Hockenheim auch ohne Karpov erfolgreich

von Wolfgang Galow
10.04.2017 – Der SV 1930 Hockenheim war am Wochenende zu Gast in München. Auch ohne Anatoly Karpov entführte der Tabellenvierte aus dem Rhein-Neckar-Kreis mit einem 5½ : 2½ Sieg die Punkte. Dem jungen schwedischen IM Linus Johansson gelang aber am zweiten Brett gegen GM Rainer Buhmann ein Achtungserfolg.

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FC Bayern München 2½:5½ SV 1930 Hockenheim

Obwohl das Ergebnis am Ende eindeutig das erwartete war, lag während des Wettkampfes lange Zeit durchaus ein Knistern in der Luft. Vier Partien schafften es in eine spannende Zeitnotphase und auch starke Spieler greifen da gerne mal fehl. Ein bißchen Hoffnung schwang noch mit.

Schach in München

Doch der Reihe nach: bereits nach ca. 2½ Stunden akzeptierte Peter Meister (ELO 2359 - Foto unten), der am 7. Brett die schwarzen Steine führte, das Remisangebot von Hannes Rau (ELO 2471).

Kurz darauf streckte Alexander Belezky (ELO 2414) am 4. Brett in einem aussichtslosen Turmendspiel mit nicht zu verhindernder Bauernumwandlung seines ukrainischen Landsmannes Alexander Moiseenko (ELO 2648) nach 40 Zügen die Waffen.

Alexander Belezky

Das war recht schnell gespielt, insbesondere von dem Münchener IM. Ca. 1 Stunde später erkannte Thomas Reich (ELO 2349) am 6. Brett, daß er für seine zwei geopferten Bauern gegen Arik Braun (ELO 2579) keine Kompensation erhält und strich die Segel. Fast zeitgleich kurz darauf einigten sich am achten Brett Dr. Ferdinand Unzicker (ELO 2285 - Foto unten) und Oleg Boguslawski (ELO 2435) nach 29 Zügen, beide mit je einem Turm und einer Leichtfigur sowie vier Bauern auf dem Brett, friedlich.

Nach 3½ Stunden führten die Gäste also bereits mit 3:1 und ihr sicherer Sieg schien sich anzubahnen.

Doch am 2. Brett die kleine Sensation: der junge schwedische IM Linus Johansson (ELO 2399) bezwang den erfahrenen deutschen GM Rainer Buhmann (ELO 2640) nach 36 Zügen. Beide Spieler hatten noch gut 1 Minute auf der Uhr doch der schwarze König war eingesperrt. Bis zu dieser Runde hatte Rainer Buhmann in der laufenden Bundesligasaison nur gegen Vassily Ivanchuk verloren, dafür gegen Luke McShane gewonnen und siebenmal Remis gespielt. Eine hervorragende Partie des 22-jährigen Schweden für den FC Bayern München.

Damit stand es nur noch 3:2 für die Gäste aus Hockenheim und die restlichen drei Partien gingen in die heiße Phase. Heftigen Widerstand gegen die drohende Niederlage leistete Linus' Landsmann Philipp Lindgren (ELO 2420 - Foto unten) gegen Ivan Saric (ELO 2668) mit 2 Türmen und 3 Bauern gegen Turm, Springer, Läufer und 4 Bauern. Weiß versperrte seinen schwarzen Turm auf dasFeld h1 und schloss ihn vom weiteren Mitspiel aus. Nach 44 Zügen war auch der einzige verbliebene Trumpf des Schwarzen, ein Freibauer auf a3, nicht mehr zu halten. Zwischenstand jetzt 2:4.

Eine großartige Leistung zeigte Wolfgang Richter (ELO 2387 – Foto unten) gegen David Baramidze (ELO 2601), der sich mehrfach aus bedrohlicher bis teilweise ziemlich verlorener Situation rettete, sich quasi selbst am Schopfe aus dem Sumpfe zog und nach beinahe 5½ Stunden und 50 Zügen in einem vollkommen ausgeglichenen Turm Endspiel landete.

Baramidze-Richter

Vom 25. bis zum 40. Zug waren beide Spieler in dieser Partie in höchster Zeitnot. Wolfgang Richter hatte einmal nur noch 4 Sekunden auf der Uhr, als er seinen Zug machte. Diese Phase der Partie gibt es als Video im Zeitraffer mit 4-facher Geschwindigkeit hier zu sehen, hier...

Auch wenn der Wettkampf damit nun für den FC Bayern München verloren war und am ersten Brett mit der Partieaufgabe von Michael Fedorovsky (ELO 2497) gegen David Howell (ELO 2665) seinen Abschluss fand – dies war ein spannender Schachttag gewesen. In der Schachabteilung des FC Bayern München werden an die Spieler keine Honorare bezahlt. Deshalb ist seine Amateurmannschaft jedes Jahr von Beginn an im Abstiegskampf.

Am Sonntag, 9. April 2017 spielte man gegen die Mannschaft des SV Griesheim 1976. Da waren 2 Mannschaftspunkte erforderlich, sollte der 12. Platz in der Schachbundesliga und damit der Klassenerhalt geschafft werden.

Auf die gewohnt unterhaltsame wie schachlich-fachlich beeindruckende Art kommentierte GM Klaus Bischoff, mehrfacher Deutscher Einzelmeister, Blitzmeister im Einzel und in der Mannschaft, die laufenden Partien für das Münchner Publikum und die Online-Zuschauer im Internet. Ich persönlich finde, es ist lehrreich und macht immer wieder Spaß, ihm zuzuhören.

Klaus Bischoff kommentiert

Zeitgleich spielten im selben Raum der Reisepartner des FC Bayern München und Aufsteiger in die Bundesliga MSA Zugzwang 82 gegen den SV Griesheim 1976. Beide Mannschaften gehören ebenfalls zum „Favoritenkreis“ für den Abstieg aus der Schachbundesliga. In diesem Wettkampf setzten sich die Münchner gegen das hessische Team mit 5:3 durch.

Und am Sonntag gelang dann auch den Bayern der "Pflichtsieg" über Griesheim.

Fotos: Wolfgang Galow



Schachspieler und Fotograf Internationaler Meister im Fernschach.
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