Gibt es etwas, das Chinesen nicht können?

01.03.2013 –  Das Open in Reykjavik ist vorbei, es war stark besetzt, die Plätze eins bis drei gingen an Pavel Eljanov, Wesley So und Bassem Amin, nach Wertung gewann Eljanov, doch die Sensation des Turniers war die 3. GM-Norm des 13-jährigen Chinesen Wei Yi, jetzt jüngster GM der Welt. Alina L'Ami wirft noch einmal einen Blick auf das Turnier und fragt sich, warum die Chinesen alles so gut können. Mehr...

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“Made in China” lauten die drei magischen Worte, auf die wir täglich stoßen. Von Kleidung bis Elektronik, von Autos bin zu … Schachgroßmeistern – überall sind Chinesen dabei! Und schaut man sich die beeindruckende Zahl starker Spieler in unserem Spezialgebiet, dann machen sie es richtig. So oder so, China sorgt immer für Schlagzeilen. Wie kommt es, dass sie auf fast jedem Feld, das es gibt, Spuren hinterlassen?! Wahrscheinlich haben die Experten und Analytiker schon eine Antwort auf diese Frage gefunden, die wir intuitiv beantworten können, indem wir unser Gebiet genauer anschauen – Schach.

Tatsächlich: Wei Yi (rechts) ist Großmeister

Auf den Teilnehmerlisten der Turniere in aller Welt findet man immer mehr Spieler aus diesem Teil der Erde. Kein Zweifel, die Chinesen werden allmählich wirklich richtig stark. Beunruhigend und ‚beängstigend’ ist dabei, dass die neuesten chinesischen Großmeister sehr jung sind. Unglaublich jung und dabei stehen sie bereits im Wettlauf mit der Zeit, was dem menschlichen Begreifen und jedem gesunden Menschenverstand zu widersprechen scheint!

Der jüngste Großmeister der Welt: Wei Yi aus China

Allerdings muss man sagen, dass man nur mit jahrelanger harter Arbeit über Nacht zur Sensation werden kann; im Falle von Wei Yi sind das genau sieben Jahre. Das am 2. Juni 1999 in der Provinz Jiangsu geborene Wunderkind holte seine 3. GM-Norm in dem gerade beendeten Reykjavik Open.

Wei Yi
Ich habe den Arbeitseifer, die Ausdauer und die Disziplin der meisten chinesischen Spieler immer bewundert, allerdings selten bewusst, sondern eher unbewusst. Doch nachdem ich mich mit Hilfe des amtierenden chinesischen Meisters Ding Liren mit Wei Yi unterhalten habe, ist mein Respekt für sie gestiegen.

Ding Liren

Offen gesagt, ist ihre Bescheidenheit noch auffälliger als ihr schachliches Können. Wenn es so etwas gibt wie die Kunst der Bescheidenheit, dann sind sie darin Supergroßmeister. Und zwar, weil sie nicht versuchen müssen, so zu sein, sondern einfach so sind. Natürlich ist das kein Zeichen der Schwäche, ganz im Gegenteil, es ist eine ihrer größten Stärken. Ein Beispiel: Ich habe Wei Yi gefragt, was die beste Partie ist, die er je gespielt hat und er wusste keine Antwort, obwohl er wirklich angestrengt nachgedacht hat! Natürlich, er hat in Reykjavik gegen Vachier-Lagrave gewonnen, aber er meinte, der französische Großmeister sei von seiner Bestform weit entfernt gewesen, weshalb er selbst für seinen Sieg in dieser Partie kein Lob verdient.


Auf dem Weg zum GM-Titel
Mit dieser bescheidenen und unprätentiösen Einstellung wird der junge chinesische Großmeister mit Sicherheit alles erreichen, was er sich langfristig als Ziel gesetzt hat. Im Moment stehen das Erreichen von 2600 und das Spielen vieler brillanter Partien auf der Liste. Angesichts der Tatsache, dass der Chinese, der im Sternzeichen Zwillinge geboren ist, Schachprofi werden und alles andere hinten anstellen will, besteht kein Zweifel, dass er beide Ziele erreichen kann. Außerdem läuft die chinesische GM-Fabrik auf vollen Touren und bringt einen starken Spieler nach dem anderen hervor. Wie wir sehen, führt das System, in dem die Schüler zentral in Peking trainieren und sich dabei gegenseitig helfen und unterstützen und ihre Familien nur gelegentlich besuchen, zu guten Ergebnissen. Hut ab! Vor ihrer Einstellung, die im Gegensatz zu unserer selbstbezogenen, stärker materialistisch ausgerichteten westlichen Weltanschauung steht. Verzeihen Sie mir meine Voreingenommenheit!

