Grand Chess Tour Paris: Maxime Vachier-Lagrave ist Gesamtsieger

von André Schulz
02.08.2019 – Mit starken Leistungen am zweiten Blitzspieltag holten Viswanthan Anand und Jan-Krzysztof Duda den zuvor führenden Hikaru Nakamura in der Blitzwertung noch ein. Gesamtsieger der GCT Paris wurde jedoch Maxime Vachier-Lagrave. | Fotos: Lennart Ootes/ Grand Chess Tour

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Hikaru Nakamura dominierte den ersten Tag des Blitzturniers, aber am zweiten Tag ging dem US-Großmeister etwas die Puste aus und so wurde er nach Punkten noch von Viswanathan Anand und auch von Jan-Krzyszof Duda eingeholt. 

Wie steht's

Anand, nach dem ersten Umgang zusammen mit Maxime Vachier-Lagrave noch Vierter, startete den zweiten Umgang eher verhalten, mit zwei Remis gegen Duda und Mamedyarov, auf die noch eine Niederlage gegen Dubov folgte, gegen den der 15. Weltmeister auch schon am ersten Tag verloren hatte. Dann hatte Anand den Vorwärtsgang gefunden und gewann gegen Alexander Grischuk, gegen Fabiano Caruana und gegen Hikaru Nakamura. Nach Remisen gegen Vachier-Lagrave und Anish Giri schloss er den Tag und das Turnier mit einem Sieg gegen Ian Nepomniachtchti ab.

Gegen Alexander Grischuk bewies Anand einmal mehr seine Kaltblütigkeit im Angriff.

 

Grischuk eröffnete hier den Nahkampf mit dem einladenden 22... Sgf4

Es folgte 23.gxf4 exf4 Die Alternative war 23...Sxf4 24.Tg3 g4 25.Sg1 Dh4 mit Kompensation - nach Blitzmaßstäben. Nach 24.De2? g4 hätte Schwarz sehr starkem Angriff.

Weiß spielte aber 24.Dd4 und droht auch: Zweimal Nehmen auf g5 und dann Tg1.

Weiter ging es mit 24...e5 25.Dc4+ Kh8 26.Tag1 Tfg8 Mit der Idee Sf6 und g4.

Ein andere Schwindelidee war stattdessen 26...Sg3 27.fxg3 g4. Aber nach 28.Sh4 fxg3+ 29.Txg3 Dxh4 ist 30.Tf1 stark.

Nach dem Partiezug folgte sehr sachlich 27.Sxg5! Das beendet den Spuk. 27...Txg5 28.Txg5 Txg5 29.Txg5 Dxg5 30.Dxc7 Die restlichen schwarzen Figuren richten am Könisgflügel nichts aus, während Weiß sich in Ruhe am anderen Flügel bedienen kann. 30...f3 31.Dc8+ Kg7 32.Sxf3 Df4+ 33.Kg2 Df7 34.Dg4+ Kf8 35.Sg5 1-0

Anand-Grischuk

Duda startete seine Aufholjagd sogar mit einem halben Punkt weniger nach dem ersten Spieltag. Auch der polnische Großmeister lief erst in der zweiten Hälfte des Spieltages zur Bestform auf und besiegt zum Turnierschluss Grischuk, Caruana, Vachier-Lagrave und Giri. Keine schlechte Beute für einen Spieler, der noch am Anfang seiner Karriere steht.

Ian Nepomniachtchi erwischte Maxim Vachier-Lagrave in einer interessanten Anti-Najdorf-Variante: 

1.e4 c5 2.Sc3 d6 Der Najdorf-Spieler kann hier bekanntlich nicht gut 2... Sc6 spielen, denn da gehört der Springe im Najdorf nicht hin 3.f4 g6 4.Sf3 Lg7 5.Lc4 Sc6 6.0-0 e6 Nach 7.d3 hätte man einen "normalen" Grand Prix Angriff.

 

Weiß spielte aber 7.d4. Ist das Feld d4 nicht zuverlässig überdeckt? Die Pointe ergibt sich nach 7... Sxd4 8. Le3 Sxf3? 9.Dxf3 und Se7 steht Weiß nach 10. f5 schon auf Gewinn. Die Idee 7.d4 stammt von Gregorsz Gajewski, der 2003 so in einer Partie spielte. Dann wurde das vergessen und kürzlich wieder entdeckt. 

Natürlich ist das keine Widerlegung der schwarzen Spielweise. Nach 7... cxd4 8. Sb5 bekommt Weiß seinen Bauern zurück. Aber: Der Najdorf-Spieler befindet sich auf unbekanntem Terrain. Nach ein paar Zügen...

 

... zog Schwarz hier unbedacht 13...Dc7 und stand nach 14. fxe5 dxe5 15.Sg5 schlecht. f7 ist nicht mehr gut zu verteidigen. Die Partie dauerte nicht mehr lange. 

The modern Grand Prix Attack

Auf dieser DVD werden alle Ideen behandelt, die Schwarz gegen den weißen Aufbau versuchen kann, und ich empfehle Weiß dabei eine Reihe theoretisch noch relativ unerforschter Varianten, die ich ausführlich analysiert habe.

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Endstand Blitz

 

Partien

 

Für den Gesamtendstand des Turnieres in Paris werden die Punkte des Blitzturnieres mit denen aus dem Schnellschachturnier addiert, wobei das Ergebnis des Rapidturniers doppelt gewertet wird. Und so ist keiner der drei Sieger des Blitzturniers Gesamtsieger, sondern zur Freud der französischen Gastgeber ihr Landsmann Maxime Vachier-Lagrave, der das Schnellschachturnier mit deutlichem Vorsprung gewann, dafür 13 Punkte erhielt und mit seinen acht Blitzpunkten auf 21 Punkte kam. Anand, der ja bald bei den Ü50-Senioren einsteigen könnte, denn er wird im Dezember 50 Jahre alt, ist aber mit nur einem halben Punkt Rückstand Zweiter der Gesamtwertung.

Für den Sieg und die Plätze in Paris gab es GCT-Punkte und auch Preisgeld:

In der Tour-Gesamtwertung liegt allerdings jemand anderes vorne, nicht schwer zu erraten: Magnus Carlsen, in Paris nicht dabei, führt nach seine Siegen an der Elfenbeinküste und in Zagreb das Feld noch mit deutlichem Vorsprung an. Maxime Vachier-Lagrave hat sich nun aber auf Platz zwei vorgearbeitet.

Grand Chess Tour Turnierseite...




André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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