Genie und Wahnsinn des Henry Nelson Pillsbury

von André Schulz
05.12.2017 – Genie und Wahnsinn lagen bei Pillsbury in gewissem Sinne nahe beieinander, aber nur zeitlich. Dank eines einzigartigen Gedächtnisses war er ein Schachgenie, zeitweise vielleicht der beste Spieler der Welt. Doch eine tückische, damals unheilbare Krankheit führte ihn im Alter von nur 33 Jahren in den Wahnsinn und in den Tod.

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Das kurze reiche Schachleben des Henry Nelson Pillsbury 

Henry (Harry) Nelson Pillsbury, wurde am 5. Dezember 1872 in Somerville, Massachusetts geboren, einem Vorort von Boston, heute vor 145 Jahren. Ein langes Leben war ihm nicht beschieden. Am 17. Juni 1906 starb er im Alter von 33 Jahren an Progressiver Paralyse, einer schweren neurologischen Störung, Folge einer Syphilis. Zum Zeitpunkt von Pillsburys Tod war die Syphillis als Ursache für schwere Schädigungen des Zentralen Nervensystems überhaupt noch nicht erforscht und so suchte man fälschlicherweise in Pillsburys vielfachen Blindsimultan-Auftritten die Ursache für seine geistige Verwirrung am Ende seines Lebens.

In der kurzen Zeit seiner aktiven Schachkarriere gehörte Pillsbury jedoch zwischen 1895 und 1904 zu den besten Schachspielern seiner Zeit und wurde mit seiner Partie gegen Emanuel Lasker zumindest in der Schachliteratur unsterblich, wobei er allerdings auf der "anderen", der falschen Seite saß. Allerdings gehören zu einer Glanzpartie auch immer zwei.

Harry Pillsburys Eltern waren beide Lehrer. Sein Vater Luther Batchelder Pillsbury (1832-1905) unterrichtete an der Prescott Grammar School. Später war er Stellvertretender Direktor an der Somerville High School, der Schule, an der auch Harry Pillsbury seine schulische Ausbildung erhielt. Pillsburys Mutter Mary A. (Leathe) Pillsbury (1838-1888) betätigte sich neben ihrem Hauptberuf als Lehrerin auch noch als Schriftstellerin. Harry Pillsbury hatte drei ältere Geschwister, zwei Brüder, Edwin und Ernest, und eine Schwester, May. Die Familie lebte in der Sargent Avenue. 

Karte

Google Streetview

Sargent Avenue (Google)

Als Henry Pillsbury 15 Jahre alt war, am 20.November 1888, starb seine Mutter und er begann sich auf Vorschlag der Familie mit dem Schachspiel zu beschäftigen, um sich auf diese Weise vom Verlust seiner Mutter abzulenken. 

Aufstieg zum Schachgenie in Boston

Nach Abschluss der Schule nahm Pillsbury zunächst eine Stelle im Bostoner Kaufhaus "Filene" in der 426 Washington Street an. Dieses war 1881 von dem aus Posen stammenden deutschen Juden Wilhelm Filene als Geschäft für Bekleidung gegründet worden. Das Geschäft florierte und wurde später unter Filenes Söhnen Edward und Lincoln Filene als "Filene's Department Stores" zu einer der größten Kaufhausketten in den USA. Am Stammsitz in Boston wurde 1912 ein prächtiger Neubau gebaut, dessen Fassade dort heute noch zu bewundern ist. In unmittelbarer Nähe wurde in jüngerer Zeit ein Trump Tower errichtet.

Pillsbury arbeitete im Filene's Department Store in der Werbeabteilung. 1890 trat Pillsbury dem im Jahr zuvor gegründeten Bostoner Deschapelles Chess Club bei. Der Club löste sich bald auf und Pillsbury wechselte in einen anderen Bostoner Schachclub. Zu seinen Schachtrainern gehörte der Bostoner Problemist Jonathan Hall und der aus Baltimore stammende schon etwas ältere Schachlehrer Henry Nathan Stone. Im Alter von 17 Jahren spielte Pillsbury mit dem beim 4. Massachusetts Chess Association Tournament sein erstes Schachturnier. Schon 1892 gab Pillsbury in Boston seine erste Blindschachsimultanvorstellungen, meist gegen acht Gegner, wobei er in einem Nebenraum saß und von dort die Partien zum Erstaunen des Publikums ohne Ansehen eines Brettes bestritt. Blindschachsimultanvorstellungen sollten das Markenzeichen von Pillsbury werden. Pillsbury schlug einige starke lokale Spieler in Wettkämpfen und galt nun als bester Spieler der Stadt. 

Im April 1892 besuchte Wilhelm Steinitz Boston. Steinitz spielte einen Handicap-Wettkampf gegen den jungen Meister und gab ihm einen Bauern und einen Zug vor. Auf diese Weise gelangen Pillsbury zwei Siege, eine Partie gewann Steinitz. Bei dieser Gelegenheit gab Steinitz auch ein Simultan gegen 21 Spieler des Bostoner Chess Clubs, gewann 18 Partien, spielte eine Partie remis und verlor zwei Partien, unter anderem gegen Pillsbury.

Im folgenden Jahr gewann Pillsbury noch in Boston einige weitere kleine Wettkämpfe, unter anderem gegen die deutschen Spieler Carl August Walbrodt (1871-1902) und Arnold Schottlaender (1854-1909), die sich auf USA -Tournee befanden, jeweils mit mit 2,5:0,5. Pillsbury entschied sich nun für eine Karriere als Schachprofi und ging nach Philadelphia, wo er dem Franklin Chess Club beitrat. Auch im Damespiel erreichte Pillsbury Meisterstärke und gab in den folgenden Jahren parallel zu seinen Schachsimultanvorstellungen auch  Damesimultanvorstellungen.

Die ersten Meisterturniere

Im September/Oktober 1893 nahm Pillsbury an seinem ersten Meisterturnier in New York teil. Er landete bei 14 Teilnehmern im Mittelfeld, schlug aber unter anderem den US-Landesmeister Jackson Whipps Showalter. Emanuel Lasker gewann das Turnier überlegen mit 13 aus 13 vor Adolf Albin. Im Dezember gewann Pillsbury kurz nach seinem 21. Geburtstag das Masters' Manhattan Cafe Chess Tournament, ebenfalls in New York und ließ neben anderen auch Showalter und Albin hinter sich.

1894 ging Pillbury nach New York und wurde Mitglied des Brooklyn Chess Clubs und spielte in der Mannschaft des Clubs in der Metropolitan League mit. Als Schachreporter kommentierte er von März bis Juni des Jahres die Partien des Weltmeisterschaftskampfes zwischen Emanuel Lasker und Wilhelm Steinitz, der 1894 in den USA gespielt wurde. Bei seinen Blindschachsimultanvorstellungen legte Pillsbury nun eine Pause ein, weil die Vielzahl der Partien und das Durchrechnen möglicher Varianten ihm danach noch stundenlange Kopfschmerzen bescherten. Im Oktober/November 1894 spielte Pillsbury in New York sein zweites großes Meisterturnier und wurde bei 11 Teilnehmern geteilter Fünfter. Wilhelm Steinitz gewann das Turnier und den 1. Preis in Höhe von 125 USD.

