Hybrid-Match Lviv-Berlin

von ChessBase
20.09.2022 – Am kommenden Freitag (ab 17 Uhr) wird online ein Charity Match zugunsten der Kinder in der Ukraine zwischen Spielern aus Berlin und Lviv ausgetragen. Das Berliner Team wird von Niclas Huschenbeth angeführt. Das Match wird als Hybrid-Wettkampf gespielt. Organisator ist die Firma Millenium. Olexandr Prohorov, Präsident des Schachverbandes von Lviv, gibt im Interview Auskunft über die Situation in der Stadt.

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Pressemitteilung

Charity-Match Lviv-Berlin

Ein Benefiz-Hybrid-Match zwischen der ukrainischen Stadt Lemberg (Lwiw) und der deutschen Hauptstadt Berlin am 23. September wird einige der bekanntesten Figuren des deutschen und des ukrainischen Schachs zusammenführen, ohne dass sie einander direkt begegnen. Das Match wird das erste auf elektronischen Schachbrettern gespielte Match zweier Mannschaften aus verschiedenen Ländern.

Das erste Brett der Berliner Mannschaft wird Großmeister Niclas Huschenbeth hüten, die Ukrainer werden von Volodymyr Vetoshko angeführt werden. Angelika Valkova, gebürtige Ukrainerin, wird das Match moderieren und auf ihrem Twitch-Kanal live übertragen, unterstützt von Georgios Souleidis aka The Big Greek, auf dessen Twitch-Kanal der Stream ebenfalls gezeigt wird.

Das Match findet im Rahmen der Ukraine-Hilfe statt. Die gespendeten Einnahmen kommen der "Hilfe für Kinder aus der Ukraine" von UNICEF zugute.

Hier kann man für die Ukrainehilfe spenden...

 

23. September: Chess for Ukraine

Weltpremiere für den guten Zweck: Ein Benefiz-Hybrid-Match zwischen der ukrainischen Stadt Lemberg (Lwiw) und der deutschen Hauptstadt Berlin am 23. September wird einige der bekanntesten Figuren des deutschen und des ukrainischen Schachs zusammenführen, ohne dass sie einander direkt begegnen. Das Match wird das erste auf elektronischen Schachbrettern gespielte Match zweier Mannschaften aus verschiedenen Ländern.

Das erste Brett der Berliner Mannschaft wird Großmeister Niclas Huschenbeth hüten, die Ukrainer sollen von Wassili Iwantschuk angeführt werden. Georgios Souleidis wird das Match auf seinem Twitch-Kanal live übertragen, unterstützt von Angelika Valkova, gebürtige Ukrainerin, die jetzt in Karlsruhe lebt und ebenfalls einen großen Twitch-Kanal betreibt.

Schon kurz nach dem russischen Überfall auf die Ukraine hatte das Unternehmen Millennium aus München, Hersteller von elektronischen Schachbrettern, vier seiner Turnierbretter nach Lwiw geschickt, ein Zentrum des ukrainischen Schachs, in dem vor Ausbruch des Kriegs mehr als 20 Schachgroßmeister gelebt haben. Auf Anregung des deutschen Journalisten Stefan Löffler war die Idee entstanden, den Ukrainern trotz des Krieges die Teilnahme an hybrid gespielten Matches zu ermöglichen.

Seitdem gab es einige solcher Matches, unter anderem eines zwischen den Ukrainern und Magnus Carlsens norwegischem Club Offerspill, sämtliche online gespielt. Ein Match auf elektronischen Brettern wie in der Hybrid-Liga hatte sich bislang nicht ermöglichen lassen. Das wird sich nun ändern. Der Termin 23. September ist fest verabredet, die Uhrzeit ist noch nicht fix. Gespielt wird an vier Brettern doppelrundig, Schnellschach 25+10.

Beide Seiten basteln noch an ihrer Aufstellung. Auf deutscher Seite wird Niclas Huschenbeth ein Berliner Team von Schachmeistern anführen. Die Ukrainer würden dem deutschen Großmeister am ersten Brett gerne Wassili Iwantschuk vorsetzen. Der einstige Weltranglistenzweite sei sehr offen und interessiert, Hybridschach auszuprobieren, habe aber aufgrund anderer Verpflichtungen noch nicht zugesagt, heißt es aus Lemberg. „Ich arbeite daran“, sagt Mitorganisator Oleksandr Prohorov.

Das freundschaftliche Match wird einen Benefizcharakter tragen. Spenden sollen der Ukraine zugutekommen, der genaue Zweck wird in Absprache mit den Ukrainern noch festgelegt.

"Wir kämpfen, wir bekommen viel Hilfe, wir haben Erfolge"

Für Olexandr Prohorov, Präsident des Schachverbands von Lwiw, hat das Benefiz-Hybrid-Match gegen Berlin gut eine Woche vor dem Start der Partien schon begonnen – mit einem Rückschlag: Sein bester Mann fällt mit höchster Wahrscheinlichkeit aus. Wassili Iwantschuk, ehemalige Nummer zwei der Welt, hätte gerne am ersten Brett für seine Heimatstadt die neue Spielform im ersten internationalen Match ausprobiert, aber der 53-Jährige hat ein Angebot, bekommen, das er nicht ablehnen konnte. Iwantschuk ist Teil des Feldes im nächsten Turnier der Carlsen-Tour (18. bis 25. September).

Olexandr Prohorov

Die Uhrzeit für das Benefiz-Match Lwiw versus Berlin am 23. September steht jetzt fest: Die erste Runde beginnt um 17 Uhr, gespielt wird Schnellschach 25+10 an vier bzw. acht Millennium-Turnierbrettern (vier in Berlin, vier in Lwiw). Die zweite Runde beginnt um 18.30 Uhr. Georgios Souleidis und Angelika Valkova begleiten das Geschehen im Live-Stream, voraussichtlich inklusive Gesprächen mit den Spielern.