Neben Wei Yis phänomenaler GM-Norm war natürlich der Kampf um die Spitzenplätze das Interessante bei diesem Turnier. Drei Spieler mit je acht Punkten landeten auf dem geteilten ersten Platz und die bessere Wertung verhalf dem ukrainischen GM Pavel Eljanov zum verdienten Turniersieg. Nachdem er gegen mich in Runde zwei gewonnen hatte (übrigens keineswegs gern geschehen J), bewies Eljanov im weiteren Verlauf des Turniers, dass er den ersten Platz verdient hatte, und, wie ich ergänzen möchte, zugleich auch seine Rückkehr in den Kreis der 2700er (nach diesem Turnier liegt er auf der virtuellen Liste bei 2697), da er im Moment offensichtlich unterbewertet ist.

Pavel Eljanov

Wahrscheinlich war das schnelle Remis gegen Wesley So in der letzten Runde (dieser halbe Punkt sichert Wesley eine Elo-Zahl von 2700+ in der nächsten Liste) nicht der ‘ideale’ Abschluss für den ganz harten Kern, aber hallo! Spielen Sie selbst einmal in der letzten Runde, wenn es um viel Geld geht, großer Druck auf einem lastet und schon morgens gespielt wird. Schließlich sind Schachprofis nicht nur Unterhaltungskünstler, die das Publikum entzücken sollen, sondern auch harte Arbeiter, die ihr Brot verdienen müssen. Ein Remis ist immer ein Schritt nach vorne und war hier das perfekte Ergebnis für den Großmeister aus der Ukraine und den Großmeister von den Philippinen.

Wesley So
Mit einem starken Finish, in dem er zwei Punkte aus den letzten beiden Runden holte, landete der ägyptische GM Bassem Amin ebenfalls auf dem geteilten ersten Platz und gewann zugleich zehn Elo-Punkte hinzu, womit er seinen beruflichen und persönlichen Aufstieg weiter fortsetzte. Ob er Medizin oder Schach vorzieht, weiß nur Bassem selber … hoffentlich neigt sich die Waagschale durch den geteilten ersten Platz in Island zugunsten des Schachs.

Bassem Amin
Hinter dem Spitzentrio folgten acht Spieler mit je 7,5 Punkten. Eine große Leistung in einem so starken Feld, aber wir wissen ja: The Winner Takes It All! Zumindest fast alles.

Die anderen Profis, zu denen ich auch mich zähle, können voller Stolz sagen, dass wir wieder Erfahrung gesammelt und den nötigen Antrieb erhalten haben, um weiter voran zu gehen! Was die Amateure betrifft, so haben sie das große Rahmenprogramm, für das die Organisatoren gesorgt haben, höchstwahrscheinlich sehr genossen: ein Schachquiz, ein Blitzturnier, Ausflüge und sogar ein Fußball-Match! Natürlich gibt es auch einen Grund zur Klage: So haben wir dieses Jahr nur wenig Eis in Island gehabt, aber vielleicht ist daran nicht das Organisationsteam schuld, oder?

Cheparinov gegen Wei Yi
In der letzten Runde spielten Wei Yi und Ivan Cheparinov gegeneinander – für beide Seiten eine schwere Partie; Cheparinov konnte sich nicht allzu sehr auf die Partie vorbereiten, da nur relativ wenig Partien von Wei Yi in den Datenbanken zu finden sind. Was den Chinesen betrifft, so hatte er Mühe, sich all die scharfen Varianten wieder ins Gedächtnis zu rufen. Als er nur noch Sekunden auf der Uhr hatte, willigte Cheparinov schließlich ins Remis ein. Zitat: "Alle Varianten, an die ich mich erinnerte, führten forciert zum Remis! Was blieb mir anderes übrig, als das Remis anzunehmen? Denn mit Absicht eine viel schlechtere Fortsetzung zu wählen, ist schließlich keine ernsthafte Option?!"

  Anish Giri


Ding Liren vs Pavel Eljanov


Wer hat gesagt, Schach sei kein Leistungssport? Auf alle Fälle erschöpft es einen!


Bassem Amin gegen Anish Giri


Am Spitzenbrett einigte man sich schnell auf Remis


Musik bei der Abschlussfeier

Anish mit seiner Freundin Sopiko Guramishvili (die den Frauenpreis gewann) und zwei seiner Schwestern

  Sammlerstücke!


Wie es scheint haben die Isländer einen Hang zum Thailändischen. An fast jeder Ecke wird grüner Curry mit Kokosmilch etc. angeboten! Sogar die isländischen Restaurants verleihen ihren kulinarischen Kreationen einen Hauch thailändischer Küche. 

Exotische Gerichte :) Die ich allerdings nicht probieren konnte, denn Wale sind so selten und Papageientaucher (Puffins) so niedlich :)


Kultur auf den Straßen – im wahrsten Sinne des Wortes!

Und hier noch einmal




Isländische Impressionen (Foto: Richard Stuivenvolt)


(Foto: Richard Stuivenvolt)



(Foto: Richard Stuivenvolt)

Text und Fotos: Alina L'Ami  



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