Fritz 18: Glanzpartien auf Augenhöhe mit der Engine

von Albert Silver
24.11.2021 – Fritz 18 ist erschienen und bietet allen Schachspielern einen phantastischen Sparringpartner für Training und praktische Partien. Denn das Programm enthält eine Engine, die sich an Ihr Spiel anpasst. Das führt zu spannenden, inhaltsreichen Duellen und gelegentlichen Glanzpartien, denn Fritz gibt seinen Gegnern immer wieder Möglichkeiten zu versteckten (taktischen) Schlägen. Großmeister und Amateure, die das Programm getestet haben, waren begeistert.

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Fritz 18 ist erschienen und die Frage ist natürlich, was das Programm Neues zu bieten hat. Mittlerweile haben Sie vielleicht von dem neuen "Geführt-Berührt" Modus gehört, der Fritz 18 für Spieler aller Spielstärken zu einem Gegner auf Augenhöhe macht. Aber hält das Programm auch, was der Hype verspricht? Eine Frage, die man uneingeschränkt mit "Ja" beantworten kann.

Die "Geführt-Berührt" Funktion gibt es schon seit Fritz 16, aber so schön sie auch war, so war sie doch auch ausbaufähig. Die Idee war richtig, aber mit der Umsetzung haperte es noch ein wenig. Aber Fritz 18 bewegt sich mit Riesenschritten in die richtige Richtung. Das Programm schätzt nicht nur Ihre Spielstärke genau ein und passt seine Züge dementsprechend an, sondern bietet Ihnen auch immer wieder Möglichkeiten zur kreativen Chancenverwertung.

So rechnet das Programm verschiedene Fortsetzungen durch, und wenn es die Möglichkeit zu einer taktischen Wendung - oder einem Glanzzug - sieht, dann gibt es Ihnen vielleicht die Möglichkeit, diese taktische Wendung auch zu entdecken. Wenn Sie die taktische Möglichkeit nicht sehen, dann sagt Ihnen das Programm, dass Sie etwas übersehen haben, und wenn Sie die Hinweisfunktion aktiviert haben, dann erhalten Sie eine Warnung vom Programm.

Aber das Programm verfährt zugleich auch noch ein wenig raffinierter und auf gewisse Weise noch beeindruckender. Während der Partie schätzt es mit immer neuen Informationen, die es durch Ihre Züge erhält, Ihre Spielstärke ein. Dabei strebt das Programm danach, die Partie interessant zu gestalten, es will Sie nicht brutal überspielen, aber die Partie auch nicht einfach verschenken (z.B. "Hier, nimm meinen Läufer, damit du eine Chance gegen mich hast"). 

Das wollte ich sofort ausprobieren. Ich habe schon oft versucht, gegen Engines in einem Modus zu spielen, der zu einer akzeptablen Partie führt, aber keiner dieser Versuche hat wirklich Spaß gemacht. Ja, vor etwa zehn Jahren bat mich ein Freund mit einer Elo von 2300+ um Rat, wie man gegen Computer spielen könnte, und ich hatte keine andere Idee, als ihm zu raten, der Engine eine Bedenkzeit von 0,1 Sekunden pro Zug zu geben, während er mit der üblichen langen Bedenkzeit spielen sollte. Aber auch das konnte das Ungleichgewicht nicht ausgleichen. Und das war vor zehn Jahren!

Meine erste Testpartie gegen Fritz 18 erwies sich als unglaublich leicht. Offensichtlich hat die Engine versucht, meine Spielstärke einzuschätzen und sich darauf einzustellen. Die zweite Partie war jedoch bemerkenswert und faszinierend. Die Partie blieb fast die ganze Zeit über im Gleichgewicht, wobei die Engine in passenden Momenten immer wieder vom Gas ging. Entscheidend dabei war, dass ich dies tatsächlich nicht gemerkt habe, außer ganz am Ende, als die Engine alles gemacht hat, um ein Remis zu vermeiden und es mir erlaubt hat, auf Gewinn zu spielen. Die entscheidende Frage war: Wollte ich eine weitere Partie spielen? Ja, ohne jede Frage. Mir hat das Spiel gegen das Programm Spaß gemacht und mit dieser Einschätzung bin ich nicht allein.

Das neue Programm wurde einer Reihe von Spieler unterschiedlicher Spielstärke, vom schwachen Amateur bis zum gestandenen Großmeister zum Testen geschickt, und einer davon war der junge indische Großmeister Leon Mendonca, der nach etlichen Partien gegen das Programm meinte:

"Fritz 18 ist im Moment wohl das beste Programm, wenn man trainieren und vor allem spielen will. Der große Unterschied bei dieser Version von Fritz besteht darin, dass man tatsächlich eine ernsthafte Partie gegen den Computer spielen kann, ohne vernichtet zu werden. Fritz gibt einem die Möglichkeit, um Vorteil zu kämpfen und die Partie zu gewinnen. Außerdem kann man bestimmte Stellungen gegen das Programm spielen, um die Antworten zu prüfen, die möglicherweise in einer Turnierpartie aufs Brett kommen. Ich würde Fritz 18 Spielern aller Spielstärke empfehlen, da das Programm sich an die jeweilige Stärke des Spielers anpasst."

Leon wurde schon von Vladimir Kramnik und von Boris Gelfand trainiert

Hier sind vier Partien, die Leon gegen Fritz 18 gespielt hat.