Sensationeller Sieg in Hastings 1895

Im Juni 1895 sammelte der Brooklyn Chess Club 300 USD und schickte Henry Pillsbury als Repräsentant des Clubs zum Hastings Chess Congress nach Europa. So gut wie alles, was Rang und Namen im Schach hatte, war bei diesem Turnier versammelt, darunter der amtierende Schachweltmeister Emanuel Lasker und sein Vorgänger Wilhelm Steinitz, insgesamt 22 Meister des Schachs. Pillsbury startete mit einer Niederlage gegen Michail Tschigorin und gewann dann aber neun Partien in Folge. Am Ende des Turniers war er sensationeller Sieger, mit 16,5 Punkten, vor Tschigorin, Lasker, Tarrasch und Steinitz. Der 22-jährige US-Meister war in der Weltelite angekommen und erhielt für seinen Sieg 1000 USD Preisgeld (ca. 25.000 USD nach heutiger Kaufkraft).

 
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"Kampf der Automaten", Ajeeb gegen Mephisto. Beides Spieler betätigten sich nämlich als versteckte "Schachengines" hinter zwei Schachautomaten: Pillsbury im Ajeeb, Gunsberg am Mephisto. 1.d4 d5 2.c4 c6 3.e3 g6 4.Nc3 Bg7 5.Nf3 Nf6 6.Bd3 0-0 7.Ne5 dxc4 8.Bxc4 Nd5 9.f4 Be6 10.Qb3 b5 11.Bxd5 Bxd5 12.Nxd5 Qxd5 13.Qxd5 cxd5 14.Nd3 Nd7 15.Bd2 Rfc8 16.Ke2 e6 17.Rhc1 Bf8 18.Rxc8 Rxc8 19.Rc1 Rxc1 20.Bxc1 Bd6 21.Bd2 Bis hierhin eine wenig aufregende Partie, die aber bald Fahrt aufnimmt. Kf8 22.Bb4 Ke7 22...Bxb4!? 23.Nxb4 Nb8 23.Bc5 a6 24.b4 f6 25.g4 Bxc5 25...g5 26.Bxd6+ Kxd6 27.Nc5 Nb8 28.Kf3 26.bxc5 Nun hat Weiß einen gedeckten Freibauern, der noch nicht entscheidend, aber beunruhigend ist. Nb8? 26...f5 war nötig. 27.f5!+- g5 28.Nb4 a5 29.c6 Kd6 29...axb4 30.c7+- 30.fxe6 Nxc6 31.Nxc6 Kxc6 32.e4! Alle anderen Züge verlieren, z.B.: 32.Kd3 Kd6 33.e4 Kxe6-+ 32...dxe4 32...Kd6 33.exd5 a4 34.Kd3 b4 35.Kc4 b3 36.axb3 a3 37.Kc3+- 33.d5+ Kd6 34.Ke3! Einziger Zug. Alle anderen Züge verlieren. b4 35.Kxe4 a4 36.Kd4 h5 36...b3 37.axb3 a3 38.Kc3+- 36...a3 37.Kc4+- 37.gxh5 a3 38.Kc4 f5 39.h6 f4 40.h7 1–0
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Pillsbury,H-Gunsberg,I-1–01895D94Hastings International Masters21

Nach dem Turnier von Hastings hielt Pillsbury sich noch eine Zeit lang in England auf und gab im Londoner Metropolitan Club ein Simultan gegen 15 Frauen, denen er jeweils einen Springer vorgab. Auch später noch besuchte Pillsbury bei verschiedenen Gelegenheiten gerne Frauenschachturniere, gab kleine Simultanvorstellungen gegen Frauen und ließ sich bewundern (s.u. "Pillsbury and the Ladies"). Bei seiner Rückkehr in die USA wurde der Sieger von Hastings wie eine Nationalheld gefeiert und erhielt vom Bostoner Bürgermeister eine goldenen Uhr zum Geschenk. Amerikanische Schachclubs begannen, Pillsburys Namen ihren Club-Namen aufzunehmen.

Pillsbury sitzt als Turniersieger in der Mitte, zwischen Lasker und Tarrasch.

Hastings 1895: Stand nach 21 Runden

Rg. Titel Name Land ELO 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 Pkt. Perf. Wtg.
1   Harry Nelson Pillsbury
 
  0 0 1 1 1 1 1 0 ½ ½ 1 1 1 1 1 ½ 1 1 1 1 1 16.5 / 21    
2   Mikhail Ivanovich Chigorin
 
1   1 1 0 0 1 1 1 1 ½ 0 1 1 1 ½ 1 ½ 1 1 ½ 1 16.0 / 21    
3   Emanuel Lasker
 
1 0   0 1 1 1 0 1 0 1 1 1 ½ 1 1 1 ½ 1 1 ½ 1 15.5 / 21    
4   Siegbert Tarrasch
 
0 0 1   1 1 0 ½ ½ 1 1 1 1 0 ½ 1 1 1 0 1 ½ 1 14.0 / 21    
5   William Steinitz
 
0 1 0 0   1 ½ 1 ½ 1 1 0 ½ 1 1 0 1 1 0 1 ½ 1 13.0 / 21    
6   Emanuel Stepanovich Schiffers
 
0 1 0 0 0   ½ ½ 0 1 1 1 ½ ½ 1 1 ½ 0 1 1 ½ 1 12.0 / 21    
7   Richard Teichmann
 
0 0 0 1 ½ ½   ½ ½ 0 0 ½ 1 1 0 1 1 ½ ½ 1 1 1 11.5 / 21   0.00
8   Curt Von Bardeleben
 
0 0 1 ½ 0 ½ ½   ½ 0 0 ½ 1 1 1 ½ 1 ½ 1 0 1 1 11.5 / 21   0.00
9   Carl Schlechter
 
1 0 0 ½ ½ 1 ½ ½   ½ ½ 0 1 1 ½ ½ ½ ½ ½ 1 ½ 0 11.0 / 21    
10   Joseph Henry Blackburne
 
½ 0 1 0 0 0 1 1 ½   0 1 1 0 0 ½ 0 1 1 1 0 1 10.5 / 21    
11   Carl August Walbrodt
 
½ ½ 0 0 0 0 1 1 ½ 1   0 0 ½ ½ ½ ½ 0 ½ 1 1 1 10.0 / 21    
12   Dawid Markelowicz Janowski
 
0 1 0 0 1 0 ½ ½ 1 0 1   0 ½ 0 ½ 1 0 ½ 0 1 1 9.5 / 21   0.00
13   Amos Burn
 
0 0 0 0 ½ ½ 0 0 0 0 1 1   0 0 ½ 1 1 1 1 1 1 9.5 / 21   0.00
14   James Mason
 
0 0 ½ 1 0 ½ 0 0 0 1 ½ ½ 1   0 1 0 ½ 1 0 1 1 9.5 / 21   0.00
15   Isidor Gunsberg
 
0 0 0 ½ 0 0 1 0 ½ 1 ½ 1 1 1   0 ½ 1 0 0 1 0 9.0 / 21   0.00
16   Henry Edward Bird
 
0 ½ 0 0 1 0 0 ½ ½ ½ ½ ½ ½ 0 1   ½ 1 0 ½ ½ 1 9.0 / 21   0.00
17   Georg Marco
 
½ 0 0 0 0 ½ 0 0 ½ 1 ½ 0 0 1 ½ ½   1 1 0 1 ½ 8.5 / 21   0.00
18   Adolf Albin
 
0 ½ ½ 0 0 1 ½ ½ ½ 0 1 1 0 ½ 0 0 0   0 1 1 ½ 8.5 / 21   0.00
19   William Henry Kraus Pollock
 
0 0 0 1 1 0 ½ 0 ½ 0 ½ ½ 0 0 1 1 0 1   0 0 1 8.0 / 21    
20   Samuel Tinsley
 
0 0 0 0 0 0 0 1 0 0 0 1 0 1 1 ½ 1 0 1   0 1 7.5 / 21   0.00
21 GM Jacques Mieses
 
0 ½ ½ ½ ½ ½ 0 0 ½ 1 0 0 0 0 0 ½ 0 0 1 1   1 7.5 / 21   0.00
22   Beniamino Vergani
 
