 5…Sa6!? im Caro-Kann-Zweispringerspiel sowie Kuzmins Analysen zur überraschenden Idee 8.g4!? in einer Variante des Semi-Slawen. Einzelne Varianten hervorzuheben fällt schwer – die Fülle an interessanten Ideen bietet für wirklich jeden Geschmack etwas!

Abgerundet wird das Eröffnungsangebot durch weitere Videos von GM Werle zur französischen Tarrasch-Variante mit 5…a6!?, GM Marin zu Italienisch und GM Daniel King zum modernen Katalanen mit 6…a5!?.
Das „Training von Experten“ widmet sich unter anderem den Themen Festung, dem Bauern-Vorposten d5 im Drachen, praxisnahen Turniertipps sowie dem beliebten Format „Zug für Zug“ mit IM Martin Breutigam – bewährt, lehrreich und von mir besonders geschätzt!
IM Oliver Reeh präsentiert im Kapitel „Taktik“ eine Vielzahl spannender Ideen, die nicht erst im Mittelspiel relevant werden. Auch Liebhaber origineller Eröffnungsideen kommen hier auf ihre Kosten – und zwar anhand ausgewählter Partien im interaktiven Fritztrainer-Format. Selbstverständlich werden darüber hinaus klassische taktische Motive aus Mittel- und Endspiel systematisch beleuchtet.
Endspielkenntnisse vertiefenWer seine Endspielfähigkeiten vertiefen möchte, kommt an der Rubrik „Endspielfeinschliff“ von GM Karsten Müller natürlich nicht vorbei. Anschaulich und instruktiv behandelt er sowohl aktuelle Endspielhighlights als auch fundamentales Wissen – etwa zum Thema „Dame gegen Turm“.
Das Kapitel „Übung macht den Meister – Sie sind am Zug!“ rundet das Trainingsangebot ab: Über 100 Aufgaben stehen auf einen Klick bereit und laden zum direkten Mitmachen ein.
Was mir am ChessBase Magazin besonders gefällt, ist seine enorme Praxisnähe. Die Partien lassen sich direkt in ChessBase nachspielen und anhand der Eröffnungs-Referenz kann man unmittelbar nachvollziehen, wie sich die neuen theoretischen Abspiele in der Praxis weiterentwickeln.
Nach dem Studium der Eröffnungsartikel bekommt man sofort Lust, die Empfehlungen in der nächsten eigenen Partie umzusetzen – idealerweise ganz entspannt bei einer Tasse Kaffee auf dem ChessBase-Server!
Ein persönliches Highlight sind für mich die Kommentare von GM David Navara zu seiner Partie gegen Maghsoodloo (s.u.: Leseprobe) aus dem Prager Meisterturnier 2026. Sie sind in ihrer Offenheit und Tiefe kaum zu übertreffen und zeigen eindrucksvoll, wie sehr sich die Art der Partiekommentierung meiner Meinung nach im Laufe der Zeit gewandelt hat: Großmeister sprechen heute offen über ihre Vorbereitung, ihre Vorlieben, Stärken und Schwächen – ja sogar über ihre Gefühle vor, während und nach der Partie. Das verleiht den Analysen eine neue Authentizität und lässt die Dramaturgie der Partien deutlich intensiver erleben.
Die Inhalte des Chessbase Magazins stehen vollständig digital zur Verfügung – sowohl zur Installation unter Windows als auch zur Online-Nutzung als ChessBase-Book auf macOS, Tablet oder iPad. Auch formal hat sich in den letzten Jahren viel getan: Aus dem früheren schmalen Begleitheft ist ein großzügig gestaltetes PDF-Magazin entstanden. Auf 52 Seiten bietet es nicht nur einen kompakten Überblick über die Inhalte der Download- und Book-Versionen, sondern präsentiert ausgewählte Theorieartikel und Analysen in voller Länge. Die grafische Umsetzung überzeugt dabei auf ganzer Linie – modern, übersichtlich und zugleich ausgesprochen lesefreundlich.
Sehr empfehlenswert!