Hamburger Schachfestival

21.10.2005 – Neben den beiden Open mit über 400 Teilnehmern war das Signal Iduna Simultan mit Alexej Shirov eine der Hauptattraktionen des Hamburger Schachfestivals. Der Wahlspanier spielte an dreißig Brettern und war mit Gegnern bis zu einer Elozahl von 2300 einverstanden. Nach fünfeinhalb Stunden hatte er 23 Partien gewonnen und sieben Remis abgegeben, u.a. gegen 12-jährigen Beima Ma. Unter den Simultanspielern befand sich auch der Frontmann der Deutsch-Rap Gruppe "Die fantastischen Vier", Smudo, der in der Vergangenheit schon öfters seine Begeisterung fürs Schach gezeigt hat. Mehr...

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Signal Iduna Simultan
Großmeister Alexej Shirov ließ gegen starke Gegner nur sieben Remis zu
Von Christian Zickelbein



Es begann um 17 Uhr mit einem Gruppenphoto im Stil großer klassischer Turniere: Alexei Shirov in der Mitte aller Teilnehmer. Nach drei Stunden kam die Großmeisterin Victoria Cmilyte, um ihren Mann abzuholen. Nach  Blick auf die Bretter meinte sie, er werde wohl noch eine Stunde brauchen. Um 22.30 Uhr konnte sie ihn endlich zu einer großartigen Performance beglückwünschen:
 Gegen ein sehr starkes Teilnehmerfeld hatte Alexei Shirov in einem großen Kampf 23 Partien für sich entschieden und nur sieben Remisen abgegeben und viel Beifall seiner Gegner und der auch zu später Stunde noch zahlreichen Zuschauer erhalten, wie auch er sich beeindruckt vom Widerstand seiner Gegner zeigte. 

Genauso viel Begeisterung wie der Großmeister löste unser Stargast Smudo aus. Er verteidigte sich in einem Damengambit lange recht gut, bevor der Großmeister einen Rochadeangriff starten und matt setzen konnte. Smudo kiebitzte noch fast eine Stunde, doch kam er noch lange nicht davon: Im Foyer der Sporthalle stellte er sich geduldig für unzählige Photos mit Meistern und Mädchen auf, kein Photo war begehrter als eines mit Smudo – und gar mit seiner Widmung! Noch besser: Er wird wieder kommen und nicht nur unser Turnier besuchen, sondern auch den Klub.


Smudo und Leonie Helm – was gibt’s denn da zu lachen…!?



Smudo gab nach seiner Niederlage noch bereitwillig Autogramme und ließ sich fotografieren. Hier diskutiert er mit IM Sebastian Siebrecht und Sonja Perk-Bartz, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit beim Hamburger Schachklub, über seine Partie gegen Alexei Shirov.


Smudo mit Joanna und Mario Kölbel.


Christian Zickelbein, Vorsitzender des HSK mit dem Ehrengast.

Neben Smudo fanden auch die Kinder und Jugendlichen besondere Beachtung: Der Deutsche Meister U14 Niclas Huschenbeth vom SKJE hielt gut mit, musste aber schließlich ebenso wie der Hamburger Meister U 16 Florian Held vom HSK aufgeben.


Im Vordergrund: Florian Held, amtierender Hamburger U16-Meister.

Auch Sarah Bismuth (14) aus unserer Partnerstadt und Gordon Zimmermann (12) aus Greifswald ging’s nicht anders.  

Leonard Meise vom HSK aber machte sich selbst ein zweites Geburtstagsgeschenk – das erste vom HSK war die Partie gegen Shirov, das zweite sein Remis nach einem sogar Vorteil versprechenden Qualitätsopfer. Ein Remis erspielte sich auch Beini Ma (12) – und das Lob des Großmeisters „He is very talented!“


Remis! Alexei Shirov gibt Beini Ma ein Autogramm.

Matthias Thanisch vom Bargteheider Schachspiegel war mit einer Remise erfolgreicher als seine Kollegen von den großen Zeitungen: Dr. René Gralla vom Neuen Deutschland steigert mit seinen regelmäßigen Beiträgen aus der Schachszene die Auflage der Zeitung am „Schachtag“ des ND, aber Shirov kannte natürlich auch die vorbereitete Nebenvariante im Französischen.


Smudo mit Dr. René Gralla, der einen Artikel über die Veranstaltung im Neuen Deutschland schrieb.


Uli Stock mit seinen Töchter Cecilia und Alessia.

Aljoscha Feuerstark vom SK Norderstedt hatte wie Alexander Binding und René Mandelbaum seinen Platz unter den 220 Bewerbern des Hamburger Abendblattes gewonnen, in seiner scharfen Partie gegen den Großmeister gab’s aber nichts zu gewinnen.


Sarah Bismuth aus Marseille und Aljoscha Feuerstack.

René Mandelbaum aber erspielte mit seiner vorbereiteten skandinavischen Variante ein sicheres Remis.


Alexei Shirov grübelt über René Mandelbaums Skandinavier.

Auch aus dem HSK Nostalgie-Dreier kam nur einer durch: Bernd Stein, Internationaler Meister, seit langem nicht mehr in aktiv, hatte vor fast zwanzig Jahr in Gausdal gegen Alexei in einem GM-Open verloren, auch die Revanche missglückte, sein Urteil selbstkritisch und unbestechlich: „keine Chance“.


IM Bernd Stein – für Shirov zurück ans Schachbrett!?