0 0 0 0 0 0 0 0 1 0 0 0 0 0 1 0 ½ ½ 0 0 0   3.0 / 21    

Partien von Runde 1 bis 21

 
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1.Na34262%2482---
1.Nf3 f5 2.b3 Nf6 3.Bb2 e6 4.e3 Be7 5.Nc3 b6 6.d4 Bb7 7.Bd3 0-0 8.0-0 Qe8 9.Ne2 Nc6 10.c4 Nd8 11.Nf4 Bd6 12.Ne5 Nf7 13.Be2 Bxe5 14.dxe5 Ne4 15.f3 Nc5 16.b4 Na6 17.Qd2 Qe7 18.a3 c5 19.Rad1 Rfd8 20.b5 Nc7 21.Qc3 Nh8 22.Kh1 Ng6 23.Rg1 Rf8 24.Rd2 Rf7 25.Rgd1 Rd8 26.Rd6 Nxf4 27.exf4 Ne8 28.R6d2 g6 29.a4 Ng7 30.a5 Qh4 31.g3 Qh6 32.axb6 axb6 33.Rd6 g5 34.Rxb6 gxf4 35.Bc1 Nh5 36.Rg1 Rb8 37.Rd6 Rg7 38.Rg2 Kh8 39.Qe1 Rbg8 40.Kg1 fxg3 41.Bxh6 gxh2+ 42.Kxh2 Rxg2+ 43.Kh3 R2g6 44.Be3 f4 45.Bf2 Rh6 46.Bh4 Ng3 47.Rxd7 Nxe2 48.Rd8 Rxd8 49.Kg2 Rg8+ 50.Kf2 Rxh4 51.Kxe2 Rh3 52.Qc3 Bxf3+ 0–1
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Albin,A-Bird,H-0–11895A04Hastings International Masters1
Burn,A-Von Bardeleben,C-0–11895D37Hastings International Masters1
Chigorin,M-Pillsbury,H-1–01895C30Hastings International Masters1
Janowski,D-Blackburne,J-0–11895C10Hastings International Masters1
Lasker,E-Marco,G-1–01895D37Hastings International Masters1
Mason,J-Tarrasch,S-1–01895C50Hastings International Masters1
Schiffers,E-Gunsberg,I-1–01895C46Hastings International Masters1
Schlechter,C-Pollock,W-½–½1895C77Hastings International Masters1
Steinitz,W-Vergani,B-1–01895C11Hastings International Masters1
Teichmann,R-Walbrodt,C-0–11895C25Hastings International Masters1
Tinsley,S-Mieses,J-0–11895D05Hastings International Masters1
Albin,A-Von Bardeleben,C-½–½1895C50Hastings International Masters2
Bird,H-Walbrodt,C-½–½1895A03Hastings International Masters2
Gunsberg,I-Burn,A-1–01895C01Hastings International Masters2
Lasker,E-Chigorin,M-0–11895D07Hastings International Masters2
Marco,G-Pollock,W-1–01895C62Hastings International Masters2
Mieses,J-Blackburne,J-1–01895C45Hastings International Masters2
Pillsbury,H-Tarrasch,S-1–01895D55Hastings International Masters2
Schiffers,E-Teichmann,R-½–½1895C49Hastings International Masters2
Steinitz,W-Schlechter,C-½–½1895C54Hastings International Masters2
Tinsley,S-Mason,J-1–01895D05Hastings International Masters2
Vergani,B-Janowski,D-0–11895D05Hastings International Masters2
Blackburne,J-Steinitz,W-0–11895C33Hastings International Masters3
Burn,A-Schiffers,E-½–½1895D45Hastings International Masters3
Janowski,D-Tinsley,S-0–11895B01Hastings International Masters3
Mason,J-Chigorin,M-0–11895C50Hastings International Masters3
Pillsbury,H-Marco,G-½–½1895D46Hastings International Masters3
Pollock,W-Vergani,B-1–01895B21Hastings International Masters3
Schlechter,C-Lasker,E-0–11895B34Hastings International Masters3
Tarrasch,S-Mieses,J-½–½1895D26Hastings International Masters3
Teichmann,R-Albin,A-½–½1895C77Hastings International Masters3
Von Bardeleben,C-Bird,H-½–½1895C01Hastings International Masters3
Walbrodt,C-Gunsberg,I-½–½1895C45Hastings International Masters3
Bird,H-Blackburne,J-½–½1895A02Hastings International Masters4
Gunsberg,I-Schlechter,C-½–½1895E14Hastings International Masters4
Marco,G-Burn,A-0–11895C13Hastings International Masters4
Mieses,J-Janowski,D-0–11895C45Hastings International Masters4
Pillsbury,H-Pollock,W-1–01895C83Hastings International Masters4
Schiffers,E-Chigorin,M-1–01895C56Hastings International Masters4
Steinitz,W-Mason,J-1–01895C41Hastings International Masters4
Tarrasch,S-Walbrodt,C-1–01895C77Hastings International Masters4
Tinsley,S-Albin,A-0–11895E33Hastings International Masters4
Vergani,B-Teichmann,R-0–11895A84Hastings International Masters4
Von Bardeleben,C-Lasker,E-1–01895D37Hastings International Masters4
Bird,H-Lasker,E-0–11895A02Hastings International Masters5
Blackburne,J-Schlechter,C-½–½1895A00Hastings International Masters5
Burn,A-Janowski,D-1–01895E14Hastings International Masters5
Gunsberg,I-Steinitz,W-0–11895C51Hastings International Masters5
Marco,G-Tinsley,S-0–11895C42Hastings International Masters5
Mieses,J-Schiffers,E-½–½1895C28Hastings International Masters5
Pillsbury,H-Albin,A-1–01895C80Hastings International Masters5
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Tarrasch,S-Chigorin,M-0–11895D00Hastings International Masters5
Von Bardeleben,C-Vergani,B-1–01895D35Hastings International Masters5
Walbrodt,C-Mason,J-½–½1895C14Hastings International Masters5
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Lasker,E-Janowski,D-1–01895D55Hastings International Masters6
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Bird,H-Vergani,B-1–01895A03Hastings International Masters7
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Burn,A-Chigorin,M-0–11895D46Hastings International Masters7
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Pillsbury,H-Steinitz,W-1–01895D35Hastings International Masters7
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Albin,A-Pollock,W-0–11895C50Hastings International Masters8
Chigorin,M-Blackburne,J-1–01895C00Hastings International Masters8
Gunsberg,I-Mieses,J-1–01895C30Hastings International Masters8
Lasker,E-Walbrodt,C-1–01895C66Hastings International Masters8
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Vergani,B-Marco,G-½–½1895C50Hastings International Masters8
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Blackburne,J-Walbrodt,C-0–11895C44Hastings International Masters9
Burn,A-Tarrasch,S-0–11895A84Hastings International Masters9
Chigorin,M-Gunsberg,I-1–01895C51Hastings International Masters9
Janowski,D-Pillsbury,H-0–11895D37Hastings International Masters9
Lasker,E-Steinitz,W-1–01895C75Hastings International Masters9
Mason,J-Mieses,J-1–01895C71Hastings International Masters9
Schlechter,C-Bird,H-½–½1895C14Hastings International Masters9
Teichmann,R-Marco,G-1–01895D37Hastings International Masters9
Tinsley,S-Schiffers,E-0–11895D00Hastings International Masters9
Von Bardeleben,C-Pollock,W-1–01895A43Hastings International Masters9
Bird,H-Chigorin,M-½–½1895C52Hastings International Masters10
Blackburne,J-Burn,A-1–01895C13Hastings International Masters10
Gunsberg,I-Tinsley,S-0–11895B01Hastings International Masters10
Marco,G-Albin,A-1–01895C01Hastings International Masters10
Mieses,J-Lasker,E-½–½1895C45Hastings International Masters10
Pillsbury,H-Mason,J-1–01895E12Hastings International Masters10
Pollock,W-Janowski,D-½–½1895C44Hastings International Masters10
Tarrasch,S-Teichmann,R-0–11895C77Hastings International Masters10
Vergani,B-Schiffers,E-0–11895C01Hastings International Masters10
Walbrodt,C-Schlechter,C-½–½1895C47Hastings International Masters10
Steinitz,W-Von Bardeleben,C-1–01895C54Hastings International Masters10
Albin,A-Mieses,J-1–01895C73Hastings International Masters11
Blackburne,J-Von Bardeleben,C-1–01895D46Hastings International Masters11
Burn,A-Pollock,W-1–01895A43Hastings International Masters11
Chigorin,M-Marco,G-1–01895C00Hastings International Masters11
Janowski,D-Walbrodt,C-1–01895C79Hastings International Masters11
Lasker,E-Gunsberg,I-1–01895C11Hastings International Masters11
Mason,J-Bird,H-1–01895C14Hastings International Masters11
Schiffers,E-Steinitz,W-0–11895C49Hastings International Masters11
Schlechter,C-Tarrasch,S-½–½1895C48Hastings International Masters11
Teichmann,R-Pillsbury,H-0–11895C60Hastings International Masters11
