Fußball ist wie Schach ...

22.07.2013 – Das berühmte Zitat "Fußball ist wie Schach, nur ohne Würfel", wurde vom Kabarettisten Jan Böhmermann einst Lukas Podolski in den Mund geschoben, der den Satz aber nie gesagt hat. Tatsächlich wird Fußball aber gerne als "Rasenschach" bezeichnet. Bei Bayern München hat jetzt Pep Guardiola die Rolle des Strategen übernommen und spielt ein neues System - mit Zentralspringer. Mehr zum neuen System...

ChessBase 15 - Megapaket ChessBase 15 - Megapaket

Kombinieren Sie richtig! ChessBase 15 Programm + neue Mega Database 2019 mit 7,4 Mio. Partien und über 70.000 Meisteranalysen. Dazu ChessBase Magazin (DVD + Heft) und CB Premium Mitgliedschaft für ein Jahr!

Mehr...

Das Motto "Mia san mia" beschreibt sehr präzise das Selbstverständnis des deutschen Rekordmeisters FC Bayern München, bei dem der Begriff "Erfolg" nämlich ganz anders definiert wird als sonstwo. So verstand der damalige Bayerntrainer Erich Ribbeck seinerzeit das bayrische Eigenverständnis nach dem Lesen der Münchner Zeitungslektüre am Montag ziemlich schnell sehr genau und wusste der Presse zu berichten, dass man es hier offenbar schon als kleine Krise ansieht, wenn der Gegner über die Mittellinie kommt.

Felix Magath, nach seinem Erfolg mit dem VFB Stuttgart an die Isar geholt, schaffte 2004/2005 das Double und verteidigte dies sogar in der folgenden Saison - das war zuvor noch keiner Mannschaft gelungen. Doch das war zuwenig für bayrische Verhältnisse. Denn zweimal schied Magath in der Champions League in der frühen K.o-Phase aus und war dann sogar zeitweise in der Bundesliga auf Platz vier abgerutscht. Der bekennende Schachfan wurde vorzeitig aus dem Vertrag entlassen.

Nachdem man jüngst zweimal dem erhofften Gewinn der Champions League zwar nahe kam, aber doch scheiterte - besonders bitter war die Niederlage vor zwei Jahren im "Finale dohoam", trotz drückender Überlegenheit gegen Chelsea - und nachdem Dortmund drohte, den Bayern den Rang abzulaufen, gab Sparfuchs Uli Hoeneß nun seine Zurückhaltung in Bezug auf den Erwerb von Spielern endgültig auf und man begann in Bayern zu klotzen.

So holte man zum Beispiel Mario Mandzukic als Ergänzung für Gomez, mit dem man trotz 26 Bundesligatoren in der Saison 2011/12 und 12 Champions-League-Toren - nur Messi war besser - irgendwie unzufrieden war und hatte mit Ersatzspieler Claudio Pizarro einen der erfolgreichsten Stürmer der Bundesligageschichte ebenfalls noch im Kader. Die vielleicht drei besten Mittelstürmer der Liga waren den Bayern aber noch nicht genug und so bemühte man sich auch noch um Lewandowski. 30 Millionen-Mann Gomez hat inzwischen die Flucht ergriffen. Dank weiterer Neuzugänge wie Dante oder Martinez gewannen die Bayern unter Jupp Heynckes nach zwei Jahren unseliger Vizemeisterschaften in der letzten Saison endlich wieder die deutsche Meisterschaft mit 91 Punkten bei einem Torverhältnis von 98:18 und nicht weniger als 25 Punkten Vorsprung. Im Halbfinale der Champion League wurde der langjährige Platzhirsch des europäischen Fußballs, der FC Barcelona, mit 7:0 nach Hin-und Rückspiel geradezu gedemütigt und anschließend auch das Finale gegen Dortmund gewonnen. Der Sieg im Pokal war nur eine Formsache.

Anderswo wäre man nach dem Gewinn dieses "Triples" vielleicht aus dem Häuschen und würde sich auf den Lorbeeren ausruhen, doch in München denkt man an die Zukunft und möchte den Erfolg zementieren. Mit Götze und Thiago Alcantara holte man zwei Spieler, die die beste Mannschaft Europas tatsächlich noch verstärken können, wobei man beim Wechsel von Götze in lieb gewonnener Gewohnheit noch etwas beim ärgsten Bundesliga-Konkurrenten wildern konnte. Im nächsten Jahr kommt ja auch noch Lewandowski.

Von Jupp Heynckes mussten die Bayern sich auch trennen. Der Erfolgstrainer gab nicht rechtzeitig Signal, ob er verlängern will oder nicht. Und so schnappten die Bayern sich Wundertrainer Pep Guardiola.  "Pep" spricht auch schon ganz gut deutsch und wird deshalb nicht das Schicksal von Giovanni Trappatoni erleiden, der an mangelnden Sprachkenntnissen scheiterte. Der Spanier wird in Bayern Wunder bewirken, da ist sich die deutsche Sportpresse in ihrer Berichterstattung schon jetzt einig. Aber welche?

Was sind die Ziele des FC Bayern München? Dank seiner Verstärkungen wird Bayern München in der kommenden Saison die Meisterschaft sicher mit einem noch größeren Vorsprung verteidigen. Nur wenige Mannschaften werden es noch wagen, die Mittellinie zu überschreiten. Es ist nicht auszuschließen, dass der Gewinn der Schale schon bei Halbzeit der Saison feststeht. Könnte der FC Bayern München mit seiner A- und mit ihrer B-Mannschaft an der Champions League teilnehmen, so würde er sich im Finale vermutlich selbst gegenüber stehen. Oder man spielt mit der einen A-Mannschaft in der Champions League und mit der B-Mannschaft in der Bundesliga. Vielleicht plant der intergalaktische Fußballbund aber auch eine interplanetarische Champions League, von der wir noch nichts wissen, und die Münchner bereiten sich schon auf die Auseinandersetzungen mit vierfüßigen Aliens vor...

Was aber ist nun neu an Pep Gardioalas System? Was könnte er besser machen als Jupp Heynckes? In einem Beitrag für Eurosport erklärt Experte Martí Perarnau, wie Guardioala Anleihen beim, genau: Schach,  nimmt. Die Doppelsechs, in den letzten Jahren das Nonplusultra der Fußballtheorie, ist tot. Stattdessen übernimmt Bastian Schweinsteiger als Zentralspringer die Rolle des Regisseurs oder Spielmachers, wie man es auch mal nannte. Dazu gibt es aber auf den Außenpositionen noch zwei starke Türme und zwei flinke Läufer.

Zum Artikel...

Von André Schulz



Discussion and Feedback Join the public discussion or submit your feedback to the editors


Diskutieren

Regeln für Leserkommentare

 
 

Noch kein Benutzer? Registrieren