 

Leon und vielen anderen gefällt Fritz 18 offensichtlich. Und sie schicken uns Partien, die sie gegen Fritz 18 gespielt haben. Sie können das auch tun: Schicken Sie uns die schönsten Partien, die Sie gegen den Computer gespielt haben. Und wie es ist, gegen Fritz 18 zu spielen.

Die Easy Game Funktion

Wenn Sie Fritz 18 starten, dann öffnet sich zunächst das Eröffnungsmenü. Klicken Sie auf "Geführt-Berührt".

Der folgende Anblick sollte Ihnen vertraut sein, wenn Sie diese Funktion schon einmal benutzt haben. Unten rechts befindet sich ein großer bunter Bereich mit einem lächelnden gelben Turm und einer Reihe von Kästchen.

Die Kästchen sind mehr oder weniger selbstrklärend. "Automatische Tipps" bedeutet, dass das Program einem Hinweise gibt, auch wenn man nicht danach fragt. Reicht der Hinweis nicht aus, dann können Sie zusätzliche Tipps vom Programm anfordern.

Klick und Check zeigt, wohin eine Figur, die Sie angeklickt haben, ziehen kann. Wenn Sie die Maustaste gedrückt halten, so zeigt das Programm auch, wie gut oder wie schlecht die Züge auf die jeweiligen Felder sind.

Wenn man die Dame auf c4 anklickt, so zeigt einem das Programm, dass c2 das schlechteste Feld für diese Dame wäre - denn mit Dc2 wird Schwarz Patt gesetzt.

Mit Sprechen kann man Kommentare hören.

Weiter rechts ist eine Liste mit Figuren mit farbigen Kreisen. Das ist die "Heatmap" der Figuren. Sie zeigt an, welche Figuren gut stehen und welche nicht. Je dunkler das Grün, desto besser stehen die Figuren. Figuren, die rot gekennzeichnet sind, stehen nicht gut.

Wenn Sie mit der Maus über die Figuren gehen, dann werden alle Figuren auf dem Brett noch einmal farblich gekennzeichnet.

Eine Partie beginnen

Vielleicht finden Sie diesen Abschnitt offensichtlich und unnötig, aber ein paar Erklärungen helfen vielleicht, die ersten Schritte ein bisschen leichter zu machen. Bevor Sie anfangen, eine Partie zu spielen, entscheiden Sie sich für einen Level. 

Die Stufen weichen deutlich voneinander ab - das nur zur Warnung. In einer Partie mit "Vereinsspieler"-Level stand nach zwei Zügen die folgende Eröffnung auf dem Brett:

 

Ein zweiter Versuch mit "Starker Vereinsspieler" führte zu einer üblichen Version der Aljechin-Verteidigung, obwohl das Programm eine Weile gebraucht hat, um die entsprechenden Züge zu finden.

Nachdem Sie sich für eine Stufe entschieden haben, wählen Sie, ob Sie mit Weiß oder mit Schwarz spielen wollen:

Was Sie erwartet

Nach zwei Partien hat man einen guten Eindruck davon, was einen erwartet. Das Niveau der Partie bei Vereinsspieler erwies sich als ungewöhnlich schwach, aber das lag vielleicht daran, dass das Programm noch damit beschäftigt war, ein Profil meiner Spielstärke zu erstellen. Wie auch immer, irgendwann kam es zu folgender Situation:

 

Hier spielte die Engine 1...c5, wonach Weiß mit 2.a3 Material gewinnen kann. Aber ich sah, dass die Engine 1...a5 analysiert hat, um den Springer zu retten. Das heißt, die Engine hat die Drohung des Weißen gesehen, aber mir absichtlich die Möglichkeit gegeben, Material zu gewinnen.

In der zweiten Partie entschied ich mich für Starker Vereinsspieler, und danach wirkte die Partie sehr viel mehr so wie eine normale Partie. Ich fühlte mich weder über- noch unterfordert. Irgendwann kam es zu folgender Situation:

 

Hier spielte ich 1.a6, um die schwarzen Bauern am Damenflügel aufzuweichen. Fritz nahm den Bauern mit 1...Sxa6, wonach ich, wie geplant, den taktischen Schlag 2.Txa6! anbringen konnte. Ich weiß nicht, ob das Programm geplant hat, mir diesen kleinen "Glanzzug" zu erlauben, aber es war ein schönes Gefühl, dass nicht alles, was ich probiert habe, schon zehn Züge im Voraus vereitelt wurde.

Als sich die Partie ihrem Ende näherte, sah ich, welche Möglichkeiten die neue Funktion bietet. In der unten stehenden Stellung kann Schwarz die Partie jetzt schnell beenden, indem er mit dem Turm Dauerschach gibt.

 

Ich habe normale Züge gemacht, und stets damit gerechnet, dass Fritz das Dauerschach geben würde. Stattdessen gab das Programm erst ein Schach, um dann einen Zug zu spielen, der die Partie verlängerte. Schritt für Schritt erlaubt mir das Programm, in Vorteil zu kommen, um mir so die Möglichkeit zu geben, auf Gewinn zu spielen.

Hier ist die ganze Partie, von Anfang bis Ende:

 

Das Programm ist erst seit Kurzem auf dem Markt, aber ich bin überzeugt, dass es Spielern aller Spielstärken die Möglichkeit gibt, interessante und gute Partien gegen Fritz zu spielen und ihr Training zu bereichern.

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Albert Silver ist Redakteur und Autor. Er lebt in Rio de Janeiro in Brasilien.

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