Tinsley,S-Vergani,B-1–01895D07Hastings International Masters11
Albin,A-Tarrasch,S-0–11895C49Hastings International Masters12
Chigorin,M-Walbrodt,C-½–½1895C31Hastings International Masters12
Lasker,E-Pillsbury,H-1–01895C60Hastings International Masters12
Mason,J-Pollock,W-1–01895C65Hastings International Masters12
Schiffers,E-Marco,G-½–½1895C41Hastings International Masters12
Schlechter,C-Burn,A-1–01895C01Hastings International Masters12
Steinitz,W-Mieses,J-½–½1895C42Hastings International Masters12
Teichmann,R-Blackburne,J-0–11895D26Hastings International Masters12
Tinsley,S-Bird,H-½–½1895A84Hastings International Masters12
Vergani,B-Gunsberg,I-1–01895C54Hastings International Masters12
Von Bardeleben,C-Janowski,D-½–½1895D37Hastings International Masters12
Albin,A-Schiffers,E-1–01895B45Hastings International Masters13
Blackburne,J-Pillsbury,H-½–½1895C33Hastings International Masters13
Burn,A-Bird,H-½–½1895A84Hastings International Masters13
Chigorin,M-Steinitz,W-0–11895C52Hastings International Masters13
Janowski,D-Marco,G-1–01895C79Hastings International Masters13
Lasker,E-Tinsley,S-1–01895C10Hastings International Masters13
Mason,J-Vergani,B-1–01895C50Hastings International Masters13
Pollock,W-Tarrasch,S-1–01895C00Hastings International Masters13
Schlechter,C-Mieses,J-½–½1895C72Hastings International Masters13
Teichmann,R-Gunsberg,I-0–11895C30Hastings International Masters13
Walbrodt,C-Von Bardeleben,C-1–01895C80Hastings International Masters13
Albin,A-Mason,J-½–½1895C67Hastings International Masters14
Bird,H-Pillsbury,H-0–11895C51Hastings International Masters14
Gunsberg,I-Pollock,W-0–11895C26Hastings International Masters14
Lasker,E-Teichmann,R-1–01895D26Hastings International Masters14
Marco,G-Tarrasch,S-0–11895C79Hastings International Masters14
Mieses,J-Walbrodt,C-0–11895C25Hastings International Masters14
Schiffers,E-Janowski,D-1–01895C76Hastings International Masters14
Steinitz,W-Burn,A-½–½1895D35Hastings International Masters14
Tinsley,S-Schlechter,C-0–11895E01Hastings International Masters14
Vergani,B-Blackburne,J-0–11895B01Hastings International Masters14
Von Bardeleben,C-Chigorin,M-0–11895A06Hastings International Masters14
Albin,A-Lasker,E-½–½1895B34Hastings International Masters15
Blackburne,J-Marco,G-0–11895C31Hastings International Masters15
Burn,A-Mieses,J-1–01895D26Hastings International Masters15
Chigorin,M-Tinsley,S-1–01895C00Hastings International Masters15
Janowski,D-Gunsberg,I-0–11895C60Hastings International Masters15
Mason,J-Schiffers,E-½–½1895C77Hastings International Masters15
Pollock,W-Bird,H-1–01895C29Hastings International Masters15
Schlechter,C-Vergani,B-0–11895C66Hastings International Masters15
Teichmann,R-Steinitz,W-½–½1895C75Hastings International Masters15
Von Bardeleben,C-Tarrasch,S-½–½1895C79Hastings International Masters15
Walbrodt,C-Pillsbury,H-½–½1895C60Hastings International Masters15
Bird,H-Janowski,D-½–½1895A03Hastings International Masters16
Gunsberg,I-Mason,J-1–01895C44Hastings International Masters16
Marco,G-Schlechter,C-½–½1895C42Hastings International Masters16
Mieses,J-Teichmann,R-0–11895C45Hastings International Masters16
Pillsbury,H-Burn,A-1–01895D55Hastings International Masters16
Schiffers,E-Lasker,E-0–11895C62Hastings International Masters16
Steinitz,W-Albin,A-1–01895A85Hastings International Masters16
Tarrasch,S-Blackburne,J-1–01895C10Hastings International Masters16
Tinsley,S-Von Bardeleben,C-1–01895D35Hastings International Masters16
Vergani,B-Chigorin,M-0–11895C50Hastings International Masters16
Walbrodt,C-Pollock,W-½–½1895C28Hastings International Masters16
Blackburne,J-Gunsberg,I-0–11895C33Hastings International Masters17
Burn,A-Vergani,B-1–01895C66Hastings International Masters17
Chigorin,M-Albin,A-½–½1895C00Hastings International Masters17
Janowski,D-Steinitz,W-1–01895C72Hastings International Masters17
Mason,J-Lasker,E-½–½1895C50Hastings International Masters17
Pillsbury,H-Von Bardeleben,C-1–01895A40Hastings International Masters17
Pollock,W-Mieses,J-0–11895C68Hastings International Masters17
Schlechter,C-Schiffers,E-1–01895C80Hastings International Masters17
Tarrasch,S-Bird,H-1–01895B34Hastings International Masters17
Teichmann,R-Tinsley,S-1–01895C10Hastings International Masters17
Walbrodt,C-Marco,G-½–½1895C45Hastings International Masters17
Bird,H-Teichmann,R-0–11895A03Hastings International Masters18
Gunsberg,I-Albin,A-1–01895C01Hastings International Masters18
Marco,G-Mason,J-1–01895B06Hastings International Masters18
Mieses,J-Chigorin,M-½–½1895C45Hastings International Masters18
Pillsbury,H-Schlechter,C-0–11895D55Hastings International Masters18
Pollock,W-Blackburne,J-0–11895C41Hastings International Masters18
Steinitz,W-Tinsley,S-1–01895E70Hastings International Masters18
Tarrasch,S-Janowski,D-1–01895D53Hastings International Masters18
Vergani,B-Lasker,E-0–11895C80Hastings International Masters18
Von Bardeleben,C-Schiffers,E-½–½1895B24Hastings International Masters18
Walbrodt,C-Burn,A-0–11895C01Hastings International Masters18
Bird,H-Schiffers,E-0–11895C58Hastings International Masters19
Blackburne,J-Mason,J-0–11895C52Hastings International Masters19
Burn,A-Teichmann,R-0–11895D46Hastings International Masters19
Gunsberg,I-Von Bardeleben,C-0–11895C32Hastings International Masters19
Janowski,D-Schlechter,C-1–01895D35Hastings International Masters19
Marco,G-Steinitz,W-0–11895C76Hastings International Masters19
Mieses,J-Vergani,B-1–01895C25Hastings International Masters19
Pillsbury,H-Tinsley,S-1–01895D52Hastings International Masters19
Pollock,W-Chigorin,M-0–11895C51Hastings International Masters19
Tarrasch,S-Lasker,E-1–01895C67Hastings International Masters19
Walbrodt,C-Albin,A-0–11895C14Hastings International Masters19
Albin,A-Burn,A-0–11895C02Hastings International Masters20
Chigorin,M-Janowski,D-0–11895C26Hastings International Masters20
Gunsberg,I-Bird,H-0–11895C14Hastings International Masters20
Lasker,E-Blackburne,J-0–11895C62Hastings International Masters20
Mason,J-Schlechter,C-0–11895A13Hastings International Masters20
Mieses,J-Marco,G-0–11895C45Hastings International Masters20
Schiffers,E-Walbrodt,C-1–01895C84Hastings International Masters20
Steinitz,W-Tarrasch,S-0–11895A85Hastings International Masters20
Tinsley,S-Pollock,W-1–01895A85Hastings International Masters20
Vergani,B-Pillsbury,H-0–11895C55Hastings International Masters20
Von Bardeleben,C-Teichmann,R-½–½1895D35Hastings International Masters20
Bird,H-Mieses,J-½–½1895C50Hastings International Masters21
Blackburne,J-Tinsley,S-1–01895C10Hastings International Masters21
Burn,A-Lasker,E-0–11895D40Hastings International Masters21
Janowski,D-Albin,A-0–11895A85Hastings International Masters21
Marco,G-Von Bardeleben,C-0–11895B06Hastings International Masters21
Pillsbury,H-Gunsberg,I-1–01895D94Hastings International Masters21
Pollock,W-Schiffers,E-0–11895C56Hastings International Masters21
Schlechter,C-Chigorin,M-0–11895C79Hastings International Masters21
Tarrasch,S-Vergani,B-1–01895C25Hastings International Masters21
Teichmann,R-Mason,J-1–01895D35Hastings International Masters21
Walbrodt,C-Steinitz,W-0–11895C87Hastings International Masters21

