Gibraltar: Artemiev gewinnt Gibraltar Chess Festival

von André Schulz
01.02.2019 – Vladislav Artemiev gewann das Gibraltar Chess Festival nach einem Sieg über Yu Yangyi in der zehnten Runde. Zum ersten Mal seit 2015 war kein Stichkampf nötig. Der Preis für die beste Frau im Turnier ging an Tan Zonqi. |Fotos: Gibraltar Chess Festival (David Llada, Niki Riga, John Saunders)

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Der Sieger des Gibraltar Chess Festivals heißt Vladislav Artemiev. Angesichts der starken Konkurrenz mit Weltklassespielern wie Maxime Vachier-Lagrave, Levon Aronian, Hikaru Nakamura oder Wesley So ist dies sicher eine kleine Überraschung, aber Artemiev zeigte eine durchgängig solide Leistung und war in den entscheidenden Momenten hellwach.

Der junge russische Großmeister ging mit einem halben Punkt Vorsprung in die Schlussrunde und musste seine Führung mit den schwarzen Steinen gegen Yu Yangyi verteidigen. Im Falle eines Sieges hatte auch Yu Chancen auf den Turniersieg; er gehörte zu den unmittelbaren Verfolgern.

In der Vorstoßvariante der Caro-Kann-Verteidigung entstand diese Stellung:

 

Mit 25...Sb4 gab Schwarz nun einen Bauern: 26.Lxg6 hxg6 27.gxh5 Dc2 28.hxg6 und nach 28...Df5 29.De3 fxg6 erhielt er Gegenspiel in der f-Line, das ihm den Bauern sogar mit Zinsen zurückbrachte. Schließlich gewann er das Turmendspiel und sicherte sich damit den Turniersieg. Es ist das erste Mal seit 2015, dass das Gibraltar Open ohne Stichkampf entschieden wurde.

Yu gegen Artemiev | Foto: John Saunders

The Fashionable Caro-Kann Vol.1 and 2

Das dynamische Spiel, basierend auf einem starken strategischen Fundament, hat mich von jeher fasziniert, und ich habe auf diesen DVDs die Varianten vorgeschlagen, die ich auch persönlich in der Praxis bevorzuge.

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Interview mit dem Sieger:

Video: Gibchess

 

Ebenfalls noch Chancen auf den Turniersieg, respektive auf einen eventuellen Stichkampf um den Turniersieg, hatten Karthikeyan und Maxime Vachier-Lagrave, die gegeneinander den Verfolgerwettkampf bestritten.

Karthikeyan-Vachier Lagrave | Foto: John Saunders

Der 19-jährige Inder ist ehemaliger U12 und U16-Weltmeister und beantwortete Vachier-Lagraves Najdorf-Variante mutig mit dem Englischen Angriff. Beide Seiten spielten auf Sieg, doch es war der Inder, der schließlich die Oberhand gewann.

 

30.f3 zwang Schwarz zum Tausch auf f4. 30...Lxf4 31. Sxf4 und nach 31...Se5 kam Weiß mit 32.Ld5 entscheidend in Vorteil. 

Die Partie zwischen Levon Aronian und David Howell an Tisch drei fand ein überraschen schnelles Ende zugunsten von Schwarz. In der Abtauschvariante der Caro-Kann Verteidigung hatte Howell ein interessantes Konzept verwirklicht, bei dem er mit dem Vorbereitungszug 7...f6 schnell zu 8.e5 kam. Ein paar Züge später sah es so aus:

 

Mit 11.c4 provozierte Aronian 11...e4 und opferte mit 12.Lxe4 eine Figur. Weiß erhielt Kompensation, aber nicht genug und musste im 29.Zug die Segel streichen.

Hikaru Nakamura am Nebentisch war von Aronians Spielanlage nicht so recht überzeugt, scheint es.

 

 

Lange sah es so aus, als würde Mariya Muzychuk den Preis als bestplatzierte Frau gewinnen.

Mariya Muzychuk | Foto: John Saunders

Doch in der Schlussrunde kam die Ex-Weltmeisterin gegen Rinat Jumbayev nicht über ein Remis hinaus, genau genommen, erreichte sie den halben Punkt auch nur gerade eben so. 

 

Das Endspiel ist objektiv remis. Man kann es bei schlechtem Spiel aber natürlich auch verlieren.

Ihre Schwester Anna, ebenfalls heiße Kandidatin auf den Frauenpreis, verlor sogar ihre Partie gegen Rauf Mamedov.

 

Hier brachte sich Weiß mit dem hübschen Sperrzug 28.Td6 entscheidend in Vorteil Der wichtige Bauer f4 fällt.

Lachende Dritte war Ex-Weltmeisterin Tan Zhonqi. Sie gewann ihre Partie gegen Aleksandar Indijic und mit ihren sieben Punkten auch den Sonderpreis für die beste Frau im Turnier in Höhe von 15.000 Pfund.

