Impressionen aus Izmir

13.10.2004 – Der diesjährige europäische Vereinswettbewerb fand in Izmir, genauer in Cesme am Mittelmeer statt. Wie in den letzten Jahren bei offiziellen ECU-Veranstaltungen immer der Fall waren die Teilnehmer verpflichtet, sich in dem ausrichtenden Hotel unterzubringen und dafür um 30% höhere Kosten zu übernehmen als bei einer vergleichbaren Pauschalreise. Diese Finanzierungspraxis hat bereits in der Vergangenheit und auch diesmal zu heftigen Protesten geführt. Vereine aus Deutschland und den Niederlanden verzichteten auf die Teilnahme, vielleicht auch aus diesem Grund. Die Meisterschaft selber war auf sieben Runden angesetzt, dauerte aber nur fünf Runden. Danach stellten die Spieler des späteren Siegers NAO den Spielbetrieb ein und schoben mittels Kurzremisen den Sieg nach Hause. Dies ist ebenfalls eine weit verbreitete Praxis, aber dennoch unsportlich und gemäß dem Regelwerk der Fide illegal, denn Ergebnisabsprachen sind verboten. Star der Veranstaltung war Kasparov. Gute Resultate erzielten Arkadij Naiditsch und David Baramidze. Bernd Loo und die Schachfreunde des belgischen Teilnehmers Eynatten berichten. Schachfreunde Eynatten...Impressionen aus Cesme...

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Eindrücke von der Mannschafts-Europameisterschaft 2004 in Cesme



Vom 02.10.2004 bis zum 09.10.2004 fand in der türkischen Kleinstadt Cesme am Ägäischen Meer die Europameisterschaft der Mannschaften statt. Das ausrichtende Hotel Altin Yunus liegt direkt am Jachthafen und bot ausreichend Platz für die 36 Teams bei den Herren und 10 Teams bei den Damen.



Es wurde in drei Räumen gespielt, wobei die Zuschauer hautnah die vorderen Bretter beobachten konnten und insbesondere die Stars, allen voran Kasparov, belagerten.



Zwar funktionierte die Ausrichtung des Turniers reibungslos aber im Vorfeld und während des Turniers gab es heiße Diskussionen, ob es wirklich notwendig ist, dass Vereine und Spieler die Hotelreservierung über den Weltschachverband vornehmen müssen, statt eine preiswertere Pauschalreise mit gleichen Leistungen zu buchen. Für jeden Verein sind die Unkosten für Flug, Bustransfer und Hotel somit um mindestens 30% höher. Vielleicht haben auch wegen dieser Regelung deutsche und niederländische Vereine nicht teilgenommen.

Nach spannendem Verlauf in den ersten Runden, konnte sich bei den Herren der Favorit NAO Paris (Adams, Grischuk, Bacrot, Vallejo Pons, Lautier, Radjabov, Fressinet, Nataf) absetzen und in den Runden 6 und 7 mit Kurzremisen mit 12 Mannschaftspunkten und 31 Brettpunkten den ersten Platz sichern.


Sieger NAO Chess Club: Bacrot, Grischuk, Lautier, Fressinet, Adams, Bologan, Nahed Ojjeh, Radjabov, Vallejo


li.: Lautier, re.: Bologan

Zweiter wurde Bosna Sarajevo (Shirov, Short, Sokolov, Bologan, Movsesian, Kozul, 11 MP, 30 BP) punktgleich mit Ladya Kazan (Russland, Rublevsky, Jandemirow, Timofeev, Filippov, Iljin, Kharlov, 27,5 BP). Etwas enttäuscht landeten das Kasparov-Team Ekatarinenburg (Waganjan, Alexandrov, Beljawski, Sakaev, 11 MP, 25 BP) auf Platz 4 vor dem russischen Meister Tomsk 400 (Khalifman, Smirnov, Inarkiev 10 MP).

Bei den Damen siegt die georgische Mannschaft MTN Tiblissi mit 13 MP vor den beiden St. Petersburger Mannschaften.

Obwohl wie bei 100 anwesenden Großmeistern zu erwarten, auf hohem Niveau gespielt wurde, führte die Zeitregelung (90 Minuten + 30 Sekunden pro Zug) zu einer hohen Fehlerquote in der früh auftretenden Zeitnot. Insbesondere taktisch ausgerichteten Spielern fehlte am Ende die notwendige Bedenkzeit, so dass einige Spieler weit unter ihren Erwartungen blieben.


Garry Kasparov


Vassily Ivanchuk

Das prominenteste Beispiel ist der Weltranglistenerste Garry Kasparov (Elo 2813), der mit 50% (Niederlage gegen Rublewski, Sieg gegen Shirov) und einer Eloperformance von 2635 weit unter seinen Möglichkeiten blieb. Der amtierende Europameister V. Ivanchuk erreichte sogar nur 3 aus 7 Punkten (6 Remis und Niederlage gegen Naiditsch).


Joel Lautier


Etienne Bacrot

Zu den positiven Überraschungen des Turniers gehörte Arkadij Naiditsch, der am Spitzenbrett für den spanischen Clubs Ajedrez Valencia mit 6 aus 7 und einer Performance von 2767 glänzte. Auch Igor Glek (SK Rochade Eupen, Belgien) erreichte 6 aus 7 am 1. Brett, bei einer Eloperformance von 2691. Der Wunderknabe Mamedyarov aus Azerbaidschan, der ebenfalls mit 6 aus 7 an Brett 1 des türkischen Vereins Eczacibasi profitierte offensichtlich von der Bedenkzeitregelung, da er dreimal in remislichen Stellungen noch den vollen Punkt erzielte.


Beste Spieler: Mamedyarov, Naiditsch, Glek

Die insgesamt beste Eloperformance erreichte Konstantin Sakaev (Ekatarinenburg, Brett 3, 2825). Der 16jährige David Baradmize Brett 3 beim belgischen Meister KSK47 Eynatten bestätigte mit 5 aus 7 Punkten (Performance 2596) seinen in Mallorca zu vergebenden Großmeistertitel.


David Baramidze

Bernd Loo, Norbert Coenen, Cesme 11.10.2004
Bilder: Fabrice Wantiez
 

 

 



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