Drama in St. Petersburg

Im Dezember 1895 reiste Pillsbury nach Russland, um am Vier-Meisterturnier in St. Petersburg teilzunehmen. Eigentlich waren die fünf besten Spieler dieser Zeit eingeladen, doch Siegbert Tarrasch sagte kurzfristig ab und so ging das Turnier mit Emanuel Lasker, Wilhelm Steinitz, Michail Tschigorin und Henry Pillsbury als Viermeisterturnier in die Geschichte ein. Es wurden sechs Umgänge gespielt. Pillsbury führte zur Halbzeit vor Lasker, wurde dann aber krank, von grippeartigen Symptomen, Kopfschmerzen und Schlaflosigkeit geplagt und belegte am Ende nur den dritten Platz. Lasker gewann das Treffen mit 11,5 aus 18.

Die für den Turnierausgang entscheidende Partie geschah im 4. Umgang. Zu diesem Zeitpunkt lag Pillsbury in der Tabelle einen Punkt vor Lasker. Mit einer wunderschönen Turmmanöver entschied Lasker diese Partie auf sagenhafte Weise für sich. Pillsbury verlor danach noch fünf weitere Partien in Folge.

 
Pillsbury-Lasker
Auf den nächsten schwarzen Zug kommt man nicht so ohne Weiteres, oder?

Garry Kasparov hat die Partie für die Mega Database kommentiert:

