Fritz una sumus

23.11.2007 – Fritz 11 ist gerade erschienen, und schon liegen die ersten begeisterten Reaktionen vor. Keine Frage, Fritz 11 ist der stärkste und beste Fritz aller Zeiten. Martin Rieger geht in seiner Besprechung von Fritz 11 nicht nur auf die Neuerungen ein sondern würdigt das Programm, das eigentlich ein regelrechtes Programmpaket ist, einmal als Ganzes. Dazu gehört auch die einzigartige und farbenreiche Geschichte von Fritz, seine vielfältigen Spiel- und Trainingsfunktionen, der ständig gewachsene Lieferumfang (u.a. mit inzwischen 14 Stunden Videoschachtraining) und nicht zuletzt die enorm verbesserte Fritz11-Engine, über deren erste Analyseresultate sich der Autor begeistert zeigt. Sein Fazit: "Fritz 11 bietet alles, was das Schachherz höher schlagen lässt."  Fritz 11 im Shop kaufen...Zur Rezension...

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Fritz 11

Rezension von Martin Rieger (Freechess.de)

Vor 16 Jahren erschien ein kleines MS-DOS Schachprogramm mit dem lustigen Namen Fritz. Gar nicht lustig waren allerdings die Partien, in denen der Kleine so manchem scheinbar überlegenen Schachprogramm das Fell über die Ohren zog. Damit nicht genug, drei Jahre später trat das Schachprogramm die weite Reise von Hamburg nach München an, um dort der versammelten Weltelite (unter anderem mit Kasparov, Anand, Kramnik, Hübner) bei einem Blitzturnier das Fürchten zu lehren. Ich war damals anwesend und kann mich noch sehr gut an die zahlreichen verdutzten Gesichter der Großmeister erinnern im Angesicht des Sturmlaufes von Fritz3. Selbst im Finale gegen Kasparow machte das Programm noch eine sehr gute Figur, musste sich aber letztendlich (noch!) der Genialität des dreizehnten Weltmeisters beugen. Im Laufe der Jahre wurde Fritz ständig verbessert und erreichte in regulären Turnierpartien gegen Kasparow ein 2:2(2002) und gegen Kramnik ein 3:3(2003).


Die verschiedenen Vorgänger von Fritz11 und die aktuellste Version

Inzwischen ist Fritz längst erwachsen geworden, Fritz 11 lautet sein Name und wieder zieht er hinaus in die große weite Welt, im Gepäck jede Menge Schachwissen und Erfahrung, um seine zahlreichen Fans weiterhin hervorragend zu unterhalten und der Konkurrenz den Hosenboden stramm zu ziehen. Ob dieses Vorhaben am Ende von Erfolg gekrönt sein wird? Da bin ich mir eigentlich ziemlich sicher, aber der Reihe nach...

Bevor ich zu der wichtigen Frage komme, wie stark der neue Fritz11 eigentlich wirklich ist, will ich auf die Punkte eingehen, die gegenüber der Vorgängerversion neu sind.

Bei der Funktion „Rechentraining“ kann man beim Betrachten von Live-Partien auf dem ChessBase-Server (oder auch geladenen Partien aus der Datenbank) die Züge oder Varianten die man selbst berechnet hat, ins Brett übertragen ohne das dort eine Figur ihren Platz verlässt. In der Notation erscheinen Ihre eingegebenen Züge aber; anschließend haben sie die Möglichkeit, die Legalität ihrer Züge überprüfen zu lassen, Fritz nach taktischen Fehlern suchen zu lassen und/oder die Qualität ihrer Varianten bewerten zu lassen. Solch ein Rechentraining ist von unschätzbarem Wert für das eigene praktische Spiel und verbessert auf spielerische Art und Weise ganz nebenbei ihre Variantenberechnung! Eine weitere Neuerung besteht in der Möglichkeit, auf dem ChessBase-Server einen Taktikwettkampf auszutragen.

In einem solchen Wettkampf schickt der Server im Zeitraum von fünf Minuten so viele Taktikaufgaben wie man lösen kann, die mittlere Lösungsgeschwindigkeit wird in eine ELO-Zahl umgerechnet. Durch solch ein bequemes abwechslungsreiches Taktiktraining zwischendurch wird man seinen taktischen Blick erheblich schärfen können.

Das „magische Auge“ im neuen Fritz 11 macht die Gedankengänge des Programms noch deutlicher und nachvollziehbarer. Eingebunden ist diese Neuerung in der phantastischen 3D Welt des Programms, in der bereits der „Schachtürke“ und die Computerfrau „Mia“ Zuhause sind. Eine Art Laserstrahl blickt auf dem Brett herum und visualisiert die komplexen Rechenvorgänge, dies ist für den Betrachter genauso faszinierend wie aufschlussreich. Dieses Highlight sollte man sich unbedingt einmal ansehen sonst glaubt man es eigentlich nicht.


