Garry Kasparov: "Ich habe meinen Frieden mit KI gemacht"

von ChessBase
24.02.2020 – Im Mai 1997 verlor Garry Kasparov in New York einen aufsehenerregenden Sechs-Partien-Wettkampf gegen den IBM-Computer Deep Blue mit 2,5:3,5. Die Niederlage des damaligen Schachweltmeisters und des vielleicht besten Spielers aller Zeiten sorgte in der ganzen Welt für Schlagzeilen und war ein Meilenstein in der Entwicklung des Computerschachs. Doch wie Kasparov der Zeitschrift "Wired" in einem Interview über Schach und Künstliche Intelligenz verriet, hat er mittlerweile seinen Frieden mit der Niederlage gegen die Maschine gemacht.

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"Der Fortschritt lässt sich nicht aufhalten"

Vor kurzem kehrte Garry Kasparov an den Ort zurück, an dem er 1997 seinen legendären Wettkampf gegen Deep Blue gespielt und verloren hat—den Ballsaal des New York Hotel—, um dort mit Experten für Künstliche Intelligenz zu diskutieren. Organisiert hatte die Veranstaltung die Association for the Advancement of Artificial Intelligence. Kasparov traf sich auch mit Will Knight, einem Redakteur des Magazins Wired und sprach mit ihm in einem Interview über Schach, Künstliche Intelligenz und Strategien, den Maschinen voraus zu sein. Die folgenden Passagen sind kurze Auszüge des Interviews, das unter dem Titel "Defeated Chess Champ Garry Kasparov Has Made Peace With AI," auf der Webseite von Wired erschienen ist.

Über die Niederlage gegen Deep Blue:

Ich habe meinen Frieden damit gemacht. 1997 war eine unangenehme Erfahrung, aber sie hat mir geholfen, die Zukunft der Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine zu verstehen. Wir haben geglaubt, wir wären unbesiegbar, im Schach, im Go, im Shogi. Aber zunehmend stärkere KI-Programme haben in diesen Spielen allmählich die Oberhand gewonnen. Aber das heißt nicht, dass das Leben vorbei ist. Wir müssen herausfinden, wie wir KI zu unserem Vorteil nutzen können.

Die Folgen von KI?

Jede Technologie vernichtet Arbeitsplätze, bevor sie Arbeitsplätze schafft. Wenn diese Arbeitsplätze zu verschwinden beginnen, dann brauchen wir neue Arbeitszweige, wir müssen Strukturen schaffen, die helfen. Vielleicht ein universelles Grundeinkommen, aber auf alle Fälle müssen wir für die, die abgehängt sind, ein finanzielles Polster schaffen. Wir müssen nach Möglichkeiten Ausschau halten, Arbeitsplätze zu schaffen, die unsere Stärken betonen. Technologie ist der Hauptgrund, warum viele von uns noch immer am Leben sind und sich über Technologie beklagen können.

Eine Schach-Engine unterstützen, um sie stärker zu machen?

Wenn ich mir die Partien von AlphaZero anschaue, dann sehe ich potenzielle Schwächen. Ich sehe die Rolle des Menschen als die eines Schäfers. Man muss die Herde intelligenter Algorithmen lenken. In die eine oder andere Richtung, den Rest der Arbeit erledigen sie dann allein.

Über Ethik und KI

Wir wissen aus der Geschichte, dass sich der Fortschritt nicht aufhalten lässt. So gibt es bestimmte Dinge, die wir nicht verhindern können. Aber die Menschen haben immer noch das Monopol auf das Böse. Das Problem ist nicht KI. Das Problem ist, dass Menschen neue Technologien nutzen, um anderen Menschen zu schaden. KI ist wie ein Spiegel, sie vergrößert das Gute und das Schlechte. Sie ist ein Werkzeug. Und leider haben wir genug politische Probleme, innerhalb und außerhalb der freien Welt, die durch KI sehr viel schlimmer gemacht werden können.

Der Stil von AlphaZero

Heutzutage ist jeder Computer zu stark für die Menschen. Aber es war ein Fehler zu glauben, dass das Spiel langweilig werden würde, wenn wir sehr starke Schachcomputer entwickeln, dass es Partien mit 1800 oder 1900 Zügen geben würde, in denen keine Seite Fortschritte machen kann. Bei AlphaZero ist das totale Gegenteil der Fall. Mich hat das gefreut, denn AlphaZero spielt eher wie Kasparov und nicht wie Karpov! Das Programm hat festgestellt, dass es tatsächlich Material opfern kann, um Angriffsmöglichkeiten zu bekommen. Das Programm ist nicht kreativ, es sieht nur die Muster, die Chancen. Aber das macht das Schach tatsächlich aggressiver, attraktiver.

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Übersetzung aus dem Englischen: Johannes Fischer