Im Gespräch: Schachhistoriker Michael Negele

von ChessBase
25.02.2026 – Michael Negele gilt als einer der angesehendsten Schachhistoriker der Welt. Er hat zahlreiche Aufsätze zur Geschichte des Schachs veröffentlicht und war treibende Kraft, Koordinator und Mitherausgeber der umfangreichen englischen und der deutschen Biographien über Emanuel Lasker. Im Gespräch mit ChessBase verrät er, was ihn an Schachgeschichte fasziniert und spricht unter anderem über die Entstehungsgeschichte der Lasker-Bände und seine schwierige Freundschaft zu Dr. Robert Hübner.

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Biographische Notiz über Michael Negele

Text: André Schulz

Michael Negele stammt aus Trier und wurde dort am 22. Februar 1957 geboren. Nach der Schulausbildung studierte er Chemie und schloss das Studium mit der Promotion ab. Michaele Negele wurde für die Bayer AG im Management tätig und lebte nun in Wuppertal.

Negeles besonderes Interesse im Schach gilt der Schachkultur und der Schachgeschichte. Auf diesem Gebiet unternahm er eine Vielzahl von Forschungen, entdeckte neue und vergessene Quellen und förderte zahlreiche Ergebnisse zu Tage. Mit seinen Aufsätzen, die er in "Karl" oder "Schach" veröffentlichte, und einer Reihe von Vorträgen über seine Forschungsergebnisse oder unbekannte Aspekte der Schachgeschichte machte Negele sich auch international einen Namen und arbeitete eng mit den Schachhistorikern in der Ken Whyld Association zusammen.

Negele war federführend bei der Herausgabe der Emanuel-Lasker-Biografie beteiligt, die 2009 zuerst in einer großformatigen deutschsprachigen Ausgabe veröffentlicht wurde und danach in einer überarbeiteten dreibändigen englischen Ausgabe erschien.

In seinen Würdigungen der historischen deutschen Schachmeister hat sich Negele  keineswegs nur auf Emanuel Lasker beschränkt, sondern in Aufsätzen auch beispielsweise die Leistungen der Meister Adolf Anderssen, Tassilo von Heydebrand und der Lasa und seinen Berliner Schachfreunden aus dem Kreis der Plejaden oder Richard Teichmann gewürdigt. 

Besondere Verdienste erwarb sich Negele auch mit seiner Erforschung des Lebensweges von Sonja Graf. Die deutsche Schachmeisterin war vor dem Zweiten Weltkrieg hinter Vera Menchik zeitweise die zweitbeste Frau im Schach, spielte mit der Engländerin einen Wettkampf um die Weltmeisterschaft und verpasste bei der Frauen-Weltmeisterschaft 1939 in Buenos Aires als Zweite nur knapp den Sieg. Sonja Grafs Lebensweg wäre ohne die Bemühungen von Michael Negele so gut wie vergessen geblieben.

