Heißluftschach

von André Schulz
18.09.2015 – Vielleicht ist die Schnellschachpartie zwischen Martin Petr und Petr Neuman die bisher höchste der Schachgeschichte, gemessen am Abstand zum festen Boden. Gespielt wurde sie in einem Heißlufballon. Der Flug führte von Karlstejn nach Hyskov. Als die Aeronauten dort ankamen, hatte Schwarz schon gewonnen. Organisiert hat die Partie Pavel Matocha. Mehr...

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Pavel Matocha von der Prager Schachgesellschaft organisiert immer viele Schachevents in Prag und anderen tschechischen Städten und hat ständig neue Ideen. In Kürze rollt wieder sein Schachzug durch die Metropolen. Letzten Samstag nutzte er einen Ballonausflug, um dort einen kleinen Wettkampf zweier Großmeister spielen zu lassen. Martin Petr und Petr Neumann erklärten sich bereit, in luftiger Höhe eine Schnellschachpartien zu spielen.

 

Das ist die Route. Der Flug geht von Karlstejn nach Hyskov und dauert etwa 75 Minuten mit dem Ballon. Mit dem Auto wäre es etwas schneller.

Petr Neuman und Martin Petr pusten ihren Ballon auf

Bald geht es los

Die Ballonfahrt wurde vom Prager Ballon-Club anlässlich ihres 50-jährigen Bestehens organisiert. Acht Ballons gingen zusammen in die Luft.

Aber warum fliegen sie?

 

"Unter Normalbedingungen bei 0 °C auf Meereshöhe besitzt ein Kubikmeter Luft eine Masse von etwa 1,3 kg. Bei konstantem Druck sinkt die Dichte von Gasen mit steigender Temperatur nach dem Gesetz von Gay-Lussac. Durch den Dichteunterschied der kälteren äußeren Luft und der wärmeren Luft im Ballon entsteht so eine Auftriebskraft. Diese wirkt der Schwerkraft (dem Gewicht) des Heißluftballons entgegen. Das Gewicht des Heißluftballons setzt sich zusammen aus dem Gewicht der Ballonhülle plus dem Gewicht der ihm angehängten Nutzlast (Korb mit Brenner, Gasbehältern und Insassen).

Für eine erste grobe Abschätzung der Tragkraft eines Ballons kann dieser als Kugel betrachtet werden. Da das Volumen einer Kugel (und damit der Auftrieb des Ballons) mit der dritten, die Oberfläche (und damit das Gewicht der Hülle) aber nur mit der zweiten Potenz des Durchmessers zunimmt, kann ein größerer Ballon eine größere Nutzlast tragen. Verfeinerte Betrachtungen beziehen die Umstände mit ein, dass mit steigendem Ballondurchmesser schwerere Brenner und festere Hüllen benötigt werden.

Gängige Größen sind 3.000 bis 10.000 Kubikmeter. Die Temperatur im Innern eines Heißluftballons beträgt während einer Ballonfahrt zwischen 70 und 125 °C, je nach Stoffart, Zuladung und Außentemperatur. Da der Auftrieb mit zunehmendem Dichteunterschied der inneren Luft zur Umgebungsluft wächst, hat ein Heißluftballon in tieferen Luftschichten mit höherem Luftdruck und bei kälteren Außentemperaturen eine größere maximale Tragkraft. Die Hülle gibt Wärme an die deshalb daran langsam hochstreichende Außenluft ab; zusätzlich strahlt sie Wärme rundum ab, während Sonnenstrahlung von einer Seite erwärmen kann."
(Wikipedia)

 


Pavel Matocha, Mitte, hat immer tolle Ideen

So sieht die Gegend von oben aus, allerdings von weiter oben

Die Ballons sind unterwegs. Der orangefarbenen Ballon rechts unten hat wenig Luft

Blick nach unten

Seitenaussicht

Und hier entsteht schon die nächste Frage: Wie steuert man den Ballon, und: Wie kommt man eigentlich wieder runter?

 

"Es ist nicht möglich, einen Ballon direkt zu steuern. Um auf die Fahrtrichtung und -geschwindigkeit Einfluss zu nehmen, werden die sich in unterschiedlichen Höhen voneinander unterscheidenden Windrichtungen und -geschwindigkeiten ausgenutzt. Durch gezieltes Steigen oder Sinken können Winde so ausgenutzt werden, um sich einem gewünschten Ziel zu nähern.

Durch Betätigung des Brenners wird die Luft in der Hülle erwärmt, wodurch der Ballon steigt. Durch langsames Abkühlen der Luft beginnt der Ballon wieder zu sinken. Ein rasches Sinken des Ballons kann durch das Öffnen des sogenannten „Parachutes“ erfolgen. Der Parachute ist aus demselben Material wie die Hülle und befindet sich an der Spitze des Ballons. Während des Aufrüstens wird der Parachute durch Klettverschlüsse mit der umgebenden Hülle verbunden und geschlossen. Während der Fahrt bleibt der Parachute durch den Druck der aufsteigenden warmen Luft geschlossen. Durch Ziehen an einem Seil kann der Pilot den Parachute öffnen. Dadurch kann warme Luft schnell aus der Hülle entweichen. Durch Loslassen der Leine wird der Parachute wieder durch die warme Luft geschlossen.

Mittels tangentialem Luftaustritt durch Luftschlitze nahe dem Ballonäquator, welche auch „Drehventile“ genannt werden und per Seilzug aus dem Ballonkorb bedient werden, kann ein Ballon um seine Hochachse gedreht werden, etwa um den Korb zur Landung günstig auszurichten oder dem Piloten freie Sicht in die Fahrtrichtung zu gewähren." (Wikipedia)

 

 

Die beiden Höhenflieger vor Partiebeginn. Da sie die Texte oben zuvor nicht lesen konnten, sind sie ganz entspannt.

Martin Petr mit Weiß gegen die Philidor-Verteidigung

 

Petr - Neumann:
 

 

 

Ob und inwieweit die Partie durch die äußeren Bedingungen wie das Schaukeln des Korbes oder Turbulenzen beeinträchtigt wurden, ist nicht bekannt.

 

Nach der Partie, schöne Aussicht

Nun geht es wieder runter

Das ist die Landung

Im Ballon, Luft rauslassen

 

Anežka Kružíková (Mitte) hat die Bilder gemacht

 

Fotos: Anežka Kružíková

 

Prager Schachgesellschaft...

 



André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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