Beste Frau im Feld | Foto: John Saunders

Bester Deutscher Spieler wurde Alexander Donchenko. Er hatte zu Anfang des Turniers eine Schwächephase, als er gegen Sarasadat Khademalsharie und Lei Tingje verlor. Danach verlor er keine Partie mehr.

Rasmus Svane startete ausgezeichnet und hatte dann die deutlich besseren Gegner. Nach den Niederlagen gegen Nakamura und Adams fiel er zurück, spielte aber eine Eloperfomance von fast 2650. Dennes Abel als drittbester Deutscher, auch mit 6 Punkten am Ende, spielte ebenfalls ein ausgezeichnetes Turnier, kassierte aber zum Schluss eine Niederlage gegen Gawain Jones.

Von den deutschen Nationalspielerinnen im Turnier schnitt Filiz Osmanodja mit 4,5 Punkten am besten ab. Ihre Ergebnisse lesen sich mangels Remisen häufig wie ein Binärcode.

Filiz Osmanodja, rechts | Foto: John Saunders

Die deutschen Spieler

Snr   Name Elo Land 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Pkt. Rg. K rtg+/-
34 GM Donchenko Alexander 2604 GER 1 1 0 0 1 1 ½ ½ ½ 1 6,5 39 10 -5,10
40 GM Svane Rasmus 2594 GER 1 1 ½ 0 1 1 1 0 0 ½ 6,0 42 10 8,10
57 GM Kunin Vitaly 2544 GER 1 0 ½ ½ 1 ½ 0 1 0 1 5,5 101 10 -14,10
79 GM Sprenger Jan Michael Dr. 2498 GER 1 0 1 ½ 0 ½ 1 ½ ½ 0 5,0 113 10 -4,60
99 IM Abel Dennes 2458 GER 1 ½ ½ 0 1 1 ½ 1 ½ 0 6,0 46 10 20,80
147 WGM Hoolt Sarah 2358 GER 0 1 0 1 0 ½ 0 0 ½ 0 3,0 223 10 -20,60
165 WIM Osmanodja Filiz 2318 GER 0 ½ 1 0 1 0 1 0 1 0 4,5 166 20 -8,40
168 WGM Heinemann Josefine 2304 GER 0 ½ 0 0 0 ½ ½ 1 ½ 0 3,0 233 20 -83,20
177 FM Giemsa Stephan 2275 GER 0 1 0 1 ½ 0 ½ ½ 1 ½ 5,0 127 20 18,80
182 WGM Fuchs Judith 2249 GER 0 1 ½ 0 0 ½ 1 ½ 0 0 3,5 205 20 -14,80
197   Koehler Gerhard Dr. 2184 GER ½ 0 0 1 0 1 1 0 0 0 3,5 204 20 9,20
203   Bopp Thomas Dr. 2171 GER 0 0 1 1 0 0 1 0 0 0 3,0 225 20 -15,40
234   Herzwurm Robert 2021 GER 0 0 0 ½ 1 0 0 1 1 0 3,5 217 20 3,40

 

Ergebnisse

Name Pkt. Ergebnis Pkt. Name
Yu Yangyi 7 0 - 1 Artemiev Vladislav
Karthikeyan Murali 7 1 - 0 7 Vachier-Lagrave Maxime
Aronian Levon 0 - 1 Howell David W L
Nakamura Hikaru ½ - ½ Grandelius Nils
Navara David ½ - ½ Melkumyan Hrant
Vitiugov Nikita 1 - 0 Vaibhav Suri
Alekseenko Kirill ½ - ½ Adams Michael
Lalith Babu M R ½ - ½ Saric Ivan
Naiditsch Arkadij 6 0 - 1 Anton Guijarro David
So Wesley 6 1 - 0 6 Deac Bogdan-Daniel
Le Quang Liem 6 1 - 0 6 Santos Latasa Jaime
Mamedov Rauf 6 1 - 0 6 Muzychuk Anna
Matlakov Maxim 6 1 - 0 6 Puranik Abhimanyu
Lagarde Maxime 6 ½ - ½ 6 Cheparinov Ivan
Gukesh D 6 ½ - ½ 6 Adhiban B.
Eljanov Pavel 6 1 - 0 6 Moroni Luca Jr
Edouard Romain 6 1 - 0 6 Gallego Alcaraz Andres Felipe
Indjic Aleksandar 6 0 - 1 6 Tan Zhongyi
Tari Aryan 6 ½ - ½ 6 Chandra Akshat
Antipov Mikhail Al. 6 ½ - ½ 6 Moussard Jules
Muzychuk Mariya 6 ½ - ½ 6 Jumabayev Rinat
Jones Gawain C B 1 - 0 6 Abel Dennes

...

