Grachev gewinnt 3. Dvoretzky Memorial

von André Schulz
16.02.2021 – Am zweiten Februar-Wochenende richtete der Russische Schachverband im Moskauer Zentralschachklub ein Schnellschachturnier zu Ehren des legendären Schachtrainers Mark Dvoretsky aus. Zehn Spieler nahmen teil, von denen so gut wie alle einmal Schüler des Meistertrainers waren. Als einzige Frau im Feld spielte die russische Nationalspielerin Valentina Gunina mit. | Fotos: Russischer Schachverband

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Das Turnier wurde am Brett im Moskauer Zentralschachklub mit Schnellschachbedenkzeit (15+10) im Modus jeder gegen jeden ausgetragen.

Der Turniersaal im Zentralschachclub

Nach dem ersten Tag, an dem fünf der neun Runden gespielt wurden, lag Boris Grachev alleine mit 4 aus 5 in Führung. Es folgten Andrey Esipenko, Ernesto Inarkiev und Mikhail Kobalia mit einem halben Punkt Rückstand.

Am zweiten Tag, mit den restlichen vier Runden, reichten Boris Grachev zwei Punkte zum Turniersieg. Er wurde zwar noch von Ernesto Inarkiev nach Punkten eingeholt, wies aber die bessere Zweitwertung (Direktbegegnung) auf. 

 

31...f5? [31...Lc6 32.Dxe4 mit gleichen Chancen.]

32.Dc3+ Kg6 33.De5 [Das Eindringen der weißen Dame ist sehr unangenehm für Schwarz, der plötzlich keinen guten Zug mehr hat.]

33...De8 [33...Lc6? 34.De6+; 33...Le8 34.Se7++–]

34.Df6+ Kh7 35.Dxb6 [35.b3!? Lxb3 36.Dxb6 Lxc4 37.Sf6++–]

35...De5 36.Dxa5 Le8 37.Dxc5 Kh6

 

38.Df8+ [Gewinnt den Le8, da eine Springergabel auf f6 folgt.] 1–0

Die russische Nationalspielerin Valentina Gunina hatte große Schwierigkeiten, im spielstarken Feld mitzuhalten. Mit vier Remis kam sie auf dem vorletzten Platz ins Ziel. In der achten Runde unterlag sie Mikhail Kobalia mit den weißen Steinen in einer eröffnungstheoretisch aufschlussreichen Partie.

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Halb-Slawisch (1.d4 d5 2.c4 c6 3.Sf3 Sf6 4.Sc3 e6) ist eine der interessantesten und spannendsten Eröffnungen nach 1.d4. Nielsen erklärt auf dieser DVD was hinter dieser Eröffnung steckt.

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Gunina,Valentina (2427) - Kobalia,Mikhail (2587) [D45]

3rd Dvoretsky Memorial 2021 Moscow (8.4), 11.02.2021

1.d4 d5 2.c4 c6 3.Sf3 Sf6 4.Sc3 e6 5.e3 Sbd7 6.Dc2 Ld6 7.b3 0–0

 

8.Lb2?! [Der Zug wurde bereits über 1000 mal gespielt, aber danach geht die Initiative schon bald auf Schwarz über und Weiß kommt in dieser Partie schnell unter die Räder. Die Hauptvariante ist 8.Le2 e5 9.cxd5 cxd5 10.Sb5 Lb4+ 11.Ld2]

8...e5 9.cxd5 [Auch nach 9.Le2 e4 10.Sd2 spricht die Statistik für Schwarz.]

9...cxd5 10.dxe5 Sxe5

 

11.Le2? [In der Mega in 86 Partien gespielt.]

[11.Sxe5 Lxe5 12.Ld3 ist vielleicht noch der beste Weg für Weiß, mit Ausgleich.;
Oder auch 11.Sd4 Sc6 (11...Ld7!?) 12.Sxc6 bxc6 13.Le2 Dc7 14.Lf3 Te8 ½–½ (41) Karpov,A (2670)-Kramnik,V (2785) Moscow 2007]

11...Sxf3+ 12.Lxf3 d4 13.exd4 Te8+ 14.Se2 [14.Kf1 Da5 15.Dd1 0–1 (31) Kortschnoj,V (2615)-Beliavsky,A (2650) Leon 1994 CBM 042 [Ftacnik,L] 15...Ld7!? mit schwarzem Vorteil.]