 
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1.d4       The American Harry Nelson Pillsbury was one of the brightest stars to ever sparkle in the chess firmament. He never played in a world championship match, but for a year he was considered the future of the game. His sensational victory in his international debut at the Hastings Christmas tournament 1895/96, ahead of the newly crowned world champion Lasker, won him a place amongst the very best players. At the time there was an uncertainty about the true hierarchy at the top of the chess world, which made new contests inevitable. To clarify the situation five of the best players in the world were invited to a tournament in St. Petersburg in 1896: Lasker, Steinitz, Pillsbury, Chigorin and Tarrasch (at the last moment Tarrasch cancelled his attendance because of his duties as a medical practitioner). Each player played six games against each of the others. After three rounds Pillsbury was in the lead and Lasker was second, but even he was badly losing his micro-match against Pillsbury 2 1/2 : 1/2. It was only due to Steinitz' successful performance against the leader that Lasker managed to remain in contention, just one point behind Pillsbury. The following game was played in the fourth round. If Pillsbury would win, the outcome of the tournament would be more or less clear. And then the chess world would call into question the legitimacy of Lasker's title, forcing him to play a new match for the world championship with this young energetic opponent under very unfavourable circumstances. d5 2.c4 e6 3.Nc3 Nf6 4.Nf3 c5 5.Bg5 cxd4 6.Qxd4 Nc6 7.Qh4 Be7 8.0-0-0 Qa5 9.e3 Bd7 10.Kb1 h6 11.cxd5 exd5 12.Nd4 0-0 13.Bxf6 Bxf6 14.Qh5 Nxd4 15.exd4 Be6 16.f4 Rac8 17.f5?
As you can see, both opponents were in a real fighting mood. After the "normal" 17...Bd7 18.Qf3 the position remains double-edged. But here Lasker unleashes a beautiful, deeply calculated combination that any great player of today would be proud to have found. Wie Sie sehen können, sind beide Kontrahenten in kämpferischer Stimmung. Nach dem "normalen" 17...Ld7 18.Df3 bleibt die Stellung zweischneidig. Aber nun entfesselt Lasker eine wunderschöne, sehr tief berechnete Kombination, auf die jeder Spitzenspieler der heutigen Zeit stolz sein würde. 17...Rxc3‼ 18.fxe6? Objectively Objektiv war 18.bxc3 Qxc3 19.Qf3 was better, but Pillsbury doesn't yet understand why he should head for a worse endgame. besser, aber Pillsbury versteht noch nicht, warum er sich mit einem schlechteren Endspiel zufrieden geben soll. 18...Ra3‼ This paradoxical rook sacrifice drives White's king out into the fight, where he will meet his destiny. Dieses paradoxe Turmopfer zwingt den weißen König aufs Schlachtfeld, wo er seinem Schicksal erliegen wird. 19.exf7+ Lasker's ingenious idea proved to be correct in all variations: Es stellt sich heraus, daß Laskers geistreicher Plan in allen Varianten korrekt ist: 19.bxa3 Qb6+ 20.Ka1 20.Kc2 Rc8+ 21.Kd2 Qxd4+ 22.Ke1 22.Bd3 Rc2+‼ 23.Kxc2 Qb2# 22...Qc3+ 23.Ke2 Qc2+ 24.Rd2 24.Ke3 Bg5+ 24...Qe4+ 25.Kf2 Bd4+ 26.Kg3 Rc3+ etc. 20...Bxd4+ 21.Rxd4 Qxd4+ 22.Kb1 fxe6 23.Be2 Qe4+ 24.Ka1 Rf2 with a decisive attack mit entscheidendem Angriff. Vielleicht sieht 19.e7!? looks stronger, but it doesn't break the co-ordination of Black's pieces: stärker aus, aber auch dieser Zug kann nicht die Koordination der schwarzen Figuren unterbrechen: Re8! 19...Rc8?? 20.Qf5! and the queen comes back to the defence und die Dame eilt zur Verteidigung zurück. 20.bxa3 Qb6+ 21.Kc2 Rc8+ 22.Kd2 Bxd4 and after this deadly quiet move White is defenceless, e.g. und nach diesem tödlich-stillen Zug ist Weiß hilflos, z.B. 23.Ke2 Qe6+ 24.Kf3 Qe3+ 25.Kg4 g6! 26.Qxd5 h5+ with mate to follow. It would be interesting to know whether a computer can come close to executing such a great combination. mit anschließendem Matt. Es wäre interessant, zu erfahren, ob die heutigen Computer eine so großartige Kombination berechnen können. 19...Rxf7 20.bxa3 Qb6+ 21.Bb5! The best chance. Die beste Chance. 21.Ka1 Bxd4+ 21.Kc2 Rc7+ both lose as above. verlieren wie zuvor. 21...Qxb5+ 22.Ka1 Rc7? A pity. After spending so much energy and creativity to reach this position Lasker, under heavy time pressure, misses the simple win Schade! Lasker hat so viel Energie und Kreativität verbraucht, um diese Stellung zu erreichen. In schwerer Zeitnot verpaßt er einen einfachen Gewinn: 22...Qc4 23.Qg4 Re7! threatening Re4 and Re2, e.g. mit den Drohungen Te4 und Te2, z.B. 24.Rhe1 Bxd4+ 25.Qxd4 Rxe1 26.Qxc4 26.Qd2 Rxd1+ 27.Qxd1 26...Rxd1+ 23.Rd2 Rc4 24.Rhd1? Losing again. Verliert wieder. 24.Re1! would lead to a nice draw: hätte zu einem schönen Remis geführt: Qa5! 24...Qc6 25.Qe8+ 25.Re8+ Kh7 26.Qf5+ g6 27.Re7+‼ 27.Qxf6?? Rc1+ 28.Kb2 Qc3# 27...Bxe7 28.Qf7+ Kh8 29.Qe8+ Kg7 30.Qxe7+ with perpetual check. mit Dauerschach. 24...Rc3? A very serious mistake that could change everything dramatically Ein sehr ernster Fehler, der alles dramatisch verändert. Nach 24...Qc6! gives Black an easy win. hätte Schwarz leicht gewinnen können. 25.Qf5 25.Re1! was more energetic, forcing Black to retreat: war aktiver, Schwarz wäre gezwungen, den Rückzug anzutreten: Rc8 and White has a clear advantage. und Weiß hat einen klaren Vorteil. 25...Qc4 26.Kb2?
Lasker's time trouble is making Pillsbury nervous! He feels that his opponent has lost the thread of the game, but he himself cannot keep up with the pace. Laskers Zeitnotprobleme machen Pillsbury nervös! Er fühlt, daß der Gegner den Faden verloren hat, aber er kann selbst das Tempo nicht durchhalten. 26.Kb1! would pose serious problems for Black, e.g. hätte Schwarz ernsthafte Probleme bereitet, z.B. Rxa3 27.Rc1! and chess history would have gone a different route. und die Schachgeschichte hätte einen anderen Weg eingeschlagen. 26...Rxa3‼ In the magical world of chess lightening can hit the same place twice! I wonder if Pillsbury could believe his eyes - here the horror comes again! In der magischen Welt des Schachs kann der Blitz doch zweimal an gleicher Stelle einschlagen. Ich glaube, daß Pillsbury seinen Augen nicht traute – das Gespenst auf a3 ist wiedergekehrt. 27.Qe6+ Kh7 28.Kxa3?? Exhausted by the black hurricane Pillsbury succumbs to a mating threat. Vom schwarzen Sturm erschöpft, tappt Pillsbury in ein Mattnetz hinein. 28.Kb1 was also losing: führte auch zum Verlust: Bxd4! 29.Qf5+ g6! 30.Qd7+ Bg7 but the immediate aber sofortiges 28.Qf5+! would have saved half a point: hätte den halben Punkt gerettet: Kh8 29.Kb1! Rxa2! 29...Bxd4 30.Qf8+ Kh7 31.Qxa3 30.Rxa2 Qb3+ 31.Kc1 Bg5+ 31...Qxa2 32.Qc8+ Kh7 33.Qc2+ 32.Rad2 Qc3+ 33.Qc2 Qa1+ 34.Qb1 Qc3+ and draw. und remis. 28...Qc3+ 29.Ka4 b5+! The final touch. Das I-Tüpfelchen. 30.Kxb5 Qc4+ 31.Ka5 Bd8+ 32.Qb6 Bxb6# mate ended this fascinating human drama. "Too many mistakes" you say? Please don't rush to write off this game. Remember its unique historical importance! That day Caissa chose Lasker, and as we know today, the chess goddess did not err. Her cruel decision marked a fork in the lievs of both players. Lasker, inspired by this victory, won the tournament convincingly. Later that year he crushed Steinitz in a rematch and kept his title for 25 more years! Pillsbury, after the above disaster, collapsed and lost five games out of the remaining eight, ending up third behind Steinitz. He never achieved the same peak of playing strength as in that magnificent year and died eight years later at the age of 34. Who know how often Harry Nelson Pillsbury remembered that traumatic day in St. Petersburg and the chances he had missed - chances that would have changed his entire life and the course of chess history. womit ein faszinierendes menschliches Drama zu Ende ging. "Zu viele Fehler" sagen Sie? Bitte schreiben Sie nicht diese Partie zu schnell ab. Denken Sie an ihre historische Bedeutung! An jenem Tag entschied sich Caissa für Lasker, und, wie wir heute wissen, irrte die Schachgöttin nicht. Ihre vielleicht etwas grausame Wahl markierte eine Wende im Leben der beiden Spieler. Lasker, von seinem Sieg in dieser Partie inspiriert, gewann das Turnier in überzeugender Manier. Später im gleichen Jahr zerschmetterte er Steinitz im Rückkampf um die Weltmeisterschaft. Er behielt den Titel für weitere 25 Jahre! Pillsbury dagegen brach nach diesem Desaster förmlich zusammen, verlor fünf von den nächsten acht Partien und beendete das Turnier als Dritter hinter Steinitz. Er konnte nie wieder den gleichen Gipfel der Spielstärke erklimmen wie in diesem glorreichen Jahr. Er starb acht Jahre später im Alter von 34. Wer kann wissen, wie oft er diesen traumatischen Tag in St. Petersburg durchlebt hat und dabei an die verstrichenen Chancen denken mußte – Chancen, die sein Leben so gründlich geändert hätten.
0–1
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Pillsbury,H-Lasker,E-0–11896D50St Petersburg Four Masters4.1

Über 7,1 Mill. Partien aus dem Zeitraum 1560 bis 2017 im ChessBase Qualitätsstandard. Mit über 71.500 kommentierten Partien beinhaltet die Mega 2018 die weltweit größte Sammlung hochklassig kommentierter Partien.

