Grand Prix in Jerusalem, Runde 1: Ein Sieg, sieben Tiebreaks

von Johannes Fischer
13.12.2019 – Der FIDE Grand Prix wird nach K.o.-System gespielt, aber in Runde 1 des Grand Prix in Jerusalem waren Knockouts Mangelware. 15 der 16 Begegnungen mit klassischer Bedenkzeit endeten unentschieden und so stehen am Freitag, den 13., sieben Tiebreaks auf dem Programm. Der einzige Sieg der Runde gelang Wesley So (Bild) gegen Yu Yangyi. Spannend war die Runde trotzdem, vor allem für Maxime Vachier-Lagrave. | Foto: Niki Riga

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Der Kampf um den Einzug ins Kandidatenturnier

Beim Grand Prix in Jerusalem geht es vor allem um die Qualifikation für das Kandidatenturnier 2020, denn die zwei Besten der Grand Prix Gesamtwertung sind beim Kandidatenturnier dabei. Alexander Grischuk spielt in Jerusalem, aber ist nach seinen guten Ergebnissen in den ersten drei Grand Prix Turnieren in Moskau, Riga und Hamburg praktisch bereits qualifiziert. Um den zweiten Platz streiten sich Maxime Vachier-Lagrave, Shakhriyar Mamedyarov und Ian Nepomniachtchi, die alle in Jerusalem am Start sind.

  Name Moskau Riga Hamburg Jerusalem Punkte
1  Alexander Grischuk (RUS) 7 3 10 x 20
2  Maxime Vachier-Lagrave (FRA) x 8 5   13
3  Shakhriyar Mamedyarov (AZE) 0 10 x   10
4  Ian Nepomniachtchi (RUS) 9 x 0   9

Die vier Besten der Grand Prix Gesamtwertung

Maxime Vachier-Lagrave hat die Qualifikation für das Kandidatenturnier bereits mehr als einmal knapp verpasst und auch in Runde 1 des Grand Prix in Jerusalem schrammte er nur knapp an der Qualifikation vorbei. Denn sowohl Mamedyarov als auch Nepomniachtchi, seine beiden Konkurrenten in der Grand Prix Gesamtwertung, standen in Partie zwei der Runde 1 kurz vor einer Niederlage und retteten sich nur mit Mühe in ein Remis und den Tiebreak.

Mamedyarov spielte mit Schwarz gegen Dmitry Jakovenko und geriet nach einer Ungenauigkeit in einer bekannten Variante nach der Eröffnung in Schwierigkeiten.

 

Hier hätte Jakovenko mit 27.Se5, was dem schwarzen Springer auf h4 das Rückzugsfeld g6 nimmt und gelegentlich Sxc6 droht, womit sich Weiß einen starken Freibauern auf der d-Linie verschafft, klaren Vorteil erzielen können. Aber Jakovenko spielte 27.Kg3 und wenige Züge später endete die Partie mit Remis durch Zugwiederholung. Damit bleibt Mamedyarov im Rennen um das Kandidatenturnier.

Genau wie Ian Nepomniachtchi, der dazu allerdings auch Fortunas Hilfe brauchte. In der ersten Partie gegen Boris Gelfand war Nepomniachtchi nach nur zehn Zügen mit Remis zufrieden gewesen und dieser Verzicht auf jedweden Kampf rächte sich in der zweiten Partie beinahe. Denn Gelfand war durch gute Eröffnungsvorbereitung und energisches Spiel zu einer deutlich besseren Stellung gekommen, aber verpasste im entscheidenden Moment eine sehr gute Chance:

 

Die Stellung ist kompliziert, aber hat Weiß die Initiative und klaren Vorteil. Doch natürlich ist es in einer praktischen Partie mit begrenzter Bedenkzeit in Anbetracht der vielen Möglichkeiten schwer, einen klaren Weg zu finden, den Vorteil festzuhalten und auszubauen. Gelfand spielte 23.Sxf5?!, wonach sich Nepomniachtchi mit genauer Verteidigung in ein Remis retten konnte. 23.Db2! (anstelle von 23.Sxf5) hätte Schwarz vor größere Probleme gestellt. Eine Beispielvariante: 23...Sd3 24.Dc3 Sxb4 25.Sxf5 exf5 26.Txf5 und die Schwäche auf f7 ist für Schwarz fatal.

Ian Nepomniachtchi bleibt im Rennen um das Kandidatenturnier | Foto: Niki Riga

Maxime Vachier-Lagrave selbst spielte mit Weiß gegen Veselin Topalov, der in einer Berliner Verteidigung mit Schwarz mit Hilfe eines Qualitätsopfers eine feste Verteidigungsstellung aufbaute, wonach Vachier-Lagrave alle Gewinnversuche aufgab.

 

Auch Wesley So suchte sein Glück mit einem Qualitätsopfer - und das brachte ihm Yu Yangyi den einzigen Sieg der Runde.

 

Damit ist Yu Yangyi ausgeschieden und So als Einziger bereits für die zweite Runde qualifiziert. 14 der Spieler müssen am Freitag, den 13., in den Tiebreak.

Ergebnisse

 

Partien der Runde 1

 

Livekommentar Runde 1, Partie 2

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Johannes Fischer, Jahrgang 1963, ist FIDE-Meister und hat in Frankfurt am Main Literaturwissenschaft studiert. Er lebt und arbeitet in Nürnberg als Übersetzer, Redakteur und Autor. Er schreibt regelmäßig für KARL und veröffentlicht auf seinem eigenen Blog Schöner Schein "Notizen über Film, Literatur und Schach".