GM Andrii Barypolets kündigt Kandidatur als FIDE-Präsident an

von André Schulz
20.05.2022 – Beim FIDE Kongress während der Schacholympiade in Chennai stehen die Wahlen zum FIDE Präsidium an. Arkady Dvorkovich stellt sich zur Wiederwahl und hat mit Viswanthan Anand einen prominenten Mitstreiter ins Boot geholt. Angesichts der Kandidatur des russischen Präsidenten hat die Wahl eine starke politische Färbung. Nun hat mit GM Andrii Barypolets ein Ukrainer seine Gegenkandidatur angekündigt. | Foto: US Chess Federation

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Während der Schacholympiade in Chennai findet auch der FIDE-Kongress statt, bei dem die Delegierten der Verbände das Präsidium neu wählen. Seit 2018 ist Arkady Dvorkovich FIDE-Präsident. Dem früheren Wirtschaftsberater des russischen Präsidenten und zeitweiligen Stellvertretenden Ministerpräsidenten Russlands wird eine gute Arbeit bescheinigt. In den vier Jahren seiner Amtszeit hat er die FIDE transparenter gemacht und mit vielen Fachleuten in den einzelnen Ressorts vorwärts gebracht.

Dvorkovich stellt sich zur Wiederwahl und hat kürzlich sein "Ticket" vorgestellt. Neben der früheren Weltmeisterin Zhu Chen als Schatzmeisterin, dem Norweger Jøran Aulin-Jansson und dem Aseri Mahir Mammedov als Vizepräsidenten, hat er mit dem 15. Weltmeister Viswanthan Anand einen sehr prominenten Stellvertretenden Vizepräsidenten in sein Boot geholt.

Wie die anderen Sportverbände auch, steht die FIDE angesichts des Angriffskrieges von Russland gegen die Ukraine, der er mit vielen Toten und einer großen Zerstörung der ukrainischen Städte und Dörfer verbunden ist, besonders in den westlichen Ländern unter politischem Druck. Arkady Dvorkovichs frühere große Nähe zum inneren Zirkel der russischen Staatsführung macht seine Wiederwahl für die Vertreter der westlichen Schachverbände zumindest problematisch. 

Mit dem Togolsen Enyonam Sewa Noël Fumey hat Anfang Mai noch ein weiterer Kandidat seinen Hut in den Ring geworfen.

Die ukrainischen Schachfreunde können sich eine Wiederwahl des russischen FIDE-Präsidenten kaum vorstellen und wünschen sich eine Abwahl. GM Andrii Barypolets, in der Ukraine geboren, jetzt US-Staatsbürger, hat auf Change.org eine Petition gestartet, um eine Wiederwahl von Dvorkoveich zu verhindern.

Nun hat er selber seine Kandidatur angekündigt und will FIDE Präsident werden.

Der gebürtige Ukrainer Andrii Barypolets (31) hat von 2012 bis 2014 in Kiev an der Staatlichen "Kyiv-Mohyla Academy” Wirtschafts-und Finanzwissenschaften studiert und schloss mit Auszeichnung ab. Später emigrierte er in die USA und studierte an der Texas Tech Universität in Lubbock Landwirtschaft und Angewandte Wirtschaftswissenschaften. 2021 schloss er mit dem PD.D. ab. Von 2015 bis 2021 war er wissenschaftlicher Assistent an der Texas Tech Universität.

2008 war Barypolets U18-Landesmeister der Ukraine. Er gewann eine Reihe von offenen Turnieren, dii Winter Chess Classic 2018 in Saint Louis und 2015 und 2019 mit dem Team der Texas Tech Universität die Panamerikanischen Hochschul-Mannschaftsmeisterschaften. 

 

Pressemitteilung von Andrii Barypolets:

Erklärung zur FIDE-Präsidentschaftskandidatur

Schach ist ein großartiges Spiel - das Spiel, das wir lieben. Das Potenzial des Schachs ist erstaunlich groß. Der Boom des Jugend- und Hochschulschachs, der rasante Anstieg der Online-Schachplattformen, der unglaubliche Popularitätszuwachs nach der Veröffentlichung der Miniserie The Queen's Gambit usw. bestätigen die großartigen Perspektiven unseres alten Spiels.

Trotz der ständig wachsenden weltweiten Popularität des Schachs kämpft die FIDE darum, eine finanziell nachhaltige Organisation zu werden. Ich vermute, dass der Ruf der FIDE der Hauptgrund für dieses systematische Versagen und die Notwendigkeit ist, von autoritären Regierungen unterstützt zu werden. Die dreiundzwanzigjährige Präsidentschaft von Kirsan Iljumschinow hat der FIDE das Image einer politischen Interessen dienenden, korrupten und schlecht finanzierten Organisation eingebracht.

