Gut gerüstet in den Kampf

15.06.2012 – Adrian Mikhalchishin gilt als einer der besten Trainer der Welt. Der 1954 in Lvov geborene Ukrainer ist seit 1978 Großmeister und trainierte die Nationalmannschaften der UdSSR, Sloweniens, Polens und Hollands. Außerdem war Mikhalchishin Trainer von Anatoly Karpov (1980-1986) und betreute Zsuzsa Polgar, Alexander Beliavsky, Maja Chiburdanidze, Arkadij Naiditsch und Vassily Ivanchuk. Zur Zeit unterstützt er die türkische Frauengroßmeisterin Betül Yildiz beim Frauen Grand Prix in Kazan, die in Runde zwei sensationell gegen Frauenweltmeisterin Hou Yifan gewann. Mikhalchishin zeigt, wie wichtig ein guter Trainer und gute Vorbereitung sind und verrät, wie dieser Sieg zustande kam.Turnierseite Kazan..., Mikhalchishin im Shop...Zum Bericht...

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Rückblick: Hou Yifan gegen Betül Yildiz, Runde zwei des Frauen Grand Prix in Kazan
Eine Betrachtung von GM Adrian Mikhalchishin, Trainer von WGM Betül Yildiz


Adrian Mikhalchishin

Fotos: Anastasiya Karlovich und Rashit Shiriyazdanov mit freundlicher Genehmigung der FIDE

Wie spielt man gegen die Weltmeisterin?

Genau diese Frage haben wir uns vor acht Monaten gestellt, als Betül beim Grand Prix in Shenzen gegen Frauenweltmeisterin Hou Yifan zu einem Remis kam. Trotz eines Elo-Unterschieds von 300 Punkten hatte Betül zwei sehr gute Gelegenheiten, diese Partie zu gewinnen.

Jetzt musste Betül in Kazan erneut gegen die Weltmeisterin spielen und wieder hatte sie Schwarz. Was tun? Wir kamen zu dem Schluss, dass Hou in Shenzen noch der WM-Kampf gegen Humpy Koneru bevor stand und sie sich nicht auf Spanisch einlassen würde, um nicht zeigen zu müssen, was sie gegen Koneru vorbereitet hatte. Hier in Kazan gab es für Hou jedoch keinen Grund, einem Spanier auszuweichen. Die Frage war nur, welche Variante spielen sollte.


Betül Yildiz

Wir kamen zu dem Schluss, dass Hou sich auf die Hauptvariante der Arkhangelsk-Variante vorbereiten würde, denn so hatten die beiden vor zwei Jahren schon einmal gespielt. Damals erhielt Betül eine gute Stellung, wenngleich sie die Partie später noch verlor. In solchen Situationen ist es wichtig, etwas Neues vorzubereiten. Unsere Wahl fiel auf die Malaniuk-Onishuk-Version der Arkhangelsk-Variante. Das Wichtigste jedoch war die psychologische Vorbereitung: das Motto lautete, etwas schlechtere Stellungen zu vermeiden, denn die Weltmeisterin verfügt über eine phantastische Technik. Betül sollte versuchen, sie von Anfang an vor Probleme zu stellen. Scharfes Spiel bietet Chancen! Besser wie ein Held sterben, als wie eine Maus in einem etwas schlechteren Endspiel untergehen. Wir haben nichts zu verlieren! Russen und Türken fliehen nicht vom Schlachtfeld!


Während der Partie



Wie sich zeigt, gehört den Mutigen die Welt! Aber es ist nicht leicht, diese Mentalität bei Schachspielern zu wecken. Ich weiß noch, wie ich beim zweiten Wettkampf zwischen Kasparov und Karpov in Moskau 1985 Sekundant von Karpov war. Alle Sekundanten wohnten in der wundervollen Datscha von Marschall Ivan Konev, einem berühmten Sowjetveteran aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs: der legendäre Efim Geller, Igor Zaitsev, Valery Salov, Sergei Makarychev, Victor Zheliandinov und ich.

Eine Stunde vor Partiebeginn hatte Tolya eine 15-Minuten-Sitzung mit seinem Psychologen, einem Mann aus Odessa, der sehr nett war - er machte eine phantastische Fischsuppe! Er begann mit seiner mentalen Vorbereitung und durch die Wand hörten wir, wie er im anderen Raum rief: "Töte ihn! Vernichte ihn! Zwing' ihn in die Knie!" Wir sind vor Lachen fast gestorben. Geller hat gemeint, sollte der Boxweltmeister im Schwergewicht zufällig ins Zimmer kommen, dann würde Tolya ihn in Stücke reißen!

Aber tatsächlich ist psychologische Vorbereitung eine der wichtigsten Aufgaben von Trainern und Sekundanten, die die Schwächen ihrer Schützlinge kennen. Das ist eine schwere Aufgabe, die erfolgreich zu lösen nicht immer gelingt. Aber wenn das klappt, dann ist das der Mount Everest der Trainerarbeit! Ja, gegen Weltmeister oder Weltmeisterin zu gewinnen ist genau das!



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