Harry Friedrich verstorben

01.08.2004 – Am 22. Juli verstarb überraschend der langjährige Schatzmeister und Stellvertretende Geschäftsführer des Deutschen Schachbundes Harry Friedrich (6. Dezember 1947 bis 22. Juli 2004, Foto, rechts). Seit 1982 war Friedrich für den DSB in der Berliner Geschäftsstelle tätig gewesen. Für das nächste Jahr plante er seinen verdienten Vorruhestand. Seine Freunde und Arbeitskollegen schätzten seine bescheidene Persönlichkeit ebenso wie seinen großen Sachverstand. Am 22.Juli starb Harry Friedrich in den Vormittagsstunden an seinem Arbeitsplatz. Die Mitarbeiter von ChessBase haben einen angenehmen und kompetenten Ansprechpartner verloren, die Schachwelt trauert um einen wertvollen Menschen. Harry Friedrich wurde nur 56 Jahre alt. Nachruf des DSB...

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Harry Friedrich: Der Sammler, Rechner und Genießer

Am 06. Dezember 1947 wurde Harry Friedrich in Niedersachsen geboren. Ein echter Norddeutscher. Nicht geschwätzig, mit tiefgründigem Humor, echte Freundschaften über Jahrzehnte pflegend.

Ein Leben lang fühlte er sich den Zahlen verpflichtet, er kam von ihnen einfach nicht los. Nach einer kaufmännischen Aus-bildung arbeitete er bei der Traditionsfirma Pelikan in Hannover und hantierte dort mit Zahlen. Nebenbei ging er seinem Hobby

Schach nach. Mehr sogar, er spielte es leidenschaftlich und gut. Doch das alleine genügte ihm nicht. Er engagierte sich ehrenamtlich für den Schachsport, wurde Schatzmeister im Bezirk Hannover und Anfang der siebziger Jahre ins Präsidium des Niedersächsischen Schachverbandes gewählt - als Schatzmeister.

In dieser Funktion besuchte er den Kongress des Deutschen Schachbundes als gerade eine Präsidiumsstelle frei wurde, die des Schatzmeisters. Das war im Jahre 1976. Die Zeit also als in Berlin West die Geschäftsstelle des Deutschen Schachbundes unter dem Präsidenten Alfred Kinzel aufgebaut wurde. Diese entwickelte sich rasant in ihrer Aufgabenstellung und der anfallenden Arbeitsbelastung, so dass Anfang der achtziger Jahre die Stelle eines weiteren Mitarbeiters ausgeschrieben werden musste. Dessen Hauptaufgabengebiet sollte sein: die Finanzen des DSB.

Harry Friedrich nutzte die Chance sein Hobby mit seinem Interesse für die Zahlen zu verbinden und bewarb sich auf die Stelle. 1982 begann er beim DSB und wechselte von Hannover nach Berlin, in die damals noch ummauerte Stadt.

In der Zeit als DSB-Schatzmeister lernte er auch seine künftige Frau Bärbel kennen. Eine deutsch-deutsche Beziehung. Sie lebte in Magdeburg in der damaligen DDR, er in Hannover. Es war kompliziert den Kontakt zu halten, teilweise fanden die Treffen am Rande der Transitstrecke nach Berlin statt. Die Staatssicherheit war immer präsent, wie die später eingesehene Akte zeigte. Doch die Beziehung ließ sich durch nichts aufhalten. Sie heirateten 1980 und zogen nach Berlin, wo 1982 die Tochter Stephanie geboren wurde.

Ende der achtziger Jahre gingen beide unterschiedliche Wege. Einige Jahre später, die Mauer war unterdessen gefallen, die Wege in das Berliner Umland frei, traf er seine zweite Frau Ursula. Sie wohnte in Dresden, er in Berlin. Es entwickelte sich eine Wochenendbeziehung, denn seine Stelle beim Schachbund zu kündigen, das kam für beide nicht infrage. Aber die Hochzeit, das war auch keine Frage, wurde organisiert. Und als Konrad, der Sohn von Ursula aus ihrer ersten Ehe, das Abitur in der Tasche hatte und mit dem Studium begann, zog sie zu ihm nach Berlin. Das war im August letzten Jahres.

