Immer lustig in Tromsø

10.07.2006 – Nachdem Sergey Shipov mit Magnus Carslen den stärksten Konkurrenten besiegen konnte, war der Weg zum Turniersieg in Tromsø frei. Ein Remis und ein Sieg in den letzten beiden Runden sicherten dem Russen das erste Preisgeld. Dritter hinter Shipov und Carlsen wurde Leif Erlend Johannessen. Auf dem vierten Platz landete überraschend der titellose Gunnar Johnsen, der sich auf der Schlussfeier bei den nchplatzierten Großmeistern artig für das Vergehen entschuldigte. Der schwedische GM Ralf Akesson, der gegen Krasenkow ein Matt übersah und auch gegen Dworakowska eine Gewinn vergab, wodurch er noch aus den Preisrängen fiel, war der größte Pechvogel. Zum Schluss unternahmen einige noch einen Ausflug auf einen 450 Meter hohen Berg am Ortsrand von Tromsø und fanden dort...Schnee! Midnight Sun Chess Festival...Bericht von Misha Savinov...

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Shipov gewinnt in Tromsø
Von Misha Savinov


Die Turnier entscheidende Partie: Carlsen gegen Shipov


Magnus weiß, dass es nicht gut für ihn läuft

Nachdem Shipov Magnus Carlsen in Runde Sieben geschlagen hatte, bekam er in der nächsten Runde einen weiteren jungen Norweger zugelost - Johanessen. Das remis zwischen den beiden erlaubte es Carlsen durch einen Sieg über Gullaksen um einen halben Punkt näher an die Spitze heran zu rücken. Die dramatischsten Partien des Tages waren indes Krasenkow-Akesson und Rozentalis-Lie. Beide osteuropäischen Großmeister hatten klare Gewinnmöglichkeiten, doch...

Krasenkow begann großartig und überspielte seinen schwedischen Gegner mit Leichtigkeit. In überlegener Stellung versäumte er es dann aber, den entscheidenden Schlag zu führen. Nach einigen weiteren verpassten Gewinnzügen, entschloss sich Michal seinen König ins gegnerische Lager zu bringen.


Krasenkow-Akesson
war eine dramatische, nein traumatische Begegnung

Mit einem einzigen ruhigen Damenzug hätte Akesson das Blatt völlig wenden können, begnügte sich aber in Zeitnot mit einem Remis.


Ralf Akesson
überlegt

Rozentalis-Lie verlief ruhiger. Aufgrund seines positionellen Übergewichts entschied sich Rozentalis die Ereignisse an einem bestimmten Punkt zu forcieren, was sich als falsch erwies. Schwarz fand eine adäquate Verteidigung. Mit einigen subtilen Zügen am Damenflügel hätte Weiß stattdessen mehr erreicht.


Rozentalis in der Analyse mit
Lie

Da Krasenkow und Rozentalis in Runde 8 es nicht geschafft hatte, ihre Partien zu gewinnen, wurden sie in Runde 9 mit der denkbar schwersten Paarung bestraft: Sie mussten gegeneinander spielen. Shipov bekam Schwarz gegen Lie und Magnus musste gegen einen anderen Teenager im Turnier antreten: Jon Ludwig Hammer. Akesson bekam Weiß gegen Dworakowska.

Die letzte Runde begann schon um 10 Uhr, drei Stunden früher als sonst. Nach einer Stunde endete die Partie zwischen Krasenkow und Rozentalis remis, was beiden ein Ende in der Preisgruppe bescherte, auch wenn der Preis geringer als erwartet ausgefallen war.

Eduardas Rozentalis musste Norwegen wegen eines anderen Turniers in Greichenland schon am Nachmittag verlassen. Zuvor hatte er mir erzählt, wie sehr er das Turnier genossen hatte und das auch sein eher bescheidenes Ergebnis dem keinen Abbruch getan hätte. Wenn das Turnier demnäschte noch einmal ausgetragen werden würde, wäre Eduards gerne wieder dabei.

Magnus Carlssen erreichte gegen Hammer erwartungsgemäß schnell einen Gewinnvorteil.


