Historisches Rätsel: M. Tal vs O. Panno - Die Lösung

22.06.2021 – 1958 gewann Mihail Tal das Interzonenturnier in Portoroz und verblüffte und beeindruckte Schachfans in aller Welt mit seinem kühnen Spiel. Einer der faszinierendsten Siege seiner Laufbahn gelang Tal in Portoroz gegen Oscar Panno, und diese phantastisch komplizierte Partie wurde im Laufe der Jahre immer wieder analysiert und untersucht. Vor einigen Wochen hatte Karsten Müller die ChessBase-Leser eingeladen, sich an dieser Diskussion zu beteiligen, und Zoran Petronijevic hat die Partie noch einmal sehr gründlich unter die Lupe genommen. Aber ist dies tatsächlich das letzte Wort?

Master Class Band 2: Mihail Tal Master Class Band 2: Mihail Tal

Dorian Rogozenco, Mihail Marin, Oliver Reeh und Karsten Müller stellen den 8. Schachweltmeister und seine Eröffnungen, sein Verständnis der Schachstrategie, seine Endspielkunst und nicht zuletzt seine unsterblichen Kombinationen in Videolektionen vor.

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Kompliziert: Tal vs Panno, Portoroz 1958

Tal hat sich auch später noch gern an diesen Sieg erinnert: "Die Partie gegen Panno hat mir großes Vergnügen bereitet und sie wurde als interessantestes Partie des Turniers ausgezeichnet." (Tal, Damsky, V ogonj ataki, Moskau 1978, S. 31).

Zoran Petronijevic: "Die Partie wurde schon oft kommentiert, aber sie ist so komplex, dass diese Analysen trotzdem Fehler und Versehen enthalten. Ich hoffe, dass meine Analysen uns der Wahrheit ein wenig näher bringen. Aber Fehler sind natürlich unvermeidbar."

 

Zusammenfassung

Von Zoran Petronijevic

  • Zum ersten interessanten Moment in der Partie kommt es nach 14.e5, einem zweifelhaften Zug. Besser ist Kasparovs Vorschlag 14.b3, nach dem Weiß klaren Vorteil hat.
  • 19…Sxa1 ist ein Fehler (auf den in bisherigen Analysen noch nicht hingewiesen wurde), nach dem die schwarze Stellung verloren ist. Besser ist 19…Sxd4, was zu gleichem Spiel führt.
  • Nach 23.Be1! (anstelle der Partiefortsetzung 23.Bxf4, die ein Fehler ist, der zu einer ausgeglichenen Stellung führt) steht Weiß auf Gewinn.
  • 23…Txd4 ist die beste Fortsetzung für Schwarz und führt zu gleichem Spiel. Die von vielen Quellen angegebene Alternative 23…cxd4 sollte zum Verlust führen.
  • 26…Lf7 ist der beste Zug. Schwarz erhält bequemes Spiel. Die Alternative 26…Kh8 sieht seltsam aus und wurde von Tal als Fehler angesehen, aber tatsächlich führt der Zug zu ausgeglichenem Spiel.
  • 27…Lg6 ist ein Fehler, nach dem Schwarz auf Verlust steht. Nach 27…Td1 ist die Stellung ausgeglichen.
  • 32.g3 ist ein Fehler, nach dem die Stellung ausgeglichen ist. Besser sind die Fortsetzungen 32.Kh2 oder 32.g4. In beiden Fällen steht Weiß auf Gewinn.
  • Nach 32…Le4 ist die Stellung ausgeglichen.
  • 41…Txe3 wird von allen Quellen als Fehler kritisiert, führt aber zum Remis. Die Alternative 43…Te6 führt ebenfalls zum Remis, da Schwarz eine Festung errichten kann.
  • 45…Kd4 wird von allen Quellen als Fehler bezeichnet, aber führt tatsächlich zum Remis. Alle Quellen geben 45…Txg3 (ein Vorschlag des jugoslawischen IM V. Vukovic) als besser an, aber meine Analysen kommen zu dem Schluss, dass Schwarz dann verliert. Allerdings sollte die Partiefortsetzung 45…Kd5 ebenfalls zum Remis führen.
  • 49…Ta2 ist ein entscheidender Fehler. Mit 49…Te6!! kann Schwarz die Partie retten.

Wenn die Analysen stimmen, dann stand Tal die gesamte Partie über nie auf Verlust und Schwarz hätte mit bestem Spiel höchstens Ausgleich erzielen können.

 


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