Frisch rezensiert: Mastering Calculation vom neuen Autor Kostya Kavutskiy

von Jochen Schwarz
12.09.2026 – Mit Kostya Kavutskiy tritt ein neuer „Fritz-Trainer“ dem ChessBase-Autorenteam bei. Er ist Internationaler Meister, renommierter FIDE-Trainer und Schachautor. Nach seinem ersten ChessBase-Videokurs „Mastering Calculation“ präsentiert er inzwischen bereits sein zweites Werk „The Fundamentals of Positional Play“. Jochen Schwarz, Vereinsspieler aus Bremen und Kenner der Fritztrainer-Szene, hat sich die beiden Kurse angeschaut und auch geprüft, wie sie sich im Vergleich zu ähnlichen Kursen etablierter Autoren wie Robert Ris oder Ivan Sokolov schlagen.

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Im Angebot von ChessBase gibt es schon eine Reihe von Kursen zu diesen beiden wichtigen Themen Rechnen und Positionsspiel (Strategie). Ich denke hier z.B. an die „Calculation Training“-Reihe von Robert Ris und die „Understanding Middlegame Strategies“-Serie von Ivan Sokolov, die ich in früheren Rezensionen besprochen habe.

Ich war daher sehr gespannt auf die beiden Kurse von Kostya Kavutskiy, die ich Ihnen nun gemeinsam vorstellen möchte.

Kostenlose Videobeispiele:

Im Schach führt kein Weg an sauberem Rechnen vorbei. Deshalb ist das verbessern der Fähigkeit sich Varianten im Kopf vorzustellen oder taktische Motive und Muster wiederzuerkennen unerlässlich. Lernen sie zudem ortgeschrittene Techniken wie das hin- und h
Varianten berechnen ist die wichtigste Fähigkeit im Schach. Alle strategischen Ideen die Sie in einer Partie haben, bauen auf einer korrekten Variantenberechnung auf. Deshalb sollten alle Schachspieler sich fortlaufend mit den wichtigsten Techniken und taktischen Mustern auseinandersetzten. Das Ziel dieses Kurses ist es Ihnen die Werkzeuge und Konzepte zum präzisen Rechnen an die Hand zu geben und darüber hinaus Ideen, wie Sie lange nach dem letzten Video dieses Kurses weiterüben können.
kostenloses Videobeispiel: Introduction

kostenloses Videobeispiel: Quiet Moves

Während die Taktik das Spiel in konkreten Momenten entscheidet, lenkt die Strategie die gesamte Partie. Zu verstehen, wie man seine Figuren verbessert, Schwächen schafft, Manöver ausführt und die Partie zu vorteilhaften Strukturen steuert, zeichnet starke
Nachdem er in seinem ersten ChessBase-Kurs die Grundlagen der Berechnung erkundet hat, wendet sich Internationaler Meister Kostya Kavutskiy nun der anderen Hälfte des Schachspieles zu: dem positionellen Spiel.
Dieser Kurs bietet eine strukturierte und praktische Einführung in die Kernelemente des positionellen Schachs.
kostenloses Videobeispiel: Intro
Strategic Classic: Bondarevsky - Smylov

Kommunikation

Der in der Ukraine geborene Kostya Kavutskiy ist in den USA ausgewachsen und spricht daher perfekt Englisch. Er spricht dabei sehr deutlich und nuanciert, sodass man ihn auch sehr gut versteht, wenn man Englisch nicht als Muttersprache hat. Auch seine Mimik und Körpersprache sind sehr angenehm.

Aufbau der Kurse

Ganz offensichtlich hat der Autor den Aufbau der Kurse sehr umsichtig geplant. Die Struktur der Themen und Übungen ist sehr schlüssig. Man spürt, dass man es hier mit einem erfahrenen Trainer zu tun hat, der uns zielgerichtet durch den Lernstoff führt.

Der Kurs „Mastering Calculation“ befasst sich mit dem Thema Rechnen und Entscheiden. Wichtigen bekannten Techniken wie Kandidatenzüge, Mustererkennung und Visualisierung sind hier eigene Kapitel gewidmet. Aber auch weniger bekannte Themen wie „mentale Beweglichkeit“ und „reziprokes Denken“ werden behandelt. Hier ein Beispiel für reziprokes Denken:

In dieser Stellung würde Weiß gerne den schwarzen Turm auf f4 schlagen und damit Material gewinnen. Doch leider könnte Schwarz das mit 1…Dxd1 2.Sxd1 Se2+ beantworten und sein Material unter günstigen Umständen zurückgewinnen. Statt die Idee komplett aufzugeben, könnte Weiß aber versuchen die Ausgangssituation zu verbessern, um den Turmgewinn doch zu ermöglichen. Er könnte erkennen, dass die schwarze Kombination nicht funktionieren würde, wenn der weiße Läufer auf b1 nicht vorhanden wäre und somit der Turm auf a1 seinen Kollegen auf d1 deckt. Mit dieser Erkenntnis kommt man dann auf den Kandidatenzug 1.Lxh7+, denn nach z.B. 1…Kxh7 ist 2.Dxf4 möglich, da 2…Dxd1+ wegen Txd1 nicht funktioniert, weil der Springer c3 nach wie vor das Feld e2 deckt!  