Man geht heute davon aus, dass Pillsbury sich hier beim Besuch einer Prostituierten mit der Syphilis (auch: Lues) infizierte. Die oben berichteten Krankeitssymptome wurden vermutlich durch die Infektion verursacht. Syphillis war vor der modernen Medizin weit verbreitet, aber so gut wie gar nicht erforscht und vor allem nicht heilbar. Im Zuge einer bakteriellen Infektion über die Schleimhäute kommt es zunächst zu Gelenk-, Muskel- und Knochenschmerzen, im Laufe der Zeit zu multiplen Organbefall und im Endstadium zur Zerstörung des Zentralen Nervensystems, wobei sich der Krankheitsverlauf mit seinen verschiedenen Symptomen über Jahre hinzieht. Die Syphilis wurde in medizinischen Schriften seit dem 15. Jh. beschrieben, mit vielen unsinnigen Therapievorschlägen, und wegen der Erfolglosigkeit bei den Behandlungsversuchen als Gottesstrafe angesehen. Erst 1906 wurde der Erreger isoliert. Zu spät für Pillsbury. Heute wird die Krankheit erfolgreich mit Antibiotika und Penicillin bekämpft. 

Gedächtniswunder

Nach seiner Rückkehr in die USA wurde Pillsbury zu einem Experiment eingeladen. Vor einer Blindschachsimultanvorstellung sollte er sich etwa 30 Wörter bzw Begriffe merken. Nach der vierstündigen Simultanvorstellung wurden diese abgefragt.

Die Liste der Begriffe/Wörter ist überliefert. Es waren die nicht ganz alltäglichen Wörter wie:

Antiphlogistine, Periosteum, Takadiastase, Plasmon, Ambrosia, Threlkeld, Streptococcus, Staphylococcus, Micrococcus, Plasmodium, Mississippi, Freiheit, Philadelphia, Cincinatti, Athletics, No War, Etchenberg, American, Russian, Philosopy, Piet Potgleter's Rost, Salmagundi, Oomisillecootsi, Bangmanvate, Schlechter's Neck, Manzinyama, Theosophy, Catechism und Madjescomalops.

Pillsbury sah sich die Liste vor den Partien eine Minute lang an und hatte nachher keine Mühe sie alle aufzusagen. Selbst am nächsten Tag erinnerte er sich noch vollständig daran. Diese Fähigkeit basiert offenbar auf einem fotografischen Gedächtnis, über das auch eine Reihe von anderen starken Schachspielern verfügen. Von Robert Fischer oder Vassily Ivanchuk werden ähnliche Geschichten berichtet. Viele Schachspieler lernen dank ihres fantastischen Gedächtnisses mühelos neue Sprachen. Der tschechische Großmeister David Navara beherrscht beispielsweise 15 Sprachen und kann in kurzer Zeit vermutlich eine weitere hinzulernen, falls es nötig ist. Das Gedächtnis-Kunststück mit den 30 zu merkenden Wörtern nahm Pillsbury später regelmäßg in seine Simultanshows auf. Er forderte die Teilnehmer in einer Pause auf, eine Liste mit 30 Wörtern aufzustellen, sah sich diese kurz an, und gab sie später fehlerfrei und vollständig wieder. Pillsbury hatte es sich inzwischen zudem angewöhnt, während seiner Blindsimultan-Vorstellungen dicke Havanna-Zigarren zu rauchen und Whiskey zu trinken, was ihm eine dandyhafte Erscheinung verschafft. Sein Kopfschmerzproblem nach Blindsimultanvorstellungen hatte er inzwischen überwunden.

 

Weitere Turniererfolge

Im Sommer 1896 war Pillsbury einer der 19 Meister beim Internationalen Turnier von Nürnberg. Er besiegte unter anderem Lasker, Tarrasch und Tschigorin und schloss das Turnier als Vierter ab. Lasker gewann. Später berichtete Pillsbury, dass er auch hier schon unter Symptomen litt, die sonst nach einem Schlaganfall auftreten, Taubheitsgefühl, Verwirrtheit und Schwindel. Im Oktober 1896 nahm er beim Turnier in Budapest teil und wurde Dritter hinter dem hoch geschätzten Rudolf Charousek, dem aber auch kein langes Leben gegönnt war, und Michail Tschigorin.Zurück in den USA gab Pillsbury in den nächsten Jahren regelmäßig seine Blindsimultanvorstellungen und war außerdem einer der Spieler im Ajeeb. Dieser Automat, konstruiert vom Tischler Charles Hooper, war eine weniger bekannte Variante des "Schachtürken", ein angeblich vollautomatischer Schachautomat, in dessen Inneren aber tatsächlich ein Schachspieler aus Fleisch und Blut saß. Der Ajeeb trat in Museen und Ausstellungen auf und schlug die besten Schachspieler. Pillsbury nahm im Ajeeb zwischen 1898 und 1904 regelmäßig Platz und erhielt 70 USD wöchentlich für seine Dienste.

Im Juni 1898 teilte sich Pillsbury mit Tarrasch den ersten Platz beim Kaiser-Franz-Jubiläumsschachturnier in Wien bei ursprünglich 20 Teilnehmern (Adolf Schwarz schied nach acht Runden aus), organisiert von Baron Albert Freiherr von Rothschild, Bankier und reichster Mann Europas, zudem ein begeisterter Schachfreund, Sponsor und Mäzen vieler Turniere.

Pillsbury, sitzend, Dritter von links.

Das Jubiläums-Turnier wurde in den Räumen der Wiener Schachgesellschaft in der Schottengasse 7 ausgetragen. Turnierdirekter war Hugo Fähndrich, der später auch ein schönes Turnierbuch veröffentlichte. Tarrasch und Pillsbury spielten einen Stichkampf um Platz eins, den aber Tarrasch gewann.

Schottengasse 7 in Wien

Im Mai 1899 war Pillsbury auch einer der Teilnehmer beim Superturnier in London, dem London International Chess Congress, ursprünglich mit 15 Teilnehmern gestartet. Richard Teichmann musste aber nach vier Runden wegen einer Augeninfektion zurückziehen. Pillsbury teilte sich am Ende den 2. bis 4. Platz, zusammen mit Geza Maroczy und Dawid Janowski und einigem Abstand hinter einem überragenden Emanuel Lasker, der das doppelrundige Turnier mit großem Vorsprung gewann. Frank Marshall war Sieger des B-Turniers.

Auf dieser DVD zeigen unsere Autoren alle Facetten des Spiels von Emanuel Lasker, der von 1884 bis 1921 Weltmeister war, länger als jeder andere vor oder nach ihm: Eröffnungen, Strategie, Taktik und Endspiele!

Im folgenden Jahr, im Februar 1900, egalisierte Pillsbury in Chicago den bisherigen Rekord von Johannes Zukertort im Blindsimultanspiel und spielte gegen 16 Gegner gleichzeitig. (+11, -1, =4). Im März 1900 erhöhte er in New Orleans den Rekord auf 17 Gegner, im April 1900 in Philadelphia sogar auf 20 Gegner gleichzeitig. Im Spätsommer des Jahres reiste er erneut nach Europa und nahm nun am Turnier in Paris teil, das im Rahmen der Weltausstellung von 1900, der letzten dieser Art, organisiert wurde. Erneut erwies sich aber Emanuel Lasker als überlegen. Pillsbury wurde bei 17 Teilnehmern Zweiter, vor seinem Landsmann Frank Marshall und Geza Maroczy. Die Turnierregeln wiesen eine Besonderheit auf, denn im Falle eines Remis wurde eine Wiederholungspartie gespielt. Von Paris aus reiste Pillsbury weiter nach München und nahm hier im Meisterturnier des 12. DSB- Kongresses teil. Bei 16 Teilnehmern teilte Pillsbury sich mit Maroczy und Carl Schlechter den ersten Platz (je 12 Punkte). Ein Stichkampf zwischen Pillsbury und Schlechter endete unentschieden. Maroczy hatte am Stechen wegen Krankeit nicht teilgenommen. Nach dem Turnier gab Pillsbury in Augsburg noch eine Blindsimultanvorstellung gegen 15 Gegner.

