Go!

05.12.2007 – Mit einem Alter von etwa 2500 ist das Go-Spiel das älteste überlieferte strategische Brettspiel der Welt. Ursprünglich aus China stammend, wurde es in Korea und Japan besonders kultiviert. Der älteste bekannte Profi-Go-Spieler war der Mönch Honinbo Sansa (1559 - 1623). Neben anderen war Emanuel Lasker ein großer Anhänger des Spiels, das in Deutschland durch die Bemühungen von Felix Dueball in den Dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts populär wurde. Obwohl im Go alle Steine den gleichen Wert besitzen, ist das Spiel auf dem 19x19-Brett so komplex, das bisher kein Computer mit Meisterspielern mithalten kann. Am vergangenen Wochenende wurde in Düsseldorf der 1. Japanischer Generalkonsul-Pokal ausgetragen. Dr. René Gralla sprach für das Neue Deutschland mit dem Organisator Horst Timm.Interview im ND...Deutscher Go-Bund...Nachdruck...

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Das Interview erschien in

 

Nachdruck mit freundlicher Genehmigung



Für Go hätte Weltmeister Emanuel Lasker am liebsten das Schach aufgegeben:
 

In fünf Minuten das Spiel des Universums lernen
 
 Erst die Steine schlau setzen und dann nach Tokio abheben: Deutschlands Go-Spieler haben sich am ersten Dezemberwochenende in Düsseldorf versammelt, um den "1. Japanischer Generalkonsul-Pokal Düsseldorf" auszuspielen. Mit dem Organisator HORST TIMM (51), im Hauptberuf Gesamtschullehrer in Castrop-Rauxel, sprach DR. RENÉ GRALLA, Autor der Tageszeitung "Neues Deutschland" (ND). 
 
ND: Der erste Preis für den Turniersieger war ein Flug nach Japan, den die Airline JAL  gesponsort hat. Das überrascht: Ist ein auf den ersten Blick sprödes Brettspiel für Japan derart wichtig? 
HORST TIMM: Aber ja! Für Japaner ist Go viel wichtiger, als wir Europäer uns das vorstellen können. Deswegen hat auch der Generalkonsul hier in Düsseldorf, Herr Shin Maruo, angeregt, dieses Turnier zu veranstalten. Go ist tief verwurzelt in der japanischen Kultur, neben der Teezeremonie und der japanischen Schachvariante Shogi.  
 
ND: Aber eigentlich ist das Spiel doch von den Chinesen erfunden worden?
TIMM: Das stimmt, trotzdem empfinden die Japaner das Go schon lange als Teil des eigenen kulturellen Erbes. Persönlichkeiten, die eine herausgehobene Stellung bekleiden in Politik und Wirtschaft, werden in der Regel auch Go spielen können.
 
ND: Die frühzeitige Beschäftigung mit Denkspielen lässt Kinder in der Schule besser lernen. Da sind uns die Japaner offenbar um einiges voraus.
TIMM: Go ist sicher kein Allerheilmittel, trotzdem ist klar, dass die Japaner die richtigen Dinge fördern.
 
ND: Angeblich geht Go zurück auf Chinas mythischen Urkaiser Yao, der vor mehr als 4000 Jahren regiert haben soll. Gesicherte Hinweise auf die Existenz des Spiels stammen aus der Zeit der Streitenden Reiche vor rund 2500 Jahren, ungefähr 900 Jahre später ist Go nach Japan gekommen.
TIMM: Seine erste Blütezeit erlebt hat Go am japanischen Hof der Heian-Periode von 794 bis 1185 nach Christus. Damals hat sich das Spiel entwickelt zu dem Go, das wir heute kennen.
 
ND: Zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurde mit Honinbo Sansa der erste professionelle Go-Spieler vom Staat besoldet.
TIMM: Heute gibt es annähernd 200 Profis. Japan betrachtet die Förderung des Go als öffentliche Aufgabe. So hält sich der Ehrengast unseres Düsseldorfer Turniers, die Weltklassespielerin Frau Kobayashi Chizu, derzeit als Kulturbotschafterin Wien auf, um für Japan zu werben. In Deutschland dagegen sind die Schachspieler gerade mal froh, dass sie Mitglieder im Sportbund sind.


