Im Winter in den Karpaten

24.02.2012 – Als es Anfang Februar in Deutschland so richtig kalt wurde, waren auch die Hügel und Täler der Karpaten von meterhohen Schneedecken bedeckt - keine schlechte Zeit, um in gut geheizten Räumen Schach zu spielen. Tatsächlich hatte der rumänische Schachverband genau zu dieser Zeit seine Landesmeisterschaften für Männer und Frauen terminiert - in Iasi, im Osten Rumäniens. Einige Spieler bzw. Spielerinnen reisten von weit an, wie unsere Berichterstatterin Alina L'Ami und wurden Zeugen besonderer Probleme. Die großen Mengen von Schnee hatten das moderne Transportwesen komplett lahm gelegt. Der gute alte Pferdeschlitten kam wieder zu Ehren. Der guten Laune tat das jedoch keinen Abruch. Die Titel gewannen Vladislav Nevednichy und Cristina FoisorZum Rumänischen Verband...Bericht, Impressionen, Partien...

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Im Winter in den Karpaten
Von Alina L'Ami

 

Der Schnee verursacht Chaos in Rumänien, das ganze Land liegt unter Schnee begraben, die weiße Naturgewalt führt zu endlosen Schneestürmen, in Dörfern, die dem weißen Albtraum zum Opfer fielen, laufen Leute auf Dächern... das sind nur ein paar Schlagzeilen, die den gesamten Februar hindurch die Medien beherrschten – und dies waren noch die weniger pessimistischen.

 

Seit 1954 hat unser Land keinen so strengen Winter erlebt! In Anbetracht dieser Umstände ist es ein Wunder, dass die Rumänischen Landesmeisterschaften überhaupt stattgefunden haben, dazu noch im Herzen des winterlichen Unwetters. Sarata Monteoru (eine kleine Ortschaft in der Gemeinde Buzau), der Ausrichter der Landesmeisterschaft, war eingeschneit, es herrschte Alarmstufe Orange, die Strassen waren gesperrt und die Stromversorgung teilweise zusammengebrochen.

 

Diese Umstände zwangen manche Spieler, ihre Hoffnungen auf Teilnahme an der Landesmeisterschaft aufzugeben – sie kamen einfach nicht zum Turnier und mussten ihre Reise dorthin abbrechen und nach Hause zurückkehren.

 

Glücklicherweise konnte unser Bus die engen Einbahnstrassen gerade noch rechtzeitig passieren ohne durch die Straßensperren der Polizei aufgehalten zu werden. Da waren wir also: bereit zum Kampf gegen den Schnee und um die Medaillen!

 


Logistikprobleme: Wenn die Technologie versagt, dann sind alte Verkehrsmittel am verlässlichsten: in diesem Fall der Pferdeschlitten! 


Seit dem Ende des Kommunismus hat Rumänien enorme Veränderungen erfahren; aber am Fuße der Karpaten scheint das Leben immer noch so zu verlaufen wie seit Jahrhunderten. Und genau das half uns bei unseren Problemen.


Wenn Sie glauben, die einzigartige Reise hätte lediglich Auswirkungen auf unser Gepäck gehabt, und wenn Sie meinen letzten Bericht nicht gelesen haben, dann ist es Zeit, Sie ein wenig neidisch zu machen.

 


Auf dem Weg zum Turniersaal!

Ein rumänisches Sprichwort lautet: "Der Teufel ist nicht so schwarz, wie es scheint"; und der Schnee brachte nicht nur Probleme, sondern auch Freude und Vergnügen. Die Schlittenfahrt war schöner und lustiger, als ich es mir je hätte träumen lassen – es tut so gut, wieder Kind zu sein...



...genau wie diese Kinder, die ganz in der Gegenwart leben und die Nähe
ihrer vierbeinigen Freunde und die Wärme und allzu großen Hüte und Schuhe genießen.
Trotz aller Widrigkeiten: das Leben ist wunderbar und Kinder wissen das!
Foto: Marian Mocanu



Spielsaal des Frauenturniers

 

Die Männer spielten an einem anderen Ort, der ein ganzes Stück von unserem Spielsaal entfernt lag, und das ist auch der Grund, warum ich nicht so viele Bilder vom Männerturnier habe... aller Anstrengungen zum Trotz konnte ich nicht an zwei Orten gleichzeitig sein. Verraten kann ich allerdings, dass es in beiden Turnieren zu heftigen Kämpfen und einer ganzen Menge an Überraschungen kam: so wurden etliche Elo-Riesen von sehr viel niedriger bewerteten Gegnern und Gegnerinnen geschlagen – auch wenn die Elo-Differenz manchmal mehr als 400 Elo-Punkte betrug. Das macht die Sache so spannend und deshalb ist Schach seit Jahrhunderten ungebrochen populär: fast jeder kann gelegentlich ein kleines Genie sein. Und der Kampf um die Goldmedaillen dauerte bis zur letzten Minute und war erst entschieden, als das letzte Partieformular unterzeichnet worden war.


Ioana Gelip

 


Diana-Elena Cusmuliuc


Smaranda Padurariu vs Elena Bulmaga



Vor der Partie gegen meine Freundin Irina Bulmaga


Roxana Anton



Die Villa, in der Spielerinnen meines Vereins wohnten.

Möglich gemacht wurde das durch die Großzügigkeit des Turnierorganisators Mihai Posedaru.


Frische Luft und rote Wangen.