Im Januar 1901 heiratete Pillsbury in Chicago Mary Ellen Bush, Tochter eines Richters. Außerdem nahm er Verhandlungen mit Emanuel Lasker über einen möglichen WM-Kampf auf, die aber zu keinem Ergebnis führten. Bei seinen Simultantourneen hatte Pillsbury nun eine weitere Schwierigkeit eingebaut. Er spielte gleichzeitig blindsimultan Schach an 12 Brettern, blindsimultan Dame an vier Brettern und nebenher auch noch an mehreren Tischen Whist, wobei er sich die Reihenfolge der Karten in einem Stapel nach kurzem Ansehen einprägte.

Beim Turnier in Monte Carlo 1902 (20 Teilnehmer) belegte Pillsbury erneut den zweiten Platz, zusammen mit Dawid Janowski, diesmal hinter Geza Maroczy. Auch bei diesem Turnier wurde nach einem Remis eine Wiederholungspartie gespielt. Anschließend begab Pillsbury sich auf eine Blindsimultantournee durch Deutschland und England und nahm dann im Juli 1902 am 13. DSB-Kongress in Mannheim teil. Hier wurde er ein weiteres Mal Zweiter, diesmal hinter Dawid Janowski. Am Ruhetag stellte er in Hannover noch schnell einen neuen Blindsimultan-Rekord auf, mit 21 Gegnern, darunter einige wirklich starke Spieler, zum Beispiel Ossip Bernstein, Carl Carls, Bernd Kagan, Hans Fahrni oder Eduard Dyckhoff. Pillsbury gewann 3 Partien, spielte 11 Partien remis und verlor 7 Partien. In Berlin und München gab er weitere Blindsimultan-Vorstellungen, reiste dann nach Moskau und erhöhte dort im Dezember 1902 seinen Blindsimultan-Rekord auf nun 22 Gegner. Pillsbury gewann 17 Partien, verlor einmal und spielte 4 Partien remis. Einer der begeisterten Zuschauer des Spektakels war der zehnjährige Alexander Aljechin, der sich nun motiviert fühlte, selber so Schach zu spielen wie wie der junge US-Meister.

Pillsburys nächste großes Turnier war das von Monte Carlo 1903, diesmal doppelrundig gespielt, das er als Dritter hinter Tarrasch und Maroczy beendete. Im Mai nahm Pillsbury in Wien am Thematurnier zum Angenommenen Königsgambit teil und wurde hier Vierter hinter Tschigorin, Marshall und Marco. Im Januar 1904 gab er im New York Athletic Club eine Blindsimultanvorstellung gegen 16 Gegner vor über 300 Zuschauern. Im Mechanics' Institute Chess Club in San Francisco spielte er wieder gleichzeitig Blindschach gegen 16 Gegner, Blinddame gegen 4 Gegner und auch noch 6 Hände Whist.

Siechtum und Wahnsinn

Im April/Mai des Jahres 1904 nahm Pillsbury an seinem letzten großen Turnier teil, in Cambridge-Springs. Zwar gelang ihm ein Sieg gegen Emanuel Lasker, aber zum Schluss wurde er nur Neunter. Frank Marshall gewann das Turnier von Cambridge-Springs. Pillsbury war inzwischen von seiner Krankeit sichtbar gezeichnet, litt unter permanenten Kopfschmerzen und Ruhelosigkeit. Unter großen gesundheitlichen Schwierigkeiten brachte er das Turnier gerade noch zu Ende. Danach spielte er in seinem Leben nur noch zwei Turnierpartien überhaupt. Aus finanzieller Not heraus füllte er nun die Schachkolumne des Philadelphia Inquirer. Zur Durchführung von Simultanvorstellungen fühlte er sich nicht mehr in der Lage.

Am 1. März 1905 wurde Pillsbury in ein Krankenhaus eingewiesen und soll dort versucht haben, sich dem Fenster zu stürzen. Am 7. März 1905 erlitt er einen Schlaganfall. Am 27. März wurde er im Presbyterian Hospital in Philadelphia operiert und versuchte sich angeblich kurz danach bei hohem Fieber erneut durch einen Sprung aus dem 4. Stock des Krankenhauses umzubringen. Offenbar erholte er sich etwas, denn am 13. Mai gab er in Boston doch wieder eine Simtultanvorstellung. Im November 1905 reiste er zur weiteren Erholung mit seiner Frau auf die Bermudas, erlitt aber hier einen weiteren Schlaganfall. Der Öffentlichkeit wurde nur mitgeteilt, Pillsbury hätte einen Schwächeanfall. Im März 1906 erlitt Pillsbury einen weiteren Schlaganfall, war nun gelähmt und starb schließlich am 17. Juni 1906 im Frankford Hospital in Frankford, heute ein Ortsteil von Philadelphia. Henry Nelson Pillsbury wurde 33 Jahre alt. Am 19. Juni 1906 wurde auf dem Laurel Hill Cemetery, Reading, Massachusetts, begraben.

Mit Ausnahme von Tschigorin und Blackburne hatte Pillsbury gegen alle Weltklassespieler ein positives Ergebnis, auch gegen Lasker. Für  die Jahre 1903-1904 führt ihn der Statistiker Jeff Sonas in seiner Berechnung historischer Elozahl als weltbesten Spieler, in den Jahren davor als zweitbesten Spieler der Welt. In seiner bis zum Jahr 1996 geführten historischen Gesamt-Weltrangliste sieht Sonas Pillsbury als zehntbesten Spieler aller Zeiten. Im Laufe seines kurzen Lebens spielte Pillsbury neben den Turnierpartien über 1000 Blindschachpartien.

In seinem Nachruf in der der New York Times ging Lasker gegen den Irrglauben vor, intensives Schach spielen wäre dem Geisteszustand abträglich und wäre die Ursache für Pillsburys geistige Verwirrung::

"Pillsbury, der amerikanische Schachmeister, starb am vergangenen Sonntag (17. Juni 1906). Die Ursache für sein vorzeitiges Ableben war ein Schlaganfall. Der Mechanismus seines Gehirns wurde zerstört. Mit den Fällen von Morphy und Steinitz im Hinterkopf haben viele Autoren auf die Nähe berühmter Schachspieler zu Geisteskrankheiten hingewiesen. Daraus ist der allgemeiner Glaube entstanden, die intensive Beschäftigung mit dem Schach oder eine andere intensive geistige Betätigung würde den Verstand verwirren. Aber dieser Glaube ist völlig unbegründet. Es ist im höchsten Grad irreführend."

Genie und Wahnsinn lagen bei Pillsbury zwar nahe beieinander, allerdings nur in zeitlicher Hinsicht. Sein Genie ist das Ergebnis außerodentlicher geister Fähigkeiten infolge eines einzigartigen Gedächntnisses. Sein Wahnsinn ist das traurige Endstadium einer hässlichen, zu seiner Zeit unheilbaren Krankheit. Unter anderen Umständen wäre er vielleicht Weltmeister geworden. Über Pillsbury und seine fantastischen Leistungen sind zahlreiche Bücher erschienen. Die niederländische Indie-Band "Eton Crop" widmete Harry Nelson Pillsbury zudem einen Song auf ihrem Album Peel Sessions 1983-88 (Hier: https://etoncrop.bandcamp.com/track/harry-nelson-pillsbury-3 

Links

Winter: Pillsburys Torment...

Pillsbury and the Ladies...

Memorial für Harry Neslon Pillsbury...

Bill Wall über Pillsbury...

Jeff Sonas: Pillsbury...

 


André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.

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