"Gender Gap" beim Schach

von André Schulz
13.07.2016 – Als "Gender Gap" wird die gesellschaftliche Benachteiligung oder Unterrepräsentation von Frauen bezeichnet. Überraschenderweise ist dies auch beim Schach zu verzeichnen, obwohl es hier keine physische Benachteiligung von Mädchen und Frauen gibt. Trotzdem spielen weit weniger Frauen Schach und sind im Vergleich zur absoluten Spitze auch weniger erfolgreich. Die New York Times beschäftigt sich mit dem Thema. Mehr...

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Im Artikel der New York Times werden die Effekte des "Gender Gaps" im Schachs beschrieben. Zu einem Kinder-Turnier im New Yorker Marshall Chess Clubs hatten sich 14 Kinder angemeldet, darunter aber nur vier Mädchen. Dies sei im Vergleich zu vergangenen Jahren aber schon ein gutes Ergebnis gewesen.

Carissa Yip, 12, eines der vier Mädchen, erzählt, dass es für Mädchen viel leichter sei, im Schach Aufmerksamkeit zu bekommen, da man hier schon mit geringeren Leistungen beachtet und vor allem  gefördert wird. Möglichweise sorgt also die Sonderstellung von Frauen und Mädchen, die eigene Turniere spielen, dafür, dass sich diese weniger anstrengen müssen, um Erfolg zu haben.

Cariss Yips Vater fand es seinerzeit sehr ungewöhnlich, dass seine Tochter am Schach interessiert war, da Mädchen sich doch meist für andere Aktivitäten interessiere, die "mädchentypischer" sind, zum Beispiel tanzen. So sei er anfangs gegen die Idee gewesen, dass seine Tochter Turnierschach spielt. Vielleicht spielen also auch soziale Gründe oder fehlende Unterstützung durch die Eltern eine Rolle beim "Gender Gap" im Schach.

Der Artikel berichtet von einer Studie, die 2007 in Italien mit Mädchen und Jungen mit Online-Schach durchgeführt wurde. Wenn die Mädchen nicht wussten, wer ihr Gegner war, Jungen oder Mädchen, holten  sie 50% der Punkte. Wenn sie wussten, dass es ein Junge war, nur 25%. Alles nur Psychologie?

 

 

...

 

Ganzer Artikel in der NY Times...

Gender Gap Report (Wikipedia)...

 

 

 



André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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knight100 knight100 13.07.2016 09:26
Fortsetzung:
Die Schachspielerin im Artikel gibt selbst zu, dass die negativen Klischees über Frauen und Mädchen sich negativ auf die weibliche Spielstärke auswirken. Anstatt nun die Wurzel solcher Klischees, nämlich die Extra-Würste für Mädchen, zu beseitigen, versuchen solche Frauen dann mit medialer Propaganda ein Umdenken zu erzwingen. Das funktioniert nicht. Zu wenig Jungen und Männer lassen sich von so blöder Propaganda beeindrucken. Zu offensichtlich ist es, dass Frauen sich vor Leistung drücken, indem sie Männern die Teilnahme an Frauenturnieren verbieten und sich hinter tollen Ausreden verstecken.

Man könnte z.B. auch nur solche Männer teilnehmen lassen, die nicht besser spielen, aber selbst davor haben die meisten Frauen Angst und dann wundern sie sich auch noch über Klischees, die über Frauen durch solche unsolidarische egoistische Verhaltensweisen der meisten Frauen erzeugt werden. Die meisten Frauen erzeugen mit ihrer männerfeindlichen egoistischen Geisteshaltung („Frauen zuerst, Männer danach!“) solche Klischees selbst und haben sie deshalb auch mehr als verdient, inklusive ihrer schlechteren Spielstärke im Schach. Daran würde auch eine tausendfache mediale Aufmerksamkeit gar nichts ändern."
knight100 knight100 13.07.2016 09:26
Eine Erklärung (die auch meiner/und vieler anderer Meinungen entspricht) zu dem Sachverhalt aus einem Kommentar im Artikel:

http://blog.zeit.de/schach/frauen-schach-ohme-melanie-interview/?sort=asc&comments_page=3#comments

Es ist auch lesens-empfehlenswert, den ganzen Artikel + Kommentare

Etwas gekürzt, wegen Themenbezogenheit:...
...
"Solche Extrawürste für Mädchen sind bereits eine unangemessene Besser-Behandlung und Förderung von Mädchen im Schach, die allerdings nach hinten losgeht, weil man Mädchen und Frauen immer nur auf Kosten von Jungen und Männern fördern möchte, indem man Männern gleiche Rechte verweigert und sie von Frauenschach-Turnieren ausschließt, während Frauen bei Männer-Schach-Turnieren natürlich selbstverständlich mitmachen dürfen, weil die meisten Frauen sich alle Rechte an Land ziehen und Männern so wenig Rechte wie möglich gönnen bzw. so viele Rechte wie möglich wegnehmen wollen. Kein Wunder, dass solches geschlechtsfeindliche Verhalten von den meisten Frauen beim anderen Geschlecht dann auf wenig Gegenliebe und ablehnendes Verhalten stößt. Da hilft auch überhaupt keine Propaganda (im Artikel als „mediale Aufmerksamkeit“ bezeichnet) mehr, indem man tolle Ausreden dafür findet, warum Mädchen natürlich unbedingt einen Pokal mehr als Jungen gewinnen können müssen.

Man sollte Mädchen überhaupt nicht mehr fördern und ihnen alle Rechte wegnehmen, die Jungen verwehrt werden. Das wäre die beste Förderung für Mädchen, denn so lernen sie, dass man für Dinge kämpfen muss statt sich alles mit Ausreden und Sonderrechten zu erschleichen. Und so könnten sie auch endlich von Jungen ernst genommen werden. Und würden es dann auch. Jungen haben ein Gespür dafür, ob jemand gut Schachspielen kann oder gut tolle Ausreden dafür erfinden kann, warum er nicht gut Schachspielen kann.

Mädchen kann man jedenfalls nicht an das Schachbrett holen, indem man medial auf das männliche Geschlecht einprügelt und das weibliche Geschlecht glorifiziert („spielt besser als 99% aller deutschen Männer“) oder indem man das Geschlecht eines Menschen hervorhebt oder betont. Das wirkt sich nur so aus, dass Mädchen unerwünschter werden am Schachbrett als wenn für sie die selben Bedingungen gelten würden wie für Jungen. Gleiche Bedingungen bedeutet, dass Jungen grundsätzlich mitmachen können bei Förderprojekten für Mädchen, wenn sie vom Verhalten her da rein passen. Dann würden sie auch keine ablehnende Haltung gegen Mädchen entwickeln, wenn sie nicht von westlichen Gesellschaften in die unerwünschte Ecke abgeschoben würden, weil sie ja angeblich weniger förderungswürdig seien.

Man sollte die Preise für beste Mädchen auch radikal abschaffen. Kein Mädchen begreift, was Leistung bedeutet, wenn es dazu erzogen wird zu denken, dass es eine Leistung ist als Mädchen geboren worden zu sein. Jedes Mädchen wird dann denken: „Warum soll ich lernen gegen Jungen zu gewinnen, wenn es anscheinend auch eine ganz tolle Leistung ist, als einziges Mädchen teilgenommen zu haben?“
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