Das magische Auge in Aktion

Eher nebenbei erwähne ich hier noch das aktualisierte und weiter vertiefte Eröffnungsbuch von Alex Kure, dass mit ca.257 MB Größe ein wahres Schwergewicht ist,  sowie die schon fast obligatorische Datenbank mit ca. 1 Million Partien. Der neue Fritz11 wird auf einer DVD ausgeliefert die, man höre und staune, nahezu voll ist! Nach Angaben von Chessbase hat der vorhandene Platz auf der DVD gerade noch ausgereicht für folgende „nette“ Beigabe: Unglaubliche 14 Stunden Schach-Videotraining mit Kasparow, Shirov und Co!!

Dazu kommentiert Dr. Helmut Pfleger zwei der schönsten Partien der Schachgeschichte und Schachlegende Viktor Kortschnoi erzählt etwas über seine besten Partien. Oder wollen Sie etwas über Schachendspiele von GM Karsten Müller im Videotraining lernen? Sich von Daniel King im Angriffsspiel trainieren lassen? Karpovs Extrainer Adrian Mikhalchishin bei seinen Erläuterungen zuhören? Alles kein Problem, mit Fritz11 kommt die Schachwelt zu Ihnen nach Hause!

Wer mal Lust auf Räuberschach oder Schach960 haben sollte wird bei Fritz11 natürlich auch bestens bedient, das Programm beherrscht beides dank eigener spezieller Engines und als Anwender wird man seine helle Freude daran haben! Zusätzlich zum Programm erhält man ein Jahr lang kostenlosen Zugang zum ChessBase-Server, auf dem Sie gegen Gegner aus aller Welt  Schach spielen und chatten können. Dort werden Partien von großen Schachveranstaltungen live übertragen und erfahrene Trainer halten regelmäßig Schachtraining für die Öffentlichkeit ab.

Nach den ersten Eindrücken war ich bereits nach Sichtung dieser Features derart begeistert, dass ich mir nicht vorstellen konnte, dass es noch viel besser kommen würde!


Der Schachtürke ist immer bereit für eine kleine Partie

Ich wurde eines Besseren belehrt, der Aussage des Herstellers, Fritz 11 würde gegenüber der Vorgängerversion um ca. 80 ELO Punkte zulegen, möchte ich hier in keinster Weise widersprechen. Im Rahmen einer normalen Rezension konnte ich natürlich keine umfangreichen Tests mit dem Programm durchführen, dies überlasse ich den Computerexperten, aber für eine erste Einschätzung mag folgendes doch recht aufschlussreich sein:

Diese Stellung stammt aus der Partie Popescu-Baciu_Ionescu /Romania 1995. Im Schachinformator 63 wurde diese Stellung im Bereich Taktik veröffentlicht mit der Zugfolge 1.Sdxb5+! axb5 2.Sxb5+ Kc6 3.Lg5!! Lxg5 4.De8+ S8d7 5.f8D Th6 6.Td1! Df6 7.Dxf6 Txf6 8.Sd4+ Kc7 9.Se6+ Kc6 10.e5!! 11.De7 Sc8 12.Lb5+! Kxb5 13.Dxd7+ Lc6 14.Txd5+ 1-0

Fritz 11 brauchte auf meinem Laptop (1,5 GHz, 512 MB RAM) gerade mal drei Sekunden, um die gesamte Variante über den Haufen zu werfen!!

Als besten Zug zeigt Fritz11 1.Lg5!! mit Gewinn an und widerlegt nebenbei die Variante aus dem Informator mit 3...Lc8! 4.Dxe7 Dxe7 5.Lxe7 Txe4+ 6.Kd2 S8d7 7.Lg2 d5 8.Lxe4 dxe4 9.Sd4+ Kd510.Se2! La6 11.Sf4+ Ke5 12.Sg6+ Ke6 13.f8D Sxf8 14.Lxf8 Sc4! Mit Ausgleich. Das war sehr beeindruckend, es kam aber noch dicker!

Folgende Partie spielte ich selbst vor langer Zeit gegen den jetzigen IM David Gross (Tegernsee) und damals hatte ich irgendwo das Matt ausgelassen und die Partie endete Remis. Im Laufe der Jahre analysierte ich die Stellung mit immer neueren Schachprogrammen und selbstverständlich fanden auch alle irgendwann das Matt, einige erst nach Stunden, andere nach einigen Minuten. Fritz 11 schoss hierbei aber deutlich den Vogel ab mit einer Lösungszeit von unglaublichen 22 Sekunden für das gesamte Matt in 15 Zügen. Hier die besagte Partie, mein eigenes schwaches Spiel mag der Leser entschuldigen:

David Gross - Martin Rieger [B33] Stadtmeisterschaft Regensburg, 1992

1.e4 c5 2.Sf3 e6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 Sc6 6.Sdb5 d6 7.Lf4 e5 8.Lg5 a6 9.Sa3 b5 10.Sd5 Da5+ 11.Ld2 Dd8 12.Lg5 Da5+ 13.Ld2 Dd8 14.Sxf6+ Dxf6 15.c4 b4 16.Lxb4 Sxb4 17.Da4+ Ld7 18.Dxb4 d5 19.c5 a5 20.Db7 Lxc5 21.Dxa8+ Ke7 22.Dxh8 hier zeigt Fritz das Matt in 15 Zügen in drei Sekunden an!

