Hoher Besuch beim Tal Memorial

15.11.2006 – Als Garry Kasparov neulich aus seiner Moskauer Wohnung - gar nicht weit vom Zentral Schachklub entfernt - auf die Straße trat, sah er dort Peter Leko, der den früheren Berufskollegen im Vorbeigehen auch artig grüßte. Das machte den früheren Weltmeister zwar stutzig, ohne dass ihm jedoch ein Grund einfiel, warum der Ungar nun gerade in diesem Moment hier spazieren ging. Als ein paar Häuserecken weiter aber auch noch Alexander Grischuk seinen Weg kreuzte, erinnerte er sich plötzlich, dass ja beim Tal-Memorial ein Kategorie 20 Turnier zugange war - eigentlich eine gute Gelegenheit, mal wieder etwas Schachluft zu schnuppern. Gestern also macht der "Meister" dem Turnier seine Aufwartung: Misha Savinov berichtet. Mehr...

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Kasparov beim Tal Gedenkturnier
Von Misha Savinov

In der siebten Runde wurde das Tal-Gedenkturnier von Garry Kasparov besucht. Kasparov wohnt ganz in der Nähe des Zentralschachklubs – ungefähr 10 entspannte Gehminuten entfernt. Ein paar Tage zuvor wurde er von Leko in der Nähe seines Hauses begrüßt und wusste nicht, was los war. Erst als er Grischuk in der gleichen Straße begegnete, fiel Garry schließlich wieder ein, dass das Kategorie 20 Turnier begonnen hatte.


Treffen mit der berühmten Schiedsrichterin Vera Tikhomirova und Yury Averbakh

Er kam gegen 18:30 Uhr an, als die Partien sich der ersten Zeitkontrolle näherten.


Im Büro des Russischen Schachverbands

Eine Partie war bereits vorbei – die Führenden, Ponomariov und Aronian, hatten einen unterhaltsamen Spanier Remis gemacht, wobei ein Bauern- und zwei Qualitätsopfer zu sehen waren.

Der 13. Weltmeister wurde von Alexander Bakh und Alexander Roshal herzlich empfangen.


Lange nicht gesehen – mit Alexander Bakh


Im Gespräch mit Yury Razuvaev

Er besuchte den Spielsaal ...


Im Spielsaal

 ... und den Entspannungsraum für die Spieler, und ging dann weiter zum Technikraum, wo Wettkampfkommentator Alexander Motylev an seinen Online-Kommentaren feilte. Motylev bot Kasparov sofort seinen Platz an. Alle versammelten sich um die Großmeister, um jedes Wort des zurückgetretenen Champions aufzufangen.


Also, was haben wir hier?


Nehmen Sie Platz, Garry Kimovich

 

Schachgefühle, die wir so sehr vermissen:

Kasparov, der von zwei alarmiert wirkenden Bodyguards begleitet wurde, war völlig entspannt und genoss jede Minute seines improvisierten Kommentars. Er widmete Ponomariov-Aronian nicht viel Aufmerksamkeit, sondern konzentrierte sich vor allem auf die spannenden Partien Carlsen-Leko und Grischuk-Shirov. Was die Partie Gelfand-Svidler betraf, so erklärte Kasparov, dass der weiße Mehrbauer und die beherrschende Stellung des Weißen die Partie sehr uninteressant machen würden, und bezeichnete Svidlers Spiel in diesem Turnier als ‘faul’. Bald gab Peter auf und Boris Gelfand kam ebenfalls in den Technikraum und blieb dort etwa 20 Minuten.


Eine Diskussion über Lekos Stellung mit Arshak Petrosian


Ankunft von Boris Gelfand

Unterdessen erreichte Peter Lekos Beherrschung des Bretts gegen Carlsen ihren Höhepunkt. Im 35. Zug entdeckte Kasparov 35…Txf3!?, was zwei Bauern für die Qualität und ausgezeichnete Gewinnchancen eingebracht hätte. Er war sehr enttäuscht, als Leko diese Möglichkeit übersah. Nach der Zeitkontrolle verflüchtigte sich der Vorteil des Ungarn und die Partie wurde Remis.

Wir haben Garry Kimovich nach seiner Meinung über Carlsen gefragt. Kasparov erklärte, dass er eine Trainingssitzung mit dem Norweger verbracht hätte, und glaubt, dass ‘alles mit diesem Jungen okay sein wird’. Er verwies auf Carlsens solide Einstellung zum Schach und seine bemerkenswerte Fähigkeit, Widerstand zu leisten. ‘Natürlich ist er ein brillanter Taktiker, aber das gilt für alle modernen Spieler.’

– Glauben Sie, dass es klug von Carlsen war, so früh in seiner Karriere an einem so starken Turnier teilzunehmen? – war meine Frage an Kasparov.

– Nun gut, meiner Meinung nach spielt er zu viel, aber es scheint ihre Wahl zu sein, durchs Spielen Erfahrung zu gewinnen und vielleicht hat solch ein Ansatz auch seine Existenzberechtigung …

Grischuk-Shirov war eine weitere interessante Partie. Grischuk opferte eine Figur in der Eröffnung, sammelte ein paar Bauern ein und ging bereitwillig ins Endspiel über, wo seine Damenflügelbauern bald unwiderstehlich wurden. Kasparov lobte sein frühes Spiel, aber war der Ansicht, dass Grischuks Technik nicht ohne Mängel war.

Eine weitere Erinnerung an Kasparovs keineswegs eingerosteten taktischen Blick lieferte die Partie Morozevich-Mamedyarov. Er dachte nicht allzu lange darüber nach, Material eines anderen Spielers zu opfern: 43.Sb7 Sxd1 44.a5! Dies würde sehr schnell zu einem technisch gewonnenen Endspiel für Weiß führen. Morozevich schlug jedoch einen anderen Weg ein. Das änderte nichts an der Bewertung, aber der Moskauer verlor kontinuierlich an Boden an und nach sieben Stunden Spielzeit wurde die Partie Remis …

Die Organisatoren unternahmen einen Versuch, Garry zurück zum Schach zu locken, aber er schlug das Angebot aus am Blitzturnier teilzunehmen:

– Ich könnte nur verlieren, wenn ich zusage. Würde ich schlecht spielen, wäre ich sehr enttäuscht, und wenn ich das Turnier gewinne, würdet ihr Burschen schreiben, dass ich zum Schach zurückgekehrt bin.


"Ich traf Leko in der Nähe meines Hauses und wusste nicht, was los war!"

Er wird bei dem Turnier auch nicht als Zuschauer dabei sein, und zwar aus dem Grund, weil Blitz gespielt und nicht betrachtet werden muss.

Garry verbrachte mehr als zwei Stunden im Zentralschachklub und ging gegen etwa 21 Uhr wieder. Am nächsten Tag reist er nach Kaliningrad – sein politisches Leben ist aktiv wie eh und je.


Kasparov und sein Fan


Beim Treffen mit Schachfans

 

 

 

 

 

 


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