Horst Timm, mit seiner Go-Schülerin Miho Komatsu

 
ND: Go ist ein strategisches Spiel mit dem Ziel, ein möglichst großes Territorium zu erobern.
TIMM: Eine gewisse Parallele zum Schach, allerdings mit einem grundsätzlichen Unterschied: Beim Schach stehen zu Beginn alle Figuren auf dem Brett, das Go-Brett ist anfänglich leer. Erst im weiteren Verlauf einer Go-Partie werden von den Gegnern die weißen und schwarzen Steine nacheinander über den Spielplan verteilt.
 
ND: Auf diese Weise versuchen die Kontrahenten, Felder und gegebenenfalls feindliche Steine einzuschließen ...
TIMM: ... und die eingekesselte Steine werden vom Brett entfernt.
 
ND: In der Schlussabrechnung wird saldiert, wie viele Felder und wie viele feindliche Steine ich erobert habe ...
TIMM: ... wobei in manchen Partien kein einziger Stein geschlagen wird.
 
ND: Die Herausforderung des Go: Die Regeln sind in fünf Minuten gelernt, anschließend kann ich mich ein Leben lang damit beschäftigen, die Tiefe des Spiels zu ergründen. Der Grund? 
TIMM: Weil Sie die Freiheit haben, jeden der 361 Schnittpunkt des Go-Brettes zu besetzen. Entsprechend groß ist die Zahl der möglichen Züge. 
 
ND: Computer besiegen inzwischen Schachweltmeister, im Go sind die Menschen den Rechnern weiterhin überlegen. Warum?
TIMM: Das Problem ist die Bewertung von Material und Position. Tausche ich im Schach einen Turm gegen einen Springer, kann ich nach bestimmten Maßstäben einschätzen, ob sich das Kräfteverhältnis auf dem Brett danach verschoben hat; denn ich weiß, dass die schwere Turmeinheit grundsätzlich stärker ist als das Pferd. Im Go gibt es keine vergleichbaren Kriterien: Um die Kraft von Gruppen zu bewerten oder das Gebiet, was sie abstecken, benötige ich viel Wissen und Intuition. Es ist äußerst schwierig, das einem Programm zu implementieren.
 
ND: Einer der Go-Pioniere in Deutschland war der ehemalige Schachweltmeister Emanuel Lasker. "Wenn es im Universum noch irgendwo intelligente Lebewesen gibt, dann kennen sie vielleicht Schach, höchstwahrscheinlich jedoch Go", hat er gesagt.
TIMM: Lasker hat sogar bekannt: "Wäre ich früher mit Go bekannt geworden, so wäre ich wohl kaum Schachweltmeister geworden." Trotzdem haben natürlich sowohl Schach als auch Go ihren jeweils spezifischen Reiz, sie stehen gleichberechtigt nebeneinander.   
 
ND: Wie lange spielen Sie schon Go?
TIMM: Ungefähr 30 Jahre.
 
ND: Gibt es ein Ranking im Go?
TIMM: Das fängt an mit dem 30. Kyu und geht bei den Amateuren hoch bis zum 8. Dan. Ich selber trage den 1. Kyu. Von den Dan-Graden der Amateure sind die Profi-Spielstärken zu unterscheiden, mit dem 10. Dan als höchstem Ranking. Um den Leistungsunterschied deutlich zu machen: Der 8. Dan eines Amateurs entspricht dem 1. bis 2. Dan eines Profis.
 
ND: Wie viele Go-Spieler sind in Deutschland aktiv?
TIMM: Im Deutschen Go-Bund sind rund 2000 registriert. Der DGOB veranstaltet Punktspiele, mit einer Bundesliga im Internet und Begegnungen direkt am Brett, wie in der Ruhrliga. 
 
 
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Weitere Infos, insbesondere auch eine kleine Regelkunde, auf den Seiten des Deutschen Go-Bundes: www.dgob.de
 

 

 

 

 


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