Der Autor ist ein indischer Großmeister, der mit 2720 ELO seine höchste Wertungszahl erlangte. Er ist Goldmedaillengewinner der Asienspiele 2006 sowie Bronzemedaillengewinner der Olympiade 2014. Zudem arbeitete er in der Funktion des Sekundanten für den Ex-Weltmeister Vishy Anand in dessen Titelkämpfen gegen Magnus Carlsen 2013 und 2014. Diese aktive Karriere lässt ihn auf einen Fundus von eigenen Partien zurückblicken, in denen er die Gelegenheit hatte, selbst etwas zu opfern. Das zeigt sich auch in der Auswahl der Partiebeispiele, die primär aus der Praxis des Autors stammt.
Der Fritz-Trainer ist klar strukturiert und logisch aufgebaut, womit er sich an eine breite Zielgruppe richtet. Das erlaubt einem, das Material bereits an jene heranzutragen, die erste Erfahrungen mit der Thematik des Opfers sammeln sollen, ohne sie gänzlich zu überfordern.
Neben einer kurzen Einführung zur Definition eines Opfers sowie verschiedenen theoretischen Konzepten, die als absolute Grundvoraussetzung verstanden werden sollten, führt der Kurs durch verschiedene Dimensionen des Opferspiels. Angefangen mit einem simplen Bauernopfer, über das Qualitätsopfer (Schwerfigur für eine Leichtfigur) bis hin zum sensationellen Damenopfer werden Lernende Schritt für Schritt angeleitet und mithilfe von Beispielen aus der Praxis getestet. Dabei gehen einer jeden Lektion theoretische Ideen voran, die dann in der Praxis und den Beispielen Anwendung finden.
Der Aufbau ist sehr durchdacht, da mit jedem Folgekapitel der „Preis“ für das Opfer und das damit verbundene materielle Investment steigt, wodurch auch die Verantwortung steigt, für diesen Faktor Gegenwert zu erhalten bzw. aufrechtzuerhalten.

Kostenloses Videobeispiel: Introduction
Die Erklärungen aus den Videos richten sich meines Erachtens an eine deutlich stärkere Zielgruppe, sofern man den maximalen Gewinn im Blick hat. Um das Thema Opfer zu verstehen, ist es wichtig, das Motiv eines Bauern-, Qualitäts-, Figuren- oder Damenopfers im materiellen Sinne als einen von vielen Stellungsfaktoren zu sehen, die sich im Laufe einer Partie verschieben. Hierfür benötigt es neben einem Überblick der verschiedenen Stellungsmerkmale auch ein Verständnis für die Wechselwirkung der einzelnen Faktoren, die im ständigen Mit- und Gegeneinander stehen.
Kostenloses Videobeispiel: Sacrificing a Pawn for Initiative
Nimmt man ein Bauernopfer in Kauf, um die eigene Entwicklung voranzutreiben oder um einen König an der Rochade zu hindern, so verschiebt man den Faktor Material für den der Königssicherheit bzw. der Entwicklung. Es entsteht Kompensation für das investierte Material. Das ist es auch, was ein Opfer von einem Patzer unterscheidet, da klare Kompensation angestrebt wird.

Die Kunst des Opferspiels liegt darin, den Gegenwert für das investierte Material richtig einschätzen zu können, sodass die Kompensation im Idealfall mindestens ausreichend ist. Das „perfekte Opfer“ sollte jenes sein, welches die Investition überkompensiert bzw. eine Transformation (Gewinnverwertung bzw. Gewinnumwandlung) des Vorteils in einen anderen erlaubt (z.B. bessere Leichtfigur, besseres Endspiel, etc.). Hier besticht der Kurs mit den Ausführungen und Analysen des Großmeisters, da diese Linie klar erkennbar wird.
Es ist jedoch auch eben diese für den Kurs benötigte Grundlage, die ihn sehr anspruchsvoll macht! Das öffnet den Fritz-Trainer somit ebenfalls einer Zielgruppe jenseits des Vereinsniveaus und macht ihn für verschiedene Spielstärken attraktiv. Hier sehe ich den größten Nutzen des Kurses, da die Erklärungen viele Einsichten in das Verständnis von Spitzengroßmeistern bieten.
Neben den Videolektionen enthält der Fritz-Trainer umfangreiches Zusatzmaterial:

Es ist gut, dass der Autor seine eigenen Partien zur Besprechung des Themas heranzieht, was für ein Verständnis und Erfahrung in diesem Stellungstyp spricht. Jedoch fällt die Zahl der Übungsstellungen etwas gering aus, wenn man bedenkt, wie der Kurs strukturiert ist. Bei fünf Kapiteln nur vier Übungsstellungen zur Verfügung zu stellen, ist etwas wenig und hier hätte es dem Kurs gutgetan, auch auf die Praxis anderer Spieler zurückzugreifen und dem Publikum Partiebeispiele zum besagten Thema zum Ausspielen mitzuliefern.
Mit „The Art of Sacrificing“ gelingt Krishnan Sasikiran ein guter Beitrag zur äußerst komplexen Thematik des Opferspiels im Schach, in denen man lernt, wie man die verschiedenen Stellungsmerkmale gegeneinander aufwiegt. Mit vielen Stichpunkten, die als Gedankenstütze während der eigenen Partien dienen, gibt der Kurs einen didaktisch gut aufgebauten und strukturierten Kurs, um Schritt für Schritt und mit langsam steigendem materiellem Risiko in die Thematik eingeführt zu werden. Die vorgeschlagene Spielstärke ergibt sich durch die Voraussetzungen, die dem Kurs zu Grunde gelegt werden müssen, um maximalen Nutzen herausziehen zu können.
Positiv:
✔ Ein komplexes Thema systematisch heruntergebrochen
✔ Klarer Aufbau des Kurses
✔ Erklärungen auf den Punkt gebracht
✔ Partiebeispiele aus der Praxis des Autors
Negativ:
– Für absolute Einsteiger ohne Überblick über die Stellungsmerkmale sehr schwierig
– Trainingsstellungen fallen viel zu kurz aus.
Zum Autor:
Krishnan Sasikiran ist ein indischer Schachgroßmeister und nach dem ehemaligen Weltmeister Vishy Anand der zweite Inder, der eine Elo-Zahl von 2700 erreicht hat. Seine höchste Elo-Zahl war 2720 (2012), womit er auf Platz 21 der Weltrangliste stand. Als Goldmedaillengewinner der Asienspiele 2006 und Bronzemedaillengewinner der Olympiade 2014 in Tromsø, Norwegen, war Sasikiran von 1998 bis 2022 einer der wichtigsten Spieler der indischen Nationalmannschaft und hat in mehr als zwei Jahrzehnten mehrere Medaillen für sein Land gewonnen. Er hat viele geschlossene und offene Turniere gewonnen und Vishy Anand als Sekundant bei seinen Matches gegen Magnus Carlsen 2013 (Chennai, Indien) und 2014 (Sotschi, Russland) unterstützt.
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