Dxf2+! 23.Kd1 Lg4+ 24.Kc1 De1+ (hier spielte ich Le3 und hatte weiter eine gewonnene Stellung, war aber unfähig, diese zu gewinnen) 25.Kc2 Dxe4+ 26.Ld3 Dxg2+ 27.Kb1 Dxh1+ 28.Kc2 Dxh2+ 29.Kb3 Dd2 30.De8+ Kxe8 31.Lb5+ Ke7 32.Sc2 Lf5 33.a3 Dxc2+ 34.Ka2 Ld4 35.Tb1 Dxb1+ 36.Kb3 Lc2# matt.

Mit der schier unglaublichen taktischen Stärke von Fritz11 lassen sich auch so manch überraschende Eröffnungsneuerungen aufspüren, wie folgendes Beispiel eindrucksvoll zeigt:

1.e4 c5 2.Sf3 Sc6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 d6 6.Lc4 e6 7.Le3 Le7 8.De2 0-0 9.0-0-0 a6 10.Lb3 Dc7 11.g4 Sd7 12.Sf5 exf5 13.Sd5 Dd8 14.gxf5 Sa5 15.Thg1 Sxb3+ 16.axb3 Kh8 17.Ld4 f6 Hier gibt GM John Nunn in der Enzyklopädie der Schacheröffnungen18.Tg3 mit Gewinn an, so verlief auch die Partie Nunn-Simm, England 1977. Fritz 11 bewertet 18.Tg3 auch sehr gut aber nach

18.Sc7!!N

 ist es sofort aus, gefunden von Fritz11 innerhalb einer Sekunde!

Von den Vorgängerversionen wusste ich natürlich, dass Fritz11 taktisch, so wie auch fast jedes andere Schachprogramm unserer Tage, unglaublich stark sein muss. Die gezeigten Beispiele oben sind aber nur ein kleiner Ausschnitt dessen, was Fritz11 im taktischen Bereich wirklich zu leisten vermag. Einfach unglaublich!

Aber auch im strategischen Bereich weiß Fritz11 zu überzeugen:

Diese Stellung stammt aus der berühmten Partie Karpow-Hort/ Moskau 1971. Karpow zog hier 22.Tg4!! und gewann die Partie später auch, ich weiß zwar nicht wie lange Karpow an diesem Zug überlegte aber Fritz 11 findet ihn in einer Sekunde! In folgender Partie zwischen Lasker und Capablanca (St Petersburg, 1914), fand Lasker an dieser Stelle den  phantastischen Zug 35.e5! 

Stellung nach 35.e4-e5!

Fritz 11 findet diesen Zug in zwei Sekunden und zeigt den nachfolgenden Gewinn an: 35...dxe5 36.Se4 Sd5 37.S6c5 Lc8 38.Sxd7 Lxd7 39.Th7 Tf8 40.Ta1 40...Kd8 41.Ta8+-.
Ganz nebenbei liefert er aber einen noch stärkeren Zug als 35.e5!, nämlich 35.Th6!! (gefunden in einer Minute und 30 Sekunden).

Fazit: Fritz11 bietet alles, was das Schachherz höher schlagen lässt. Die Möglichkeiten sind schier unbegrenzt, angefangen von einer einfachen Partie Schach zwischendurch über Schachtraining mit Fritz auf dem ChessBase-Server bis hin zu privaten Trainingslektionen mit Kasparow und Co. Noch dazu passt sich Fritz11 auf Wunsch ihrer Spielstärke an, einen besseren Trainingspartner kann man sich also kaum vorstellen. Ich bin jedenfalls davon überzeugt, dass Fritz11 die Schachherzen von jung und alt im Sturm erobern wird. Uneingeschränkt zu empfehlen.

Systemvoraussetzungen:
Minimal:
Pentium 300 MHz, 64 MB RAM, Windows Vista oder Windows XP (Service Pack 2), DVD-ROM Laufwerk, Windows-Media Player9.
Empfohlen: Pentium IV 2,2 GHz oder besser, 256 MB RAM, Windows Vista, GeForce5 Grafikkarte (oder vergleichbar) mit 64 MB Speicher oder besser, 100 % DirectX kompatible Soundkarte, Windows Media Player 9, DVD-ROM-Laufwerk.


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