Grand Prix Belgrad: Rapport legt vor

von ChessBase
10.03.2022 – Richard Rapport packte Maxim Vachier-Lagraves Grünfeld-Verteidigung bei den Hörnern und kam in der ersten Halbfinalpartie zu einem überzeugenden Sieg. Die Partie zwischen Anish Giri und Dmitry Andreikin endete remis. Für Giri war mehr drin. | Mark Livshitz (FIDE/ Worldchess)

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Ein Ruhetag war den Gruppensiegern des Grand Prix Turniers von Belgrad vergönnt, bevor es am Dienstag mit der K.o.-Phase des Turniers weiter ging. Als Sieger ihrer Gruppen trafen Anish Giri und Dmitry Andreikin sowie Richard Rapport und Maxime Vachier-Lagrave im Halbfinale aufeinander. Die Erstgenannten führten in der ersten Partie die weißen Steine. Die Matches der K.o.-Runde, Halbfinals und Finale, werden über zwei Partien mit Turnierbedenkzeit geführt. Bei Gleichstand würden am Freitag ein Stichkämpfe folgen. 

Allen Teilnehmern des Halbfinales sind schon einmal sieben Punkt für die Gesamtwertung sicher. Der Turniersieger wird 13 Punkte erhalten. Der unterlegene Finalist bekommt zehn Punkte gut geschrieben. Für drei der Halbfinalisten ist der Grand Prix in Belgrad ihr erstes Grand Prix Turnier der aktuellen Dreierserie 2022. Giri, Andreikin und Vachier-Lagrave sind dann auch noch beim zweiten Berliner Grand Prix am Start. Richard Rapport hat bereits am ersten Berliner Grand Prix teilgenommen. Dort unterlag er im Halbfinale und erhielt dafür sieben Punkte. 

Mit den weißen Steinen gegen Maxime Vachier-Lagrave hatte der ungarische Großmeister die Wahl, nach 1.e4 gegen die Sizilianische Najdorfvariante zu spielen oder nach 1.d4 gegen die Grünfeldverteidigung. Der französische Top-Großmeister weicht so gut wie nie von seinem Eröffnungsrepertoire ab, das mit Schwarz auf diesen beiden Systemen basiert. 

Rapport entschied sich für die Grünfeld Verteidigung. Hier fand der Ungar in der alten Abtauschvariante (mit Se2) tatsächlich ein Abspiel, das Vachier-Lagrave zuvor noch nie auf dem Brett hatte, mit 10.Tc1. Im 12. Zug wich Rapport mit 12. Tc3 von der üblichen Folge mit 12.Kf1 ab. Der vielleicht weltbeste Grünfeld-Experte Maxime Vachier-Lagrave geriet dann überraschend schnell auf Abwege und fand sich bald in einer Verluststellung wider.

Kraftvoll eröffnen: Grünfeld-Indisch Band 1 und 2

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Rapport,Richard (2763) - Vachier Lagrave,Maxime (2761) [D87]

FIDE Grand Prix-II KO 2022 Belgrade (1.1), 09.03.2022

1.d4 Sf6 2.c4 g6 3.Sc3 d5 4.cxd5 Sxd5 5.e4 Sxc3 6.bxc3 Lg7 7.Lc4 c5 8.Se2 0–0 9.Le3 Sc6 10.Tc1 [Die Hauptvariante entsteht nach 10.0–0 Lg4 (10...b6!?) ]

10...cxd4 11.cxd4 Da5+

 

12.Tc3 [In den meisten Partien geschah hier 12.Kf1]

12...e5 [Andere Kandidaten waren 12...Td8; oder 12...Lg4]

13.d5 Sd4 14.Ld2 [14.0–0?? Sxe2+]

14...Ld7 [Nach 14...b5 15.Sxd4 exd4 16.Tc1 Db6 17.Ld3 bleiben die Damen auf dem Brett. Weiß hat mit dem Übergewicht im Zentrum das bessere Spiel.]

15.Sxd4 exd4 16.Tc1 Da3 17.Db3 Dxb3 18.Lxb3

 

18... Tae8? [Hier war 18...Tac8 erforderlich.]

19.f3 f5?! [Schwarz sucht Verwicklungen, aber die gehen zugunsten von Weiß aus. 19...Tc8 war noch besser: 20.Ke2 Lb5+ 21.Kf2 Le5 22.f4 allerdings mit deutlichem weißen Übergewicht im Zentrum.]

20.Tc7 Lb5 21.a4 Ld3 [21...fxe4 22.d6+ (Weniger klar ist 22.fxe4 Txe4+ 23.Kd1 Le2+) 22...Kh8 23.axb5 exf3+ 24.Te7 fxg2 25.Tg1 Txe7+ 26.dxe7 Te8 27.Lg5 h6 28.Lf7+–]

22.d6+ Kh8

 

23.d7 [Der weiße d-Bauer ist für Schwarz oft ein Problem in der Grünfeld Verteidigung, aber selten war er so stark wie hier.]

23...Tb8 24.Lb4 Le5 [24...Tfd8 25.Le7 fxe4 26.fxe4 Lxe4 27.Lxd8 Txd8 28.Tc8 Lf6 29.0–0 und gewinnt.]

25.Lxf8 Lxc7 26.Le7 [Droht weniger d8 Dame, sondern vor allem Lf6 matt.]

26...Kg7 27.e5 [Nun kommt noch ein Freibauer.]

27...b5 28.Lf6+ Kf8

 

29.e6 [Droht wieder Matt. Für Weiß gewinnt hier alles.]

29...Ld8 30.Le5 Tb6 31.Lxd4 Tc6 32.axb5 Lxb5 33.Kf2 Ke7 34.Le3 Lb6 35.Td1 Lxe3+ 36.Kxe3 Tc3+ 37.Kf4 1–0

 

 

Anish Giri konterte in seiner Weißpartie gegen Dmitry Andreikin die Absicht seines Gegners, die Sizilianische Tajmanov-Variante zu spielen, mit der Nebenvariante 3.b3. Nach fünf weiteren Zügen hatte die Partie schon unbekanntes Terrain erreicht. Giri zögerte lange mit der Rochade und entschloss sich schließlich zum Königsangriff. Im 20. Zug wurde die kritische Stellung erreicht.
 

 

20.Sxf7?! [Sachlicher war 20.Sh3 Sc6 21.Lxc4 mit überlegener weißer Stellung.]

20...Kxf7 21.bxa5 Ld5 22.Df4+ Kg8 [Weiß hat nun einen Teil seines Vorteils eingebüßt. Die weiße Struktur hat sich verschlechtert und die beiden schwarzen Läufer sind stark geworden.]

 

23.Txd5?! [Die Abwicklung bringt Weiß nichts ein. 23.Dg4!? Th7 24.Le2]

23...Lg5 24.Txg5 hxg5 25.Dd4 exd5 26.Dxd5+ Kf8 27.Ld4 Dc6 28.Dxc6 Txc6 29.Le2 a6 30.Kd2 Ke7 31.Kc3 Tb8 32.a4 Tb1 33.Lf3 [Läuferpaar und Turmpaar halten sich hier die Waage.] ½–½

 

Partien 

 

 

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