Harry Friedrich hatte den Finanzbereich im DSB fest im Griff. Wurden die Visionen seiner Kollegen bunt an den Himmel gemalt, so kam irgendwann von ihm die alles entscheidende Frage: „Und wie wollen wir das bezahlen?“ Er war nicht der Mann für die Außenauftritte, das überließ er anderen. Er wirkte im Inneren, still, leise, unauffällig, aber nicht weniger einflussreich und kompetent. Bevor die Deutsche Schachjugend eine eigene Mitarbeiterin in der Geschäftsstelle platzieren konnte, war er Ansprechpartner für den Jugendbereich und ständiger Gast auf den DSJ-Versammlungen. Zusätzlich kümmerte er sich um die Bereiche Öffentlichkeitsarbeit, Lehrarbeit und Breitenschach. Im Laufe der Zeit wurde er auch Gesellschafter der Deutscher Schachbund Wirtschaftsdienst GmbH und einer ihrer beiden Geschäftsführer.

Das wettkampfmäßige Schachspielen reduzierte er mehr und mehr, zu anstrengenden Mannschaftskämpfen früh am Sonntagmorgen – so wird in Berlin gespielt – hatte er bald keine Lust mehr. Aber das aufgebaute Schachspiel stand immer an seinem Arbeitsplatz. Auf ihm verfolgte er, viele Partien nachspielend, das Weltgeschehen im Schach. Aber auch die ehrenamtliche Arbeit ließ ihn nicht los. In seinem Verein SC Kreuzberg wirkte er eine Zeit lang als Mannschaftsführer der ersten Mannschaft und - natürlich - bis zum Sommer diesen Jahres als Schatzmeister.

Doch wer ihn auf das Schachspiel und die Zahlen reduzieren will, wird Harry Friedrich nicht gerecht. Nach und nach entwickelte er sich zu einem Fachmann der kleinen gezackten Marken, der Briefmarken. Er wurde zum engagierten Sammler, der auf vielen Auktionen tätig war und sich eine umfangreiche, wertvolle Sammlung aufbaute. Abends vor seinen Alben sitzend, neben sich ein Glas eines ca. 20 Jahre alten Whiskys stehen habend, an dem er ab und an genüßlich nippen konnte, das war für ihn ein wichtiger Ausgleich zum Beruf. Der andere war das Wandern in der Natur. Sobald es in Berlin wieder möglich war, machte er sich in das Brandenburger Umland auf und erwanderte dessen Schönheiten. Oder er fuhr mit Ursula und Freunden in die Sächsische Schweiz, in die Thüringer Berge. An diesen Wochenenden holte er sich die Kraft für die Woche.

Und die brauchte er, denn in den letzten zehn Jahren verschlechterte sich sein Gesundheits-zustand zusehends. Die Arztbesuche häuften sich. Er machte daraus keine Geschichten. Das war halt so. Wobei wahrscheinlich nur er wusste, wie es wirklich um ihn stand. Doch er wollte leben. Er sprach davon mit Ursula nach seiner Frühpensionierung Ende 2005 ganz nach Dresden zu ziehen. Er hatte Pläne.

Am 22. Juli jedoch, wenige Tage vor seinem Jahresurlaub, wollte sein Herz nicht mehr. Es hörte auf zu schlagen. Im Büro am Arbeitsplatz.

In diesem Moment verlor der Deutsche Schachbund einen zuverlässigen und wertvollen Mitarbeiter.

Alfred Schlya - Horst Metzing - Jörg Schulz

 

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Norbert Heymann, Referent für Öffentlichkeitsarbeit des Deutschen Schachbundes

Lindenstr. 34, 15230 Frankfurt (Oder), Tel.: 0335/522129, Fax: 0335/537478, Email: presse@schachbund.de

 

 

 



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