Gereift gegen Kasparov & Co

28.11.2008 – Deep Fritz 11, die von Grund auf neu entwickelte Multiprozessorversion von Fritz 11, ist gegenüber dem Weltmeisterbesieger von 2006 noch einmal um 80 Elo-Punkte verbessert worden. Seine besondere Attraktivität schöpft das Programm aber nicht aus den im Computerschach immer abstrakteren Elo-Werten, sondern aus dem enormen Schachwissen, das Fritz über viele Jahre in seinen Matches gegen die ganz Großen wie Kasparov oder Kramnik erworben hat. Dieses Schachwissen kommt natürlich auch allen Fritz-Freunden zugute. Denn das Programm hilft dabei, die eigene Spielstärke in praktischen Partien, durch Training und Analyse zu verbessern. Und dank der Abwechslung, die Deep Fritz 11 bietet, profitieren Schachverständnis und Spielstärke in besonderem Maße.  Fritz-Programmierer Mathias Feist wirft in seinem Artikel über die neue Version einen Blick zurück in die Entwicklungsgeschichte von Fritz und erklärt, warum kaum ein Spitzenspieler auf den neuen Deep Fritz 11 verzichten wird. Deep Fritz 11 kaufen.Zum Artikel von Mathias Feist

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Deep Fritz 11

Von Mathias Feist

Fritz 11 bedeutete einen Neuanfang in der Enginge-Entwicklung von Fritz. Der über die Jahre aus seinen Vorgängern entstandene Fritz 10 erwies sich als resistent gegenüber weiteren Verbesserungen der Spielstärke im direkten Vergleich mit anderen Engines. Auf der anderen Seite waren wir mit den Bewertungen, die das Programm lieferte, und mit dem allgemeinen Spielstil durchaus zufrieden. Im taktischen Bereich war die Leistung exzellent, und auch das Endspielwissen der Engine war umfassend. Als Analysewerkzeug war Fritz 10 daher immer eine sehr gute Wahl.

Das positionelle Verständnis und die Bewertungen im Endspiel verbesserten sich über die Jahre nicht zuletzt aufgrund der Wettkämpfe, die wir gegen verschiedene Großmeister bestreiten konnte, vor allem die Serie der Chess Classics in Frankfurt, die Matches gegen Kramnik in Bahrain, gegen Kasparov in New York und zuletzt gegen Kramnik in Bonn. Da wir in scharfen Stellungen keinen Gegner mehr fürchteten, war der Fokus der Entwicklung auf ruhige oder geschlossene Stellungen gerichtet.

Uns war bewusst, dass wir, um in diesen Matches erfolgreich zu sein, nicht nur im Mittelspiel stark spielen sondern auch feinsinnig im Endspiel agieren mussten. Nicht zu vergessen: Tablebases steckten noch in den Kinderschuhen, als es zu diesen Duellen mit den stärksten Spielern der Welt kam. Alles in allem kann man sagen, dass die Entwicklung von Fritz in diesen Jahren durch die Wettkämpfe gegen Kasparov, Kramnik etc. entscheidend geprägt wurde.

Eine wichtige Rolle in diesen Duellen spielte Alexander Kure, der seit vielen Jahren als Autor des Fritz-Buches tätig ist. Gegen Spieler dieser Klasse mussten die Eröffnungen äußerst sorgfältig ausgesucht und vorbereitet sein. Natürlich bevorzugten wir scharfe Stellungen, aber ruhige Stellungen ließen sich nie ganz ausschließen. Beide Stellungstypen mussten daher bei der Auswahl berücksichtigt werden.

Mit Fritz 11 wollten wir die starken Eigenschaften seines Vorgängers übernehmen und gleichzeitig die neue Engine so aufbauen, dass es einfacher ist, weiteres Schachwissen zu implementieren. Dieses Vorhaben ist uns ziemlich gut gelungen. Fritz 11 verfügte über ein umfangreiches Endspielwissen, war taktisch vergleichbar mit Fritz 10 und bezwang seinen Vorgänger in überzeugendem Stil. Zudem wurde, um neueste Techniken im Computerschach zu unterstützen, die Suche komplett neu entwickelt.

Deep Fritz 11 setzt diesen Weg konsequent fort. In allen Partieabschnitten zeigt die neue Engine eine Leistungssteigerung und erreicht auf einem Singleprozessor-Rechner ein leichtes Plus im direkten Vergleich mit Fritz 11. Die wichtigste Verbesserung betrifft aber die Analyse. Hier bewertet Deep Fritz 11 z.B. Angriffe und Dauerschachs viel genauer als zuvor.

Eine ganz wesentliche Neuerung betrifft natürlich die Unterstützung mehrerer Prozessoren. Diesen Aspekt hatten wir bei der Entwicklung von Fritz 11 gänzlich ausgeklammert. Die Deep Fritz 11-Engine kann bis zu 16 Kerne gleichzeitig nutzen und lässt damit auch der Weiterentwicklung der Hardware noch Raum. Standard sind heute Dual-Core Systeme, doch die Quad-Cores sind schon auf dem Vormarsch.

Ein kleines Beispiel

Wir haben Fritz 11 und Deep Fritz 11 eine Stellung aus dem Topturnier Bilbao Masters (Topalov-Ivanchuk, Schlussrunde) analysieren lassen. Der Verteidigungszug, der von den Engines zu finden war, lautet 37...Tc4. Der Test lief auf einem standardmäßigen Intel Quad-Core System mit Windows Vista 64 (Preis: ca. 550 €)

Fritz 11 erreiche bei Nutzung eines Kerns 2,7 Mio. Stellungen pro Sekunde (2675 kN/s = 2675 tausend Knoten pro Sekunde). Der starke Verteidigungszug erscheint nach 25 Sekunden.

Und das ist Deep Fritz 11 – bei Nutzung eines Kerns. Die Engine ist ein wenig langsamer als die von Fritz 11 (2,2 Mio. Stellungen pro Sekunde). Der Unterschied resultiert daraus, dass in Deep Fritz 11 mehr Schachwissen integriert ist. Hier findet das Programm den Verteidigungszug nach 19 Sekunden.

Deep Fritz 11 erreicht bei Nutzung aller vier Kerne eine Geschwindigkeit von 8,5 Mio. Stellungen pro Sekunde, ist also ca. 3,8 mal schneller als mit einem Kern. Der Lösungszug wird in sieben Sekunden erreicht..

Geschwindigkeit spielt eine entscheidende Rolle vor allem dann, wenn man komplizierte Varianten berechnet. Denn viele Spieler neigen dazu, die Analyse nur ein paar Sekunden lang laufen zu lassen, so dass eine große Gefahr besteht, eine Verbesserung zu übersehen, die der Computer mit nur etwas mehr Zeit finden würde. Deep Fritz 11 ist im taktischen Bereich äußerst zuverlässig. Daher befragen viele Spitzenspieler, auch wenn sie Rybka 3 als Standardengine verwenden, Deep Fritz 11 gerne in komplexen Stellungen und immer dann, wenn Schachwissen benötigt wird, um die richtige Fortsetzung zu finden.

 



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