Grand Chess Tour: So gewinnt Schnellschachturnier

von Johannes Fischer
14.06.2018 – Wesley So überstand auch den dritten Tag des Schnellschachturniers der Grand Chess Tour im belgischen Leuven ohne Niederlage und gewann das Turnier souverän mit 14 von 18 möglichen Punkten. Drei Punkte dahinter folgen Levon Aronian und Maxime Vachier-Lagrave. Morgen stehen die ersten neun von 18 Runden Blitz auf dem Programm, da muss So seinen Drei-Punkte-Vorsprung verteidigen. | Foto: Lennart Ootes, Turnierseite

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Wesley So hat bei ChessBase 2 Eröffnungs-DVD veröffentlicht: 1.b3, der so genannte Nimzowitsch-Larsen-Angriff, aus weißer Sicht und seine Geheimnisse im modernen Italienisch (mit c3 und d3) aus schwarzer Sicht.

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So bis zum Schluss souverän

An den ersten beiden Tagen des Schnellschachturniers in Leuven agierte Wesley So souverän und sicher. Er gewann vier seiner sechs Partien, zwei wurden Remis, in Verlustgefahr war er nie. Am dritten Tag reichten ihm ein Sieg und zwei Remis, um das Schnellturnier zu gewinnen.

Runde 7

Die siebte Runde brachte bereits eine Vorentscheidung. Wesley So spielte mit Schwarz gegen Hikaru Nakamura, der schon in der Eröffnung Schiffbruch erlitt: nach nur neun Zügen stand Schwarz klar besser, wenig später hatte So entscheidenden Vorteil.

 

Sos engster Verfolger nach der siebten Runde war Levon Aronian, der mit Weiß gegen Karjakin spielen musste. In dieser wichtigen Partie war Aronian zu ungeduldig und wurde von Karjakin ausgekontert.

 

Damit hatte So zwei Runden vor Schluss drei Punkte Vorsprung auf Karjakin und vier Punkte Vorsprung auf Aronian, Maxime Vachier-Lagrave und Shakhriyar Mamedyarov. Den Sieg im Schnellturnier sicherte er sich dann in Runde 8.

Runde 8

So spielte mit Weiß gegen Karjakin und brauchte nur ein Remis. Mit einer bekannten Variante im Katalanen vermied So jedes Risiko und kam problemlos zu einem Remis. Damit lag er vor der letzten Runde drei Punkte vor Karjakin und hatte damit das Schnellturnier gewonnen.

Runde 9

Das Schnellturnier war entschieden, aber das Turnier in Leuven noch nicht. Denn am Freitag und Samstag steht noch das Blitzturnier auf dem Programm. Das wird doppelrundig gespielt, für jeden Sieg gibt es einen Punkt, für ein Remis einen halben. Theoretisch kann also jeder der Teilnehmer 18 Punkte holen, und hat damit gute Chancen, in der Gesamttabelle Boden gut zu machen.

Deshalb blieb auch die neunte Runde umkämpft. So kam mit Schwarz zu einem problemlosen Remis gegen Vishy Anand, der nach zwei Niederlagen in Folge mit der Abtauschvariante im Franzosen keine Anstalten machte, mit Weiß irgendetwas zu riskieren, aber die Verfolger brachten sich für das Schnellturnier in Stellung.

Aronian gewann mit Weiß gegen Maxime Vachier-Lagrave und Nakamura überspielte Mamedyarov mit Schwarz.

 

Hikaru Nakamura

Karjakin musste jedoch gegen einen alten Rivalen einen Rückschlag hinnehmen. Er verlor gegen Fabiano Caruana, der bereits nach der Eröffnung besser stand und im weiteren Verlauf der Partie mehr als einen originellen Gewinn verpasste, aber am Ende sicher gewann.

 

So startet mit drei Punkten Vorsprung auf Aronian und Vachier-Lagrave ins Blitzturnier. Damit hat er gute Chancen, das Turnier in Leuven zu gewinnen, nicht zuletzt, wenn man bedenkt, dass So das Norway Chess Blitzturnier als Sieger beendet hat. Aber zumindest Nakamura glaubt noch an seine Chancen, in Leuven als Gesamtsieger vom Feld zu gehen und erklärte im Interview nach seiner Schlussrundenpartie selbstbewusst: "Sagen wir einmal so: Wesley ist nicht der beste Blitzer hier im Feld."

Endstand des Schnellturniers (mit Verdoppelung der Punkte)

 

Partien

 

Live Broadcast, 3. Tag

 

 



Johannes Fischer, Jahrgang 1963, ist FIDE-Meister und hat in Frankfurt am Main Literaturwissenschaft studiert. Er lebt und arbeitet in Nürnberg als Übersetzer, Redakteur und Autor. Er schreibt regelmäßig für KARL und veröffentlicht auf seinem eigenen Blog Schöner Schein "Notizen über Film, Literatur und Schach".
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RevTiberius RevTiberius 15.06.2018 05:58
@Mazel_tov Natuerlich ist Anand immer noch ein starker Spieler aber es ist schon so, dass er so langsam in den Turnieren immer weiter nach hinten durchgereicht wird. Das ist weder gut noch schlecht, sondern einfach der Lauf der Dinge. Als ich anfing mich fuer Schach zu interessieren war er Seriensieger und bei grossen Turnieren immer weit vorne zu finden. Daher ist es sehr ungewohnt, Anand nun oft in der unteren Tabellenhaelfte zu sehen.
Mazel_tov Mazel_tov 14.06.2018 11:14
Schwache Turniere kommen auch bei den Besten vor. Bei Giri ist sicherlich auch noch nicht die Luft raus? Derzeiter Schnellschachweltmeister ist übrigens auch nicht Carlsen, sondern Anand.
RevTiberius RevTiberius 14.06.2018 10:07
Schade fuer Anand, einen der Schach-Helden meiner Jugend. Bei ihm ist mittlerweile wohl wirklich die Luft raus. Selbst in seiner Paradedisziplin Schnellschach landet er inzwischen ausgepeitscht am Tabellenende. Hoffentlich klappt's beim Blitzen besser.
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