Veröffentlichungen

Jahr Titel Publikation Inhalt/Thema
1998 Ohne Angst vor der Chicago-Variante Kaissiber Nr. 8, S. 25 Betrachtung der Chicago-Variante im Morra-Gambit der Sizilianischen Verteidigung.
1999 Moodys aberwitziges Läufermanöver Kaissiber Nr. 12, S. 72-74 Analyse eines speziellen Läufermanövers im Evans-Gambit.
2000 Weil, so schließt er messerscharf, nicht sein kann, was nicht sein darf Kaissiber Nr. 15, S. 23-60 Untersuchung der Goldman-Variante in der Caro-Kann-Verteidigung.
2002 Jenseits des Stumpfsinns Kaissiber Nr. 18, S. 50-54 Betrachtung der Abtauschvariante in der Französischen Verteidigung.
2002 Das Verbrechen des Mr. H(e)yde Kaissiber Nr. 18, S. 22-49 Not in source
2003 Der Mann, der Aljechins Verteidigung erfand Kaissiber Nr. 19, S. 54-63 Beitrag über Michael H. Kljazkin und die Ursprünge der Aljechin-Verteidigung.
2003 Vorwort / Preface Moravian Chess (Olomouc), Reprint 'Die Brüderschaft' Einleitung zum Reprint des schachlichen Wochenblattes 'Die Brüderschaft' (1885/1886).
2004 The King of Collectors and his Peers KARL 1/2004, S. 32-36 Streifzug durch die bibliophile Schachsammlerszene der USA, u.a. John G. White und Dr. Albrecht Buschke.
2004 Helles Licht wirft scharfe Schatten KARL 4/2004, S. 62-63 Rezension bzw. Beitrag zu einer Tarrasch-Biographie.
2004 Per Fernstudium zum Großmeister KARL 2/2004, S. 42-47 Die Bedeutung des Fernschachs für die Entwicklung von Paul Keres.
2004 Schicksal eines „Fräuleinwunders“ KARL 3/2004, S. 28-34 Biografischer Artikel über den Lebensweg der Schachmeisterin Sonja Graf-Stevenson.
2004 Der Krieg der Tinte KARL 4/2004, S. 32-36 Analyse der Rivalität zwischen Steinitz und Zukertort/Hoffer (Ink War).
2004 Foreword Moravian Chess (Olomouc), Reprint 'Kenneth Whyld Chess Reader' Geleitwort zum Reprint der Werke von Kenneth Whyld.
2005 “Mein Feld ist die Welt“ KARL 1/2005, S. 22-27 Historischer Rückblick auf die Schacholympiade von Hamburg 1930.
2005 Master of Darkness KARL 2/2005, S. 14-19 Biografie und Karriere des Blindschach-Experten George Koltanowski.
2005 Two Minors Masters KARL 4/2005, S. 24-27 Die Geschichte der Freundschaft zwischen C.H.O'D. Alexander und P.S. Milner-Barry, inkl. ihrer Arbeit in Bletchley Park.
2005 Burn-Out-Syndrom? SCHACH 4/2005, S. 4-5 Leserbrief zur Buchrezension der Amos Burn Biografie.
2005 Echolot I: Wunder gibt es nie mehr wieder SCHACH 10/2005, S. 56-61 Untersuchung des Phänomens der Wunderkinder im Schach.
2005 Erlesene Geschichte(n) I SCHACH 12/2005, S. 56-61 Geschichten über Tarrasch, Burn, Janowski, Zukertort und Nimzowitsch.
2005 Vorwort (zur deutschen Ausgabe) Exzelsior Verlag (Berlin), 'Der Großmeister aus Lublin' Einleitung zur Biografie von Johannes Hermann Zukertort.
2006 Fjodor Bohatyrtschuk - Kleiner Recke zwischen den Fronten KARL 1/2006, S. 28-35 Biografie des ukrainisch-kanadischen Meisters und Radiologen Fjodor Bohatyrtschuk.
2006 Die Dame ist am Zug SCHACH 2/2006, S. 30-38 (Echolot II) Betrachtung der Rolle der Frauen im Schach und gesellschaftliche Entwicklungen (Kondratjew-Zyklen).
2006 Jenseits des Zufalls KARL 2/2006, S. 36-45 Porträt von François Le Lionnais.
2006 Es lebe der Optimismus und die … Morgengymnastik KARL 3/2006, S. 16 Nachruf auf Rolf Reinhardt.
2006 Schwanengesang an der Limmat KARL 3/2006, S. 38-43 Bericht über Aaron Nimzowitschs letzten großen Auftritt in Zürich.
2006 Erlesene Geschichte(n) II: (K)ein Ständchen zum Geburtstag SCHACH 6/2006, S. 36-44 Streifzug durch die Geschichte deutscher Schachzeitschriften.
2006 Samuel Rosenthal, der Pariser „Schach-Impresario“ KARL 4/2006, S. 31-39 Biografie des polnisch-französischen Schachmeisters Samuel Rosenthal.
2006 Introduction Moravian Chess, 'Kenneth Whyld Chess Christmas Series' Einführung in die Weihnachtsserie von Kenneth Whyld.
2006 Erlesene Geschichte(n) III / Ist der Schachspieler ein Kulturmensch? SCHACH 10/2006, S. 1-4 Betrachtung über Schach als Kultur im Sinne von Freud, Rezensionen zu Nimzowitsch und Baden-Baden 1870.
2006 Sind Sammler glückliche Menschen? oder Der Fuchs und die Trauben SCHACH 2/2016 (bezugnehmend auf Besuch 2015), S. 46-56 Sammlerleidenschaft, Besuch in Bamberg und die Schätze von Lothar Schmid.
2006 Erlesene Geschichte(n) III: Ist der Schachspieler ein Kulturmensch? SCHACH 10/2006, S. 50-53 Not in source
2007 Am Ende einer Ära … Der Jubiläumskongress des Deutschen Schachbundes in Magdeburg im Jahre 1927 KARL, Heft 3/2007, S. 19ff Historischer Rückblick auf den DSB-Kongress in Magdeburg 1927.
2008 Serendipity (Bericht über Lasker-Scrapbooks) KARL, Heft 1/2008 Fundbericht über Dokumente in der Cleveland Public Library zu Emanuel Lasker.
2009 Emanuel Lasker: Denker, Weltenburger, Schachweltmeister Exzelsior Verlag Berlin, 1079 Seiten Umfassende Monografie über das Leben und Werk des zweiten Schachweltmeisters Emanuel Lasker.
