Kortschnoi und Zak beschrieben 3 Sc3 als "einen riskanten Zug, der zu großen Komplikationen führt, bei denen ein einziger ungenauer Zug von beiden Seiten fatale Folgen haben kann". Wenn das die Art von Schach ist, die Sie gerne spielen, sind Sie hier rich
Sie denken das übliche Königsgambit ist verrückt? Versuchen Sie mal dieser Variante. Im dritten Zug, nach 1 e4 e5 2 f4 exf4, spielt Weiß 3 Sc3 – was ..d5 verhindert, aber 3...Qh4+ erlaubt, wodurch der König auf das Brett geschoben wird: 4 Ke2. Das alles ist aber geplant - Weiß spielt den Springer auf f3, um Zeit gegen die Dame zu gewinnen. Kortschnoi und Zak beschrieben 3 Sc3 als "einen riskanten Zug, der zu großen Komplikationen führt, bei denen ein einziger ungenauer Zug von beiden Seiten fatale Folgen haben kann". Wenn das die Art von Schach ist, die Sie gerne spielen, sind Sie hier richtig.
Vor Kurzem erinnerte Johannes Fischer auf ChessBase an Paul Keres (1906–1975), einen der Großen der Schachgeschichte. Als dieser am 5. Juni 1975 in Helsinki auf der Heimreise von seinem letzten (siegreich beendeten) Turnier im kanadischen Vancouver völlig überraschend an Herzversagen starb, kamen zum Trauerzug durch die estnische Hauptstadt Tallinn 100.000 Menschen. Sie nahmen Abschied von ihrem Idol, vom estnischen „Sportler des Jahrhunderts“, an den Straßennamen, Denkmäler und sogar ein Museum erinnern und dessen Konterfei nicht nur auf einer Briefmarke und dem 5-Kronen-Schein, sondern zu seinem 100. Geburtstag auch auf einer 2-Euro-Gedenkmünze zu sehen ist.
Über Jahrzehnte gehörte Paul Keres zur absoluten Weltspitze. Zwar eroberte er nie den WM-Titel – im entscheidenden Moment war er immer nur „der Zweite“ –, doch sehr wohl die Herzen seiner Landsleute mit seinem untadeligen Auftreten und seiner freundlichen Bescheidenheit. Kennzeichnend hierfür mag eine Begebenheit von der Internationalen Deutschen Meisterschaft 1973 in Dortmund sein. Der erste Auftritt des sowjetischen Ex-Weltmeisters Boris Spasski nach seiner Niederlage im Jahrhundertkampf 1972 gegen den Amerikaner Bobby Fischer zog 4500 Zuschauer an. In einer Gaststätte begrüßte jemand freudig Spasski und wandte sich dann an den neben ihm sitzenden (und auch mitspielenden) Keres: „Und Sie sind sicher nur ein Begleiter?“ Was Keres in makellosem Deutsch freundlich bejahte.
Die großen Momente und die kleinen Anekdoten der Schachgeschichte: wer wüsste besser davon zu erzählen als Dr. Helmut Pfleger?
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Beim Turnier in seiner Heimatstadt Tallinn in seinem Todesjahr 1975 gewann er trotz schon starker Gichtbeschwerden vor Spasski. Dieser sagte rückblickend über ihn: „Ich habe Paul Petrowitsch geliebt wie ein Sohn den Vater. Ich halte ihn für die größte Schachpersönlichkeit des 20. Jahrhunderts. Sowohl menschlich als auch was das Schach betrifft.“ Als Spasski mir erzählte, dass Keres mir sehr dankbar gewesen war, weil ich ihn mit Gichtmedikamenten (leider letztlich vergeblich) unterstützt hatte, freute ich mich sehr.
Mit welchem kleinen, feinen Zug gewann Keres als Weißer beim Kandidatenwettkampf 1965 in Riga gegen Spasski?

Zur Kolumne von Helmut Pfleger...
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