Hammer
wurde Carlsenized


Magnus
kommt gut durch die Partie

Auch Shipov war schon auf dem Weg zum Sieg gegen Lie. Bei der Vorbereitung hatte Sergey entdeckt, dass Lie immer das gleiche nur halbseriöse Gambit gegen Französisch spielt. Kjeti schaffte es schließlich doch einen gefährlichen Angriff zu entwickeln, aber da befanden sich die Spieler schon in der Analyse.


Analyse Shipov-Johanessen, mit
Joanna Dwprakowska

n der Partie hatte Shipov zuvor keine Mühe gehabt, den Materialvorteil zum Gewinn zu führen. Damit holte er sich den ungeteilten ersten Platz.


Shipov
gewinnt


Rollentausch

War das eine Überraschung? Einer der norwegischen Spieler fragte mich nach dem Turnier, ob Shipov unterbewertet sei. Tatsächlich sagt seine Elozahl nicht viel aus, da er kaum spielt. Sein letztes Turnier liegt über ein Jahr zurück.

Natürlich hatten die Norweger erwartet, dass ihr Star das Turnier beherrschen würde. Aber Magnus' zweiter Platz ist ja keinesfalls eine Enttäuschung. Er spielte stark, übrigens auch im Tischtennis zwischen den Runden.


Magnus Carlsen
beim Tischtennis

Wahrscheinlich ist es sogar gut, dass er das Turnier nicht gewann. So bleibt ihm genug Motivation sich weiter zu verbessern. Seine bereits vorhandenen Fähigkeiten kann man am besten in seiner Partie gegen Johanessen sehen.

Leif Erlend Johanessen wurde Dritter und verlor nur gegen Carlsen eine Partie. Der vierte Platz ging sensationellerweise an den Lokalmatador aus Tromsø, den 2215-Spieler Gunnar Johnsen, der das Glück hatte, gegen keinen der GMs spielen zu müssen und der in der letzten Runde Lars Andreassen (2141) schlug. Johnson entschuldigte sich auf der Schlussfeier bei den höher gewerteten Spielern für diesen Umstand. So ist das eben manchmal bei Schweizer-System-Turnieren.


Evgenia Shipova


Benjamin Arvola, 1541 (
unterbewerte!) spielte sogar an den Topbrettern

Ralf Akesson war sicher der Pechvogel des Turniers. Nicht nur, dass er das versteckte Matt gegen Krasenkow übersah, in Runde neun versäumte er dann noch einen klaren Gewinnweg gegen  Dworakowska. Die Partie endete remis., wodurch die polnischen Großmeisterin noch in die Preisränge kam, während Akesson aus den Preisrängen fiel.


All
e Sieger bei der Preisverleihung


Bilder vom Jugendschachlager

Nach der Preisverleihung unternahmen die Shipovs, Dworakowska, Krasenkow noch eine Exkursion auf den 450 Meter hohen Berg am Stadtrand (OK, mit der Seilbahn, was macht das für schon für einen Unterschied und erfreuten sich einer fantastischen Aussicht. Ich zeige hier die Bilder und lade alle für nächstes Jahr ein, selbst nach Tromsø zu kommen.


Posieren für die Tageszeitung


Hat sich völlig verirrt, dieser Musiker. Immerhin hat er eine ständige Zuhörerin,
die sich das Lied von dem Condor anhört.
 


Warten auf die Seilbahn

Es geht aufwärts


Blick auf den Fjord und einen der berühmten Postdampfer der Hurtig Ruten


Auf dem Gipfel.


romsø
von oben


Ja, es ist Schnee, dort links


Jim Jarmuschs Dead Man lässt grüßen

Endstand:

1. Shipov, Sergei g RUS 2576 7.5
2. Carlsen, Magnus g NOR 2646 7.0
3. Johannessen, Leif Erlend g NOR 2559 7.0
4. Johnsen, Gunnar NOR 2215 6.5;
5. Krasenkow, Michal g POL 2650 6.0
6. Rozentalis, Eduardas g LTU 2596 6.0
7. Lie, Kjetil A g NOR 2493 6.0
8. Gullaksen, Eirik m NOR 2380 6.0
9. Dworakowska, Joanna m POL 2364 6.0
10. Akesson, Ralf g SWE 2472 6.0
11. Pettersson, Tobias SWE 2071 6.0
12. Soraas, Torben NOR 2115 6.0;

62 Spieler

Partien...



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