Das Match wird Ukraine-Projekte des Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) unterstützen.  UNICEF versorgt geflüchtete Familien in der Ukraine und den Nachbarländern mit dem Nötigsten, richtet Anlaufstellen ein, verteilt lebensrettendes medizinisches Equipment. Alle Spenden werden in voller Höhe an die Ukraine-Projekte weitergeleitet. Wer spendet, bekommt via betterplace.org auf Wunsch eine Spendenquittung.

Beide Seiten haben jetzt (noch vorläufig) ihre vier Spieler benannt. Für Berlin wird GM Niclas Huschenbeth spielen, IM Steve Berger, IM Alexander Lagunow sowie FM Clemens Rietze. Sicher ist, dass das Berliner Quartett gegen die ukrainische Auswahl einen schweren Stand haben wird, obwohl deren bester Mann anderweitig beschäftigt ist. Teamchef Prohorov will drei GM an die Bretter schicken und einen jungen IM.

IM Danyil Mosesov (19) wird das Nesthäkchen des erfahrenen ukrainischen Teams sein. Die GM Volodymyr VetoshkoMikhail Kazakov und Schachlegende Oleg Romanishin (70), einstiger WM-Kandidat, besetzen die anderen Bretter. Zusammengetrommelt hat sie Olexandr Prohorov, mit knapp 2100 Elo selbst ein veritabler Spieler.

Im internationalen Schach ist der 39-Jährige mehr als Organisator, Schiedsrichter und Funktionär bekannt. Als solcher ist Prohorov derzeit vor allem damit beschäftigt, das Schach in seiner Heimat wiederzubeleben, wie er im Gespräch erklärte:

Olexandr, wie geht es dem Schach in der Ukraine?

Das liegt brach, mehr oder weniger. Viele Spielerinnen und Spieler, Topspieler vor allem, haben das Land verlassen, und dieser Status wird sich nicht so bald ändern. Für Männer zwischen 18 und 60 gilt ein Ausreiseverbot. So lange das gilt, können sie schlecht zurückkommen.

Gibt es für ukrainische Spitzensportler und Profis keine Genehmigungen, im Ausland ihrem Beruf nachzugehen?

Die gibt es nur für offizielle Turniere, die Schacholympiade etwa oder die Europameisterschaft. Für die Teilnahme an privat organisierten Turnieren würde unser Sportministerium nie eine Genehmigung ausstellen.

Du bist und bleibst in Lwiw.

Und ich versuche hier, jetzt erste Wettbewerbe zu organisieren, damit in der Ukraine wieder Turnierschach gespielt wird. Unser Hybrid-Benefiz-Match am 23. September ist ein Baustein davon. Ein anderer war das Turnier, das wir am Unabhängigkeitstag in Kyiv auf die Beine gestellt haben. Am 24. und 25. September werden wir, wieder in Kyiv, ein stark besetztes Schnellturnier ausrichten. Dafür habe ich sogar ein wenig Preisgeld aufgetrieben, 2.000 Euro. Für dich mag das nicht nach viel klingen, aber hier unter den gegenwärtigen Umständen ist das eine sehr ordentliche Summe. Ich hoffe, dass mittelfristig wieder offizielle Turniere möglich sind, Jugendturniere und natürlich das Superfinale der ukrainischen Meisterschaft.

Die Idee fürs Hybrid-Match ist schon vor einigen Monaten entstanden.

Ja, etwas Neues, eine Möglichkeit, sich international zu messen, außerdem etwas, das einige Aufmerksamkeit bekommen wird – und das für einen guten Zweck. Eine tolle Sache, für uns eine Gelegenheit. Die Millennium-Bretter herzubekommen, war allerdings gar nicht einfach. Und anfangs stand natürlich die Frage im Raum, ob es sicher ist.

Ist es das?

Im März hat es uns in Lwiw einige Male getroffen. Das hat sich jetzt geändert. Hier im äußeren Westen der Ukraine, mehr als 1000 Kilometer von der Front entfernt, ist die Stadt zwar voll mit Geflüchteten, aber es ist ruhig. Es werden nicht während des Matches plötzlich die Luftsirenen heulen. Vor drei Wochen beim Turnier in Kyiv sah das anders aus. Es war klar, dass die Russen an unserem Unabhängigkeitstag viele Raketen schicken werden.

Stimmen dich die Erfolgsmeldungen der vergangenen Tage optimistisch?

Ich glaube, dass der Krieg noch Jahre dauern wird. Aber wir kämpfen, wir wehren uns, wir bekommen viel Hilfe, und wir haben Erfolge.

Lwiw ist eigentlich eine Schachstadt.

Ja, normalerweise leben hier 23 Großmeister: Ivanchuk, die Muzychuks, Romanishin, Beliavsky und so weiter, viele berühmte Leute. Aber in dieser besonderen Lage weiß gerade niemand, wer sich wo aufhält. Trotzdem, wir werden vier starke Spieler aufbieten. Technisch ist alles vorbereitet, ein schönes Spiellokal haben wir auch gefunden, die „Physical Culture University“.

Gibt es keinen Schachclub in Lwiw?

Keinen mit Räumlichkeiten. So etwas gab es, aber die Behörden nutzen das Gebäude jetzt anders, eine andere Geschichte. Das Schach in Lwiw hat seitdem jedenfalls keinen festen Ort. Aber es gibt einige schöne alte Gebäude hier, die wir für Schachveranstaltungen nutzen können.

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