Christoph Pragua von den Kölner Schachfreunden musste noch früher aufgaben, aber Dr. Matias Jolowicz, Arzt in Salzgitter und Vorsitzender des Salzgitter SV, kam mit der „Hamburger Eröffnung“ Skandinavisch wie René Mandelbaum zu einem sicheren Remis.


Alexei Shirov am Brett von Beek Javer, neben ihm Gordon Zimmermann.

Von den drei Frauen im Feld war Leonie Helm aus der HSK Frauen-Bundesliga am erfolgreichsten. Die Webmasterin der Bundesliga-Website www.schachbundesliga.de Ulla Hielscher vom SK Doppelbauern Kiel schlug sich wie Sarah Bismuth aus Marseille gut, musste aber die Klasse des Großmeisters anerkennen.

Besonders harte Gegner waren natürlich die Top-Spieler aus dem 3. Klaus-Junge-Turnier, die sich nach der harten 2. Runde auch am Abend noch eine zweite Partie zutrauten, und einige ebenso starke und ausgeruhte Ehrengäste.

Wolfgang Mack (ELO 2224) vom SC Laupheim Jan-Paul Ritscher (ELO 2284) von den Schachfreunden Hamburg unterlagen nach hartem Kampf in wilden „Shirov“-Partien.


Alexei Shirov am Brett von Wolfgang Mack.

Heinz-Werner Szudra (ELO 2016) vom FC St. Pauli faszinierte das Publikum, indem er einen heftigen Angriff gegen Shirovs lange Rochade startete und sich dabei von einem weißen Bauern, der sich auf dem Königsflügel durchfraß, nicht stören ließ: Auf h7 störte der Bauer dann doch. Matthias Krallmann (ELO 2254) vom Bielefelder SK folgte bis zum 19. Zug der Partie Wahls gegen Georgiev aus der Bundesliga1997. Wahls spielte hier 20. Dg3 und die Partie endete Remis.


Matthias Krallmann und Edmund Lohmer.

Alexei Shirov aber fand hier eine Verbesserung mit 20. g4 und Weiß steht immer etwas besser – mit sehr viel Glück konnte laut eigener Aussage Matthias Krallmann im Endspiel Remis halten.

Jens Erik Rudolph, der Vorsitzende des Barmbeker SK, verlor  durch eine Fesselung die Qualität, Edmund Lomer, der Vorsitzende des Eckernförder SC, verlor erst im Endspiel, Mr. Schulschach Erich Scholvin vom Athenäum Stade kam im Sizilianer mit dem Gegenstoß d7-d5 zu einem starken Zentrum, doch der Großmeister wickelte kombinatorisch in ein besseres Endspiel ab.


Alexei Shirov am Brett von Erich Scholwin

Dr. Martin Kittlitz vom HSK drohte im Gegenangriff matt zu setzen, doch nahm ihm der Großmeister mit einer tödlichen Folge von Schachgeboten das Recht auf eine eigene Aktion.

Keine Chancen hatten sich von vornherein Roger Helbing-Becker und Werner Müller ausgerechnet. Roger wollte wenigstens aus der Eröffnung herauskommen, aber erreichte ein Doppel-Turmendspiel mit guten, aber ausgelassenen Remischancen.


Roger Helbing-Becker und im Hintergrund Matthias Tharnisch.

Werner Müller, der Vater unseres Großmeister Dr. Karsten Müller, meinte schon zu Beginn des Mittelspiels, er müsse aufgeben, hielt aber seine Stellung gegen den Freund seines Sohnes doch mehr als dreißig Züge zusammen.


Werner Müller, Vater von Alexei’s gutem Freund GM Dr. Karsten Müller und Dr. Hans Schüler (früheres Vorstandsmitglied der Iduna Bausparkasse).

Auch für den vereinslosen Beek Javer aus dem Walter-Robinow-Turnier war die Teilnahme alles: Sven Rettieck aus dem Organisations-Team hatte ihm seinen Ehrenplatz im Teilnehmerfeld überlassen, so dass Beeks Dank beim Berichterstatter eigentlich an der falschen Adresse landete.

Dagegen wollte der frühere Vorsitzende des Hamburger Schachverbandes Dr. Hans Schüler gewinnen: Im Shirov-Stil opferte er  einen Bauern, um Angriff gegen die Rochade zu bekommen, aber der Großmeister konterte erfolgreich. Mit dem früheren Vorstandsmitglied der Iduna Bausparkasse, der einige Jahre lang das Sponsoring für das große Turnier der Hamburger Schulen Rechtes Alsterufer – Linkes Alsterufer vermittelt hat, steuern wir auf das Schlusswort zu, das dem Sponsor gebührt:

Wir danken der SIGNAL IDUNA Versicherungsgruppe, dass sie uns ermöglicht hat, Alexei Shirov zu präsentieren.


Die Ergebnisse

Seine Simultanvorstellung an 30 Brettern – und er akzeptierte Gegner bis ELO 2300 – bot hochklassiges Schach. Für uns hatte sie andererseits auch einen hohen nostalgischen Wert. Von 1992/93 und 1993/94 hat Alexei zwei Spielzeiten für den HSK in Hamburg Bundesliga gespielt, und seitdem ist er uns freundschaftlich verbunden. Und so träumen wir nun nach dem Erfolg dieser Simultanveranstaltung von einem Alexei Shirov, der sich 2006 in Hamburg im Rahmen unseres Hamburger Schachfestivals ans Brett in einem geschlossenen Großmeisterturnier setzen kann.                                                                    

Christian Zickelbein


Fotografin Sabrina Wagner.

 

 

 



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