Der zweite Kurs „The Fundamentals of Postional Play“ behandelt das positionelle Spiel bzw. Strategie. Das erste Kapitel ist klassischen, ausführlich erläuterten Meisterpartien gewidmet, die mit strategischen Themen entschieden wurden. Das umfangreichste Kapitel behandelt die technische Basis, die „Positional Operations“. Der Autor meint damit kurze Zugfolgen mit positionellen Manövern, die geeignet sind die Stellung zu verbessern. Hier ein Beispiel:

In dieser typischen „Stonewall“-Stellung aus der Holländischen Verteidigung hat Weiß einen positionellen Vorteil: das Feld e5 ist schwach und kann nicht mehr von einem schwarzen Bauern gestützt werden. Im Gegensatz dazu kann Weiß das Feld e4 noch kontrollieren. Mit dem folgenden positionellen Manöver kann Weiß diesen Vorteil festigen:

- Der Springer f3 zieht zunächst nach e5 und dann nach d3 zurück
- Der Springer b1 zieht dann über d2 und f3 nach e5 und behauptet den Vorposten

Einige Züge später ist diese Stellung entstanden:

Die weißen Springer besetzen und kontrollieren den Vorposten e5, während das Feld e4 nicht von Schwarz dauerhaft besetzt werden kann. Der kleine weiße Vorteil hat sich spürbar vergrößert.

Ein weiteres Kapitel behandelt die Verbindung zwischen Strategie und Taktik. Diese ist sehr wichtig, denn häufig entstehen aus positionellen Vorteilen Stellungen, die nur taktisch verwertet werden können. Der Autor fasst das wie folgt zusammen: Strategie ist die Planung – Taktik ist die Ausführung. 

Technik

Nach einleitenden Videos präsentiert Kavutskiy neben Videos mit Übungsaufgaben auch kleine Datenbanken mit Übungsaufgaben ohne Videos, die er als „Assessment“ bezeichnet. Diese Aufgaben sind online auf ChessBase Books Seiten verlinkt, aber man kann die Stellungen auch mit ChessBase oder Fritz im Training-Modus öffnen:

Hier ein kleiner Kritikpunkt: Die Übungsaufgaben im Video-Format sind nicht im interaktiven Fritz Trainer-Format ausgeführt, d.h. man muss die Videos pausieren, um die Lösung selbst zu erarbeiten. 

In den Videos erklärt der Autor die jeweiligen Themen sehr ausführlich und verständlich. Dies gilt sowohl für die einleitenden Videos als auch für die Videos mit Übungsaufgaben.   

Niveau

Das schachliche Niveau der Kurse eignet sich für Amateure und Vereinsspieler unterschiedlicher Spielstärke. Wie der Autor in der Einleitung erklärt, ist es kein Problem, wenn man nicht alle Aufgaben selbst lösen kann: Der Lerneffekt wird dadurch nicht gemindert. Dadurch eignen sich diese Kurse für Einsteiger und Nachwuchsspieler besser als z.B. die angesprochenen Kurse von Ris (Ausnahme: Robert Ris bietet auch spezielle Kurse für Einsteiger an) und Sokolov, die teilweise eine recht hohe Spielstärke voraussetzen.

Fazit

Kostya Kavutskiy ist mit diesen beiden Kursen ein sehr guter Einstieg gelungen. Sie sind didaktisch und inhaltlich einwandfrei, sehr unterhaltsam und die Erfahrung des Autors als Trainer kommt deutlich zu Geltung. Ich kann hier eine klare Empfehlung aussprechen – insbesondere für Einsteiger und Nachwuchsspieler, aber auch stärkere Spieler können sicherlich davon profitieren.

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Zum Autor:

Der internationale Meister Kostya Kavutskiy wurde in Kiew in der Ukraine geboren, wuchs jedoch in Los Angeles, Kalifornien, auf und ist heute ein renommierter FIDE-Trainer und Schachautor. Mit einer Peak-ELO von über 2400 und mehr als zehn Jahren Trainererfahrung versteht er es meisterhaft, Schachkonzepte herunterzubrechen und zu erklären.

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Für Schachspieler aller Spielstärken gehört das präzise Berechnen von Varianten zu den wichtigsten Fähigkeiten: In taktischen Stellungen weist es den Weg zum Gewinn, während es in positionellen Situationen hilft, Pläne optimal umzusetzen. Kein Wunder also, dass intensives Training in diesem Bereich häufig zu spürbaren Fortschritten in Spielstärke und Rating führt. Im Anschluss an die Erklärungen bietet dieser Kurs 50 herausfordernde interaktive Videoaufgaben, mit denen Sie die erlernten Techniken sofort vertiefen können.
Kostenloses Beispielvideo: Einleitung
Kostenloses Beispielvideo: Ausschlussmethode


Jochen Schwarz spielt für die Schachabteilung des SV Werder Bremen - aktuell als Ersatz-spieler in der vierten und fünften Mannschaft. Bei ChessBase ist er seit über 35 Jahren Kunde (erste Version: ChessBase 2.3 für DOS), und schätzt neben den Programmen vor allem das Angebot an interaktiven Trainings-Videokursen (früher Fritztrainer) und das ChessBase Magazin.
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