14...Lg4 15.Lxg4 Sxg4

 

16.h3 Lb4+ [16...Tc8!? 17.Dd3 Dh4 18.g3 ½–½ (40) Huch,R (2279)-Lautner,J (2175) Bayern 2008 18...Dh5 mit überlegener schwarzer Stellung.]

17.Kf1 [17.Lc3!? Sxf2!? (17...Tc8 18.0–0=) 18.Kxf2 Df6+ 19.Kg1 Lxc3 20.Sxc3 Dxd4+ 21.Kh2 Te3 22.Thc1 Tc8 mit guten Remischancen]

17...Tc8 [Schwarz hat spürbare Kompensation für den Bauern. 17...Sf6 18.a3 Tc8= 0–1 (43) Johannesson,I (2269)-Fressinet,L (2625) Reykjavik 2006]

18.Df5?! [18.Dd3!?]

18...Sf6 19.Td1? [Danach gerät Weiß in Verluststellung. Besser war 19.g3 mit besserem Spiel für Schwarz.] 19...Se4

 

20.f3 Sd2+?!

[20...Tc5!–+ ist ein typischer Enginezug. 21.Df4 g5 22.Dg4 Sf6 23.Dg3 Sh5 24.Df2 Tc2;
Oder 20...g6 mit Ideen wie 21.Db5 Tc2 22.Dxb4 Txb2 23.fxe4 Df6+ 24.Kg1 Txe2 25.Tf1 Dg5–+]

21.Kf2 De7?! [21...Tc6!? z.B.: 22.Dd3 Sxf3 23.gxf3 Tce6 24.Sg3 Dh4 mit Angriff.]

22.Dd3 Tc2 [Der schwarze Aufmarsch ist beeindruckend, doch es gab für Weiß noch eine Rettungschance.]

 

23.La1?

[23.Lc1! hält die Partie:

a) 23...Dg5 24.Txd2 Txd2 (24...Lxd2? 25.Dxc2 De3+ 26.Kg3 Der König kann flüchten, Weiß gewinnt.25.Lxd2 Lxd2 26.g3=

b) 23...Dh4+ Ein wichtiges Zwischenschach, um das Feld g3 zu sperren. 24.g3 Dg5 25.a3 Reicht aus. (25.Txd2 funktioniert hier nicht: 25...Lxd2 26.Lxd2 (26.Dxc2 De3+ 27.Kg2 Dxe2+ 28.Kg1 De1+ 29.Kg2 Te2#) 26...Txd2) 25...Txe2+ 26.Dxe2 Se4+ 27.fxe4 Df6+ 28.Ke3 Txe2+ 29.Kxe2 Le7=]

23...Txa2 24.The1 Dh4+ 25.g3 Dh5 26.Kg2 Sxf3 [26...Sxf3 27.Dxf3 Texe2+ 28.Txe2 Txe2+–+] 0–1

Boris Grachev und Ernesto Inarkiev kamen beide auf 6,5 Punkte. Dritter wurde Mikhail Kobalia mit 5,5 Punkten vor Vadim Zvjaginsev. 

Zur Siegerehrung erschien Mark Dvoretskys Sohn Leonid und überreichte die Preise.

Endstand: 

 

Partien:

 

Mark Dvoretsky (1947-2016) war geehrter Trainer der UdSSR, Russlands und Georgiens. Zu Dvoretzkys Schülern gehörten Spieler wie Artur Jussupow, Sergey Dolmatov, Nana Alexandria, Alexander Chernin, Alexey Dreev, Vadim Zvjaginsev, Alexander Riazantsev, Victor Bologan, Pavel Eljanov, Ernesto Inarkiev, Alexander Motylev, Vladimir Potkin, Evgeniy Najer, Ivan Popov und viele andere. Neben seiner Trainer-Tattigkeit veröffentlichte Dvoretzky zahlreiche Lehr- und Trainingsbücher. Seine besondere Liebe galt dem Endspiel.

Zum Russischen Schachverband...


André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.

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