Auch wenn das derzeitige Team mehr Transparenz und Inklusivität in die FIDE-Verwaltung gebracht hat, ist die politische und finanzielle Abhängigkeit der FIDE von der russischen Regierung nicht zu übersehen. Der seit Jahren zweifelhafte Ruf hat das Interesse der Medien und privater Unternehmen an der FIDE deutlich verringert. Die anhaltende Tradition, von einem russischen Politiker geleitet zu werden, gefährdet die Fähigkeit der FIDE, das Schachspiel zu fördern, zusätzlich.

Nichtsdestotrotz glaube ich, dass der Ruf der FIDE ihr wichtigstes Kapital werden kann. Fachleute legen mehr Wert auf Vertrauen und Seriosität als Politiker. Eine seriöse, unbestechliche und transparente FIDE ist zweifellos attraktiver für Unternehmenspartnerschaften weltweit. Außerdem schafft sie ein einladendes Umfeld für Fachleute, die sich der Popularisierung des Schachs widmen wollen.

Die Schachwelt und ich persönlich haben auf einen würdigen Kandidaten gewartet, den wir unterstützen können, jemanden, der die Interessen des Schachs vor seinen eigenen vertreten würde. Mit dem Ziel, den Ruf der FIDE zu verbessern, schlage ich meine Kandidatur für das Amt des FIDE-Präsidenten vor. Seriosität, Professionalität und Liebe zum Schach sind die Grundwerte, die die Eckpfeiler meines Dienstes darstellen.

Meine Grundsätze sind die folgenden:

- Null Toleranz für Korruption in jeglicher Form. Für mich, mein Team, gewählte und angestellte Funktionäre und Mitarbeiter sind keine Quid-pro-Quo-Vereinbarungen akzeptabel. Das Ausschreibungsverfahren für alle offiziellen FIDE-Veranstaltungen muss völlig transparent sein. Die FIDE-Leitung trifft Einstellungs- und Ernennungsentscheidungen auf der Grundlage von Professionalität und Verdiensten; jede Form von Günstlingswirtschaft ist inakzeptabel.

- Die FIDE soll dem Schach dienen, nicht privaten oder politischen Interessen. Die FIDE muss sich in ihrem Handeln strikt an die FIDE-Charta halten und die völlige Unabhängigkeit von einzelnen Verbänden oder Regierungen von Ländern wahren.

- Die FIDE strebt ein Höchstmaß an Transparenz und Offenheit in den Beziehungen zu den Mitgliedsverbänden, Sponsoren, Partnern, Medien, der globalen Schachgemeinschaft usw. an.

- Engagement für die globale Einbeziehung und Förderung des Schachs, indem sie ALLEN Mitgliedsverbänden unabhängig von ihrem Niveau dient.

- Beachtung der demokratischen, liberalen und unternehmerischen Grundsätze.

Ich zweifle nicht daran, dass die Einbeziehung dieser Prinzipien die FIDE für unternehmerische und private Partnerschaften attraktiv machen und die Organisation auf ein unvorstellbares Niveau von Reputation und finanzieller Stabilität bringen wird.

Ich bin fest entschlossen, die Bemühungen der FIDE zur Unterstützung und Förderung des Jugend-, Hochschul-, Frauen-, Profi- und Online-Schachs zu untermauern. Gleichzeitig möchte ich die Bedeutung des Amateurschachs betonen, das das Rückgrat aller oben genannten Bereiche ist. Die Unterstützung von Amateurturnierveranstaltern aller Ebenen ist der beste Katalysator für eine langfristige Schachförderung.

Da ich einen bedeutenden Teil meines Lebens dem Schach gewidmet habe und ein internationaler Großmeister bin, bin ich zuversichtlich, dass ich die FIDE anführen kann, um Schachspielern, Organisatoren, Trainern, Journalisten, Streamern und allen Schachfans zu helfen, unser Schachleben einfacher zu machen und das Prestige unseres geliebten Spiels auf die nächste Stufe zu heben.

Gens Una Sumus

GM Andrii Baryshpolets

 

Petition bei Channge.org: Remove Arkady Dvorkovich from the International Chess Federation (FIDE) Presidency

Dvorkovichs presents his Team...

Mr. Fumey announces his candidacy for FIDE President...


André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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