Gennadi Sosonko: Smart Chip from St.Petersburg

21.04.2006 – Ebenso wie seine beiden Vorgänger Russian Silhouettes und The Reliable Past faszniert auch das neue Buch von Gennadi Sosonko Smart Chip from St. Petersburg durch hervorragend geschriebene Potraits von bekannten und weniger bekannten Persönlichkeiten des Schachs. "Ich weiß, dass Vergessen keine Sünde ist, aber manchmal ist Erinnern reines Glück," schreibt Sosonko und wird nicht nur an dieser Stelle philosophisch. Durch Sosonkos Beschreibung werden diejenigen, die das Glück haben, zu den Portraitierten zu gehören zumindest in der Fantasie der Leser noch einmal lebendig. Johannes Fischer hat das ihm New in Chess-Verlag erschienen Smart Chip from St. Petersburg durchgelesen und empfiehlt jedem Schachfreund, sich das Glück dieser Lektüre zu gönnen. Zu beziehen z.B. bei Schach Niggemann...Mehr...

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Der Zauber der Erinnerung:
Genna Sosonkos Smart Chip from St. Petersburg
Von Johannes Fischer

"Ich weiß, dass Vergessen keine Sünde ist, aber manchmal ist Erinnern reines Glück. An diejenigen, die man in seiner Jugend kannte, die Teil des eigenen Lebens waren, die anders als alle anderen waren und die nicht mehr länger bei uns sind", schreibt Genna Sosonko.

Der in Holland lebende Großmeister, der als 1972 als 29-jähriger aus der Sowjetunion floh, setzt in seinem kürzlich erschienenen Buch Smart Chip einer vergangenen Generation von Schachspielern durch einfühlsame Porträts ein Denkmal. Wie seine beiden Vorgängerbände, Russian Silhouettes und The Reliable Past, fasziniert Smart Chip durch den Zauber der Erinnerung, die wunderbare Mischung aus Erzählungen, Anekdoten, Informationen und unaufdringlicher Reflektion über Alter, Tod und Vergänglichkeit.

Sosonkos Porträts durchzieht die Frage, warum die Menschen ihr Leben so leben, wie sie es tun, und was bleibt, wenn man stirbt.

So schreibt er über Zhenya Ruban, einen brillanten Intellektuellen und hochtalentierten Schachspieler, der wegen homosexueller Vergehen zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteilt wurde und sich danach zu Tode trank: "Wer weiß, welches Schicksal Zhenya Ruban gehabt hätte, wenn er in einem anderen Land oder in dem gleichen Land etwa dreißig Jahre später geboren wäre? ... Wäre er Philosoph geworden, was er es sein Leben lang zu sein gewollt hatte? Historiker? Schriftsteller? Schachspieler? Niemand weiß es. Wir wählen unsere Zeiten nicht, wir leben und sterben in ihnen."

Wie Ruban, der zum Ende seines Lebens abgerissen und verwahrlost herumlief und alles Geld, das ihm in die Hände fiel, sofort für Alkohol ausgab, sind nicht alle von Sosonko Porträtierten sympathisch oder Menschen mit einnehmenden Wesen. Aber alle sind extreme, leidenschaftliche und damit faszinierende Charaktere.

Wie Donner, der Freund und Feind gerne mit geschliffenen Polemiken provozierte, drei bis vier Schachteln Zigaretten am Tag rauchte und aus einer hoch angesehenen holländischen Familie strenger Protestanten stammte.


Jan Hein Donner


Donner mit seinem Vater

Oder Henrikh Chepukaitis, der Schweißer von Beruf war, es nie zum Großmeistertitel brachte, aber doch zu den besten Blitzspielern der Sowjetunion zählte.


Chepukaitis

Oder Ludek Pachmann: Autor zahlreicher Bücher über Schach, Politik und Religion, Ex-Kommunist, einer der führenden Schachspieler der Tschechoslowakei und später zum Katholizismus konvertierter Parteigänger von Franz-Josef Strauß;


Ludek Pachmann mit Fidel Castro

Oder Ratmir Kholmov, der ohne systematisches Schachtraining allein durch sein Talent zu einem der führenden Spieler der Sowjetunion wurde.


Kholmov (re.) mit Tal

In all seinen Porträts erweist sich Sosonko als genauer und einfühlsamer Beobachter, der Stärken, Schwächen und Eigenheiten der von ihm Porträtierten erkennt, jedoch mit Sympathie und ironischer Distanz darstellt, so als seien dies nur bestimmte Formen der menschlichen Komödie, über die aufzuregen nicht lohnt.

Anders als die beiden Vorgängerbände enthält Smart Chip neben den Porträts auch Aufsätze, in denen Sosonko über allgemeinere Themen schreibt: Über Schach im Traum, warum man ohne Killerinstinkt und der Bereitschaft, alles im Leben dem Schach unterzuordnen, nicht an die Spitze kommen kann, über das Älterwerden im Schach und die Kurzlebigkeit des Ruhms. Und auch wenn sie nicht immer so intensiv und packend wie die Porträts sind, so fesseln diese Aufsätze doch durch ihren Grundton genussvoll-melancholischer Reflexionen über die Vergänglichkeit des Lebens und das Verrinnen der Zeit.


Gennadi Sosonko

Alle drei Bücher beruhen auf Sosonkos Kolumnen in der holländischen Zeitschrift New in Chess. Streng genommen braucht man dieses Buch also eigentlich nicht, wenn man die Zeitschrift hat. Trotzdem könnte man es kaufen. Denn diese Aufsätze kann man mehr als einmal lesen und außerdem findet man in Büchern Gelesenes leichter wieder. Bücher helfen dem Erinnern, das manchmal – wie in diesem Fall – tatsächlich reines Glück ist.

 

Preis: 24,95 €, Verlag: New in Chess,
ISBN:90-5691-169-4, 197 Seiten, kartoniert, 1. Auflage 2006.
Zu beziehen  z.B. bei
Schach Niggemann


Die Fotos wurden dem Buch entnommen.

 

 

 

 


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