2009 Emanuel Lasker – Denker, Weltenbürger, Schachweltmeister Exzelsior Verlag, Berlin Umfassende Monographie über Dr. Emanuel Lasker (Mitherausgeber und Redakteur).
2010 Märchen oder Albtraum? oder Von Helden, die auszogen, das Fürchten zu lernen SCHACH, Heft 1/2010, S. 60ff Bericht über die Entstehungsgeschichte des Lasker-Buches.
2011 Echolot III (Etappen des Niederganges / Das Schach der Zukunft) SCHACH, Heft 8/2011, S. 2-12 Betrachtung über Schachreformvorschläge (Capablanca, Lasker) und die kulturelle Bedeutung des Spiels.
2011 Daniel Willard Fiske - An American Pioneer of Chess Book Collecting Präsentation KWA Cleveland, August 2011 Vortrag über Fiske und das verschollene Rou(x)-Manuskript.
2012 Historischer Abriß über Blindschach-Rekorde In: Schauspiel des Geistes Geschichte und Rekorde im Blindfold Chess.
2013 Phänomen Blindschach - Ein Schauspiel des Geistes Präsentation beim ČEZ CHESS TROPHY 2013, Prag Vortrag zur Geschichte und Psychologie des Blindschachs von den Anfängen bis Marc Lang.
2014 Spirit of Saint Louis SCHACH 10/14, S. 5-25 Bericht über den Sinquefield Cup 2014, Interview mit Rex Sinquefield und Bobby Fischer Ausstellung.
2015 Der tschechische Schachzug SCHACH 11/2015, S. 56 (Beitrag) Dokumentation des Prager Schachzugs 2015.
2015 Schach blüht aus den Ruinen. Wiederbelebung des organisierten Schachs in der BRD bis 1955 Vortrag/PDF, Symposium 'Schach (in) der DDR' Dresden Revitalisierung des Schachs in Westdeutschland nach dem Krieg.
2015 The Mess with Marx and some other Trier Chess Gossip Vortrag/PDF, CCI-Treffen Trier Schachgeschichte und Anekdoten aus Trier mit Bezug zu Karl Marx.
2015 Der wohl bedeutendste deutsche Schachmeister, -sammler und -schriftsteller im 19. Jahrhundert Deutscher Schachbund (online), 17.10.2015 Beitrag über eine bedeutende Person der deutschen Schachgeschichte.
2015 Reinhold Max Blümich (* 3. November 1886 in Leipzig) Deutscher Schachbund (online), 03.11.2015 Biografischer Beitrag.
2015 Gustav Richard Ludwig Neumann Deutscher Schachbund (online), 15.12.2015 Biografischer Beitrag.
2016 Fritz Riemann Deutscher Schachbund (online), 02.01.2016 Biografischer Beitrag.
2016 Ein deutscher Vorkämpfer des Schachs im Ausland Deutscher Schachbund (online), 22.02.2016 Schachhistorischer Beitrag.
2016 Berliner Fenstersturz – das tragische Ende eines Exzentrikers Deutscher Schachbund (online), 04.03.2016 Historische Anekdote/Biografie.
2016 In der vollen Blüte des Lebens … Deutscher Schachbund (online), 16.04.2016 Schachhistorischer Beitrag.
2016 Ein Mecklenburger Jude schuf die Grundlage der modernen Endspieltheorie Deutscher Schachbund (online), 10.05.2016 Beitrag zur Endspieltheorie und Geschichte.
2016 W.M. Popert - ein „verschollener“ Begründer hanseatischer Schachtradition Deutscher Schachbund (online), 11.06.2016 Biografischer Beitrag.
2016 Paul Lipke – Ein mitteldeutscher Schachgigant der „goldenen“ Dekade Deutscher Schachbund (online), 30.06.2016 Biografischer Beitrag.
2016 „Materialien zur kulturellen Bedeutung des Schachspiels“ – ein Fazit Deutscher Schachbund (online), 30.07.2016 Kulturgeschichtliche Zusammenfassung.
2016 Dr. Max Lange – Der Bund verdient denjenigen Verwalter, den er sich wählt … Deutscher Schachbund (online), 08.08.2016 Beitrag über Max Lange und die DSB-Verwaltung.
2016 Conrad Woldemar Graf Vitzthum von Eckstädt Deutscher Schachbund (online), 27.08.2016 Biografischer Beitrag.
2016 Auswertung der Umfragen zur Schachgeschichte Deutscher Schachbund (online), 18.09.2016 Analyse historischer Daten.
2016 Sieben auf einen Streich – die Plejaden Deutscher Schachbund (online), 16.10.2016 Schachhistorischer Beitrag (Berliner Siebengestirn).
2016 Genug des Stumpfsinns, Remis … Richard der Fünfte kam aus Altenburg Deutscher Schachbund (online), 23.12.2016 Beitrag über Richard Teichmann.
2017 Paul Felix Schmidt - A Winning Formula / Meisterhaftes aus der Retorte Exzelsior Verlag, Berlin Bilinguale Biografie des deutsch-estnischen Meisters und Chemikers Paul Felix Schmidt.
2017 Jäger der verschollenen Schätze SCHACH 2/2017, ab S. 58 Leidenschaften der Schachsammler und der Römmig-Nachlass.
2018 Emanuel Lasker Volume I: Struggle and Victories Exzelsior Verlag Berlin Erster Teil der englischsprachigen Lasker-Trilogie, Biografischer Kompass 1868-1901.
2020 Emanuel Lasker Volume II: Choices and Chances Exzelsior Verlag Berlin, 464 Seiten Zweiter Teil der Lasker-Trilogie, Fokus auf Mind Games und Biografie 1902-1914.
2022 Emanuel Lasker—Volume III: Labors and Legacy Exzelsior Verlag, Berlin, 480 S. Dritter Band der Lasker-Monographie (Schach, Philosophie und Psychologie).

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Michael Negele bei ChessBase...


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