Partien

 

Endstand

Rg. Name Pkt.  Wtg1 
1 Artemiev Vladislav 8,5 2941
2 Karthikeyan Murali 8,0 2747
3 Vitiugov Nikita 7,5 2779
4 Howell David W L 7,5 2705
5 Anton Guijarro David 7,5 2696
6 Navara David 7,0 2790
7 Grandelius Nils 7,0 2771
8 Lalith Babu M R 7,0 2767
9 Le Quang Liem 7,0 2741
10 Saric Ivan 7,0 2736
11 So Wesley 7,0 2734
12 Yu Yangyi 7,0 2715
13 Vachier-Lagrave Maxime 7,0 2708
14 Adams Michael 7,0 2706
  Alekseenko Kirill 7,0 2706
16 Nakamura Hikaru 7,0 2703
17 Edouard Romain 7,0 2692
18 Mamedov Rauf 7,0 2681
19 Eljanov Pavel 7,0 2673
20 Melkumyan Hrant 7,0 2659
21 Matlakov Maxim 7,0 2642
22 Tan Zhongyi 7,0 2585
23 Muzychuk Mariya 6,5 2718
24 Aronian Levon 6,5 2706
25 Vaibhav Suri 6,5 2685


 

Turnierseite...

Ergebnisse bei Chess-results...




André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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Krennwurzn Krennwurzn 02.02.2019 01:31
In der Entwicklungsphase eines Spielers sollten die Ergebnisse zuerst einmal nebensächlicher sein, denn langfristige Entwicklung ist wichtiger als kurzfristige Ergebnisse. Umfassendes Training und Spiel kann nach Stagnation oder sogar Einbruch zu einer stufenartigen Spielstärkensteigerung führen.

Natürlich kann eine Entwicklungsphase nicht ewig dauern und wer zwischen 18-22 nicht auch Ergebnisse liefert, für den sollte Schach ein schönes Hobby bleiben und nicht zum Jammerberufsdasein werden.

Geduld und Härte sind gefragt - nicht nur bei den Spielern sondern auch bei den Fans … die aufpassen müssen nicht zu FANatikern zu werden.
Buzzard Buzzard 01.02.2019 06:42
@Hypolyt Keine Angst, das wurde NATÜRLICH registriert, aber hier handelt es sich um eine kommerzielle Webseite einer gewinnorientierten Firma, die selbstredend an positiven Nachrichten interessiert ist, um so besser ihre Produkte vermarkten zu können. Ich sehe da auch nichts Anstößiges dabei, das liegt in der Natur der Sache. Denke eher das wäre etwas für www.schachbund.de. Wie auch immer, man hat es bei diesem Turnier mal wieder gesehen, dass die Deutschen auf allerhöchstem Niveau chancenlos sind. Selbst Keymer in Wijk konnte nicht wirklich überzeugen, hab auch keine Ahnung, wieso ein Positionsspieler mit Schwarz Najdorf spielt. Das muss ja schiefgehen. Mal gespannt, wie lange Svane, Donchenko & Co. noch weitermachen, tippe noch 2-3 Jahre, dann wird's doch wieder die Uni nebst dem darauf anschließenden gut dotiertem nine-to-five-job werden ...
Arelius Arelius 01.02.2019 02:54
Deutschland hat einfach keine besonders guten Schachspieler. Vielleicht sollten sie lieber einen richtigen Beruf nachgehen. Woran es liegt das kein Deutscher nur mal in die Nähe von 2700 kommt, darüber sollte man wirklich einmal nachdenken. An der Intelligenz wird es wohl kaum liegen. Eigentlich sehr schade!
Nihil Baxter Nihil Baxter 01.02.2019 01:48
Seit sich die Idee verbreitet, Geschlecht wäre ein Faktor, der neben Urologen und Frauenärzten noch andere interessieren müsse, ist keine Idiotie groß genug, als dass sie nicht in die Tat umgesetzt würde. Hier haben wir nun den "Sonderpreis" für die "beste Frau". Und das ausgerechnet in der Kategorie logisches Denken. Heute ist halt nicht zu peinlich und ich warte darauf, dass sich der Herr im Bild neben Frau Saunders, im nächsten Jahr mit der besten Transexuellen fotografieren lässt. Wahrscheinlich gibt es auch bald Sonderpreise für die Schuhgröße. Einfach nur peinlich und tatsächlich erst recht diskriminierend. Denn die Auslobung solcher Sonderpreise kommt ja dem Eingeständnis gleich, dass Frauen unfähig sind, so ein Turnier zu gewinnen.
Hypolyt Hypolyt 01.02.2019 01:39
Mir fehlt in diesem Bericht ehrlich gesagt die kritische Auseinandersetzung mit den schlechten Leistungen der deutschen Nationalspielerinnen. Bin ich wirklich der einzige, der das miserable Abscheiden hinterfragt wissen will?
Wenn eine Spielerin wie Josefine Heinemann 83,20 Ratingpunkte verliert, kann man das doch nicht einfach unkommentiert unter den Tisch fallen lassen.
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