Die Sonne scheint, aber lassen Sie sich nicht täuschen, der Winter ist trügerisch. Der Schlitten stand nicht zur Verfügung und die Autos waren eingefroren, also mussten wir den ganzen Weg zum Turniersaal durch den Schnee laufen.

 


 

 



Natürlich kann ich uns nicht mit den wirklichen Helden vergleichen, aber ein gewisses Hochgefühl stellte sich doch ein, als wir schließlich am Ziel unseres Marsches angekommen waren: dem Spielsaal. Immerhin ist es nicht schlecht, das Gehirn mit Sauerstoff zu versorgen.

 



Hätten mich meine Partien nicht so sehr beschäftigt, dann hätte ich die idyllische Schneedecke, die alles bedeckte, wahrscheinlich mehr genossen.


Tasse Kaffee zwischendurch

 


Traditionelle Dekoration: in der Mitte des Regals sehen Sie zahlreiche Ikonen - Religion war und ist ein wichtiger Teil unserer Kultur.


Irina Bulmaga vs Roxana Anton



Alle hier abgebildeten Teilnehmerinnen spielen für den gleichen Schachverein: Politehnica Iasi, wo ich auch aktives Mitglied bin.


Irina Bulmaga


Elena Bulmaga


Roxana Anton und Georgiana Morea: Warten sie auf den Beginn der Runde oder...


...auf die Feier?!

Constantin Dumitriu, der Präsident des Rumänischen Schachverbands lud alle ein, Schach einen Abend lang Schach sein zu lassen und die nette Gesellschaft, den Wein, das Essen und die Musik zu genießen.

 


Traditionelle Musik


 

Wo in Rumänien man auch ist, Wein gibt es immer, er liegt uns im Blut und ist Teil unserer Kultur. Sie können sicher sein, auch wenn Sie morgens um zehn kommen, als Gast werden Sie immer eingeladen, ein Glas des hausgemachten Göttertranks zu probieren. Das ist einfach ein Zeichen der Wertschätzung und der Wärme für die, die unser Haus betreten. Wenn Sie davon noch nichts wussten, dann liegt das gewiss daran, dass große Mengen dieses himmlischen Getränks nie die Landesgrenzen überschreiten: so sehr lieben wir den Wein :)
 

 

 


Das Buffet

Traditionelle Kleider

Doch vor allem zeigt sich die rumänische Kultur in den Menschen. Museen können Strategien erdenken, um die Vorstellungskraft zu fesseln, aber das erstaunliche Leben dieses Landes findet man nur auf seinen Strassen und in seinen Dörfern. So fragil diese Traditionen auch sein mögen, sie verleihen Rumänien das gewisse Etwas und machen das Land besonders. Und auch wenn diese Traditionen in der heutigen Zeit bedroht sind, so entfalten sie doch immer noch eine heilende Wirkung auf Herz und Seele.




Rumäniens ländliches Erbe ist immer noch lebendig – ein Tor zur unbekannten Vergangenheit Europas. 

 





Georgiana Morea, Elo-Zahl 1882, spielte bei den Herren mit. Sie holte 50%, ein sehr gutes Ergebnis für die 17-jährige!
 





Wer hat behauptet, Schach sei langweilig?! Unsere Vereinsmitglieder amüsieren sich köstlich. Aber jetzt zurück zum Turnier...



Veronica Foisor vs Corina Peptan


Smaranda Padurariu







Familie Foisor: Mutter und Tochter kämpfen Seite an Seite um einen Platz in den Medaillenrängen!

 



Was sonst soll man tun, während man auf den Beginn der Abschlussfeier wartet?!


Die Pokale leuchten.



Der Moment, die Sieger zu verkünden, ist gekommen.



Glückwunsch an Cristina Foisor und Vladislav Nevednichy!

Beide gewannen in der letzten Runde und sicherten sich so den Meistertitel. Trotz harter Bedingungen bewahrten sie Haltung und Gleichgewicht: die letzte entscheidende Partie begann bereits morgens um 9.30!

 

Anders als im Vorjahr, als die Turniersieger vor der letzten Runde bereits mehr oder weniger feststanden, sah es 2012 anders aus: für zahlreiche Spieler waren die Medaillen zum Greifen nah, entsprechend groß waren die Hoffnungen und die Spannung in der letzten Runde. Das Publikum war zufrieden, was ich von mir allerdings nicht behaupten kann. Nachdem ich zuvor in den beiden vorhergehenden Runden mit einem halben Punkt Vorsprung an der Spitze der Tabelle gelegen hatte, musste ich in der letzten Runde mit Schwarz gegen Corina Peptan spielen, die Nummer eins der Setzliste. Ich war nicht sicher, ob ein Remis gereicht hätte, um mir den klaren ersten Platz zu sichern, also beschloss ich, 'All in' zu gehen und verwarf den Gedanken an einen möglichen Friedensschluss. Der Zeitpunkt war verpasst, ich wurde allzu ehrgeizig, strebte die Initiative an und am Ende ging der Punkt an Corina. So ist das Spiel, manchmal gewinnen wir, manchmal verlieren wir. Aber kämpfen tun wir immer!

 

 

 

Die Partien der Männermeisterschaft


 

Die Partien der Frauenmeisterschaft

 

 


 

 


Erster Platz mit 8,5 aus 11: Vladislav Nevednichy!


Erster Platz mit 6,5 aus 9: Cristina Foisor!


Ihre Berichterstatterin als Undercover-Journalistin (im Spiegel!)– auf dem Weg nach Hause

 

 



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